1935

Die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union

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Die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union

1935

Der Text geht auf einen Vortrag zurück, den Barth am Montag, dem 11. Februar 1935, in der Kirchengemeinde Mönchengladbach hielt. Es handelt sich um den ersten Vortrag Barths, der ganz dem Thema «Union» gewidmet ist und es ausführlich behandelt.

Bereits im Oktober 1933 hatte sich Barth dem Redaktionskreis des «Betheler Bekenntnisses» gegenüber positiv zur Möglichkeit einer «Union» zwischen Lutheranern und Reformierten in den aktuellen theologischen Sachfragen geäußert.1 Im Januar 1934 hatte er dann auf der reformierten Barmer Bekenntnissynode in aller Öffentlichkeit gefordert, die konfessionellen «Belange» dem in der Gegenwart notwendigen gemeinsame Bekennen unterzuordnen.2 Die erste Reichsbekenntnissynode entsprach dieser Forderung, indem sie die Barmer Theologische Erklärung als gemeinsames Wort lutherischer, reformierter und unierter Gemeinden verabschiedete.3 Allerdings hatte man zuvor in konfessionell getrennten Konventen über sie beraten und stellte auch nach der Verabschiedung ausdrücklich fest, dass man weder eine Union schaffen noch den Bekenntnisstand der Kirchen aufheben wollte.4 Trotzdem wurden der Barmer Theologischen Erklärung und auch den Beschlüssen der Dahlemer Synode vor allem von lutherischen, aber auch von reformierten streng konfessionell orientierten Kreisen schon während der Beratungen und auch im Nachhinein immer wieder unionistische Tendenzen vorgeworfen, und es kam zu gegenläufigen Bestrebungen besonders von lutherischer Seite.5

698 In dieser Situation hatte Barth bereits im Dezember 1934 eine von Hans Emil Weber verfasste Thesenreihe in Form von neun Fragen mitunterzeichnet:

Ist es wohlgetan, bei der Erörterung der kirchlichen und theologischen Frage der Union die Erinnerung an 1817 und 18356 bestimmend sein zu lassen?

Ist es wohlgetan, bei der Union vor allem, bis zur Ausschließlichkeit, nur die Fehler und Gefahren und die Gegensätze zu sehen, beim konfessionellen Kirchentum aber vor den Fehlern und Gefahren und der inneren Mannigfaltigkeit und den Spannungen mehr oder minder die Augen zu verschließen?

Ist es wohlgetan, die Union für kirchliche Schwierigkeiten und Gefahren verantwortlich zu machen, die gerade auch im konfessionellen Kirchentum brennend sind?

Ist es wohlgetan, das Werden einer die Konfessionsgrenzen überflutenden Arbeits-, Liebes-, Glaubens- und Bekenntnisgemeinschaft gering zu achten?

Ist es wohlgetan, dem unierten Kirchentum, soweit man es anerkennen muss, das Gesetz einer absorptiven Union7 aufzunötigen, das möglichst viel Konfessionsgemeinden herauszulösen gestattet?

Ist es wohlgetan, das Eindringen in das theologisch-kirchliche Problem der evangelischen Union dadurch zu hindern, dass nur die höchst anfechtbaren Grenzfälle einer rein konföderativen Union einerseits, einer absorptiven Union andererseits berücksichtigt werden?

Ist es wohlgetan, die untheologische Rede zu dulden, ja zu pflegen, dass ein auf die Schrift und das reformatorische Verständnis der Schrift (Confessio Augustana) gegründetes uniertes Kirchentum ohne Bekenntnis sei, bloß weil es verschiedenen Sonderbekenntnissen Raum lässt?

699 Ist es wohlgetan, das Eindringen in das theologische Problem des Konfessionalismus, aber auch die theologische Fruchtbarmachung des Konfessionserbes zu hemmen durch juristisch-rationale Fassung der Bekenntnisverpflichtung?

Ist es wohlgetan, zu verkennen, wie evangelische Union den evangelischen Grundsatz der Schrift als Quelle und Norm alles Bekennens wie alles kirchlichen Handelns zur Geltung bringt und so zu echter Würdigung der Bekenntnisse aus der Schrift heraus anleitet?8

In seinem Mönchengladbacher Vortrag, der nach Ernst Wolf «verdeutlicht […], in welchem Sinne Karl Barth» die Thesenreihe «mitunterzeichnen konnte»,9 präsentierte Barth eine eigene, differenzierte Stellungnahme zur Frage der Union oder, wie er selbst schrieb, über «die ewige Frage der Eintracht oder Zwietracht zwischen Lutheranern und Reformierten».10

Termin, Thema und Ort des Vortrags erwähnte Barth erstmals in einem Brief an Walter Hollweg vom 10. Januar 1935.11 Die genauen Umstände, wie es zu dem Vortrag kam, sind jedoch unklar. Eine Rolle für Barths Zusage wird sein Wunsch gespielt haben, bei dieser Gelegenheit «etwas Überblick über die wie es scheint bes[onders] komplizierten Verhältnisse jener Gegend» zu gewinnen.12 Aus einem Brief des dortigen Pfarrers Wilhelm Jarcke13 an Barth vom 1. Februar 1935 geht nur hervor, dass Friedrich Wilhelm Kunze, ebenfalls Pfarrer in Mönchengladbach,14 der Gemeinde Barths Zusage übermittelt hatte. Mög|700licherweise waren Anfrage und Zusage in einem Gespräch zwischen beiden erfolgt. Jarcke teilte Barth nun mit, dass das Presbyterium einstimmig beschlossen habe, ihn um den Vortrag zu bitten, und bekräftigte die Einladung.15 Barth sollte den Vortrag ursprünglich «in einer geschlossenen Versammlung» vor Pfarrern und Gemeindeabgeordneten des Kirchenkreises im Vereinshaus der Kirchengemeinde halten,16 aber wegen des großen Interesses sah sich die Kirchengemeinde genötigt, den «Kreis der Zuhörer […] über den der Gemeindeverordneten hinaus» zu erweitern.17

Barth reiste gemeinsam mit Charlotte von Kirschbaum erst «mittags» zu dem für 15 Uhr 30 angekündigten Vortrag an,18 der im «großen Saale des Vereinshauses, Steinmetzstraße 25» stattfand.19 Wie ­häufiger in dieser Zeit hatte Barth den Vortrag nicht wörtlich ausgearbeitet, sondern sprach mit Hilfe eines zwei eng beschriebene Seiten umfassenden Stichwortmanuskripts, das erhalten ist.20 Ch. von Kirschbaum fertigte eine Nachschrift an,21 die sie bald darauf zu einem elfseitigen, einzeilig geschriebenen Typoskript ausarbeitete.22 Die angekündigte, an den Vortrag anschließende «Aussprache»23 verlief wohl ernüchternd. Ch. von Kirschbaum notierte: «Diskussion versteht d[en] Vortrag nicht, nur W. Loew geht mit».24 Nach einem gemeinsamen |701 Abendessen bei Fr. W. Kunze kam es noch zu einem Gespräch mit dem «Bruderrat», bevor Barth und Ch. von Kirschbaum zurück nach Bonn reisten.25

Eine persönliche Aussprache Barths mit dem im nahen Rheydt als Pfarrer amtierenden Wilhelm A. Langenohl, der aufgrund des Detmolder Beschlusses vom 30. November 1934 das Moderamen des Reformierten Bundes verlassen hatte, konnte dagegen trotz beiderseitiger Bemühungen nicht vereinbart werden.26

Der gleichwohl anwesende Langenohl dankte Barth am Tag nach dem Vortrag für seine Ausführungen: «Weithin weiß ich mich eins mit Ihnen, namentlich in der grundsätzlichen Haltung, die Sie eingenommen haben. Worüber im Einzelnen noch zu sprechen wäre, überlassen wir am besten der Aussprache mit Ihnen hier in Rheydt.»27 Dagegen lehnte Wilhelm Kolfhaus, der Schriftleiter der «Reformierten Kirchenzeitung», Barths Position entschieden ab. Hermann A. Hesse konnte am 15. März 1935, wie er einen Tag später an Barth schrieb, «im letzten Augenblick» verhindern, dass die RKZ einen Artikel über Barths Vortrag mit einem von Kolfhaus verfassten Nachwort abdruckte, und empfahl diesem, zunächst das Gespräch mit Barth zu suchen.28 Barth reagierte umgehend auf Hesses Mitteilung, schloss sich in einem Brief an Kolfhaus der Bitte Hesses an, das im Nachwort Geschriebene «auf keinen Fall in dieser Form in der R.K.Z. zu bringen», und empfahl: «Wenn Sie das was ich in M. Gladbach gesagt habe, schon bringen wollen, dann müsste ich Sie wirklich bitten, das Stenogramm zu bringen, das damals gemacht worden ist und als Manuskript vorliegt, ohne dass ich bisher die Absicht hatte, diesen Gebrauch davon zu machen. |702 Es würde mir dann aber unerlässlich erscheinen, dass Sie auch Ihre ablehnende Stellungnahme viel ausführlicher und genauer umschreiben würden.»29 Kolfhaus gab nach, teilte Barth aber mit, er sei «sehr ärgerlich darüber», dass jetzt auch Barth «– mit von Soden! Lütgert!! – als Fürsprecher der Union» auftrete; es gebe «nichts gräulicheres als Union u[nd] ihre legitime Nachkommenschaft: das deutschchristliche Enfant terrible. Wie können Sie nur?»30

Dass Barth ursprünglich nicht beabsichtigt hatte, den Vortrag zu veröffentlichen, schlägt sich noch in dem Nachwort nieder, das Ernst Wolf, der Herausgeber der «Evangelischen Theologie», dem Abdruck beigab. Barth habe, so Wolf, die Nachschrift auf seine «Bitte hin und nicht ohne Widerstreben […] zur Verfügung» gestellt.31 Möglicherweise trug gerade die Auseinandersetzung mit Kolfhaus dazu bei, dass Barth dem Drängen Wolfs nachgab, konnte er doch durch die Veröffentlichung missverständlichen Zusammenfassungen und Gerüchten über den Inhalt seines Vortrags entgegentreten. Da er mit der Nachschrift als Vorlage für den Druck nicht zufrieden war, nutzte er die Korrektur der Druckfahnen diesmal, um zahlreiche Änderungen vorzunehmen: «Ich habe», schrieb Barth am 3. April an Wolf, «mit Autoren-Korrek|703turen übel gehaust und hausen müssen, um das Ding wenigstens ein bisschen ordentlich zu kämmen. Versäume ja nicht, mir auch die Revision zusenden zu lassen.»32 Der Druck weicht dementsprechend häufig vom Typoskript ab, und die meisten Abweichungen, die im Folgenden in der üblichen Weise ausgewiesen sind, dürften auf die von Barth erwähnte Korrektur zurückgehen. Obwohl viele Änderungen stilistischer Art (z. B. Wortumstellungen) die Eigenheiten mündlicher Rede zurückdrängen, ist der Redestil erhalten geblieben.

Der Vortrag Die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union erschien in EvTh 2 (1935/36), S. 26–44. 📖33 Ein Sonderdruck mit eigener Paginierung wurde angefertigt,34 ein Wiederabdruck erfolgte nicht. Der Edition liegt der Abdruck in EvTh zugrunde, auf den sich auch die eingefügte Originalpaginierung bezieht. Um den textkritischen Apparat zu entlasten, ist im Anschluss an den Editionstext Barths Stichwortmanuskript35 komplett abgedruckt.

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1. Vortragstext: Die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union 1)a

Über die Union sprechen heißtb ein sehr heißes Eisen anrühren oderc in ein Wespennest greifen. Beides soll nicht angenehm sein! Und es soll kirchliche Gegenden geben, wo esd ganz besonders gefährlich ist, dieses Thema anzugreifen. So habe ich mich nicht ganz leichten Herzens entschlossen, alse Redner über dieses Thema gerade in diese Gegend mich rufen zu lassen.36 – Es ist ja so mit der Frage der Union, dass manf immer wieder, wenn man darüber nachdenkt, g-glauben möchte-g, man habe es mit einer Quadratur des Zirkels zu tun. Wenn man es den Einen recht macht, so notwendig den Anderen nicht, und wenn man die eine notwendige Seite der Wahrheit sehen will, h-verliert man die andere aus dem Auge-h. Esi ist auch so mit der Frage der Union: dass man wohl so lange es diese Frage gibt in der evangelischen j-Kirche, einem jeden, der dazu eine Stellung einnimmt, bedeuten kann-j: Sag |705 mir, wie du k-über die Union denkst-k, und ich sage dir, wer du bist. Bei diesem Thema kommt es heraus, wer einer ist. An dieser Frage offenbart sich die Borniertheit des Bornierten und die Verschwommenheit des Verschwommenen. Wiel sollte ich versprechen können, hier als ein Weiser zu reden? Wer kann da bestehen? «Befriedigend»m pflegen hier eigentlich nur die zu reden, die son dran sind, dass sie irgend eine ganz einfache Patent27lösung vorzutragen haben: sei es, dass sie trotzig und bewusst auf dem konfessionellen Standpunkt stehen, sei es, dass sie umgekehrt ebenso bedenkenlos in der Lage sind, sich für die Union auszusprechen. Ich bin weder in der einen noch in der anderen Lage und werde nun versuchen müssen, an die schwere Aufgabe heranzutreten, eben das zu zeigen, warum man wirklich beides nicht kann, und dass wir nun trotzdem als evangelische Christen in der heutigen Zeit uns bestimmte o-kritische und positive-o Gedanken zu machen haben in dieser Sache.p

Es wird wohl der Klärung dienen, wenn ich zunächst einige Selbstverständlichkeiten über die Begriffe vorausschicke. Man versteht unter Union in dem Sinne, in dem das Wort uns hier beschäftigen soll, ganz allgemein die Vereinigung lutherischer und reformierter Kirchen zu einer kirchlichen Gemeinschaft. Das kann sehr Verschiedenes bedeuten: eine bloß äußere Interessengemeinschaft der beiden Kirchen oder eine Verwaltungseinheit oder eine mehr oder weniger weitgehende Kultusgemeinschaft oder einenq Bund, d. h. eine erklärte Gemeinschaft zwischen den beiden Kirchen. Endlich und letztlich aber könnte es geradezu das bedeuten, dass die beiden Kirchen sich zusammenschließen zu einer Kirche, wobei dann diese Einheit wiederum so verstanden werden könnte, dass r-in ihr-r Gemeinden lutherischer und |706 reformierter Art nebeneinander bestehen oders sogar ineinander aufgehen, so dass ein höheres Drittes entstehen würde.37

Ich bin heute gefragt nach der Möglichkeit einer Bekenntnis-Union. Darunter wäre doch wohl zu verstehen die Möglichkeit einer Vereinigung lutherischer und reformierter Kirchen im letztgenannten Sinn: ihre Vereinigung zu einer gemeinsamen öffentlich erklärten christlichen Lehre, wobei die Frage noch offen bleiben kann, ob diese Vereinigung stattfindet nur in einigen Punkten oder auf der ganzen Linie, so dass keine Differenzen übrig blieben und es nur noch einet lehrende und bekennende evangelische Kirche gäbe. Wenn der Bund der beiden Kirchen zu der Vollendung kommen würde, dass der Bund selbstu zur Kirche wird, dann wäre diese letzte Stufe erreicht.

Ich bin gefragt nach der Möglichkeit einer solchen Bekenntnis-Union in diesem strengen Sinn. Kann es in einem solchen Bund reformierter und lutherischer Kirchen, wie unsere altpreußische Landeskirche ihn darstellt,38 geschehen, dass beide Kir28chen sich |707 vereinigen, ganz oder auch nur teilweise, in Lehre und Bekenntnis? Bevor ich versuche, darauf Antwort zu geben, möchte ich Sie mit einem Wort bekannt machen, das uns da wegweisend sein kann. Es ist das Wort eines ausgesprochenen Gegners der Union, Karl Friedrich August Kahnis: «Alle Unionsbestrebungen gründen sich auf die Einheit der Kirche. Allein die Einheit der Kirche ruht nicht auf einer verfaßten Verbindung der einzelnen Gemeinden und auf der Übereinstimmung aller theologischen Richtungen, sondern auf den himmlischen Einheiten, welche der dreieinige Gott in der Kirche wirkt.» 2)39 Dieser lutherische Theologe wollte offenbar sagen: w-Die Einheit der Kirche kann-w nicht sein ein Menschenwerk, das herbeizuführen ist durch gewisse Veränderungen der Verfassung, wie man sie x-zwischen verschiedenen Gesellschaften herbeiführen kann-x; die Einheit der Kirche beruht auch nicht auf gewissen Verständigungen zwischen Theologen, sonderny auf einem Entschluss Gottes, den Gottz je und je |708 kundgibt in der Kirche, weil sie jetzt aa-und hier-aa seinem Willen entspricht. Danach würden Unionsbestrebungen als Versuche, solche Einheit herbeizuführen, ab-– und das selbstverständlich umso mehr, je weiter sie gehen wollten,-ab stehen und fallen damit, dass in der Kirche eine Erkenntnisac stattfindet. Nicht die Erkenntnis: «Es wäre schön, wenn wir jetzt eine Einheit hätten», sondern die Erkenntnis: «Gott will es, dass jetzt eine solche Einheit zustande kommt. Es is ad eine himmlische Einheit vorhanden, die nun auf Erden sichtbar werden soll. Und weil er es will, darum müssen wir im Gehorsam gegen ihnae das Unsrige tun, dass nicht auf Erden dem widersprochen wird, was Gottes Wille im Himmel ist.» Wenn dieser Gedanke richtig ist, dann würden daraus ganz bestimmte Folgerungen zu ziehen sein af-hinsichtlich der-af Frage der Möglichkeit einer Bekenntnis-Union.

1. Es wird auf keinen Fall unser noch so guter und noch so ernster und noch so frommer und noch so liebevoller Wille darüber entscheiden, ob Union in der Kirche sein soll. In dem grundlegenden Dokument der preußischen Union, nämlich in dem Aufruf Friedrich Wilhelms III. vom 27.9.1817ag heißt es: «Dieser 29 Einrichtung steht kein Hindernis mehr entgegen, sobald beide Teile nur ernstlich und redlich in wahrhaft christlichem Sinne das wollen.»40 Diesen Satz des |709 Königs Friedrich Wilhelm III. halte ich für einen bedenklichen Satz. Auf dem Boden dieses Satzes ist der Wille des Menschen das Entscheidende, was die Union herbeiführen soll. Das würde ich nicht für die Grundlage einer echten Union anerkennen können. Es könnte sein, dass beide Teile in ganz Deutschland in ernstem und redlichem und christlichem Sinn diese Einheit ah-wollen, dass aber-ah der Wille Gottes ein anderer wäre, dass also der wirklichen Einheit der Kirche, der Einheit, die ja nur in Gottes Willen und in Gottes Gebot ihren Ursprung haben kann, damit nicht gedient wäre. Mit der einfachen Aufforderung: Liebe Leute, seid vernünftig und habt den guten Willen zum Frieden! ist uns hierai nicht geholfen. Union kann in jedem Sinne, schon in einem rein äußerlichen Sinne, nur möglich sein in der Wahrheit, nämlich dann, wenn das Wort Gottes in der Kirche uns eine jener himmlischen Einheiten sichtbar, vernehmbar, hörbar macht auf Erden.

2. Es darf unser menschlicher Wille auf keinen Fall widerstreben, wenn aj-es nun vielleicht-aj im Willen Gottes liegen sollte, dass Union sein muss. Alle Gründe, die wir vielleicht gegen die Union haben könnten, müssten dann zurücktreten, wenn wir uns aufrichtig sagen müssten: Wir haben es mit einem Gebot Gottes zu tun. Alle unsere Gedanken müssen, wenn uns der Wille Gottes in einer neuen Weise entgegentritt, noch einmal in das Feuer geworfen werden, um als neue Gedanken, gehorsame Gedanken, aus der Glut hervorzugehen. Union kann notwendig sein, notwendig auch im innersten Sinn und auf der ganzen Linie, wenn das Wort Gottes uns eine himmlische Einheit offenbart, die der dreieinige Gott auf Erden in seiner Kirche wirkt und sichtbar macht.

710 Hans Ehrenberg in Bochum, der vor einigen Monaten eine schöne kleine Schrift zur Unionsfrage geschrieben hat, sagt dort: «Der Satan versucht die Kirche ebenso mit dem Wunschbild der Einheit und Einigkeit wie mit dem Wunschbild der Mannigfaltigkeit und des Reichtums» 3)41. Wenn das richtig gesehen und gesagt ist, dass es für die Kirche immer diese doppelte 30 satanische Versuchung gibt: das Streben nach der Einheit ohne die Wahrheit und das Streben nach der Wahrheit ohne die Liebe, dann müssen wir uns zu unserem heutigen Thema gesagt sein lassen: dass die Frage nach der Möglichkeit einer Bekenntnis-Union unter keinen Umständen sein darf die Frage nach dem schönsten Wunschbild von kirchlicher Gestaltung, nach einem Ideal, sei es lutherisch, reformiert oderal uniert, sondern unsere Frage nach der Möglichkeit einer Bekenntnis-Union muss sein unsere Frage nach dem rechten Gehorsam in dieser Sache. Sie darf also nicht lauten: Wollen wir eine Vereinigung in der Lehre herbeiführen, die uns richtig und wünschbar dünkt? haben wir Liebe und Geduld genug, um das zu leisten? sondern die Frage muss lauten: Dürfen wir zu einer solchen Vereinigung kommen und darum: müssen wir zu einer solchen Vereinigung kommen? am-Wiederum kann die Frage nicht lauten: Wollen wir in der uns gut und richtig dünkenden Trennung verharren? haben wir Charakterstärke genug, uns als Lutheraner oder Reformierte unter allen Umständen zu behaupten? sondern die Frage muss lauten: dürfen d. h. müssen wir uns nach wie vor jeder ernsthaften Vereinigung widersetzen?-am Ich glaube, es wäre viel gewonnen im ganzen |711 Streit um die Union, wenn es uns gelingen sollte, uns an-wirklich um diese Frage-an im Geist und in der Wahrheit [vgl. Joh. 4,24] zu sammeln.

*      *      *

ao-Ich möchte-ao versuchen, auf Grund des bisher erarbeiteten Verständnisses der Fragestellung einen Blick in die Vergangenheit zu tun, einen Blick auf den Weg, von dem wir alle herkommen, einen Blick auf die Geschichte der Unionsfrage im 19. Jahrhundert. Diese Vergangenheit lebt fortwährend auch noch in der Gegenwart, und wir können von den gegenwärtigen heutigen Fragen nicht klar und hilfreich sprechen, wenn wir uns nicht deutlich vor Augen halten, wie ap-alles gekommen und-ap geworden ist.aq Ich möchte vorausschicken, dass nach meiner Einsicht eine Bejahung der Frage, ob ar-eine Vereinigung in der Lehre zwischen Lutheranern und Reformierten geschehen könne-ar, im Blick auf das 19. Jahrhundert bis und mitas 1932 sehr at-schwer, wenn nicht gar unmöglich ist-at. Ich möchte nicht unbedingt sagen, dass diese Frage au-im Blick auf die Vergangenheit zu verneinen ist-au, 31 aber dies scheint mir festzustehen, dass sieav im Blick auf den Vorbehalt der Erkenntnis des Willens Gottes, wie wir ihn oben ausführten, praktisch heute aw-schwerlich guten Gewissens bejaht werden könnte-aw. Wenn wir noch im Jahre 1932 stünden und ich damals zu reden gehabtax hätte über die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union, so ay-hätte |712 ich sagen müssen-ay: Nach meiner Einsicht ist diese Möglichkeit nicht gegeben. – Ich möchte das deutlich ausgesprochen wissen, damit sich das, was ich nachher noch auszuführen habe, hoffentlich ebenso deutlich davon abhebt.

Was mich bewegt zu sagen: so, wie es bisher war mit der Union, und das, was bisher als Union gewollt und verwirklicht wurde, das geht nicht, und auf diesem Wege gibt es kein Weiterkommen, das az-sind zunächst die Gründe und Motive-az dieser bisherigen Union in der deutschen evangelischen Kirche. Ich kannba die Zusammenhänge nur andeuten.

Die Union, die entscheidend für Deutschland durch jenen Aufruf Friedrich Wilhelms III. zustande kam, hatte zunächst und vor allem einen ganz realen politischen Sinn. Sie lag im Zuge der Politik des Hohenzollernhauses und sollte der Vereinheitlichung des damals stark vergrößerten Königreichs Preußen dienen. Und selbst wenn man darüber hinaussehenbb wollte, so wird man im besten Fall sagen können wie G. Holstein4): Es handelte sich um die Erstellung einer großen protestantischen Einheitsfront42 in Deutschland, es war der aus der Gesamtsituation Deutschlands geborene Versuch, einen deutschen Protestantismus zu schaffen.43 Wenn dem so ist, dann ist diese |713 Union nicht primär entstanden aus der Kirche und aus dem Glauben der Kirche, sondern aus politischen Motiven.

Ein zweiter Punktbd: Es kann wiederum keine Frage sein, dass die Union hervorgegangen ist aus einer geistigen Lage, die jedenfalls nicht gekennzeichnet werden kann als eine Situation, in der die Kirche gerade sehr wach gewesen ist, in der sie sehr genau gewusst hat, wie es steht um ihren Grund und ihre Aufgabe, ihr Wesen, ihren Glauben und ihr Bekenntnis. Sondern wenn damals die Union vorgeschlagen worden ist, so lag das daran, dass jene Zeit das Verständnis verloren hatte für das Bekenntnis überhaupt, sowohl für das reformierte wie das lutherische, dass 32 sie diesem Bekenntnis gegenüber gleichgültig geworden war. Die Erklärung der Vereinigung war damals keine große Sache, weil man dem, was dieser Vereinigung entgegenstand, keinen großen Sinn mehr abgewann, weil man wenig oder nichts mehr preiszugeben hatte, etwa so wie eine Familie, die jahrzehntelang einen Streit ausgefochten hatbe, eines Tages diesen Streit beilegen kann, weil die junge Generation um den Sinn dieses Streites nicht mehr weiß und seiner müde ist. Das ist aber nicht eben eine kirchliche und christliche Haltung dem Bekenntnis gegenüber zu nennen. Es war jene Zeit, in welcher die Kirche verstanden wurde als eine Gemeinschaft der Menschen, vereinigt durch ein bestimmtes frommes Gefühl, wie Friedrich Schleiermacher es ausdrückte,44 oder wie andere es dann noch deutlicher sagten: eine Gemeinschaft derer, die gemeinsambf auf dem Wege einer bestimmten Moral sind, die einig sind darin, dass die Pflichten Gott und dem Nächsten gegenüber so und so bg-zu verstehen und-bg zu erfüllen sind.45 Da war wirklich nicht mehr einzusehen, warum diese |714 Gemeinschaft fernerhin gespalten sein sollte in Reformierte und Lutheraner, wo doch in Wahrheit nichts Trennendes mehr zwischen ihnen lag und sie in der Tat eins sein konnten in dieser Lehre. Die Frage nach der Wahrheit, die den Reformatoren eine so brennende Sache war, wurdebh in jener Zeit verstanden als die Frage der persönlichen individuellen Entscheidung. bi-Es kam damals-bi die Lehre auf, die man bis in unsere Tage hört: von den verschiedenen Typen, den verschiedenen Ausprägungen der einen und gleichen evangelischen Wahrheit, in der wir bj-irgendwie einig seien-bj. Man kann bk-und muss-bk sich wohl fragen, ob diese Art, die Sache zu sehen, auf der Linie des Gehorsams gegen den Willen und das Wort Gottes lag oder ob da nicht sehr menschliche Gedanken entschieden.

Der dritte Grund, der zu dieser Union geführt hat und der die Union durch das gesamtebl 19. Jahrhundert und bis in die Gegenwart hinein gestärkt hat, war ebenfalls ein Grund, den man nicht wohl einen Glaubensgrund nennen kann, nämlich die ganz nüchterne, reale Tatsache, dass durch die großen Veränderungen im Wirtschaftsleben eine erhebliche Bevölkerungsbewegung in Deutschland stattfand. Unzählige aus dem lutherischen Osten kamen in den reformierten Westen und umgekehrt.46 Diese hereinflutenden Bevölkerungsmassen |715 waren aberbm weithin nicht 33 mehr Glieder lebendiger Gemeinden, sondern bereits Glieder von Gemeinden, die durch Pietismus und Aufklärung in ihrem Bekenntnis erweicht waren und die in der Lage waren, beliebig Elemente des lutherischen Bekenntnisses etwa in das reformierte oder des reformierten in das lutherische aufzunehmenbn, so dass mehr und mehr eine Vermischung beider entstand. Man wird auch von diesem Grund der Union nicht sagen dürfen, dass er aus dem Glauben kam, sondern auch er bo-kam offenbar-bo aus einer Schwächebp des Glaubens.

bq-Trotz allem-bq: ich möchte nicht bestreiten, dass auch in der Union des 19. Jahrhunderts Kräfte des Glaubens wirksam gewesen sind. In den Verordnungen Friedrich Wilhelms III. und br-Friedrich Wilhelms-br |716 IV.47 begegnet manbs einem ernsten und frommen Sinn, und ernste und fromme Männer sind auf der ganzen Linie für die Union eingetreten, die aus der Heiligen Schrift geltend machten für die Union, was nur geltend gemacht werden konnte. Joh. 17 erklang immer wieder.48 Aber ich kann mir nicht verhehlen, wenn ich diese Zeugnisse lese, ganz glaubwürdig wird mir diese Stimme des Glaubens als Stimme des Glaubens im 19. Jahrhundert nicht. Ich komme nicht hinweg über die Frage, ob da wirklich der evangelische Glaube sich selber recht verstanden hat, ob da nicht in der Kirche wie so oft etwas anerkannt worden ist, was zunächst ganz außerhalb der Kirche oder vielmehr bt-im Irrtum der-bt Kirche seine Ursache hatte und was man nachher mit Schriftworten zu schmücken bu-allzu gut-bu verstand. Hat die Kirche in |717 dem, was sie mit der Union des 19. Jahrhunderts wollte, nicht doch der Stimme eines Fremden gehorcht [vgl. Joh. 10,5] und nicht der Stimme des guten Hirten [vgl. Joh. 10,2–4]? Ich frage; ich erinnere an den Vorbehalt; ich könnte auf keinen Fall in dem gewissen Orgelton der Unionsfreunde versichern, dass in dieser Union ein Ausfluss des Glaubens zu erblicken sei! War es nicht doch eben nichtbv eine jener himmlischen Einheiten des bw-dreieinigen Gottes-bw, sondern im entscheidenden Sinn eine menschliche bx-Einheit, die man da anstrebte und aufrichtete-bx?

Wenn ich by-weiter an die Wirkungen der Union denke-by, so sehe ich mich in meinem Zweifel bestärkt. Sie haben weithin bedeutet eine Zerstörung des Bekenntnisses, des lutherischen und des reformierten. Ich verstehe unter Zerstörung die Hervorrufung einer Unsicherheit, ob es denn gilt, was die Väter be34kannt haben, ob es wahr gewesen ist und ob es Gültigkeit hat auch für uns heute. Ich verstehe unter Zerstörung den Geist der Trübung und Vermischung, in der die Reinheit der Bekenntnisse gegenseitig verletzt wurde, ohne dass man wusste, was geschah, lediglich aus äußeren Anlässen. Man könnte sich gewiss fragen, ob auch solche Preisgaben gewisser lutherischer oder reformierter Sätze nicht nötig werden könnten, wenn es der Wille Gottes ist. Aber es hat sich bz-damals doch das Schlimme-bz ereignet, dass eben das Bekenntnis selbstca, das christliche Bekenntnis als solches zerstört oder doch sehr schwer gestört worden ist. Was hat es zu bedeuten, wenn im Anfang des 19. Jahrhunderts der König und seine Theologen erklärten, von jetzt an stehen die Bekenntnisse gleichwertig nebeneinander, die evangelische Kirche ruht von nun an auf diesen zwei Säulen?49 Bedeutet das nicht: dacb alle recht haben, so hat im |718 Grunde keiner recht, und es gibt das letztlich nicht, was die Reformatoren des 16. Jahrhunderts meinten: die eine bekennende Kirche, die im Glauben ihr Bekenntnis cc-als das wirklich und also-cc allein wahre und richtige erkennt? Muss es das nicht bedeuten? Ein Gegner alles Christentums, Bruno Bauer, hat im Jahre 1840cd ein Buch geschrieben5)ce und hat dort kühncf und frech den Gedanken ausgeführt: die Union sei eine ungeheure Umwandlung, welche die sichtbare Kirche cg-als solche gestürzt-cg, welche in der Kirche die Aufklärung zum Gesetz erhoben und die Revolution in der Kirche vollendet habe, nämlich die Revolution gegen die Autorität Gottes.50 Die Kirche habech damit das Bekenntnis aufgehoben und aufgehört, Kirche zu sein.51 |719 Das ist radikal und rücksichtslos gesagt, aber es ist nicht leicht zu widerlegen. Etwas milder, aber in der Sache nicht weniger scharf, hat F. Chr. Baur6)ci sich dahin geäußert, dass die Union sichtbar gemacht habe, dass man überhaupt keinen fixierbarencj Lehrbegriff, d. h. keine Lehre mit einem absoluten Anspruch mehr habe und haben könne, und dass mit der Aufgabe der konfessionellen Gegensätze ck-die Vorstellung sich-ck überlebt habe, als habe die Kirche eine göttliche, eine absolute Wahrheit zu verkündigen.52 Das war die Stimme der Gegner eines bekennenden Glaubens, einer bekennenden Kirche. Muss uns diese Stimme nicht zu denken geben? 35 Hat die Union nicht wirklich der Indifferenz gedient53 und damit der Auflösung der christlichen Erkenntnis cl-in willkürlich gebildete Vorstellungen vorgearbeitet-cl?

720 Und ferner: Man cm-kann, wenn man auf die Union des 19. Jahrhunderts zurückblickt, nicht leugnen-cm, dass in dieser Zeit die Union wohl nie das gewesen ist, was sie dem Programm nach sein wollte: eine Vereinigung der beiden Konfessionen, aber so, dass die einzelne Konfession darin erhalten bleiben sollte.54 Je mehr die Konfessionen cn-sich selbst ernst genommen-cn haben, je mehr also das Bekenntnis der Väter noch fortlebte, umso mehr erwies sich, dass die Union ein nebelhaftes Gebilde war, das praktisch eigentlich kaum Gestalt annehmen konnte. Zu einer Bekenntnis-Union kam es tatsächlichco nicht. Das zeigte sich gerade auf der cp-General-Synode-cp von 1846cq.55 Damals wollte der Bonner Professor Nitzsch ein neues Bekenntnis formulieren unter Umgehung aller konfessionellen Gefahrenpunkte.56 cr-Waren sie darum nicht mehr vorhanden? Wollte man damit sagen, dass sie nicht ernst zu nehmen seien?-cr So konnte es nicht gelingen. Wo noch konfessionelles Bewusstsein vorhanden war, wo man noch imcs Glauben der Väter stand, da musste sich Widerstand gegen diese |721 Union erheben. «Altlutheraner» und Reformierte schieden aus der Kirche aus, um «reine» Kirchen zu bilden.57 Es war im 19. Jahrhundert offenbar nicht anders möglich: Wollte man die Union, so ging das auf Kosten des Bekenntnisses, wollte man das Bekenntnis, so ging das auf Kosten der Union.

Gewiss kann man ct-nun auch manches Positive-ct geltend machen. Man pflegt anzuführen, dass es im 19. Jahrhundert eine Theologie gegeben hat, die evangelische Theologie gewesen sei.58 Man verweist |722 weiter auf die Tatsache, dass im 19. Jahrhundert die Liebestätigkeit so reich aufgeblüht sei.59 Man verweist endlich cu-auf die auch-cu außerhalb Preußens vollzogene Einigung der Kirche im Kirchenbund60, auf den Kirchentag61, an dem alle zusammen gar schön miteinander sangen: Herz und Herz vereint zusammen7)62 cv-Das Alles ist gewiss nicht nichts.-cv – Ich muss abercw sagen, dass ich durch alle diese Tatsachen |723 nicht überwunden bin in der Frage, die ich im Blick auf die Vergangenheit zu stellen habe. Denn die vielgerühmte Theologie des 19. Jahrhunderts ist gerade in ihren 36 wichtigstencx Vertretern eine Theologie gewesen, die im Ganzen auf eine Auflösung des Bekenntnisses hingewirkt hat. Und wo sie das nicht geradezu gewollt hat, da hat sie jedenfalls, cy-wie damals Nitzsch,-cy die alten Gegensätze der Glaubensbekenntnisse nicht angerührt. Das konnte man tun. Aber damit, dass man sich Scheuklappen anlegt vor gefährlichen Dingen, sind sie nicht aus der Welt geschafft. Und wo die Theologie wirklich Bekenntnistheologie war, da hat sie die Gegensätze wieder unterstreichen und verschärfen müssen und hat nicht im Sinne der Union gewirkt.63 Mit der aufblühenden Liebestätigkeit aber war escz auch so eine Sache! Die christlichen Vereine haben sich im 19. Jahrhundert weithin neutral dem Bekenntnis gegenüber verhalten. Was haben sie damit getan, wenn sie dann erst noch diese Neutralität zur Lehre erhoben? Haben sie damit nicht auch, und wenn sie auch positive Theologie64 da-treiben wollten-da, die Theologie des 18. Jahrhunderts65, die der Aufklärung und des Pietismus, tatsächlich fortgesetzt und der Indifferenz Vorschub geleistet? Es ist nicht so ganz zufällig, dass gerade die Vertreter |724 der christlichen Liebestätigkeit und die christlichen Vereine im Kirchenkampf 1933 db-im großen Ganzen nicht eben eine sehr rühmliche Stellung eingenommen haben-db, sondern dc-dass sie, voran der Evangelische Bund66 und der Gustav-Adolf-Verein67 – aber was war nun |725 eigentlich auch Bethel68 in dieser Zeit? –, unter denen-dc waren, die dem herrschenden Wind am allerersten zum Opfer fielen. Bei dd-aller Anerkennung-dd ihrer Verdienste möchte ich nicht sagen, dass diese de-Liebes- und Vereinstätigkeit-de gerade ein Beweis für df-die kirchliche Legitimität-df der Union wäre. Und so ist es vielleicht dg-doch in fatalem Sinne bezeichnend, dass am Kirchentag gerade-dg das Zinzendorflied gesungen wurde8).dh

Der Wille zur Union war stark im 19. Jahrhundert; aber daneben ist unverkennbar Tatsache: di-ein überall durchdringendes Lauwerden des Bekenntnisses in der Union und ebenso-di die überall vorhandene Un|726fähigkeit, vom Bekenntnis aus zur Union zu kommen. Diese zwei Gegensätze: auf der einen Seite die dj-der wirk37lichen Union anhaftende-dj Indifferenz gegenüber dem Bekenntnis, auf der anderen Seite die nach wie vor unüberbrückbare Ausschließlichkeit dk-des wirklichen Bekenntnisses gegenüber der Union-dk, haben das ganze Jahrhundert hindurch unter der Asche geglimmt. Die Frage ist auch heute noch vorhanden, und wer das Wort zum Problem der Union ergreift, der mag sich wohl fragen, dl-ob diese Schwierigkeit im Verhältnis zwischen Union und Bekenntnis je überwunden werden kann-dl.

Mit dieser doppelten Frage sind wir vor zwei Jahren in den Kirchenkampf unserer Tage hineingegangen. Wer weiß und einsieht, dass wir hinter uns im Rücken eine solche ungeordnete Situation hatten, der wird sich nicht wundern über die mannigfachdm unheilvollen Dinge, die gerade im Zusammenhang mit der Frage der Union sich ereigneten und noch ereignen.

Nach meiner Einsicht lässt sich also nicht behauptendn, dass in der Union des 19. Jahrhunderts etwas von einer himmlischen Einheit auf Erden in der Kirche sichtbar geworden seido, sondern nach meiner Einsicht muss gesagt werden: Wenndp die Kirche wieder zum Bewusstsein ihrer selbst kommen sollte, dann kann sie dq-diesen Weg nicht-dq weitergehen, sondern dann – ich rede, wie ich dr-1932 geredet haben würde-dr – kann der Ausweg nur der sein: dass man den Lutheranern und den Reformierten zuruft: Ihr müsst ds-je eurer-ds Sache wieder gewiss werden! Dann kann zwischen euchdt beiden so etwas wie ein Kirchenbund hergestellt werden. Es ist richtig, wenn ihr euch |727 auf beiden Seiten konsolidiert und allen jenen Gemeinden, die nicht mehr richtig wissen, was sie sind – und das sind nicht ganz wenige! – zuruftdu: Entscheidet dv-und also: scheidet euch, um dann und so, als beiderseits bekennende Gemeinden, vielleicht wenigstens bündnisfähig zu werden-dv! So müsste wohldw im Blick auf die Vergangenheit geredet werden.

* * *

Aber nun haben wir zum Glück nicht nur mit dieser dx-Vergangenheit, nicht nur-dx mit dem 19. Jahrhundert zu rechnen. Sondern nun ist im Jahre 1933 eine andere Situation eingetreten, in der uns die Frage neudy gestellt ist und in der auch eine neue Antwort dz-zu geben-dz ist. Es war etwas ganz Unerwartetes und Unvorhergesehenes, was sich 1933 ereignete. Ich möchte das anea drei Tatsachen Ihnen vor Augen stellen.

38 1. Im Jahre 1933 ist in der Deutschen Evangelischen Kirche eine Irrlehre aufgetreten, die grundsätzlich allerdings nicht schlechterdings neu war, sondern in der alles sich zusammenzuballeneb schien, was längst als Irrlehre ec1-in der Kirche-ec lebte, aber nun eben zusammengeballt und getragen von der ganzen Wucht einer veränderten politischen Situation ec2-Gestalt annahm-ec: ich meine die Irrlehre der Deutschen Christen. Sie bedeutet einen radikalen Angriff auf das Erste Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir [Ex. 20,2f.; Dtn. 5,6f.]. Indem die Deutschen Christen geltend gemacht haben: ed-dass wir nicht nur die Offenbarung in der Heiligen Schrift haben, sondern auch eine-ed Offenbarung in der |728 Geschichte, dass ferner das Heil nicht nur in Christus zu finden ist, sondern auch in dem schöpfungsmäßigen Sein des Menschen, nämlich als deutscher Mensch, haben sie sich versündigt am Ersten Gebot, haben sie die Irrlehre von einem zweiten Gott, einer zweiten Heilsquelle, in die Kirche eingeführt.69 Und nun hat diese Irrlehre die Eigentümlichkeit, dass sie zugleich auftritt als eine Unionslehre, in der die Unterschiede der Bekenntnisse nun erst recht gleichgültig wurden.70 – Das ist die erste der drei erwähnten Tatsachen, vor die uns das Jahr 1933 stellte.

2. Die zweite Tatsache ist nicht minder merkwürdig. Sie besteht einerseits darin, dass das, was wir vorhin über die Entwicklung der Bekenntnisfrage im 19. Jahrhundert hörten, seine Bestätigung erfahren hat: Es zeigte sich nun, wie geschwächt das Bekenntnis tatsächlich |729 war, dass die Leute wohl hundert Jahre langee noch ihren Heidelberger und ihren Lutherischen Katechismus gelernt hatten, ohne dochef zu verstehen, was sie damit lernten. Wenn der Heidelberger Katechismus beginnt mit eg-der Erklärung-eg: Dass Jesus Christus sei mein einigereh Trost im Leben und im Sterben!,71 oder wenn es im Lutherischen Katechismus heißt: dass Jesus Christus sei mein Herr!,72 so wurde das letztlich nicht mehr begriffen. Übleei Früchte einer jahrhundertelangen Entwicklung gingen auf. Und es zeigte sich, dass geradeej diejenigen Teile ek-Deutschlands bzw. der-ek deutschen Kirche, die sich das lutherische oder das reformierte Bekenntnis verhältnismäßig rein erhalten hatten, sich nicht als besonders wachsam erzeigten, sondern dass gerade in ausgesprochen lutherischen oder reformierten Gegenden der Widerstand gegen die einbrechende Irrlehre 39 mindestens nicht sehr stark war.73 Während umgekehrt die merkwürdige Tatsache nicht zu leugnen ist, dass gerade die Union der Schauplatz des erwachenden Widerstandes wurdeel. Es waren Reformierte und Lutheraner nicht in den rein lutherischen und rein reformierten Gebieten, |730 sondern in der Union, die zunächst und zuerst die ganze Gefahr des Augenblicks erkannt haben und zum Widerstand, em-d. h. aber – zum Bekenntnis-em aufriefen.74

3. Die dritte Tatsache war diese: dieser Widerstand der Jahre 1933 und 1934 hat, ohne dass man es en-gesucht und gewollt hatte, merkwürdigerweise plötzlich-en zu so etwas geführt wie zu einer Union eo-in einem sehr strengen Sinn des Begriffes-eo, nämlich zu einem gemeinsamen Bekenntnis. Es hat sich erwiesen, dass Lutheraner, Reformierte und Unierte angesichts des aufbrechenden Irrtums der Deutschen Christen dasselbe zu sagen hatten. Das haben sie gesagt und damit ist das ganze Problem der Union in eine neue Phase getreten. In der Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen 1934 heißt es: «Gemeinsam dürfen und müssen wir als Glieder lutherischer, reformierter und unierter Kirchen heute in dieser Sache reden. Gerade weil wir unseren verschiedenen Bekenntnissen treu sein und bleiben wollen, dürfen wir nicht schweigen, da wir glauben, dass uns in einer Zeit gemeinsamer Not und Anfechtung ein gemeinsames Wort in den Mund gelegt ist. Wir befehlen es Gott, was dies für das Verhältnis der Bekenntniskirchen untereinander bedeuten mag.»75 – Beachten Sie wohl: Es heißt nicht: Gemeinsam wollen wir reden! Es heißt: Gemeinsam dürfen und müssen wir reden! Ferner, es wird hier nicht gesagt: trotz unserer Bekenntnisse, sondern: weil wir unseren Bekenntnissen treu sein und bleiben wollen… Die alten Bekenntnisse sind nicht mehr eine Sache, deren man sich ein bisschen zu schämen hat, sondern nun steht man dazu: Wir sind Lutheraner und wir sind Reformierte! Und |731 gerade als solche haben wir jetzt etwas Gemeinsames zu sagen. Wir stehen vor einer gemeinsamen Frage. Gemeinsame Nöte und Anfechtungen gab es gewiss auch im 19. Jahrhundert. Aber es ist seltsam, dass die Lutheraner und die Reformierten sich nicht gedrängt fühlten, gemeinsam zu bekennen, etwa gegenüber einerep Erscheinung wie dem «Leben Jesu» von D. Fr. Strauß!!76 Faktisch aber war und ist es jetzt so, dass eine Not, eine Anfechtung über die Kirche kam, die als 40 gemeinsame Not und Anfechtung empfunden wird und der gegenüber man gemeinsam bekennt. Das Haus brennt und jeder eilt herbei aus seinem Zimmer, um sich am Löschen des Brandes zu beteiligen, so gut er es kann. In dieser Zeit gemeinsamer Not ist uns auch ein gemeinsames Wort auf den Mund gelegt. Es ist jahrhundertelang nicht eq-so gewesen-eq; jetzt auf einmal können wir gemeinsam reden. Die sechs Sätze der Barmer Erklärung sind wahrhaftig er-kein erschöpfendes Bekenntnis – welches Bekenntnis aus alter Zeit war das übrigens? –-er und doch, wenn sie als solche gemeinsame Erklärung es-ernst genommen werden, immerhin ein Bekenntnis-es. «Wir befehlen es Gott, was dies für das Verhältnis der Bekenntniskirchen untereinander bedeuten mag.» Das will sagen: Wir stehen selbst erstaunt vor der Tatsache, nehmen sie dankbar an und wissen nicht, et-fragen nicht,-et wohin das weiter führen wird. Wir befehlen es Gott. Also: wir gehen nicht hin und bauen jetzt eine Deutsche Evangelische Kirche eu-jenseits der alten Bekenntnisse. Wir lassen es ruhig bewenden bei dem, was in der Erklärung der Bekenntnissynode von Dahlem ein «Bund bekenntnisbestimmter Kirchen»77 genannt wurde-eu. Wir sagen nur das |732 gemeinsam, was wir jetzt sagen dürfen und müssen. Wir wollen warten, ob wir in eine Stunde geführt werden, in der wir noch mehr sagen dürfen und müssen. Es ev-hat jemand gesagt-ev: die Lutheraner und Reformierten seien zusammengeprügelt worden durch die Not der Zeit.78 In der Tat: Wir müssen wohlew zuwarten, dass wir noch ganz anders «zusammengeprügelt» werden! ex-Sofern wir das, was wir heute schon gemeinsam sagen dürfen und müssen, nun auch wirklich gesagt haben und fernerhin sagen werden, und sofern wir uns darin nicht durch die Heilige Schrift oder durch die alten Bekenntnisse widerlegen lassen müssen, gäbe es, wenn auch nur teilweise, heute eine ­Bekenntnis-Union. Hinsichtlich-ex aller Merkmale der Barmer «­Union»ey würde ich zu sagen wagen: Da ist echte Union! Und es könnte sein, dass hier sichtbar wurde eine der himmlischen Einheiten, die der dreieinigeez Gott wirkt. Gerade, weil es eine so bescheidene Sache ist, ein paar Sätze in großer Vorläufigkeit, gerade darum würde ich sagen: Es sieht danach aus, fa-wir wagen es zu hoffen, es-fa sei hier im Gehorsam gesprochen worden.fb

Und nun zur Frage unseres Themas: Stehen wir heute vor der Möglichkeit einer Bekenntnis-Union? Ich meine, wenn wir 41 das Vergangene und das Gegenwärtige nebeneinander halten, dann wird die Entscheidung fc-darin bestehen-fc, ob wir einig sind in einem Doppelten: Einmal darin, dass der bisherige Weg der Union nicht weitergegangen werden kann, dass unsfd diese alten Wege verrannt sind, dass wir hier Halt zu machen haben. Und zum Andern darin, dass in den letzten Jahren die Dinge geschehen sind, die wir eben aufzeigten: die Tatsache des Einbruchs der Irrlehre, die Tatsache des Widerstandes und die |733 Tatsache der fe-Barmer «Union»-fe. Wärenff wir darin einig, ich glaube, dann könnten wir miteinander Ja sagen zu der Möglichkeit einer echten und rechten Bekenntnis-Union. Esfg wäre dann weiterfh vor allem dies zu sagen: Diese Bekenntnis-Union wäre eine Sache, bei der wir ganz entscheidend und wesentlich nach vorwärts zu blicken hätten, vorwärts auf eine Kirche, die gehorsam der Stimme ihres Herrn ihren Glauben bekennt und damit, dass sie dem Herrn und der heiligen Schrift, durch die er zu uns redet, gehorsam ist, sich in die Reihe der Bekenntnisse der lutherischen und reformierten Väter stellt. Jeder weitere Schritt auf diesem Weg müsste unter allen Umständen ein Schritt sein, den wir nicht eigenmächtig tun, sondern den wir erkennen und auffassen müsstenfi als einen Schritt, der uns wirklich befohlen ist. Jede weitere Einheit zwischen Reformierten und Lutheranern müsste eine gefundene, nicht eine gesuchte Einheit sein. Unter keinen Umständen dürfte sie bestehen in einer eigenmächtigen Vorwegnahme. Aber wenn wirklich Gehorsam unter uns erwachen würde, könnte natürlich auch keine Leugnungfj dessen stattfinden, was uns nötig ist. Diese Bekenntnis-Union würde vielleicht nach wie vor nurfk eine teilweise Bekenntnis-Union sein und bleiben müssen; wir müssten uns vielleicht weiterhin begnügen damit, uns im Kampf gegen den Irrtum und im Bekenntnis des Glaubens in bestimmten Dingen zusammenzufinden und wiederum in anderen zu trennen, fl-und zu sorgen, dass uns der Blick nicht mehr verloren geht auf das, das sich uns eröffnet hat in dieser Zeit-fl und das von keinem Beteiligten vergessen werden darffm. In diesem Sinn: als fn-zu einer-fn Fortsetzung des Weges, der uns gezeigt worden ist in diesen Jahren, würde zur Möglichkeit einer Bekenntnis-Union von ganzem Herzen Ja gesagt werden dürfen. |734 Wobei sich freilich sofort an uns die Frage richtet: Sind wirfo die Leute, in diesem Sinne Ja zu sagen? Wir kommen nicht zu einer 42 Bekenntnis-Union, wenn eben nach wie vor nur die alte Friedensschwärmerei und das alte Ruhebedürfnis die Motive unseres Unionswillens sind, sondern wir kommen nur dann dazu, wenn wir durch die heutige Lage aufgerufen sind als Reformierte, Lutheraner oder fp-Consensus-Gemeinden-fp jenes Ja auszusprechen. Wer heute im Kampffq steht, wer sich aufgerufen weiß durch die Not, dass das Erste Gebot nicht mehr in Ehren gehalten wird, derfr steht fs-faktisch mit-fs dem Lutheraner als Reformierter und umgekehrt, ft-da ist-ft die Union vollzogen.

Die altefu Frage wird dannfv von hier aus noch einmal gestellt werden müssen. Angenommen, wir hätten als Bekenntnisgemeinschaft fw-ein Stück «Union»-fw gefunden, dann wird die Frage noch einmal auftauchen: Was wird dann aus dem, was uns von der Vergangenheit her nach wie vor trennt? Was wird aus der Differenz der alten Bekenntnisse? – Es wird hier vor allem zu bedenken sein, dass wir ja nicht willkürlich zu diesem neuen Bekennen gekommen sind, sondern als solche, die den alten Bekenntnissen treu sein und bleiben wollen.79 Das alte Bekenntnis ist der Ausgang für das neue Bekenntnis und dieser Ausgang muss in Kraft bleiben. Und nun wird alles darauf ankommen, dass wir wirklich das Bekenntnis, das alte Bekenntnis, wieder ernst nehmen als solche Ausgangsposition, von der wir zum Sturmangriff vorgehen. Die alten Bekenntnisse sind gleichsam die Schützengräben, in denen man geschützt war, um von ihnen aus zum Angriff vorzugehen. Als solche werden sie immer ihre Bedeutung ha|735ben. Aber es wird nicht in Frage kommen können, dass man die Bekenntnisse versteht als menschlichen Besitz, sondern alles wird darauf ankommen, dass Jeder den Sprung macht in der Richtung des Feindes und sich von seinem Ausgangspunkt aus wirklich schlägt als ein Bekenner. Die Bekenntnisse werden dann in ihrer Verschiedenheit nicht den Charakter haben von verschiedenen Typen einer Art,80 sondern sie werden dann sprechen von der verschiedenen Herkunft und von der verschiedenen Verantwortung,81 von dem verschiedenen Auftrag, der hier vorliegt. Diese Verschiedenheit wird dann Geltung haben. Sie ist eine sehr seltsame und erstaunliche und manchmal auch ärgerliche Tatsache, aber eine Tatsache, mit der wir uns abzufinden haben. Es kann dann freilich auch sein, dass die Verschiedenheitenfx der Bekenntnisse ihre Bedeutung behaltenfy werden als wichtige Ver43schiedenheiten der Schule, der Denkrichtung. Das kann etwas sehr Ernsthaftes sein, etwas Verantwortungsvolles, aber eben alsfz Gegensatz der ga-Schulen und nicht der nun einmal verbündeten ­Bekenntniskirchen9) als solcher-ga. Und so kann es in einer Gemeinde sein, dass sie eine Gemeinde bewusst reformierter, lutherischer oder auch unierter Herkunft und Verantwortung ist und dass sich doch die |736 Entscheidungsfragegb für sie nicht dahin stellt, wie sie sich mit dieser Bestimmtheit durchsetzt, sondern wie sie von ihrem Posten aus den ihr gewordenen Befehl nun wirklich durchführt. Ich könnte mir also sehr wohl denken, dass die gegenwärtige Zeit und die neue Situation die Bedeutung haben, dass das konfessionelle Bewusstsein nicht geschwächt, sondern gestärkt wird, gerade dadurch, dass die kirchlichegc Aufgabe eine gemeinsame wirdgd. ge-Und ich könnte-ge mir denken, dass gerade unter diesen Umständen für gf-diese und jene heutige-gf Consensus-Gemeinde die Frage sehr ernst erwachen könntegg: Müssen wir uns nicht entscheiden? Es kann aber auch das andere geschehen, dass in gh-einer solchen-gh Gemeinde etwas aufwacht an Erkenntnis gi-des Wortes Gottes in-gi der Gegenwart und dass sie damit eine Weisung nachträglichgj bekommt, die sie im 19. Jahrhundert so nicht hatte. Gewisse Gegensätze werden dauernd bleiben und die Deutsche Evangelische Kirche gk-als Ganzes wird vielleicht-gk in betonter Weise ein Kirchenbund bleiben müssen. Es könnte freilich auch sein, dass die angebahntegl Bekenntnis-Union sich so stark auswirkt, dass der Kampf um die Wahrheit in der Kirche zwischen den Konfessionen so weit geht, dass es gm-zu Klärungen und wohl auch Aufhebungen der mancher noch vorhandenen Unterschiede kommt und damit zu-gm einem Kirchenbund. Was kommen wird, wie es sich gestalten wird, darauf könnte ich nicht antworten, ohne ein Prophet zu sein. Wir werden nichts Besseres tun können als das noch einmal aussprechen, was in der Barmer Erklärung im Blick auf die ganze Lage gesagt wurde: Wir befehlen es Gott. Wenn nur das Eine 44 unter allen Umständen klar bleibt: Das Recht odergn das Unrecht allergo Unionsbe|737strebungen gp-ist damit gegeben, dass wir achten oder nicht achten auf die himmlischen Einheiten-gp, die der dreieinige Gott gq-in der Kirche-gq wirkt.

2. Stichwortmanuskript: Die Möglichkeit einer Bekenntnisunion

11.2.35

Heisses Eisen, Quadratur des Zirkels. Einfache Antworten glücklich. Sage wie … Wer wird bestehen?83

U[nion] = Vereinigung luth[erischer] u[nd] ref[ormierter] Kirchen zu kirchl[icher] Gemeinschaft (Interessengemeinschaft, Verwaltungseinheit, Kultusgemeinschaft, Bund, Kirche [absorptiv od(er) organisch]84)

Bek[enntnis-]U[nion] = Vereinigung zu teilweise oder ganz gemeinsamer öffentl[icher] Lehre. Im Bund ist in der Kirche Übergang von d[er] organ[ischen]  zur absorptiven Union. 

738 Möglichk[eit] e[iner] B[ekenntnis-]U[nion] = Kann es im Bund od[er] in d[er] Kirche (Barmen!) zu solcher Vereinigung in d[er] Lehre kommen?

K. F. Aug. Kahnis: Der innere Gang d[es] deutschen Prot[estantismus] 1874 2. Bd. S. 204f: «Alle Unionsbestrebungen gründen sich auf der Einheit der Kirche. Allein die Einheit der Kirche ruht nicht auf einer verfassten Verbindung der einzelnen Gemeinden und auf der Übereinstimmung aller theol[ogischen] Richtungen, sondern auf den himml[ischen] Einheiten, welche der dreieinige Gott in der Kirche wirkt.»85

M[it] a[nderen] W[orten]: Einheit d[er] Kirche ist nicht Menschenwerk (Verfassung u[nd] Theologie)[,] sondern Wille u[nd] Entscheidung Gottes. Unionsbestrebungen stehen u[nd] fallen mit d[er] Erkenntnis d[es] Willens Gottes. 

a) Es darf nicht unser Wille entscheiden, ob Union sein soll. «Dieser … Vereinigung … steht kein … Hindernis mehr entgegen[,] sobald beide Teile nur ernstlich u[nd] redlich in wahrhaft christl[ichem] Sinne sie wollen[.]» (Fr[iedrich] Wilh[elm] III.[,] Aufruf vom 27.9.1817[)]86 Auch wenn beide Teile wollten, könnte d[er] Wille G[ottes] ein anderer u[nd] also der Einheit d[er] Kirche nicht gedient sein. Union schon äusserlich nur möglich in der Wahrheit, wenn das Wort eine «himml[ische] Einheit» sichtbar macht.

b) Es darf unser Wille nicht widerstreben, wenn Union sein soll. Alle unsere Gründe auch gegen U[nion] können nur vorläufig sein, müssen sich neu bewähren. Auch wenn beide Teile aus ehrl[ichem] Gewissen nicht wollten, könnte d[er] Wille G[ottes] ein anderer und also der Wahrheit in d[er] Kirche nicht gedient sein. Union notwendig auch als innerste Einheit, wenn das Wort eine «himml[ische] Einheit» sichtbar macht.

H. Ehrenberg Von der Kirche d[er] Union z[um] Bekenntnisbau der D.E.K. 1934 S. 5: «Der Satan versucht die K[irche] ebenso mit dem Wunschbild der Einheit u[nd] Einigkeit wie mit dem Wunschbild der Mannigfaltigkeit u[nd] des Reichtums»87

739 Die Frage nach d[er] Mögl[ichkeit] einer Bek[enntnis-]U[nion] darf nicht sein die nach einem Wunschbild luth[erischer], ref[ormierter] od[er] unierter Art. Sie muss sein die Frage nach dem Gehorsam: Nicht wollen[,] sondern dürfen und müssen wir zu einer Vereinigung in d[er] Lehre kommen?

I

Bejahung dieser Frage hinsichtlich der Vergangenheit ist uns schwer gemacht. Letzter Vorbehalt bleibt. Praktisch zu verneinen.

1. Die Gründe der Union des 19. J[ahr]h[underts]   :

a) Politisch: Einheit Preussens. Im besten Fall: «Herstellung einer wirklich grossen protest[antischen] Einheitsfront» – «der aus der religiös-geistigen Gesamtsituation Deutschlands geborene Versuch, ein gesamtdeutsches Problem zu lösen» (G. Holstein, Die Grundlagen d[es] ev[angelischen] K[irchen]Rechts 192888 S. 250f 📖)

b) Aufklärung u[nd] Romantik: Ermüdung, Unverständnis u[nd] Gleichgültigkeit gegenüber den Gegensätzen der Väter. Verständnis d[er] Kirche als eine Gemeinschaft d[es] frommen Gefühls od[er] der Moral. Wahrheitsfrage als Sache der individ[uellen] Entscheidung nicht ernst genommen. Konfessionen blos[s] «Typen»89

c) Bevölkerungsbewegung: Wirtschaft u[nd] Verkehr führen zur Vermischung der bereits erweichten Gemeinden. Untriftigkeit der Unterscheidungen. 

d) Glaube? «Ein Hirt u[nd] eine Herde»90 [vgl. Joh. 10,16] … «dass auch sie in uns eins seien» [Joh. 17,2191]. War dieser Glaube glaubwürdig? Verstand er sich selbst? Ertönte hier nicht die Stimme eines Fremden? [vgl. Joh. 10,5].

740 2. Union Zerstörung des Bek[enntnis-]Standes

a) Luth[eraner] u[nd] Ref[ormierte] haben sich über bekenntnismässige und anderweitige Neuerungen zu beklagen

b) Bek[enntnis] als solches relativiert. Alle haben Recht, Alle Unrecht. B. Bauer «Die ev[angelische] Landeskirche Preussens u[nd] die Wissenschaft[»] 1840: Union ist die ungeheure Umwendung, welche die sichtbare K[irche] gestürzt hat, die zum Gesetz gewordene Aufklärung, die in der Kirche vollendete Revolution.92 Kirche hat mit d[er] Ausschließlichkeit ihres Bekenntnisses ihr eigenes Wesen aufgegeben.93 F. Chr. Baur :Gesch[ichte] d[er] chr[istlichen] K[irche] 5. Bd. 186294 S. 446 📖: U[nion] macht sichtbar, dass man überhaupt keinen absoluten Lehrbegriff mehr hat. Mit den konfess[ionellen] Gegensätzen hat sich ein absol[uter] Wahrheitsanspruch als solcher überlebt.

3. Bekenntnisstand Zerstörung d[er] Union. Zur Bekenntnisunion ist es nicht gekommen. Generalsynode von 1846 (Nitzsch)95 bedeutete nur Offenbarsein d[er] Schwierigkeiten. Wo konfess[ionelles] Bewusstsein sich regte, da bedeutete es Behinderung oder gar Sprengung der Union (Separationen).

2 4. Neutrale Theologie? Liebestätigkeit? Vereine? Kirchenbund? (G. Holstein)

a) Theol[ogie] beteiligte sich z[um] T[eil] in der Richtung der Auflösung des Bekenntnisstandes[,] z[um] T[eil] rührte sie die alten Gegensätze nicht an[,] z[um] T[eil] bestätigte sie sie.

b) Liebestät[igkeit] u[nd] Vereine haben sich neutral betätigt, ohne das Recht solcher Neutralität als Glaubensentscheidung zu begründen.

c) Kirchenbund Organisation + «Herz u[nd] Herz vereint zusammen»[.] Überall Wille zur Union, aber auch überall entweder Ignorierung des Bekenntnisses oder Unfähigkeit zur Bek[enntnis-]Union. Feuer unter d[er] Asche: Indifferenz + Ausschliesslichkeit. Dies die Not, in der wir in den Kirchenkampf hereingingen.

741 5. Existenz von Konsensusgemeinden. Tatsache. Wie zu erklären? Hat hier Gottes Wort oder der Mensch entschieden. Bek[enntnis-]Union jedenfalls auch da nicht.

Ergebnis: Bek[enntnis-]Union als Wille Gottes nicht sichtbar. Wo Bekenntnis[,] da nicht Union, wo Union, da nicht Bekenntnis. 96-Also ein Kirchenbund. Konfess[ionelle] Verfestigung berechtigt. Konsensusgemeinden aufzusprengen[?].96

II

1933–35 brachte eine neue Situation, in der die Frage neu zu stellen ist. Tatsachen:

1.) D[eutsche]C[hristen] führten alle Irrlehren der neuprotestant[ischen] Vergangenheit auf den Plan: Angriff gegen das erste Gebot: Woher Offenbarung? Worin liegt das Heil? Wer regiert die Kirche? Lehre von Rasse, Blut u[nd] Boden in Gestalt einer – Unionskirche!

2. Bestätigung der Problematik d[er] frühern Entwicklung? Ja u[nd] Nein. Nein[,] a) sofern reine Konfessionalität sich auch nicht bewährte, b) sofern Widerstand von Ref[ormierten], Luth[eranern] (u[nd] Unierten) innerhalb d[er] Union ausging!!

3. Widerstand führte automatisch zu einer Bek[enntnis-]Union. Luth[eraner], Ref[ormierte,] Unierte hatten auf Grund ihrer Bekenntnisse tatsächlich dasselbe zu sagen. Barmer Erklärung: «Gemeinsam dürfen u[nd] müssen wir als Glieder luth[erischer], ref[ormierter] u[nd] unierter Kirchen heute in dieser Sache reden. Gerade weil wir unsern verschiedenen Bekenntnissen treu sein u[nd] bleiben wollen, dürfen wir nicht schweigen, da wir glauben, dass uns in einer Zeit gemeinsamer Not u[nd] Anfechtung ein gemeinsames Wort in den Mund gelegt ist. Wir befehlen es Gott, was dies für das Verhältnis der Bek[enntnis-]K[irchen] untereinander bedeuten mag.»

a) Nicht: wollen, sondern dürfen u[nd] müssen. b) Bekenntnisstand positive Voraussetzung c) gemeinsame Frage d) gemeinsame Antwort e) Weiteres von Gott zu erwarten.

742 Stehen wir heute i[n] s[tricto] s[ensu] vor der Möglichkeit echter Bekenntnisunion? Frage: ob wir darin einig sind? Wäre dann zunächst Bekenntnisunion nach vorwärts, nicht wie F. Chr. Baur meinte in der Richtung einer Indifferenzierung des Bekenntnisses, sondern zunächst eines neuen Bekenntnisses in der Linie der alten. Nicht gesucht, sondern gefunden. Keine Vermischung des Trennenden[,] aber auch keine Leugnung des faktisch Einigenden. Teilweise Bek[enntnis-]Union unter Ausblick aufs Ganze. – Ja! Aber dies kann nur im Kampf gesagt u[nd] im Ernst gesagt werden. Voraussetzung: Einigkeit in der Beurteilung des 19. J[ahr]h[underts]!

Was wird dabei aus den alten Bek[enntnis-]Differenzen? Waren Bekenntnisse der Ausgang d[es] neuen Bekennens, so sind sie nun erst recht ernst zu nehmen, aber als Weg zum heutigen Bekennen. Bekommen dann den Charakter einer verschiedenen «Herkunft u[nd] Verantwortung»97, bilden Schule u[nd] Brauch, werden Gegenstand eines Kampfes um die Wahrheit in der Kirche. Als solche auch jetzt wichtig. 98-Stärkung der Konfessionen. Frage an die Konsensusgemeinden!98 Kirchenspaltung nicht mehr wahr u[nd] nötig. Vielleicht dauernde Unterschiede? Vielleicht Aufhebung? Wir befehlen es Gott …!

(Kirchenbund?)        (Kirchenbund?)

________________________

Originalfußnoten

1)
Vortrag, gehalten am 11. Februar 1935 vor einer Versammlung von Ältesten und Gemeindegliedern zu Mönchen-Gladbach, wiedergegeben nach einem Stenogramm.↩
2)
«Der innere Gang des deutschen Protestantismus.» 1874. 2. Bd. S. 204f. 📖v↩
3)
«Von der Kirche der Union zum Bekenntnisbau der DEK.» 1934, S. 5. 📖ak↩
4)
Grundlagen des ev. Kirchenrechts. 1928, S. 250f. 📖bc↩
5)
Die evang. Landeskirche Preußens und die Wissenschaft. 1840.↩
6)
Geschichte der christlichen Kirche, 5. Bd., 1862, S. 446. 📖↩
7)
G. Holstein a.a.O. S. 243. 📖↩
8)
Wer dieses Lied anstimmt – es ist ein schönes Lied – der singt sehr charakteristisch das Lied des 18. Jahrhunderts mit seinem merkwürdigen Vergessen der entscheidenden Anliegen des Reformationsjahrhunderts. Es ist mir objektiv ein Zeichen, mein Misstrauen gegen die Union des 19. Jahrhunderts nicht fallen zu lassen.↩
9)
Es ist z. B. nicht einzusehen, warum sich die heutigen Lutheraner nicht darüber verständigen und erklären könnten, dass sie das gegen Zwingli und die Schwärmer des 16. Jahrhunderts gerichtete et improbant secus docentes Conf. Aug. 10 📖82 zwar als wichtige Abgrenzung der lutherischen Abendmahlslehre gegen einen bestimmten Irrtum festhielten, ohne damit den Unsinn zu behaupten, es seien die heutigen Reformierten, die mit diesen secus docentes gemeint und von denen man sich also kirchlich geschieden wissen müsse.↩

Textkritische Fußnoten

a
Das Tskr. weist hier und auch sonst keine Anmerkungen auf. Im Tskr. folgt unter der Überschrift: «Vortrag von Karl Barth, gehalten am 11. Febr. 1935 zu M.-Gladbach» und die Anrede: «Sehr verehrte Versammlung!»↩
b
Tskr.: «das heißt».↩
c
Tskr.: «und».↩
d
Tskr.: «dies».↩
e
Tskr.: «gerade als».↩
f
Fehlt im Tskr.↩
g-g
Tskr.: «man glaubt».↩
h-h
Tskr.: «dass man dann die andere aus dem Auge verliert».↩
i
Tskr.: «Und es».↩
j-j
Tskr.: «Kirche sagen kann von einem jeden, der dazu eine Stellung einnimmt» ↩
k-k
Tskr.: «denkst über die Union».↩
l
Tskr.: «Und wie».↩
m
Tskr.: «Glücklich» (ohne Anführungszeichen).↩
n
Tskr.: «eben so».↩
o-o
Fehlt im Tskr.↩
p
Im Tskr. folgt: «Aber entschuldigen Sie mich im Voraus, wenn es vielleicht, ja wahrscheinlich, auch mir nicht gelingen wird, ganz befriedigend zu sprechen zu diesem Thema.»↩
q
Tskr.: «ein».↩
r-r
Fehlt im Tskr.↩
s
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
t
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
u
Fehlt im Tskr. ↩
v
Der Literaturhinweis folgt im Tskr. ohne Band- oder Seitenangabe in Klammern nach dem Zitat: «‹Der innere Gang des deutschen Protestantismus›».↩
w-w
Tskr.: «Einheit der Kirche, das kann».↩
x-x
Tskr.: «herbeiführen kann zwischen verschiedenen Gesellschaften».↩
y
Tskr.: «sondern auf den himmlischen Einheiten, welche der dreieinige Gott in der Kirche wirkt. Die Einheit der Kirche beruht».↩
z
Tskr.: «er».↩
aa-aa
Fehlt im Tskr.↩
ab-ab
Tskr.: «und selbstverständlich gerade, wenn sie weitgehend sein wollen,».↩
ac
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
ad
Tskr.: «ist da».↩
ae
Tskr.: «ihn jetzt».↩
af-af
Tskr.: «über die».↩
ag
Tskr. und Druck: «29.9.1817»; von den Hrsg. korrigiert (in Übereinstimmung mit dem Stichwortmanuskript). ↩
ah-ah
Tskr.: «wollen und dass».↩
ai
Tskr.: «heute».↩
aj-aj
Tskr.: «nun vielleicht es».↩
ak
Tskr.: Literaturhinweis ohne Jahres- und Seitenangabe in Klammern nach dem Zitat: «‹Von der Kirche der Union zum Bekenntnisbau der D.E.K.›».↩
al
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
am-am
Fehlt im Tskr. ↩
an-an
Tskr.: «um diese Frage wirklich».↩
ao-ao
Tskr.: «Nun möchte ich».↩
ap-ap
Tskr.: «das alles».↩
aq
Im Tskr. folgt: «Und dass wir dann vielleicht auch dazu kommen können, einen deutlichen Strich zu machen zwischen dieser Vergangenheit und unserer Gegenwart.»↩
ar-ar
Tskr.: «wir zu einer Vereinigung in der Lehre kommen dürfen und müssen».↩
as
Tskr.: «mit dem Jahre».↩
at-at
Tskr.: «schwer ist, wenn nicht gar unmöglich».↩
au-au
Tskr.: «unter allen Umständen zu verneinen ist im Blick auf die Vergangenheit».↩
av
Tskr.: «dies».↩
aw-aw
Tskr.: «zu geschehen hat».↩
ax
Fehlt im Tskr.↩
ay-ay
Tskr.: «müsste ich Ihnen sagen».↩
az-az
Tskr.: «bewegt mich vor allem im Blick auf die Gründe und Motive».↩
ba
Tskr.: «möchte».↩
bb
Tskr.: «hinausgehen».↩
bc
Die Anm. fehlt im Tskr.; es folgt hier auch nicht, wie sonst, ein Literaturhinweis in Klammern. ↩
bd
Tskr.: «Punkt wäre dieser».↩
be
Tskr.: «hatte».↩
bf
Fehlt im Tskr.↩
bg-bg
Fehlt im Tskr. ↩
bh
Tskr.: «sie wurde».↩
bi-bi
Tskr.: «In jener Zeit kam».↩
bj-bj
Tskr.: «einig sind».↩
bk-bk
Fehlt im Tskr.↩
bl
Tskr.: «ganze».↩
bm
Fehlt im Tskr.↩
bn
Tskr.: «einströmen zu lassen».↩
bo-bo
Tskr.: «ebenfalls».↩
bp
Tskr.: «Schwächung».↩
bq-bq
Tskr.: «Aber trotzdem allem».↩
br-br
Fehlt im Tskr.↩
bs
Tskr.: «man zweifellos».↩
bt-bt
Tskr.: «in der irrenden».↩
bu-bu
Tskr.: «wohl». ↩
bv
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
bw-bw
Tskr.: «Herrn».↩
bx-bx
Tskr.: «Einheit».↩
by-by
Tskr.: «auf die Wirkungen der Union schaue».↩
bz-bz
Tskr.: «das sehr viel Schlimmere».↩
ca
Fehlt im Tskr.↩
cb
Tskr.: «wenn». ↩
cc-cc
Tskr.: «für das».↩
cd
Im Tskr. irrtümlich: «1847».↩
ce
Im Tskr. ohne Anmerkung oder sonstigen Literaturhinweis.↩
cf
Tskr.: «wirklich kühn».↩
cg-cg
Tskr.: «nun durchgemacht hat».↩
ch
Tskr.: «hat».↩
ci
Im Tskr. ohne Anmerkung oder sonstigen Literaturhinweis.↩
cj
Tskr.: «absoluten».↩
ck-ck
Tskr.: «sich die Vorstellung».↩
cl-cl
Tskr.: «vorgearbeitet in willkürlich erdachte Vorstellungen». ↩
cm-cm
Tskr.: «kann nicht leugnen, wenn man auf die Union des 19. Jahrhunderts zurückblickt».↩
cn-cn
Tskr.: «damit ernst gemacht».↩
co
Tskr.: «damals».↩
cp-cp
Tskr.: «Synode».↩
cq
Tskr. und Druck irrtümlich: «1847».↩
cr-cr
Fehlt im Tskr.↩
cs
Tskr.: «auf dem».↩
ct-ct
Tskr.: «auch Anderes». ↩
cu-cu
Tskr.: «auch auf».↩
cv-cv
Tskr.: «Man möchte mit G. Hostein fragen: Ist das nichts?» – Weder die oben voranstehende Anm. 7) noch ein anderer genauerer Literaturhinweis finden sich im Tskr.↩
cw
Fehlt im Tskr. ↩
cx
Tskr.: «wuchtigsten».↩
cy-cy
Fehlt im Tskr.↩
cz
Tskr.: «das».↩
da-da
Tskr.: «sein wollte». ↩
db-db
Tskr.: «nicht eben eine sehr rühmliche Stellung eingenommen haben im großen Ganzen». ↩
dc-dc
Tskr.: «die».↩
dd-dd
Tskr.: «Anerkennung aller».↩
de-de
Tskr.: «Liebestätigkeit».↩
df-df
Tskr.: «den kirchlichen Charakter».↩
dg-dg
Tskr.: «sehr bezeichnend, dass am Kirchentag».↩
dh
Die im Text in Anm. 8) stehenden Sätze folgen im Tskr. im Haupttext. Dort fehlt: «gegen die Union des 19. Jahrhunderts».↩
di-di
Tskr.: «auch ein überall durchdringendes Florieren des Bekenntnisses und».↩
dj-dj
Fehlt im Tskr.↩
dk-dk
Tskr.: «von Union und Bekenntnis».↩
dl-dl
Tskr.: «wie diese Schwierigkeit überwunden werden kann zwischen Union und Bekenntnis».↩
dm
Tskr.: «mannigfachen».↩
dn
Tskr.: «sagen».↩
do
Tskr.: «wäre».↩
dp
Tskr.: «Es ist eine Einheit gewesen, bei der gewisse nennenswerte und reale Motive ihre Rolle spielten, aber wenn».↩
dq-dq
Tskr.: «nicht diesen Weg».↩
dr-dr
Tskr.: «geredet haben würde 1932».↩
ds-ds
Tskr.: «eurer».↩
dt
Fehlt im Tskr.↩
du
Tskr.: «zurufen».↩
dv-dv
Tskr.: «euch».↩
dw
Fehlt im Tskr.↩
dx-dx
Tskr.: «Vergangenheit und».↩
dy
Tskr.: «ganz neu».↩
dz-dz
Tskr.: «gegeben».↩
ea
Tskr.: «in».↩
eb
Tskr.: «zusammendrängen zu wollen».↩
ec-ec
Fehlt jeweils im Tskr.↩
ec-ec
Fehlt jeweils im Tskr.↩
ed-ed
Tskr.: «Wir haben nicht nur die Offenbarung anzuerkennen, wie sie uns in der heiligen Schrift gegeben ist, sondern auch die». ↩
ee
Fehlt im Tskr.↩
ef
Tskr.: «noch».↩
eg-eg
Tskr.: «den Worten».↩
eh
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
ei
Fehlt im Tskr.↩
ej
Tskr.: «auch».↩
ek-ek
Tskr.: «in Deutschland bzw. in der».↩
el
Fehlt im Tskr. ↩
em-em
Fehlt im Tskr.↩
en-en
Tskr.: «gesucht hatte und gewollt hatte, merkwürdigerweise».↩
eo-eo
Fehlt im Tskr. ↩
ep
Tskr.: «einer solchen».↩
eq-eq
Tskr.: «gelungen».↩
er-er
Tskr.: «keine große Erklärung».↩
es-es
Tskr.: «gesehen werden, auch wieder sehr viel».↩
et-et
Fehlt im Tskr.↩
eu-eu
Fehlt im Tskr. ↩
ev-ev
Tskr.: «soll einmal Jemand gesagt haben».↩
ew
Tskr.: «vielleicht».↩
ex-ex
Tskr.: «– Aber hinsichtlich».↩
ey
Im Tskr. ohne Anführungszeichen.↩
ez
Tskr.: «lebendige».↩
fa-fa
Tskr.: «als».↩
fb
Im Tskr. folgt: «Aber auch das muss mit Vorbehalt gesagt werden und kann eigentlich nur als Frage gestellt werden.»↩
fc-fc
Tskr.: «dahin fallen».↩
fd
Fehlt im Tskr. ↩
fe-fe
Tskr.: «neuen Union».↩
ff
Tskr.: «Sind».↩
fg
Tskr.: «Und es».↩
fh
Fehlt im Tskr.↩
fi
Fehlt im Tskr.↩
fj
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
fk
Fehlt im Tskr.↩
fl-fl
Tskr.: «und sorgen, dass uns nicht mehr verloren geht der Blick auf das, das sich uns eröffnet hat in Barmen».↩
fm
Tskr.: «kann».↩
fn-fn
Tskr.: «eine».↩
fo
Im Tskr. nachträglich hervorgehoben.↩
fp-fp
Tskr.: «Consensus-Gemeinde».↩
fq
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
fr
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
fs-fs
Tskr.: «eben faktisch neben»↩
ft-ft
Tskr.: «da ist».↩
fu
Fehlt im Tskr.↩
fv
Fehlt im Tskr.↩
fw-fw
Tskr.: «Union». ↩
fx
Tskr.: «Verschiedenheit».↩
fy
Tskr.: «haben».↩
fz
Tskr.: «ein».↩
ga-ga
Tskr.: «Schule und nicht der Kirche»; im Tskr. gibt es keine Entsprechung zum Text in Anm. 9). ↩
gb
Tskr.: «Frage».↩
gc
Fehlt im Tskr.↩
gd
Tskr.: «ist».↩
ge-ge
Tskr.: «Ich kann».↩
gf-gf
Tskr.: «die».↩
gg
Tskr.: «kann».↩
gh-gh
Tskr.: «dieser».↩
gi-gi
Fehlt im Tskr.↩
gj
Fehlt im Tskr.↩
gk-gk
Tskr.: «wird wohl».↩
gl
Fehlt im Tskr.↩
gm-gm
Tskr.: «zur Aufhebung der Unterschiedenheit kommt, zu».↩
gn
Tskr.: «und».↩
go
Tskr.: «von».↩
gp-gp
Tskr.: «steht und fällt damit, dass wir achten auf die himmlische Einheit»↩
gq-gq
Fehlt im Tskr. ↩

Sachfußnoten

1
Vgl. K. Barth, Bemerkungen zum Betheler Bekenntnis, in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 422–477, dort S. 428f. 📖 ↩
2
Vgl. oben, S. 20-23. ↩
3
Vgl. die Präambel der Barmer Theologischen Erklärung (s. oben, S. 293-295) 📖; vgl. auch oben, S. 363-365. ↩
4
So in dem von der Bekenntnissynode verabschiedeten Aufruf An die Evangel[ischen] Gemeinden und Christen in Deutschland, in: G. Niemöller (Hrsg.), Die erste Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche zu Barmen, Bd. 2: Text – Dokumente – Berichte (AGK 6/2), Göttingen1959, S. 205f., dort S. 205. 📖 ↩
5
Vgl. oben, S. 270-277. 534. 583. 688f. Vgl. auch unten, Anm. 33. ↩
6
Gemeint sind der Unionsaufruf vom 27. September 1817 (dazu s. unten im Editionstext) und die am 5. März 1835 erlassene Kirchenordnung für die evangelischen Gemeinden der Provinz Westfalen und der Rheinprovinz (Text: W. Göbell, Die Rheinisch-Westfälische Kirchenordnung vom 5. März 1835. Ihre geschichtliche Entwicklung und ihr theologischer Gehalt, Bd. 2: [Urkundensammlung zur Rechtsgeschichte der rheinisch-westfälischen Kirchenordnung], Düsseldorf 1954, S. 391–422 📖; Auszug: KTGQ IV, S. 190–192 📖). ↩
7
Siehe dazu unten, Anm. 84. ↩
8
Theologische Bedenken zum Kampf um die Union, in: JK 3 (1935), S. 229f. 📖 (Grundlage für diesen Abdruck, der den Regeln der Gesamtausgabe angepasst wurde); Schmidt III, S. 69 📖; RKZ 85 (1935), S. 63. 📖 – Zur Entstehung im Dezember 1934 und Hauptverfasserschaft Webers vgl. Verantwortung I, S. 381 📖, sowie Ernst Wolfs Nachwort zum Abdruck des Editionstextes in: EvTh 2 (1935), S. 44–50, dort S. 44 📖. Im KBA liegen zu dieser Thesenreihe keine Materialien vor, was den Schluss nahelegt, dass Barth hier wirklich nur mitunterzeichnete. ↩
9
So in seinem Nachwort (Anm. 8), S. 44 📖. ↩
10
Brief Barths an seine Mutter A. Barth vom 12.2.1935 (KBA 9235.30). ↩
11
KBA 9235.8. ↩
12
Ebd. ↩
13
Wilhelm G. Fr. Jarcke (1887–1968), 1928–1955 Pfarrer in Mönchengladbach. ↩
14
Friedrich Wilhelm Kunze (1892–1964), 1927–1935 Pfarrer in Mönchengladbach. ↩
15
Vgl. Brief W. Jarckes an Barth vom 1.2.1935 (KBA 9335.136). Jarcke unterschrieb übrigens «Mit evangelischem und deutschem Gruss». ↩
16
Ebd. ↩
17
Brief Jarckes an Barth vom 8.2.1935 (KBA 9335.168). ↩
18
Taschenkalender Ch. von Kirschbaums ( 11.2.1935). ↩
19
Einladungskarte vom 30.1.1935 (ein Exemplar im KBA). ↩
20
KBA 10087; s. unten, S. 737-742. Ungewöhnlich für Barths Arbeitsweise ist, dass er im Stichwortmanuskript vollständige Zitate mit genauen bibliographischen Angaben notierte. – Ein von Jarcke in seinem Brief an Barth vom 8.2.1935 (Anm. 17) erbetenes Thesenpapier, das er den geladenen Hörern und auch solchen, die absagen mussten, zukommen lassen wollte, wurde wohl nicht angefertigt – oder es ist nicht erhalten geblieben. ↩
21
Vgl. Brief Ch. von Kirschbaums an K. G. Steck vom 12.2.1935 (KBA 9235.29). ↩
22
KBA 10088. ↩
23
So der Text der Einladungskarte (Anm. 19). ↩
24
Taschenkalender-Eintrag vom 11.2.1935. – Wilhelm Loew (1887–1977), seit dem gemeinsamen Studium in Marburg mit Barth befreundet, seit 1927 Pfarrer in Traben-Trarbach. ↩
25
Vgl. ebd. – Zum Gespräch mit dem – nicht näher bezeichneten – Bruderrat liegen im KBA keine Aufzeichnungen oder Hinweise vor. Auf der Rückreise sah man im Kölner Bahnhof «auswandernde Juden nach Palästina», die «hebr[äische] Lieder» sangen (ebd.). ↩
26
Vgl. die Briefe Langenohls an Barth vom 7.2. und 12.2.1935 (KBA 9335.164; 9335.184). – Zu Langenohls Reaktion auf den Detmolder Beschluss vgl. oben, S. 569, und S. 630f., Anm. 26. ↩
27
Brief Langenohls an Barth vom 12.2.1935 (Anm. 26). ↩
28
Brief H. A. Hesses an Barth vom 16.3.1935 (KBA 9335.299). Kolfhaus hatte Hesse gegenüber u. a. geäußert: «Von Union jeder Art haben wir Reformierten wirklich genug» (ebd.). Der Artikel, den Hesse seinem Schreiben beigelegt hatte, ist im KBA nicht erhalten. ↩
29
Brief Barths an Kolfhaus vom 17.3.1935 (KBA 9235.55). Barth weiter: «Dass Sie dem, was ich sagte, ‹nur von Anfang bis zu Ende widersprechen› können, das kann sicher keinem Leser durch das, was Sie nachher noch schreiben, als erklärt und begründet erscheinen. […] Können Sie es wirklich verantworten, mir vor den Augen und Ohren der erstaunten R.K.Z.-Leserschaft schließlich nichts als diese Willens- bzw. Unwillenserklärung ins Gesicht zu werfen? Wem soll damit gedient sein? den Konfessionellen? den Unionisten? der Kirche? mir? Ich kann hier wirklich in keiner Richtung eine erbauliche Möglichkeit erblicken und möchte darum – wenn die Sache überhaupt an die Öffentlichkeit kommen soll – für einen Modus plädieren, bei dem ich in ordentlicher Weise zu Wort käme und auch Sie in ordentlicher, d. h. auf mein Votum eingehender und dann sicher nicht so aphoristischer Weise mir antworteten.» ↩
30
Brief von Kolfhaus an Barth vom 21.3.1935 (KBA 9335.312); Hans von Soden und Wilhelm Lütgert (1867–1938; seit 1929 Professor für Systematische Theologie in Berlin) gehörten wie Barth zu den Mitunterzeichnern des «Theologischen Bedenkens» (s. oben), auf das Kolfhaus sich hier offensichtlich bezieht. ↩
31
Wolf, [Nachwort] (Anm. 8), S. 44. 📖 ↩
32
Postkarte Barths an Wolf vom 3.4.1935 (KBA 9235.75). ↩
33
In seinem ausführlichen Nachwort dazu (Anm. 8) setzte sich E. Wolf mit Hermann Sasses Kritik an den unionistischen Tendenzen in der Bekennenden Kirche und besonders an Barths Position auseinander.Wolf bezieht sich dabei vor allem auf H. Sasse, Konfessionelle Unbußfertigkeit, in: AELKZ 68 (1935), Sp. 245–249. 266–274 📖 (Nachdruck in: H. Sasse, In statu confessionis III. Texte zu Union, Bekenntnis, Kirchenkampf und Ökumene, hrsg. von W. Klän / R. Ziegler [OUH.E 10], Göttingen 2011, S. 53–70 📖). ↩
34
Ein Exemplar ist erhalten in: KBA 253. ↩
35
Siehe oben, Anm. 20.↩
36
Anspielung auf die Nähe der reformierten Hochburg Rheydt. Zu den dortigen Verhältnissen vgl. aus der Sicht eines Beteiligten: L. Ditthard, Geschichte der Evangelischen Gemeinde Rheydt 1930 bis 1960 (SVRKG 42), Teil 1: 1930 bis 1945, Düsseldorf 1971 📖; kritisch dazu: J. Grashof, Unversöhnte Brüder. Die Rheydter Pfarrer von der Machtergreifung bis zur Neuordnung des evangelischen Kirchenwesens im Rheinland nach dem Zweiten Weltkrieg, in: MEKGR 54 (2005), S. 242–264 📖.↩
37
Zur Ausdifferenzierung der verschiedenen Unionstypen vgl. G. Holstein, Die Grundlagen des evangelischen Kirchenrechts, Tübingen 1928, S. 247–249. 📖 ↩
38
In der Verfassungsurkunde für die Evangelische Kirche der altpreußischen Union vom 29. September 1922, in: E. R. Huber / W. Huber (Hrsg.), Staat und Kirche im 19. und 20. Jahrhundert. Dokumente zur Geschichte des deutschen Staatskirchenrechts, Bd. 4: Staat und Kirche in der Zeit der Weimarer Republik, Berlin 1988, S. 545–587 📖, wird der Begriff des «Bundes» nicht verwendet, während sich der Deutsche Evangelische Kirchenbund von 1922 bereits durch seinen Namen als solcher auswies (vgl. Verfassung des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes vom 25. Mai 1922, in: Huber / Huber, S. 526–534 📖). Zur Entstehung der Verfassungsurkunde der Unionskirche, besonders zur Diskussion der Bekenntnisfrage und der Präambel vgl. J. V. Bredt, Die neuen Kirchenverfassungen, Bd. 3: Neues evangelisches Kirchenrecht für Preußen, Berlin 1927, S. 350–364 📖; G. Besier, Die neue preußische Kirchenverfassung und die Bildung des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes, in: Die Geschichte der Evangelischen Kirche der Union, Bd. 3: Trennung von Staat und Kirche, kirchlich-politische Krisen, Erneuerung kirchlicher Gemeinschaft (1918–1992), hrsg. von G. Besier / E. Lessing, Leipzig 1999, S. 76–117, bes. S. 99–102 📖; E. Lessing, Zwischen Bekenntnis und Volkskirche. Der theologische Weg der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union (1922–1953) unter besonderer Berücksichtigung ihrer Synoden, ihrer Gruppen und der theologischen Begründungen (UnCo 17), Bielefeld 1992, S. 21–27. 📖 ↩
39
K. Fr. A. Kahnis, Der innere Gang des Protestantismus, zweiter Theil, dritte, erw. u. überarb. Ausgabe, Leipzig 1874, S. 204f. 📖 (i. Orig. ohne Hervorhebungen). – Karl Friedrich August Kahnis (1814–1888; 1844 außerordentlicher Professor der Theologie in Breslau, wo er sich den Altlutheranern anschloss, 1850 ordentlicher Professor in Leipzig) verwendete den Ausdruck «himmlische Einheiten» sonst nicht, sondern sprach von der «göttlichen Grundlage» der Kirche. In ihr bestünden das Wesen und die Einheit der Kirche (vgl. K. Fr. A. Kahnis, Christenthum und Lutherthum, Leipzig 1871, S. 291f. 📖; ders., Die Lutherische Dogmatik historisch-genetisch dargestellt, Bd. 3: System der Lutherischen Dogmatik, Leipzig 1868, S. 533f. 📖). Diese göttliche Grundlage liege «nicht in der unsichtbaren Kirche, sondern in dem was der dreieinige Gott in der Kirche wirkt» (Kahnis).↩
40
Das Zitat enthält hier nicht markierte Auslassungen und ist auch sonst nicht ganz korrekt. Im Original lautet es: «Dieser heilsamen, schon so lange und jetzt wieder so laut gewünschten und so oft vergeblich versuchten Vereinigung, in welcher die reformirte nicht zur lutherischen und diese nicht zu jener übergehet, sondern beide eine neu belebte, evangelisch-christliche Kirche im Geiste ihres heiligen Stifters werden, steht kein in der Natur der Sache liegendes Hinderniß mehr entgegen, sobald beide Theile nur ernstlich und redlich in wahrhaft christlichen Sinne sie wollen» (Die Erklärung des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. vom 27. September 1817, in: C. I. Nitzsch [Hrsg.], Urkundenbuch der Evangelischen Union mit Erläuterungen, Bonn 1853, S. 125–127, dort S. 126 📖; auch in: Kirchenunionen im 19. Jahrhundert, hrsg. von G. Ruhbach [TKTG 6], Gütersloh 19823, S. 34 📖). Im Stichwortmanuskript hat Barth die Auslassungen markiert und das Zitat korrekt wiedergegeben (s. unten, S. 738).↩
41
H. Ph. Ehrenberg, Von der Kirche der Union zum Bekenntnisbau der Deutschen Ev. Kirche aus der Heilsordnung Gottes, Witten 1934, S. 5. 📖 Dort: «Der Satan versucht die Kirche also ebenso […].» – Hans Philipp Ehrenberg (1883–1958) begann als ao. Professor für Philosophie 1920 ein Theologiestudium, seit 1925 Pfarrer in Bochum, 1939 nach Amtsverzicht wegen «nichtarischer» Abstammung und zeitweiliger Haft im Konzentrationslager Sachsenhausen Emigration nach Großbritannien.↩
42
Nach Holstein ging es den preußischen Herrschern schon seit dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620–1688) «vor allem» um «ein konfessions- und kirchenpolitisches Ziel, nämlich die Herstellung einer wirklich großen protestantischen Einheitsfront» (Holstein [Anm. 37], S. 250 📖). – Günther Holstein (1892–1931), 1924 Professor für öffentliches Recht in Greifswald, seit 1930 in Kiel. ↩
43
Vgl. a.a.O., S. 251 📖: «Die Unionstendenz ist nicht das willkürliche Privatvergnügen eines reformierten Herrscherhauses inmitten einer vorwiegend lutherischen Umgebung, sondern der aus der religiös-geistigen Gesamtsituation Deutschlands geborene Versuch, ein gesamtdeutsches Problem zu lösen.»↩
44
Vgl. etwa Fr. D. E. Schleiermacher, Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt (1821/22) (ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. 1, Bd. 7, hrsg. von H. Peiter, Teilbd. 1, Berlin / New York 1980), S. 40–43 (§ 12), im Zusammenhang mit S. 31–38 (§§ 9f.). 📖 ↩
45
Eine die Moral in den Mittelpunkt rückende Deutung der (christlichen) Religion nahmen z. B. Immanuel Kant und die theologischen Rationalisten vor. Vgl. I. Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, Akademie-Ausgabe, Bd. VI, Berlin 1914, S. 1–202, dort S. 139f. 153f. (B 210f. 229) 📖; [J. Fr. Röhr], Briefe über den Rationalismus. Zur Berichtigung der schwankenden und zweideutigen Urtheile, die in den neuesten dogmatischen Consequenz-Streitigkeiten über denselben gefällt worden sind, Aachen 1813, S. 404. 439 📖; J. A. L. Wegscheider, Institutiones Theologiae Christianae Dogmaticae. Scholis suis scripsit addita dogmatum singulorum historia et censura J. A. L. Wegscheider, editio quinta auctior et emendatior, Halle 1826, S. 52f. 467. 488 (§§ 13. 155. 160) 📖; G. J. Plan[c]k, Über den gegenwärtigen Zustand und die Bedürfnisse unserer protestantischen Kirche bei dem Schlusse ihres dritten Jahrhundertes. Betrachtungen, Vorschläge und Wünsche, Erfurt 1817, S. 93–97 📖. ↩
46
Man wird Barths These, dass die Bevölkerungswanderungen des 19. Jahrhunderts zur Union geführt haben, schwerlich folgen können, denn diese setzten in einem größeren Umfang erst in den 1830er Jahren ein, konnten die zu dieser Zeit bereits bestehende Union also allenfalls stärken. Dann allerdings waren besonders die früh industrialisierten reformierten Hochburgen im Rheinland und im Bergischen Land, aber auch etwa der Berliner Raum von einer hohen Zuwanderung aus dem vornehmlich lutherischen (resp. katholischen) Osten betroffen; vgl. W. J. Mommsen, Das Ringen um den nationalen Staat. Die Gründung und der innere Ausbau des Deutschen Reiches unter Otto von Bismarck 1850 bis 1890 (Propyläen Geschichte Deutschlands, Bd. 7/1), Berlin 1993, S. 58–60 📖; Th. Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800–1866. Bürgerwelt und starker Staat, München 19874, S. 112–114. 📖 – Eine ähnlich starke Wanderungsbewegung von Reformierten in den Osten erfolgte nicht. Im Königreich Sachsen erhielten z. B. die dort ansässigen, der hugenottischen Zuwanderungsbewegung um 1700 entstammenden reformierten Gemeinden in Leipzig und Dresden zwar 1811 die bis dahin nicht gewährte Gleichberechtigung. Dies geschah aber nicht, weil sie zahlenmäßig so viel stärker geworden wären, sondern weil «die soziale Äquivalenz der reformierten Kaufleute und der Familien des Leipziger Wirtschaftsbürgertums […] allmählich die Bedeutung der religiösen Unterschiede» reduziert hatte (K. Middell, Hugenotten in Kursachsen. Einwanderung und Integration, in: Hugenotten und deutsche Territorialstaaten. Immigrationspolitik und Integrationsprozesse / Les États allemands et les huguenots. Politique d’immigration et processus d’integration [ParHS 82], hrsg. von G. Braun / S. Lachenicht, München 2007, S. 51–70, dort S. 68 📖).↩
47
Zu nennen sind neben der Kabinettsordre Friedrich Wilhelms III. vom 27. September 1817 (s. oben, Anm. 40) diejenige vom 28. Februar 1834 sowie die Generalkonzession Friedrich Wilhelms IV. vom 23. Juli 1845, sein Erlass vom 6. März 1852 und die Kabinettsordre vom 12. Juli 1853 (alle in: Kirchenunionen [Anm. 40], S. 34f. 36f. 41f. 42f. 📖). ↩
48
In den offiziellen Verlautbarungen findet sich der Bezug auf Joh. 17 nicht, spielt aber im späteren Pro und Contra um die Union eine wichtige Rolle. Vgl. z. B. D. Schenkel, Für Bunsen wider Stahl. Die neuesten Bewegungen und Streitigkeiten auf dem kirchlichen Gebiete, Darmstadt 1856, S. 45 📖: «Scheuen wir uns nicht, es zu sagen: Für die Union ist jetzt die Zeit des Märtyrerthums angebrochen, […]; sie theilt das Schicksal des Herrn der Kirche selbst, der […] gebetet hat: ‹auf daß alle eins seien, […].› (Joh. 17,21). Aber ein gottgewolltes und heiliges Werk […] der Zersetzung preisgegeben zu sehen: das muß in der Brust jedes Mitgliedes der deutsch-evangelischen Kirche […] einen tiefen Stachel zurücklassen.» – Aus unionskritischer Perspektive urteilt Fr. J. Stahl, Die lutherische Kirche und die Union. Eine wissenschaftliche Erörterung der Zeitfrage, Berlin 18602, S. 352f. 📖: «Diesen Wert legt man der Einigkeit theils an sich nach Joh. 17 theils gegenüber dem Katholicismus bei. Eine Einigkeit solcher Art aber ist es nicht, zu welcher die h. Schrift uns anleitet, und giebt es kein schwächeres Argument für die Union, als die Berufung auf Joh. 17. Vom ‹Einsseyn› durch die Indifferenziirung [sic!] der Glaubensgegensätze steht daselbst nichts, und darf man uns die Union mit den Reformirten, ohne daß diese ihr Bekenntniß ändern, aus Joh. 17 zumuthen, warum nicht auch ebenso mit den Katholiken, mit den Irvingisten, mit den Baptisten?»↩
49
Vgl. die Kabinettsordre vom 28. Februar 1834, das Wesen und den Zweck der Union und Agende betreffend, in: Kirchenunionen (Anm. 40), S. 36f., dort S. 37 📖: «Die Union bezweckt und bedeutet kein Aufgeben des bisherigen Glaubensbekenntnisses, auch ist die Autorität, welche die Bekenntnisschriften der beiden evangelischen Konfessionen bisher gehabt, durch sie nicht aufgehoben worden. Durch den Beitritt zu ihr wird nur der Geist der Mäßigung und Milde ausgedrückt, welcher die Verschiedenheit einzelner Lehrpunkte der andern Konfession nicht mehr als den Grund gelten läßt, ihr die äußerliche kirchliche Gemeinschaft zu versagen.» ↩
50
Vgl. B. Bauer, Die evangelische Landeskirche Preussens und die Wissenschaft, Leipzig 18402, S. 36 📖: «Was hülfe es, wenn man es eingesehen hat und verschweigen wollte: die Union ist die ungeheure Umwendung, welche die sichtbare Kirche gestürzt hat. […] Noch einmal gesagt: die Union ist die in der Kirche zur That und zum Gesetz gewordene Aufklärung, sie ist die Revolution, wie sie in der Kirche vollendet ist […].» Von «Revolution gegen die Autorität Gottes» spricht Bauer hier nicht. – Bruno Bauer (1809–1882), Vertreter des Linkshegelianismus, 1834 Privatdozent in Berlin, 1842 aus dem Lehramt entfernt. ↩
51
Vgl. a.a.O., S. 45 📖: «Wenn daher eine Gemeinde es anerkennt, ausspricht und durch die That beweist, daß sie die Verschiedenheit einzelner Lehrpunkte der andern Confession nicht mehr als Grund betrachten könne, ihr die äußere kirchliche Gemeinschaft zu versagen, so hat sie zunächst ihr eigenes Wesen aufgegeben.» – Das Stichwortmanuskript Barths ist hier näher am Wortlaut Bauers; vgl. unten, S. 740.↩
52
Vgl. F. Chr. Baur, Geschichte der christlichen Kirche, Bd. 5: Kirchengeschichte des neunzehnten Jahrhunderts, nach des Verfassers Tod hrsg. von E. Zeller, Tübingen 1862 📖: Die Union «ist die Frucht der im allgemeinen Bewusstsein der Zeit zur Reife gekommenen Ueberzeugung, dass die confessionellen Gegensätze sich überlebt, in dem Entwicklungsprocess, welchen sie in ihrem geschichtlichen Verlauf durchgemacht, sich gegenseitig an einander zerrieben haben. Seitdem die allgemeine Bildung und Aufklärung der Zeit es nicht mehr gestattet, dass die Lutheraner und Reformirten, wie zur Zeit der Concordienformel und der alten protestantischen Dogmatiker, sich gegenseitig verketzern und verdammen, muss jeder dem Lehrbegriff des Andern seine dogmatische und geschichtliche Berechtigung zugestehen. Hat aber jeder von beiden das gleiche gute Recht, so bestehen sie zwar neben einander, schliessen sich aber auch gegenseitig aus. Es gibt somit überhaupt keinen Lehrbegriff, welcher einen absoluten Anspruch auf Wahrheit zu machen hätte, jeder dogmatischen Behauptung stellt sich immer wieder eine andere gegenüber, die sie negirt, und man kann so zuletzt nur zu der Ueberzeugung gelangen, dass das Wesen des Christenthums überhaupt nicht in einem symbolisch fixirten und systematisch ausgebildeten Lehrbegriff besteht.» – Ferdinand Christian Baur (1792–1860), 1817 Professor an der Klosterschule Blaubeuren, 1826–1860 Professor in Tübingen. ↩
53
Friedrich Wilhelm III. sah sich bereits in seiner Erklärung vom 27. September 1817 genötigt, die Union gegen den Vorwurf des «Indifferentismus» in Schutz zu nehmen: «Auch hat diese Union nur dann einen wahren Werth, wenn weder Überredung noch Indifferentismus an ihr Theil haben» (Urkundenbuch [Anm. 40], S. 126 📖). ↩
54
Vgl. etwa die Kabinettsordre vom 28. Februar 1834 📖 (s. oben, Anm. 49) und z. B. auch Fr. S. G. Sack, Über die Vereinigung der beiden protestantischen Kirchenparteien in der Preußischen Monarchie. Nebst einem Gutachten über die Beförderung der Religiosität, Berlin 1812, S. 51.72f. 📖; [Fr. D. E. Schleiermacher], Amtliche Erklärung der Berlinischen Synode über die am 30sten October von ihr zu haltende Abendmahlsfeier (1817), in: ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 9, hrsg. von G. Meckenstock unter Mitwirkung von H.-Fr. Traulsen, Berlin / New York 2000, S. 171–188, dort: S. 186. 📖 ↩
55
Gemeint ist die preußische Generalsynode, die vom 2. Juni bis zum 29. August 1846 in Berlin stattfand. ↩
56
Siehe oben, S. 364, Anm. 102.↩
57
Zur Abspaltung der altlutherischen Kirche vgl. E. Foerster, Die Entstehung der Preußischen Landeskirche unter der Regierung König Friedrich Wilhelms des Dritten nach den Quellen erzählt. Ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenbildung im deutschen Protestantismus, Bd. 2, Tübingen 1907, S. 238–321 📖; W. Nixdorf, Die lutherische Separation. Union und Bekenntnis (1834), in: Die Geschichte der Evangelischen Kirche der Union, Bd. 1: Die Anfänge der Union unter landesherrlichem Kirchenregiment, hrsg. von J. Fr. G. Goeters / R. Mau, Leipzig 1992, S. 220–240. 📖 – Zur reformierten Separation: Zwischen 1838 und 1849 bildeten sich in der Grafschaft Bentheim und zwischen 1854 und 1861 in Ostfriesland mehrere altreformierte Gemeinden, die sich freilich nicht von einer Unionskirche, sondern von der dortigen reformierten Kirche trennten. Von der Union separierte sich 1847 auf Initiative von Hermann Friedrich Kohlbrügge (1803–1875) die Niederländisch-Reformierte Gemeinde zu Elberfeld. Vgl. B. H. Landkamp, Art. «Reformierte Kirche, II. Reformierte Kirchen der Gegenwart, B. Altreformierte Kirche», in: RGG3 V, Sp. 892f. 📖; E. Geldbach, Freikirchen. Erbe, Gestalt und Wirkung, Göttingen 20052, S. 194 📖; W. E. Heinrichs, Die Anfänge der Niederländisch-reformierten Gemeinde und ihr soziales Engagement, in: 150 Jahre Niederländisch-reformierte Gemeinde zu Elberfeld, hrsg. im Auftrag des Presbyteriums der Niederländisch-reformierten Gemeinde Elberfeld von K. van Bürck / H. Lüchtenborg, Wuppertal 2000, S. 47–66, dort bes. S. 54–58 📖; B. G. Locher, Das Leben Kohlbrügges (1803–1875), in: a.a.O., S. 77–112, dort S. 100–108. 📖 ↩
58
Bei Kahnis, Gang (Anm. 39), S. 206–212 📖, findet sich – direkt anschließend an den Abschnitt «Die Union» – der Abschnitt «Evangelische Theologen», in dem die «zur Union geneigte[n]» bzw. «der unirten Landeskirche» zugehörigen Theologen August Tholuck (1799–1877), August Neander (1789–1850) und der zunächst die Union befürwortende, sie später aber bekämpfende Ernst Wilhelm Hengstenberg (1802–1869) vorgestellt werden. Als weitere namhafte Unionstheologen des 19. Jahrhunderts wären neben Schleiermacher und Nitzsch z. B. Julius Müller (1801–1878), Isaak August Dorner (1809–1884) und J. H. Chr. Willibald Beyschlag (1823–1900) zu nennen.↩
59
Die Vertreter der Inneren Mission bezeichneten ihre Arbeit gerne als freie oder christliche Liebestätigkeit; vgl. Die innere Mission der deutschen evangelischen Kirche. Eine Denkschrift an die deutsche Nation im Auftrage des Centralausschuss für die innere Mission verfaßt von J. H. Wichern, Hamburg 1849, S. 195. 204. 220. 222. 📖 Vgl. auch Fr. Mahling, Art. «Innere Mission», in: RGG2 III, Sp. 271–280, dort Sp. 278 📖: «Die I[nnere] M[ission] ist ihrer äußerer [sic!] Erscheinungsform nach die vereins- und anstaltsmäßig organisierte Liebestätigkeit der ev[an]g[elischen] Kirche der Gegenwart.» ↩
60
Zum Deutschen Evangelischen Kirchenbund, dem 1921/22 gegründeten Zusammenschluss aller evangelischen Landeskirchen in Deutschland, vgl. A. W. Schreiber, Art. «Kirchenbund, Deutscher Evangelischer», in: RGG2 III, Sp. 871–875 📖; Besier (Anm. 38), S. 102–112. 📖 ↩
61
Gemeint ist der vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuss einberufene Deutsche Evangelische Kirchentag, der vom 1. bis 5. September 1919 in Dresden tagte und den Zusammenschluss der Landeskirchen zum Deutschen Evangelischen Kirchenbund auf den Weg brachte; vgl. D. Bormuth, Die Deutschen Evangelischen Kirchentage in der Weimarer Republik (KoGe 51), Stuttgart 2007, S. 123–153. 📖 ↩
62
EG 251; RG 793. – Vgl. Holstein (Anm. 37), S. 243 📖: «Wenn der erste deutsche evangelische Kirchentag nach dem einstimmigen Beschluß der Gründung des Deutschen Evangelischen Kirchentages als dauernder Einrichtung und damit der Gründung des Kirchenbundes den Zinzendorfschen Vers singt: ‹Herz und Herz vereint zusammen›, so ist das ein Akt des Bekennens zu dem, was letzter Inhalt und letzter Sinn evangelischen Kirchentums ist – es ist bezeichnend, daß […], nachdem man aus kirchenpolitischen Gründen der begrifflichen Formulierung eines Bekenntnisses sorgfältig aus dem Wege gegangen war, das Bekenntnis dann doch in der unmittelbar religiös-herzlichen Form der Brüdergemeinde, dieses Prototyps einer völlig undoktrinären und doch höchst charaktervollen Kirchengemeinschaft erfolgte.» – Im Exemplar Barths ist dieser Satz markiert und am Rand mit einem Ausrufezeichen versehen.↩
63
Zu denken ist z. B. an die Lutheraner Claus Harms (1778–1855), Johann Gottfried Scheibel (1783–1843), August Friedrich Christian Vilmar (1800–1868), Friedrich Julius Stahl (1802–1861) und den Reformierten Hermann Friedrich Kohlbrügge (1803–1875). Zu Vilmar und Kohlbrügge vgl. Prot.Theol., S. 570–587. 📖 ↩
64
«Positiv» war im 19. Jahrhundert eine «Selbstbezeichnung konservativer Strömungen in Kirche und Theologie geworden, die damit ihre Gegner als negativ, verneinend, allzu kritisch, grundstürzend, sich selber aber als aufbauend hinstellen» wollten (H. Mulert, Art. «Positiv», in: RGG2 IV, Sp. 1357f., Zitat Sp. 1358 📖; vgl. ders., Art. «Positive Union», in: RGG2 IV, Sp. 1358f. 📖; Fr. H. R. Frank, Geschichte und Kritik der neueren Theologie, insbesondere der systematischen, seit Schleiermacher, aus dem Nachlass des Verfassers hrsg. von P. Saarschmidt, Erlangen/Leipzig 18983, S. 197–261 📖; Lessing [Anm. 37], S. 40–42 📖). ↩
65
Zu Barths Sicht der Theologie des 18. Jh. vgl. Prot.Theol., S. 60–152. 📖↩
66
Der Evangelische Bund hatte sich bereits 1924 der völkischen Bewegung geöffnet und Mitglieder seines Zentralvorstandes gehörten schon früh den Deutschen Christen an, auch wenn der Bund als solcher offiziell kirchenpolitisch neutral blieb. Auf der Magdeburger Generalversammlung 1931 vertrat der Präsident des Evangelischen Bundes, der rheinische Pfarrer Hermann Kremers, die These, dass «der Nationalsozialismus klar auf dem Boden der Lutherischen Ethik» stehe (H. Kremers, Nationalsozialismus und Protestantismus [Volksschriften des Evangelischen Bundes, 35], Berlin 1931, S. 18 📖). Er schloss seinen Vortrag mit der geschichtstheologischen Aussage: «Die deutsche Freiheitsbewegung erscheint uns wie ein Pfeil, entsandt von der Hand des Starken. Sollte dieser Pfeil zerbrochen oder abgelenkt werden und vor dem Ziele matt niederfallen – wir Deutschen hätten – fürchte ich – ‹keinen zweiten zu versenden›!» (a.a.O., S. 52). Am 23.3.1935 erklärte Bundesdirektor Fritz von der Heydt in einem Brief an Innenminister Wilhelm Frick: «Der Evangelische Bund ist diejenige kirchliche Organisation, die sich am frühesten zum werdenden dritten Reich bekannt hat. […] Das dritte Reich verwirklichte Ziele, für die der Bund von jeher gestritten hatte» (zit. nach W. Fleischmann-Bisten, Der Evangelische Bund in der Weimarer Republik und im sogenannten Dritten Reich [EHS.T 372], Frankfurt a. M. u. a. 1989, S. 233f. 📖). Vgl. a.a.O., S. 67-70.225–238; J.-Chr. Kaiser, Der Evangelische Bund und die Politik, in: Evangelisch und Ökumenisch. Beiträge zum 100jährigen Bestehen des Evangelischen Bundes, hrsg. von G. Maron, Göttingen 1986, S. 174–191, dort S. 182–191 📖; Scholder I, S. 134–137 📖. ↩
67
Im Rheinisch-Westfälischen Gustav-Adolf-Blatt war im Frühjahr 1933 zu lesen: «Die politischen Umwälzungen des letzten Monats kann man vom christlichen Standpunkt nur begrüßen. Es waren erquickende Worte, die an dem denkwürdigen 21. März in der alten Garnisonskirche Friedrichs des Großen zu Potsdam gesprochen wurden, daß man den zersetzenden Mächten, die leider unser Volk schon zu sehr bis ins Mark vergiftet haben, mit allen Mitteln des Staates Widerstand leisten und sie bekämpfen wolle und daß es des Geistes und der Kraft des Christentums dazu benötige, um ihrer Herr zu werden» (Rheinisch-Westfälisches Gustav-Adolf-Blatt 77 [1933], Nr. 5, S. 39 📖; zit. nach U. Gradtke, Der rheinische Hauptverein der evangelischen Gustav-Adolf-Stiftung in der Zeit von 1918–1945, in: Im Dienst der Diaspora. 150 Jahre Gustav-Adolf-Werk im Rheinland, hrsg. von G. Beck [SVRKG 107], Köln 1993, S. 39–65, dort S. 51; vgl. a.a.O., S. 50–52 📖). Auch der Gustav-Adolf-Verein begrüßte besonders das deutsch-christliche Bemühen um eine einheitliche Reichskirche und betonte gleichzeitig seine kirchenpolitische Neutralität. Dem Usus folgend, kirchenleitende Personen in den Zentralvorstand zu berufen, um damit seine Verbundenheit mit der Kirche zu dokumentieren, hatte man im Spätsommer 1933 Ludwig Müller und den neugewählten sächsischen Landesbischof Friedrich Coch (1887–1945) in dieses Gremium berufen (vgl. Meier I, S. 82 und S. 549, Anm. 310 📖). ↩
68
Darin, dass Barth allein – das allerdings sehr bedeutende – Bethel als Einrichtung der Inneren Mission nennt, spiegeln sich wohl seine besonderen Vorbehalte gegen Friedrich von Bodelschwinghs Kurs im Kirchenkampf (vgl. dazu oben, S. 235-238). Zum Verhältnis von Nationalsozialismus und Innerer Mission insgesamt vgl. J.-Chr. Kaiser, Sozialer Protestantismus im 20. Jahrhundert. Beiträge zur Geschichte der Inneren Mission 1915–1945, München 1989, S. 248–315 📖.↩
69
Zu Barths mehrfacher grundsätzlicher Auseinandersetzung mit der Irrlehre der Deutschen Christen vgl. oben, S. 14, Anm. 32. ↩
70
Ein explizites Bekenntnis zur Union findet sich in den einschlägigen Äußerungen und Richtlinien der Deutschen Christen nicht, allerdings trotz häufiger Anrufung des «Luther-Geistes» auch kein dezidierter Bezug auf ein konfessionelles Bekenntnis. Die Hervorhebung des «positiven Christentums», eines «artgemäßen Christus-Glaubens» oder die Benennung der Richtlinien als «Lebensbekenntnis» in den früheren Texten (alle Zitate aus den sogenannten Hossenfelderschen Richtlinien vom Mai 1932 [Schmidt 📖]) und insbesondere die überragende Bedeutung der «Einheitlichkeit» der Reichskirche in den späteren Äußerungen lassen sich jedoch durchaus unionistisch interpretieren. Zwar wird der Gedanke an eine Auflösung der traditionellen Bekenntnisse in der Regel zurückgewiesen, diese spielen für die Konstituierung der Reichskirche aber keine erkennbare Rolle. Vgl. etwa die Erläuterung seiner Eingliederungspolitik in der Ansprache August Jägersch der Nationalsynode am 23.9.1934: «Es handelt sich darum, daß das, was bisher Landeskirche war, tatsächlich ein Glied des Ganzen in seiner vollen Bedeutung werde; wie die evangelische Kirche überhaupt in ihrer irdischen Form ein Glied im Organismus des Volksganzen ist, so müssen wiederum die Teile der evangelischen Kirche wahrhafte Glieder der Gesamtkirche sein. Sie müssen Glieder sein […], die sich im Worte Gottes und im Volkstum so verbunden wissen, daß alle Verschiedenheit nur Ausprägung, aber nicht ein anderes bedeutet» (GDEK 2 [1934], Nr. 58, 27.9.1934, S. 176f.) Im gleichen Zusam 📖menhang bezeichnet Jäger «Bekenntnis und Kultus» als «Werte», und deren Stellenwert in der deutschchristlichen Lehre wird anschaulich durch die unmittelbar anschließende Aussage, die «höhere innere Einheit im Geiste und die höhere äußere Einheit in der Ordnung» würden deren Wahrung in den «bisherigen Landeskirchen» «gestatten» (a.a.O., S. 177 [i. Orig. keine Hervorhebungen]).↩
71
Vgl. Heidelberger Katechismus, Frage 1 (BSRK, S. 682,20–23 📖; RefBS II/2, S. 175,32–35 📖). ↩
72
Vgl. M. Luther, Der kleine Katechismus für die gemeine Pfarrherr und Prediger, in: BSLK, S. 501–542, dort S. 511,23–26 📖 (vgl. BSLK.NE, S. 872,2–4 📖 ↩
73
Die Deutschen Christen konnten sich bei und nach den Kirchenwahlen vom Juli 1933 (vgl. dazu V.u.kl.A. 1930–1933, S. 383f. und S. 392, Anm. 14 📖) z. B. auch in den lutherischen Kirchen von Thüringen, Mecklenburg-Schwerin, Lübeck, Schleswig-Holstein und Hamburg durchsetzen. In Barths Wahrnehmung, die sich in vielen Texten dieses Bandes ablesen lässt, leisteten aber auch die sogenannten ‹intakten› lutherischen Landeskirchen von Bayern, Hannover und Württemberg sowie die evangelisch-reformierte Landeskirche der Provinz Hannover und die überwiegend reformierte Lippische Landeskirche der deutsch-christlichen Irrlehre zu wenig Widerstand.↩
74
Sowohl die Jungreformatorische Bewegung als auch der Pfarrernotbund entstanden 1933 ursprünglich in der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union – in der allerdings auch die Deutschen Christen ursprünglich ihren Schwerpunkt und zuerst die Macht an sich gerissen hatten. Diese Kirche wurde, als die Einheit der Bekennenden Kirche 1934/35 zerbrach, auch zum Zentrum des sogenannten dahlemitischen Flügels der Bekennenden Kirche, der an den auf der Dahlemer Synode verabschiedeten Beschlüssen kompromisslos festhalten wollte. ↩
75
Siehe oben, S. 295.↩
76
D. Fr. Strauß, Das Leben Jesu kritisch bearbeitet, 2 Bde., Tübingen 1835/36. 📖 – David Friedrich Strauß (1808–1874), seit 1832 Repetent am Tübinger Stift, 1835 wegen des «Lebens Jesu» Entfernung von der Repetentenstelle, 1839 Berufung als Professor für Dogmatik an die Universität Zürich, dort vor Amtsantritt wegen des starken Widerspruchs gegen die Berufung Versetzung in den Ruhestand. – Zu Barths Verständnis von Strauß vgl. Prot.Theol., S. 490–515. 📖 ↩
77
Siehe oben, S. 546 (Punkt III.2 der Botschaft der Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche 📖).↩
78
Siehe oben, S. 312, Anm. 31.↩
79
Vgl. aus der Präambel der Barmer Theologischen Erklärung 📖: «Gerade weil wir unseren verschiedenen Bekenntnissen treu sein und bleiben wollen, dürfen wir nicht schweigen, […]»; s. oben, S. 295.↩
80
Siehe oben, S. 714. ↩
81
Aufnahme der Formulierung aus These I.3 der Erklärung über das rechte Verständnis der reformatorischen Bekenntnisse in der deutschen evangelischen Kirche der Gegenwart 📖; s. oben, S. 72. ↩
82
«De coena Domini docent, quod corpus et sanguis Christi vere adsint et distribuantur vescentibus in coena Domini; et improbant secus docentes» (BSLK, S. 64,2–6 📖 ; BSLK.NE, S. 105,8f. 📖).↩
83
Die Stichworte des ersten Absatzes sind im Mskr. am Rand – etwas oberhalb der ersten Textzeile beginnend – nachgetragen. ↩
84
Zu diesen Begriffen, die Barth der Nachschrift zufolge im Vortrag nicht verwendete, vgl. Holstein (Anm. 37), S. 247f. 📖: Nach ihm «ist eine doppelte Verbindung zwischen Gemeinden und Kirchen lutherischer und reformierter Art möglich. Entweder eine solche, die die Differenzierung als völlig irrelevant beiseite läßt und sie lediglich in dem Gemeinsamen der biblischen Grundlage als eine Gesamtgröße verfaßt – das ist das, was man als ‹absorptive Union› zu bezeichnen pflegt. Oder aber so, indem man sie in einem Kirchentum kombiniert, aber nicht in Aufhebung, sondern gerade in Beibehaltung ihrer Sondertypen, jedoch im Bewußtsein, daß sie damit nicht in eine bloß äußerliche, historisch zufällige Kombination treten, sondern diese Kombination nur vornehmen können, weil sie beide demselben Gesamttypus angehören und in diesem Gesamttypus eine Einheit darstellen und finden. Das ist das, was wir am besten als ‹Organische Union› bezeichnen können.» ↩
85
Siehe oben, Anm. 39. ↩
86
Siehe oben, Anm. 40 (Hervorhebung durch Barth). ↩
87
Siehe oben, Anm. 41. ↩
88
Siehe oben, Anm. 37. ↩
89
Siehe oben, S. 714. Der letzte Satz wurde mit Bleistift nachgetragen. ↩
90
Der Unions-Aufruf Friedrich Wilhelms III. vom 27.9.1817 📖 (Anm. 40) schloss mit einer Anspielung auf Joh. 10,16 (a.a.O., S. 127): «Möchte der verheißene Zeitpunkt nicht mehr ferne sein, so unter einem gemeinschaftlichen Hirten, alles in einem Glauben, einer Liebe und in einer Hoffnung sich zu einer Herde bilden wird!» ↩
91
Wörtlich nach der revidierten Ausgabe der Lutherbibel von 1892 bzw. 1912. ↩
92
Vgl. Bauer (Anm. 50), S. 36. 📖 ↩
93
Vgl. a.a.O., S. 45. 📖 ↩
94
Siehe oben, Anm. 52. ↩
95
Siehe oben, Anm. 56. ↩
96
Mit Bleistift nachgetragen. ↩
97
Siehe oben, Anm. 81. ↩
98
Mit Bleistift nachgetragen. ↩