Die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union
Die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union
Der Text geht auf einen Vortrag zurück, den
Bereits im Oktober 1933 hatte sich Barth dem Redaktionskreis des «Betheler Bekenntnisses» gegenüber positiv zur Möglichkeit einer «Union» zwischen Lutheranern und Reformierten in den aktuellen theologischen Sachfragen geäußert.1 Im Januar 1934 hatte er dann auf der reformierten Barmer Bekenntnissynode in aller Öffentlichkeit gefordert, die konfessionellen «Belange» dem in der Gegenwart notwendigen gemeinsame Bekennen unterzuordnen.2 Die erste Reichsbekenntnissynode entsprach dieser Forderung, indem sie die Barmer Theologische Erklärung als gemeinsames Wort lutherischer, reformierter und unierter Gemeinden verabschiedete.3 Allerdings hatte man zuvor in konfessionell getrennten Konventen über sie beraten und stellte auch nach der Verabschiedung ausdrücklich fest, dass man weder eine Union schaffen noch den Bekenntnisstand der Kirchen aufheben wollte.4 Trotzdem wurden der Barmer Theologischen Erklärung und auch den Beschlüssen der Dahlemer Synode vor allem von lutherischen, aber auch von reformierten streng konfessionell orientierten Kreisen schon während der Beratungen und auch im Nachhinein immer wieder unionistische Tendenzen vorgeworfen, und es kam zu gegenläufigen Bestrebungen besonders von lutherischer Seite.5
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In dieser Situation hatte
Ist es wohlgetan, bei der Erörterung der kirchlichen und theologischen Frage der Union die Erinnerung an 1817 und 18356 bestimmend sein zu lassen?
Ist es wohlgetan, bei der Union vor allem, bis zur Ausschließlichkeit, nur die Fehler und Gefahren und die Gegensätze zu sehen, beim konfessionellen Kirchentum aber vor den Fehlern und Gefahren und der inneren Mannigfaltigkeit und den Spannungen mehr oder minder die Augen zu verschließen?
Ist es wohlgetan, die Union für kirchliche Schwierigkeiten und Gefahren verantwortlich zu machen, die gerade auch im konfessionellen Kirchentum brennend sind?
Ist es wohlgetan, das Werden einer die Konfessionsgrenzen überflutenden Arbeits-, Liebes-, Glaubens- und Bekenntnisgemeinschaft gering zu achten?
Ist es wohlgetan, dem unierten Kirchentum, soweit man es anerkennen muss, das Gesetz einer absorptiven Union7 aufzunötigen, das möglichst viel Konfessionsgemeinden herauszulösen gestattet?
Ist es wohlgetan, das Eindringen in das theologisch-kirchliche Problem der evangelischen Union dadurch zu hindern, dass nur die höchst anfechtbaren Grenzfälle einer rein konföderativen Union einerseits, einer absorptiven Union andererseits berücksichtigt werden?
Ist es wohlgetan, die untheologische Rede zu dulden, ja zu pflegen, dass ein auf die Schrift und das reformatorische Verständnis der Schrift (Confessio Augustana) gegründetes uniertes Kirchentum ohne Bekenntnis sei, bloß weil es verschiedenen Sonderbekenntnissen Raum lässt?
699 Ist es wohlgetan, das Eindringen in das theologische Problem des Konfessionalismus, aber auch die theologische Fruchtbarmachung des Konfessionserbes zu hemmen durch juristisch-rationale Fassung der Bekenntnisverpflichtung?
Ist es wohlgetan, zu verkennen, wie evangelische Union den evangelischen Grundsatz der Schrift als Quelle und Norm alles Bekennens wie alles kirchlichen Handelns zur Geltung bringt und so zu echter Würdigung der Bekenntnisse aus der Schrift heraus anleitet?8
In seinem Mönchengladbacher Vortrag, der nach
Termin, Thema und Ort des Vortrags erwähnte Barth erstmals in einem Brief an
Barth reiste gemeinsam mit
Eine persönliche Aussprache Barths mit dem im nahen
Der gleichwohl anwesende Langenohl dankte Barth am Tag nach dem Vortrag für seine Ausführungen: «Weithin weiß ich mich eins mit Ihnen, namentlich in der grundsätzlichen Haltung, die Sie eingenommen haben. Worüber im Einzelnen noch zu sprechen wäre, überlassen wir am besten der Aussprache mit Ihnen hier in Rheydt.»27 Dagegen lehnte
Dass Barth ursprünglich nicht beabsichtigt hatte, den Vortrag zu veröffentlichen, schlägt sich noch in dem Nachwort nieder, das
Der Vortrag Die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union erschien in EvTh 2 (1935/36), S. 26–44.
1. Vortragstext: Die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union 1)a
Über die Union sprechen heißtb ein sehr heißes Eisen anrühren oderc in ein Wespennest greifen. Beides soll nicht angenehm sein! Und es soll kirchliche Gegenden geben, wo esd ganz besonders gefährlich ist, dieses Thema anzugreifen. So habe ich mich nicht ganz leichten Herzens entschlossen, alse Redner über dieses Thema gerade in diese Gegend mich rufen zu lassen.36 – Es ist ja so mit der Frage der Union, dass manf immer wieder, wenn man darüber nachdenkt, g-glauben möchte-g, man habe es mit einer Quadratur des Zirkels zu tun. Wenn man es den Einen recht macht, so notwendig den Anderen nicht, und wenn man die eine notwendige Seite der Wahrheit sehen will, h-verliert man die andere aus dem Auge-h. Esi ist auch so mit der Frage der Union: dass man wohl so lange es diese Frage gibt in der evangelischen j-Kirche, einem jeden, der dazu eine Stellung einnimmt, bedeuten kann-j: Sag |705 mir, wie du k-über die Union denkst-k, und ich sage dir, wer du bist. Bei diesem Thema kommt es heraus, wer einer ist. An dieser Frage offenbart sich die Borniertheit des Bornierten und die Verschwommenheit des Verschwommenen. Wiel sollte ich versprechen können, hier als ein Weiser zu reden? Wer kann da bestehen? «Befriedigend»m pflegen hier eigentlich nur die zu reden, die son dran sind, dass sie irgend eine ganz einfache Patent27lösung vorzutragen haben: sei es, dass sie trotzig und bewusst auf dem konfessionellen Standpunkt stehen, sei es, dass sie umgekehrt ebenso bedenkenlos in der Lage sind, sich für die Union auszusprechen. Ich bin weder in der einen noch in der anderen Lage und werde nun versuchen müssen, an die schwere Aufgabe heranzutreten, eben das zu zeigen, warum man wirklich beides nicht kann, und dass wir nun trotzdem als evangelische Christen in der heutigen Zeit uns bestimmte o-kritische und positive-o Gedanken zu machen haben in dieser Sache.p
Es wird wohl der Klärung dienen, wenn ich zunächst einige Selbstverständlichkeiten über die Begriffe vorausschicke. Man versteht unter Union in dem Sinne, in dem das Wort uns hier beschäftigen soll, ganz allgemein die Vereinigung lutherischer und reformierter Kirchen zu einer kirchlichen Gemeinschaft. Das kann sehr Verschiedenes bedeuten: eine bloß äußere Interessengemeinschaft der beiden Kirchen oder eine Verwaltungseinheit oder eine mehr oder weniger weitgehende Kultusgemeinschaft oder einenq Bund, d. h. eine erklärte Gemeinschaft zwischen den beiden Kirchen. Endlich und letztlich aber könnte es geradezu das bedeuten, dass die beiden Kirchen sich zusammenschließen zu einer Kirche, wobei dann diese Einheit wiederum so verstanden werden könnte, dass r-in ihr-r Gemeinden lutherischer und |706 reformierter Art nebeneinander bestehen oders sogar ineinander aufgehen, so dass ein höheres Drittes entstehen würde.37
Ich bin heute gefragt nach der Möglichkeit einer Bekenntnis-Union. Darunter wäre doch wohl zu verstehen die Möglichkeit einer Vereinigung lutherischer und reformierter Kirchen im letztgenannten Sinn: ihre Vereinigung zu einer gemeinsamen öffentlich erklärten christlichen Lehre, wobei die Frage noch offen bleiben kann, ob diese Vereinigung stattfindet nur in einigen Punkten oder auf der ganzen Linie, so dass keine Differenzen übrig blieben und es nur noch einet lehrende und bekennende evangelische Kirche gäbe. Wenn der Bund der beiden Kirchen zu der Vollendung kommen würde, dass der Bund selbstu zur Kirche wird, dann wäre diese letzte Stufe erreicht.
Ich bin gefragt nach der Möglichkeit einer solchen Bekenntnis-Union in diesem strengen Sinn. Kann es in einem solchen Bund reformierter und lutherischer Kirchen, wie unsere altpreußische Landeskirche ihn darstellt,38 geschehen, dass beide Kir28chen sich |707 vereinigen, ganz oder auch nur teilweise, in Lehre und Bekenntnis? Bevor ich versuche, darauf Antwort zu geben, möchte ich Sie mit einem Wort bekannt machen, das uns da wegweisend sein kann. Es ist das Wort eines ausgesprochenen Gegners der Union,
1. Es wird auf keinen Fall unser noch so guter und noch so ernster und noch so frommer und noch so liebevoller Wille darüber entscheiden, ob Union in der Kirche sein soll. In dem grundlegenden Dokument der preußischen Union, nämlich in dem Aufruf
2. Es darf unser menschlicher Wille auf keinen Fall widerstreben, wenn aj-es nun vielleicht-aj im Willen Gottes liegen sollte, dass Union sein muss. Alle Gründe, die wir vielleicht gegen die Union haben könnten, müssten dann zurücktreten, wenn wir uns aufrichtig sagen müssten: Wir haben es mit einem Gebot Gottes zu tun. Alle unsere Gedanken müssen, wenn uns der Wille Gottes in einer neuen Weise entgegentritt, noch einmal in das Feuer geworfen werden, um als neue Gedanken, gehorsame Gedanken, aus der Glut hervorzugehen. Union kann notwendig sein, notwendig auch im innersten Sinn und auf der ganzen Linie, wenn das Wort Gottes uns eine himmlische Einheit offenbart, die der dreieinige Gott auf Erden in seiner Kirche wirkt und sichtbar macht.
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ao-Ich möchte-ao versuchen, auf Grund des bisher erarbeiteten Verständnisses der Fragestellung einen Blick in die Vergangenheit zu tun, einen Blick auf den Weg, von dem wir alle herkommen, einen Blick auf die Geschichte der Unionsfrage im 19. Jahrhundert. Diese Vergangenheit lebt fortwährend auch noch in der Gegenwart, und wir können von den gegenwärtigen heutigen Fragen nicht klar und hilfreich sprechen, wenn wir uns nicht deutlich vor Augen halten, wie ap-alles gekommen und-ap geworden ist.aq Ich möchte vorausschicken, dass nach meiner Einsicht eine Bejahung der Frage, ob ar-eine Vereinigung in der Lehre zwischen Lutheranern und Reformierten geschehen könne-ar, im Blick auf das 19. Jahrhundert bis und mitas 1932 sehr at-schwer, wenn nicht gar unmöglich ist-at. Ich möchte nicht unbedingt sagen, dass diese Frage au-im Blick auf die Vergangenheit zu verneinen ist-au, 31 aber dies scheint mir festzustehen, dass sie im Blick auf den Vorbehalt der Erkenntnis des Willens Gottes, wie wir ihn oben ausführten, praktisch heute aw-schwerlich guten Gewissens bejaht werden könnte-aw. Wenn wir noch im Jahre 1932 stünden und ich damals zu reden gehabtax hätte über die Möglichkeit einer Bekenntnis-Union, so ay-hätte |712 ich sagen müssen-ay: Nach meiner Einsicht ist diese Möglichkeit nicht gegeben. – Ich möchte das deutlich ausgesprochen wissen, damit sich das, was ich nachher noch auszuführen habe, hoffentlich ebenso deutlich davon abhebt.
Was mich bewegt zu sagen: so, wie es bisher war mit der Union, und das, was bisher als Union gewollt und verwirklicht wurde, das geht nicht, und auf diesem Wege gibt es kein Weiterkommen, das az-sind zunächst die Gründe und Motive-az dieser bisherigen Union in der deutschen evangelischen Kirche. Ich kannba die Zusammenhänge nur andeuten.
Die Union, die entscheidend für
Ein zweiter Punktbd: Es kann wiederum keine Frage sein, dass die Union hervorgegangen ist aus einer geistigen Lage, die jedenfalls nicht gekennzeichnet werden kann als eine Situation, in der die Kirche gerade sehr wach gewesen ist, in der sie sehr genau gewusst hat, wie es steht um ihren Grund und ihre Aufgabe, ihr Wesen, ihren Glauben und ihr Bekenntnis. Sondern wenn damals die Union vorgeschlagen worden ist, so lag das daran, dass jene Zeit das Verständnis verloren hatte für das Bekenntnis überhaupt, sowohl für das reformierte wie das lutherische, dass 32 sie diesem Bekenntnis gegenüber gleichgültig geworden war. Die Erklärung der Vereinigung war damals keine große Sache, weil man dem, was dieser Vereinigung entgegenstand, keinen großen Sinn mehr abgewann, weil man wenig oder nichts mehr preiszugeben hatte, etwa so wie eine Familie, die jahrzehntelang einen Streit ausgefochten hatbe, eines Tages diesen Streit beilegen kann, weil die junge Generation um den Sinn dieses Streites nicht mehr weiß und seiner müde ist. Das ist aber nicht eben eine kirchliche und christliche Haltung dem Bekenntnis gegenüber zu nennen. Es war jene Zeit, in welcher die Kirche verstanden wurde als eine Gemeinschaft der Menschen, vereinigt durch ein bestimmtes frommes Gefühl, wie
Der dritte Grund, der zu dieser Union geführt hat und der die Union durch das gesamtebl 19. Jahrhundert und bis in die Gegenwart hinein gestärkt hat, war ebenfalls ein Grund, den man nicht wohl einen Glaubensgrund nennen kann, nämlich die ganz nüchterne, reale Tatsache, dass durch die großen Veränderungen im Wirtschaftsleben eine erhebliche Bevölkerungsbewegung in
bq-Trotz allem-bq: ich möchte nicht bestreiten, dass auch in der Union des 19. Jahrhunderts Kräfte des Glaubens wirksam gewesen sind. In den Verordnungen
Wenn ich by-weiter an die Wirkungen der Union denke-by, so sehe ich mich in meinem Zweifel bestärkt. Sie haben weithin bedeutet eine Zerstörung des Bekenntnisses, des lutherischen und des reformierten. Ich verstehe unter Zerstörung die Hervorrufung einer Unsicherheit, ob es denn gilt, was die Väter be34kannt haben, ob es wahr gewesen ist und ob es Gültigkeit hat auch für uns heute. Ich verstehe unter Zerstörung den Geist der Trübung und Vermischung, in der die Reinheit der Bekenntnisse gegenseitig verletzt wurde, ohne dass man wusste, was geschah, lediglich aus äußeren Anlässen. Man könnte sich gewiss fragen, ob auch solche Preisgaben gewisser lutherischer oder reformierter Sätze nicht nötig werden könnten, wenn es der Wille Gottes ist. Aber es hat sich bz-damals doch das Schlimme-bz ereignet, dass eben das Bekenntnis selbstca, das christliche Bekenntnis als solches zerstört oder doch sehr schwer gestört worden ist. Was hat es zu bedeuten, wenn im Anfang des 19. Jahrhunderts der König und seine Theologen erklärten, von jetzt an stehen die Bekenntnisse gleichwertig nebeneinander, die evangelische Kirche ruht von nun an auf diesen zwei Säulen?49 Bedeutet das nicht: dacb alle recht haben, so hat im |718 Grunde keiner recht, und es gibt das letztlich nicht, was die Reformatoren des 16. Jahrhunderts meinten: die eine bekennende Kirche, die im Glauben ihr Bekenntnis cc-als das wirklich und also-cc allein wahre und richtige erkennt? Muss es das nicht bedeuten? Ein Gegner alles Christentums,
720 Und ferner: Man cm-kann, wenn man auf die Union des 19. Jahrhunderts zurückblickt, nicht leugnen-cm, dass in dieser Zeit die Union wohl nie das gewesen ist, was sie dem Programm nach sein wollte: eine Vereinigung der beiden Konfessionen, aber so, dass die einzelne Konfession darin erhalten bleiben sollte.54 Je mehr die Konfessionen cn-sich selbst ernst genommen-cn haben, je mehr also das Bekenntnis der Väter noch fortlebte, umso mehr erwies sich, dass die Union ein nebelhaftes Gebilde war, das praktisch eigentlich kaum Gestalt annehmen konnte. Zu einer Bekenntnis-Union kam es tatsächlichco nicht. Das zeigte sich gerade auf der cp-General-Synode-cp von 1846cq.55 Damals wollte der Bonner Professor
Gewiss kann man ct-nun auch manches Positive-ct geltend machen. Man pflegt anzuführen, dass es im 19. Jahrhundert eine Theologie gegeben hat, die evangelische Theologie gewesen sei.58 Man verweist |722 weiter auf die Tatsache, dass im 19. Jahrhundert die Liebestätigkeit so reich aufgeblüht sei.59 Man verweist endlich cu-auf die auch-cu außerhalb
Der Wille zur Union war stark im 19. Jahrhundert; aber daneben ist unverkennbar Tatsache: di-ein überall durchdringendes Lauwerden des Bekenntnisses in der Union und ebenso-di die überall vorhandene Un|726fähigkeit, vom Bekenntnis aus zur Union zu kommen. Diese zwei Gegensätze: auf der einen Seite die dj-der wirk37lichen Union anhaftende-dj Indifferenz gegenüber dem Bekenntnis, auf der anderen Seite die nach wie vor unüberbrückbare Ausschließlichkeit dk-des wirklichen Bekenntnisses gegenüber der Union-dk, haben das ganze Jahrhundert hindurch unter der Asche geglimmt. Die Frage ist auch heute noch vorhanden, und wer das Wort zum Problem der Union ergreift, der mag sich wohl fragen, dl-ob diese Schwierigkeit im Verhältnis zwischen Union und Bekenntnis je überwunden werden kann-dl.
Mit dieser doppelten Frage sind wir vor zwei Jahren in den Kirchenkampf unserer Tage hineingegangen. Wer weiß und einsieht, dass wir hinter uns im Rücken eine solche ungeordnete Situation hatten, der wird sich nicht wundern über die mannigfachdm unheilvollen Dinge, die gerade im Zusammenhang mit der Frage der Union sich ereigneten und noch ereignen.
Nach meiner Einsicht lässt sich also nicht behauptendn, dass in der Union des 19. Jahrhunderts etwas von einer himmlischen Einheit auf Erden in der Kirche sichtbar geworden seido, sondern nach meiner Einsicht muss gesagt werden: Wenndp die Kirche wieder zum Bewusstsein ihrer selbst kommen sollte, dann kann sie dq-diesen Weg nicht-dq weitergehen, sondern dann – ich rede, wie ich dr-1932 geredet haben würde-dr – kann der Ausweg nur der sein: dass man den Lutheranern und den Reformierten zuruft: Ihr müsst ds-je eurer-ds Sache wieder gewiss werden! Dann kann zwischen euchdt beiden so etwas wie ein Kirchenbund hergestellt werden. Es ist richtig, wenn ihr euch |727 auf beiden Seiten konsolidiert und allen jenen Gemeinden, die nicht mehr richtig wissen, was sie sind – und das sind nicht ganz wenige! – zuruftdu: Entscheidet dv-und also: scheidet euch, um dann und so, als beiderseits bekennende Gemeinden, vielleicht wenigstens bündnisfähig zu werden-dv! So müsste wohldw im Blick auf die Vergangenheit geredet werden.
* * *
Aber nun haben wir zum Glück nicht nur mit dieser dx-Vergangenheit, nicht nur-dx mit dem 19. Jahrhundert zu rechnen. Sondern nun ist im Jahre 1933 eine andere Situation eingetreten, in der uns die Frage neudy gestellt ist und in der auch eine neue Antwort dz-zu geben-dz ist. Es war etwas ganz Unerwartetes und Unvorhergesehenes, was sich 1933 ereignete. Ich möchte das anea drei Tatsachen Ihnen vor Augen stellen.
38 1. Im Jahre 1933 ist in der Deutschen Evangelischen Kirche eine Irrlehre aufgetreten, die grundsätzlich allerdings nicht schlechterdings neu war, sondern in der alles sich zusammenzuballeneb schien, was längst als Irrlehre ec1-in der Kirche-ec lebte, aber nun eben zusammengeballt und getragen von der ganzen Wucht einer veränderten politischen Situation ec2-Gestalt annahm-ec: ich meine die Irrlehre der
2. Die zweite Tatsache ist nicht minder merkwürdig. Sie besteht einerseits darin, dass das, was wir vorhin über die Entwicklung der Bekenntnisfrage im 19. Jahrhundert hörten, seine Bestätigung erfahren hat: Es zeigte sich nun, wie geschwächt das Bekenntnis tatsächlich |729 war, dass die Leute wohl hundert Jahre langee noch ihren Heidelberger und ihren Lutherischen Katechismus gelernt hatten, ohne dochef zu verstehen, was sie damit lernten. Wenn der Heidelberger Katechismus beginnt mit eg-der Erklärung-eg: Dass Jesus Christus sei mein einigereh Trost im Leben und im Sterben!,71 oder wenn es im Lutherischen Katechismus heißt: dass Jesus Christus sei mein Herr!,72 so wurde das letztlich nicht mehr begriffen. Übleei Früchte einer jahrhundertelangen Entwicklung gingen auf. Und es zeigte sich, dass geradeej diejenigen Teile ek-Deutschlands bzw. der-ek deutschen Kirche, die sich das lutherische oder das reformierte Bekenntnis verhältnismäßig rein erhalten hatten, sich nicht als besonders wachsam erzeigten, sondern dass gerade in ausgesprochen lutherischen oder reformierten Gegenden der Widerstand gegen die einbrechende Irrlehre 39 mindestens nicht sehr stark war.73 Während umgekehrt die merkwürdige Tatsache nicht zu leugnen ist, dass gerade die Union der Schauplatz des erwachenden Widerstandes wurdeel. Es waren Reformierte und Lutheraner nicht in den rein lutherischen und rein reformierten Gebieten, |730 sondern in der Union, die zunächst und zuerst die ganze Gefahr des Augenblicks erkannt haben und zum Widerstand, em-d. h. aber – zum Bekenntnis-em aufriefen.74
3. Die dritte Tatsache war diese: dieser Widerstand der Jahre 1933 und 1934 hat, ohne dass man es en-gesucht und gewollt hatte, merkwürdigerweise plötzlich-en zu so etwas geführt wie zu einer Union eo-in einem sehr strengen Sinn des Begriffes-eo, nämlich zu einem gemeinsamen Bekenntnis. Es hat sich erwiesen, dass Lutheraner, Reformierte und Unierte angesichts des aufbrechenden Irrtums der
Und nun zur Frage unseres Themas: Stehen wir heute vor der Möglichkeit einer Bekenntnis-Union? Ich meine, wenn wir 41 das Vergangene und das Gegenwärtige nebeneinander halten, dann wird die Entscheidung fc-darin bestehen-fc, ob wir einig sind in einem Doppelten: Einmal darin, dass der bisherige Weg der Union nicht weitergegangen werden kann, dass unsfd diese alten Wege verrannt sind, dass wir hier Halt zu machen haben. Und zum Andern darin, dass in den letzten Jahren die Dinge geschehen sind, die wir eben aufzeigten: die Tatsache des Einbruchs der Irrlehre, die Tatsache des Widerstandes und die |733 Tatsache der fe-Barmer «Union»-fe. Wärenff wir darin einig, ich glaube, dann könnten wir miteinander Ja sagen zu der Möglichkeit einer echten und rechten Bekenntnis-Union. Esfg wäre dann weiterfh vor allem dies zu sagen: Diese Bekenntnis-Union wäre eine Sache, bei der wir ganz entscheidend und wesentlich nach vorwärts zu blicken hätten, vorwärts auf eine Kirche, die gehorsam der Stimme ihres Herrn ihren Glauben bekennt und damit, dass sie dem Herrn und der heiligen Schrift, durch die er zu uns redet, gehorsam ist, sich in die Reihe der Bekenntnisse der lutherischen und reformierten Väter stellt. Jeder weitere Schritt auf diesem Weg müsste unter allen Umständen ein Schritt sein, den wir nicht eigenmächtig tun, sondern den wir erkennen und auffassen müsstenfi als einen Schritt, der uns wirklich befohlen ist. Jede weitere Einheit zwischen Reformierten und Lutheranern müsste eine gefundene, nicht eine gesuchte Einheit sein. Unter keinen Umständen dürfte sie bestehen in einer eigenmächtigen Vorwegnahme. Aber wenn wirklich Gehorsam unter uns erwachen würde, könnte natürlich auch keine Leugnungfj dessen stattfinden, was uns nötig ist. Diese Bekenntnis-Union würde vielleicht nach wie vor nurfk eine teilweise Bekenntnis-Union sein und bleiben müssen; wir müssten uns vielleicht weiterhin begnügen damit, uns im Kampf gegen den Irrtum und im Bekenntnis des Glaubens in bestimmten Dingen zusammenzufinden und wiederum in anderen zu trennen, fl-und zu sorgen, dass uns der Blick nicht mehr verloren geht auf das, das sich uns eröffnet hat in dieser Zeit-fl und das von keinem Beteiligten vergessen werden darffm. In diesem Sinn: als fn-zu einer-fn Fortsetzung des Weges, der uns gezeigt worden ist in diesen Jahren, würde zur Möglichkeit einer Bekenntnis-Union von ganzem Herzen Ja gesagt werden dürfen. |734 Wobei sich freilich sofort an uns die Frage richtet: Sind wirfo die Leute, in diesem Sinne Ja zu sagen? Wir kommen nicht zu einer 42 Bekenntnis-Union, wenn eben nach wie vor nur die alte Friedensschwärmerei und das alte Ruhebedürfnis die Motive unseres Unionswillens sind, sondern wir kommen nur dann dazu, wenn wir durch die heutige Lage aufgerufen sind als Reformierte, Lutheraner oder fp-Consensus-Gemeinden-fp jenes Ja auszusprechen. Wer heute im Kampffq steht, wer sich aufgerufen weiß durch die Not, dass das Erste Gebot nicht mehr in Ehren gehalten wird, derfr steht fs-faktisch mit-fs dem Lutheraner als Reformierter und umgekehrt, ft-da ist-ft die Union vollzogen.
Die altefu Frage wird dannfv von hier aus noch einmal gestellt werden müssen. Angenommen, wir hätten als Bekenntnisgemeinschaft fw-ein Stück «Union»-fw gefunden, dann wird die Frage noch einmal auftauchen: Was wird dann aus dem, was uns von der Vergangenheit her nach wie vor trennt? Was wird aus der Differenz der alten Bekenntnisse? – Es wird hier vor allem zu bedenken sein, dass wir ja nicht willkürlich zu diesem neuen Bekennen gekommen sind, sondern als solche, die den alten Bekenntnissen treu sein und bleiben wollen.79 Das alte Bekenntnis ist der Ausgang für das neue Bekenntnis und dieser Ausgang muss in Kraft bleiben. Und nun wird alles darauf ankommen, dass wir wirklich das Bekenntnis, das alte Bekenntnis, wieder ernst nehmen als solche Ausgangsposition, von der wir zum Sturmangriff vorgehen. Die alten Bekenntnisse sind gleichsam die Schützengräben, in denen man geschützt war, um von ihnen aus zum Angriff vorzugehen. Als solche werden sie immer ihre Bedeutung ha|735ben. Aber es wird nicht in Frage kommen können, dass man die Bekenntnisse versteht als menschlichen Besitz, sondern alles wird darauf ankommen, dass Jeder den Sprung macht in der Richtung des Feindes und sich von seinem Ausgangspunkt aus wirklich schlägt als ein Bekenner. Die Bekenntnisse werden dann in ihrer Verschiedenheit nicht den Charakter haben von verschiedenen Typen einer Art,80 sondern sie werden dann sprechen von der verschiedenen Herkunft und von der verschiedenen Verantwortung,81 von dem verschiedenen Auftrag, der hier vorliegt. Diese Verschiedenheit wird dann Geltung haben. Sie ist eine sehr seltsame und erstaunliche und manchmal auch ärgerliche Tatsache, aber eine Tatsache, mit der wir uns abzufinden haben. Es kann dann freilich auch sein, dass die Verschiedenheitenfx der Bekenntnisse ihre Bedeutung behaltenfy werden als wichtige Ver43schiedenheiten der Schule, der Denkrichtung. Das kann etwas sehr Ernsthaftes sein, etwas Verantwortungsvolles, aber eben alsfz Gegensatz der ga-Schulen und nicht der nun einmal verbündeten Bekenntniskirchen9) als solcher-ga. Und so kann es in einer Gemeinde sein, dass sie eine Gemeinde bewusst reformierter, lutherischer oder auch unierter Herkunft und Verantwortung ist und dass sich doch die |736 Entscheidungsfragegb für sie nicht dahin stellt, wie sie sich mit dieser Bestimmtheit durchsetzt, sondern wie sie von ihrem Posten aus den ihr gewordenen Befehl nun wirklich durchführt. Ich könnte mir also sehr wohl denken, dass die gegenwärtige Zeit und die neue Situation die Bedeutung haben, dass das konfessionelle Bewusstsein nicht geschwächt, sondern gestärkt wird, gerade dadurch, dass die kirchlichegc Aufgabe eine gemeinsame wirdgd. ge-Und ich könnte-ge mir denken, dass gerade unter diesen Umständen für gf-diese und jene heutige-gf Consensus-Gemeinde die Frage sehr ernst erwachen könntegg: Müssen wir uns nicht entscheiden? Es kann aber auch das andere geschehen, dass in gh-einer solchen-gh Gemeinde etwas aufwacht an Erkenntnis gi-des Wortes Gottes in-gi der Gegenwart und dass sie damit eine Weisung nachträglichgj bekommt, die sie im 19. Jahrhundert so nicht hatte. Gewisse Gegensätze werden dauernd bleiben und die Deutsche Evangelische Kirche gk-als Ganzes wird vielleicht-gk in betonter Weise ein Kirchenbund bleiben müssen. Es könnte freilich auch sein, dass die angebahntegl Bekenntnis-Union sich so stark auswirkt, dass der Kampf um die Wahrheit in der Kirche zwischen den Konfessionen so weit geht, dass es gm-zu Klärungen und wohl auch Aufhebungen der mancher noch vorhandenen Unterschiede kommt und damit zu-gm einem Kirchenbund. Was kommen wird, wie es sich gestalten wird, darauf könnte ich nicht antworten, ohne ein Prophet zu sein. Wir werden nichts Besseres tun können als das noch einmal aussprechen, was in der Barmer Erklärung im Blick auf die ganze Lage gesagt wurde: Wir befehlen es Gott. Wenn nur das Eine 44 unter allen Umständen klar bleibt: Das Recht odergn das Unrecht allergo Unionsbe|737strebungen gp-ist damit gegeben, dass wir achten oder nicht achten auf die himmlischen Einheiten-gp, die der dreieinige Gott gq-in der Kirche-gq wirkt.
2. Stichwortmanuskript: Die Möglichkeit einer Bekenntnisunion
11.2.35
Heisses Eisen, Quadratur des Zirkels. Einfache Antworten glücklich. Sage wie … Wer wird bestehen?83
U[nion] = Vereinigung luth[erischer] u[nd] ref[ormierter] Kirchen zu kirchl[icher] Gemeinschaft (Interessengemeinschaft, Verwaltungseinheit, Kultusgemeinschaft, Bund, Kirche [absorptiv od(er) organisch]84)
Bek[enntnis-]U[nion] = Vereinigung zu teilweise oder ganz gemeinsamer öffentl[icher] Lehre. Im Bund ist in der Kirche Übergang von d[er] organ[ischen] zur absorptiven Union.
738 Möglichk[eit] e[iner] B[ekenntnis-]U[nion] = Kann es im Bund od[er] in d[er] Kirche (Barmen!) zu solcher Vereinigung in d[er] Lehre kommen?
M[it] a[nderen] W[orten]: Einheit d[er] Kirche ist nicht Menschenwerk (Verfassung u[nd] Theologie)[,] sondern Wille u[nd] Entscheidung Gottes. Unionsbestrebungen stehen u[nd] fallen mit d[er] Erkenntnis d[es] Willens Gottes.
a) Es darf nicht unser Wille entscheiden, ob Union sein soll. «Dieser … Vereinigung … steht kein … Hindernis mehr entgegen[,] sobald beide Teile nur ernstlich u[nd] redlich in wahrhaft christl[ichem] Sinne sie wollen[.]» (
b) Es darf unser Wille nicht widerstreben, wenn Union sein soll. Alle unsere Gründe auch gegen U[nion] können nur vorläufig sein, müssen sich neu bewähren. Auch wenn beide Teile aus ehrl[ichem] Gewissen nicht wollten, könnte d[er] Wille G[ottes] ein anderer und also der Wahrheit in d[er] Kirche nicht gedient sein. Union notwendig auch als innerste Einheit, wenn das Wort eine «himml[ische] Einheit» sichtbar macht.
739 Die Frage nach d[er] Mögl[ichkeit] einer Bek[enntnis-]U[nion] darf nicht sein die nach einem Wunschbild luth[erischer], ref[ormierter] od[er] unierter Art. Sie muss sein die Frage nach dem Gehorsam: Nicht wollen[,] sondern dürfen und müssen wir zu einer Vereinigung in d[er] Lehre kommen?
I
Bejahung dieser Frage hinsichtlich der Vergangenheit ist uns schwer gemacht. Letzter Vorbehalt bleibt. Praktisch zu verneinen.
1. Die Gründe der Union des 19. J[ahr]h[underts] :
a) Politisch: Einheit
b) Aufklärung u[nd] Romantik: Ermüdung, Unverständnis u[nd] Gleichgültigkeit gegenüber den Gegensätzen der Väter. Verständnis d[er] Kirche als eine Gemeinschaft d[es] frommen Gefühls od[er] der Moral. Wahrheitsfrage als Sache der individ[uellen] Entscheidung nicht ernst genommen. Konfessionen blos[s] «Typen»89
c) Bevölkerungsbewegung: Wirtschaft u[nd] Verkehr führen zur Vermischung der bereits erweichten Gemeinden. Untriftigkeit der Unterscheidungen.
d) Glaube? «Ein Hirt u[nd] eine Herde»90 [vgl.
740 2. Union Zerstörung des Bek[enntnis-]Standes
a) Luth[eraner] u[nd] Ref[ormierte] haben sich über bekenntnismässige und anderweitige Neuerungen zu beklagen
b) Bek[enntnis] als solches relativiert. Alle haben Recht, Alle Unrecht.
3. Bekenntnisstand Zerstörung d[er] Union. Zur Bekenntnisunion ist es nicht gekommen. Generalsynode von 1846 (
2 4. Neutrale Theologie? Liebestätigkeit? Vereine? Kirchenbund? (
a) Theol[ogie] beteiligte sich z[um] T[eil] in der Richtung der Auflösung des Bekenntnisstandes[,] z[um] T[eil] rührte sie die alten Gegensätze nicht an[,] z[um] T[eil] bestätigte sie sie.
b) Liebestät[igkeit] u[nd] Vereine haben sich neutral betätigt, ohne das Recht solcher Neutralität als Glaubensentscheidung zu begründen.
c) Kirchenbund Organisation + «Herz u[nd] Herz vereint zusammen»[.] Überall Wille zur Union, aber auch überall entweder Ignorierung des Bekenntnisses oder Unfähigkeit zur Bek[enntnis-]Union. Feuer unter d[er] Asche: Indifferenz + Ausschliesslichkeit. Dies die Not, in der wir in den Kirchenkampf hereingingen.
741 5. Existenz von Konsensusgemeinden. Tatsache. Wie zu erklären? Hat hier Gottes Wort oder der Mensch entschieden. Bek[enntnis-]Union jedenfalls auch da nicht.
Ergebnis: Bek[enntnis-]Union als Wille Gottes nicht sichtbar. Wo Bekenntnis[,] da nicht Union, wo Union, da nicht Bekenntnis. 96-Also ein Kirchenbund. Konfess[ionelle] Verfestigung berechtigt. Konsensusgemeinden aufzusprengen[?].96
II
1933–35 brachte eine neue Situation, in der die Frage neu zu stellen ist. Tatsachen:
1.)
2. Bestätigung der Problematik d[er] frühern Entwicklung? Ja u[nd] Nein. Nein[,] a) sofern reine Konfessionalität sich auch nicht bewährte, b) sofern Widerstand von Ref[ormierten], Luth[eranern] (u[nd] Unierten) innerhalb d[er] Union ausging!!
3. Widerstand führte automatisch zu einer Bek[enntnis-]Union. Luth[eraner], Ref[ormierte,] Unierte hatten auf Grund ihrer Bekenntnisse tatsächlich dasselbe zu sagen. Barmer Erklärung: «Gemeinsam dürfen u[nd] müssen wir als Glieder luth[erischer], ref[ormierter] u[nd] unierter Kirchen heute in dieser Sache reden. Gerade weil wir unsern verschiedenen Bekenntnissen treu sein u[nd] bleiben wollen, dürfen wir nicht schweigen, da wir glauben, dass uns in einer Zeit gemeinsamer Not u[nd] Anfechtung ein gemeinsames Wort in den Mund gelegt ist. Wir befehlen es Gott, was dies für das Verhältnis der Bek[enntnis-]K[irchen] untereinander bedeuten mag.»
a) Nicht: wollen, sondern dürfen u[nd] müssen. b) Bekenntnisstand positive Voraussetzung c) gemeinsame Frage d) gemeinsame Antwort e) Weiteres von Gott zu erwarten.
742 Stehen wir heute i[n] s[tricto] s[ensu] vor der Möglichkeit echter Bekenntnisunion? Frage: ob wir darin einig sind? Wäre dann zunächst Bekenntnisunion nach vorwärts, nicht wie
Was wird dabei aus den alten Bek[enntnis-]Differenzen? Waren Bekenntnisse der Ausgang d[es] neuen Bekennens, so sind sie nun erst recht ernst zu nehmen, aber als Weg zum heutigen Bekennen. Bekommen dann den Charakter einer verschiedenen «Herkunft u[nd] Verantwortung»97, bilden Schule u[nd] Brauch, werden Gegenstand eines Kampfes um die Wahrheit in der Kirche. Als solche auch jetzt wichtig. 98-Stärkung der Konfessionen. Frage an die Konsensusgemeinden!98 Kirchenspaltung nicht mehr wahr u[nd] nötig. Vielleicht dauernde Unterschiede? Vielleicht Aufhebung? Wir befehlen es Gott …!
(Kirchenbund?) (Kirchenbund?)
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