1935

Der Weg der Bekenntniskirche 1934

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Der Weg der Bekenntniskirche 1934

1935

Der vorliegende Text geht auf einen in Bern gehaltenen, recht kurzfristig organisierten Vortrag zurück, in dem Barth seinem schweizerischen Publikum einen Überblick über die deutschen kirchlichen Auseinandersetzungen der vorangehenden zwei Jahre präsentierte.

Barths am 11. Januar 1935 begonnener dreiwöchiger Schweiz-Aufenthalt hatte ihn nach einem kurzen Besuch in Basel bei Eduard Thurneysen zunächst zur Erholung nach Grindelwald geführt. Am 23. Januar reiste er nach Bern, um seine Mutter und seine Söhne Markus und Christoph zu besuchen.1 Markus studierte dort2 und Christoph absolvierte dort seinen weiteren Schulbesuch, nachdem er im Sommer 1934 vorsichtshalber Deutschland verlassen hatte.3

Christoph Barth wohnte während dieser Zeit im Hause Conrad Bäschlins4 , des Direktors der Berner Neuen Mädchenschule. Am 30. Dezember 1934 noch hatte Bäschlin sich in einem Brief an Barth für einen Weihnachtsgruß bedankt und geschrieben, dass Chr. Barth «ein sehr lieber Haus- und Familiengenosse» sei,5 ohne einen geplanten Vortrag zu erwähnen. Am 17. Januar 1935 dann schrieb Barth aus Grindelwald an Charlotte von Kirschbaum: «Was wird noch geschehen? Ich werde am Samstag, 26., in Bern in der Schule von Dr. Bäschlin vor der Lehrerschaft, den oberen Klassen samt denen des Freien Gymnasiums und einem weiteren geladenen Kreise einen kleinen Vortrag halten über ‹Der Weg der deutschen Bekenntniskirche im Jahre 1934›.»6

681 Am Tag vor dem Vortrag berichtete Barth weiter: «Mein Vortrag morgen zieht so viel Volk an, dass er von dem Schulsaal der Neuen Mädchenschule in die benachbarte Nägeligass-Kapelle verlegt werden muss.» Geschrieben war er bis dahin allerdings noch nicht: «Und dabei muss dieser Vortrag erst jetzt entstehen, und zwar aus dem Handgelenk», denn Ch. von Kirschbaum hatte «die Manuskripte nicht eingepackt».7

Für das «aus dem Handgelenk» mit Hilfe eines Stichwortmanuskripts8 gehaltene «Vorträglein», so Barth gegenüber Eduard Thurneysen,9 bedankte sich Bäschlin wenig später mit Worten, die erkennen lassen, dass der Vortrag nicht nur Zustimmung gefunden hatte: «Ich danke Ihnen nochmals für diesen Vortrag. Es gab natürlich auch unter den Zuhörern Kompromissler, wie allerorten. Wir hatten aber großes Vergnügen daran und glauben, ihn recht verstanden zu haben.»10 Ein früherer Schulfreund Barths, Karl Huber, gehörte wohl zu diesen «Kompromisslern»: «Aber verwundert hat mich einigermaßen Deine scharfe Ablehnung der Haltung der süddeutschen Kirchen […]. Du wirst daher mich wenigstens verstehen, wenn ich an diesem Teil Deiner ‹ernsten Plauderei›, die sich mit Wurm und Meiser befasst hat, keine ungeteilte Freude haben konnte.»11

Vom bisher unveröffentlichten Vortrag existiert neben dem Stichwortmanuskript eine Nachschrift12 , die von Eugénie Elsaesser angefertigt und einem nicht näher benannten Pfarrer Schlatter nach seinem Stenogramm an einigen Stellen ergänzt wurde.13 Da dort sicher nicht |682 Barths wörtliche Rede wiedergegeben ist und auch manches unklar bleibt, ist im Anschluss an die Nachschrift und als Ergänzung dazu auch Barths Stichwortmanuskript abgedruckt.14

1. Nachschrift: Der Weg der Bekenntniskirche 1934 Vortrag von Herrn Prof. Barth: 26. Januar 1935 a-in der Kapelle Nägeligasse-a

Der Weg der Bekenntniskirche 1934 geht auch uns an. Wenn das Haus des Nachbars brennt,15 kann es uns nicht gleichgültig sein, da das unsrige auch in Brand kommen kann, und wenn auch dies nicht der Fall sein sollte, müssten wir unsb kirchlich verantwortlich fühlen. Zudem handelt es sich um ein Stück neue Kirchengeschichte Deutschlands. Dies zur Einleitung.

Was Bekenntniskirche ist: es ist nicht eine Kirche, die um jeden Preis festhalten will an den alten Bekenntnissen der Reformation. Das wollen die Deutschen Christen auch. Wo aber die Kirche nur dieses eine will, ist sie krank und gleicht ihrem Gegner und hat ihr eigentliches Wesen nicht erfasst. Das ist unsere Sorge (Orthodoxie in bloßer Anerkennung der Bekenntnisse des 16. Jahrhunderts). Das Besondere der Bekenntniskirche betrifft folgendes: dass die Kirchgemeindenc heute Bekenntnis ablegen wollen, nämlich, Antwort aus Glauben und Schrift heraus geben wollen zu den heute (in)d der Kirche gestellten |683 Fragen, wohl anhand der Schriften der Väter, aber selbst bekennend; also: die deutsche Bekenntniskirche sind diejenigen Kreise, Christen, Gemeinden, die erstens aus Lehre und Handlungen der Deutschen Christen heraus eine Frage gehört haben, zweitens auf diese Frage aus Glauben und Schrift antworten, drittens diese Antwort nicht für irgendeine Meinung halten, sondern überzeugt sind, dass dies das notwendige Wort der Kirche ist.

Geschichtliches:16 Sommer 1933 traten die Deutschen Christen auf.17 Alle kirchlichen Kreise, auch Gemeinschaftsleute nahmen teil. Nur ganz Wenige protestierten ernstlich und galten als seltsame Käuze, die den Sturm der nationalen Erhebung, die nun auch an die Pforte der Kirche pochte, nicht verstanden, Vorwürfe, die auch nicht ganz unberechtigt waren. Die ersten Kreise, die widerstanden, waren die jung-reformatorischen, die «junge Kirche», dann der Pfarrer-Notbund und Niemöller. Damals war es so, dass nur einige e-Taten und Untaten-e der Deutschen Christen Aufsehen erregten, z. B. das Bischofswesen, das Führerprinzip in der 2 Kirche, Kirchenstürmereien durch Nationalsozialisten mit militärischem Gebaren – darüber entstand allmählich Entrüstung; weiter war es natürlich eine Sache, die weite Kreise aufmerksam machte, als am 13. November 1933 Dr. Krause im Sportpalast in Berlin eine Rede hielt, wo offenkundig heidnische Töne angeschlagen wurden. Da erschrak man. Ferner erregte es Aufsehen, als Müller die Ariergesetzgebung auf die Kirche übertrug.18 |684 Hinter diesen auffallenden Dingen standen erst die ernsthaften grundsätzlichen Fragen, die 1933 nicht im Vordergrund standen.

Erstens: Steht es mit der christlichen Kirche so, dass sie bei dem, was sie im Volk zu tun hat, außer auf Christus noch auf eine andere Wahrheit, Offenbarung zu hören hat? Man sagte uns: jawohl! Die Kirche hat auch noch zu hören auf die Stimme der Geschichte, die deutsche Revolution ist auch Offenbarung.

Zweitens: Hat die Kirche, die von Gott redet, die ein Gutes verkündigt, hat sie unter diesem Guten nur zu verstehen die Gnade Gottes in Christus oder gibt es daneben noch ein Gutes, das der Mensch in sich selbst trägt, eine Vollkommenheit des deutschen Menschen mit seiner Rasse? Darf dieses Gute auch gelten? Die Deutschen Christen sagten: ja. Das heißt: Natur und Gnade. f-Man versteht, dass es einen ein wenig aufbringen konnte, wenn er diese Stimme nun auch aus der Schweiz hören musste!-f19

Drittens: Hat die Kirche in ihren Ordnungen, in ihrer Gestaltung, in ihren Gemeinden sichg nach Christus und der Heiligen Schrift zu richten oder wird sie bestimmt durch die jeweiligen politischen Anschauungen und Strömungen der Gegenwart? Die Deutschen Christen sagten: ja.

Viertens: Ist der Staat eine in sich begrenzte (auf sich gestellte) göttliche Anordnung zur Herstellung des Rechts unter den Menschen,20 oder ist er mehr, nämlich die schöpfungsgemäße, von Gott eingesetzte totale Form des menschlichen Lebens überhaupt, der sich die Kirche gleichzuschalten hätte? Die Deutschen Christen sagten: ja.

685 Nach einiger Zeit merkte man: um diese Fragen geht es. Nun konnte man nicht einfach aufh die alten Bekenntnisse verweisen, sondern musste heute selber dazu reden. Zunächst war eine gewisse Stille vorhanden. Dazu kommt: die Entwicklung des deutschen Protestantismus hatte bewirkt, dass unter den Theologen viele diese 3 Fragen nicht als Entscheidungsfragen ansahen. Auch hierin brauchte es Zeit und stürmische Erregung, bis man Entscheidungsnöte spürte. So entstand die Bekenntniskirche durch ein Erwachen [an der] Wende 1933/34. Wo? Nicht in erster Linie bei den theologischeni Fakultäten j-– ich muss dies zu unserer Beschämung gestehen –-j, auch nicht bei den vielen christlichen Vereinen, Gemeinschaften, Anstalten, da war nicht der Ort des Bekenntnisses – weithin waren geradek diese Kreise am blindesten mitgegangen –, die Erwachenden waren auch nicht die bischöflichen Kirchenführer vor der Zeit der Deutschen Christen, der Ort des Erwachens zum Bekennen war ganz schlicht die Gemeinde mit ihrem Pfarrer; die Gemeinden erwachten, und aus ihrer Vereinigung entstand das Organ der Bekenntniskirche, ihre Synoden, die befugt waren, Wegleitung zu geben für den nötigen Neubau.

Geschichte der Synoden. Am 4. Januar 1934 l-trat die-l freie reformierte Synode in Barmen zusammenm.21 Ausgang der Bekenntniskirche war das reformierte Element, das sich überhaupt erwies als das geeignetste Stück evangelisch-kirchlichenn Lebens. (320 Abgeordnete von 167 reformierten Gemeinden). In dieser Synode wurde eine Erklärung abgegeben über das rechte Verständnis der reformatorischen Bekenntnisse in der Gegenwart22 in dem Sinne: die evangelische Kirche hat Buße nötig, Umkehr vom Irrtum über die Eigenmächtigkeit der Menschen, die sich über Gottes Wort erhob. Ferner, wenn wir von |686 Offenbarung reden, kann daruntero allein verstanden werden Jesus Christus. Weiter: es gibt kein Gutes im Leben des Menschen, das vorbehaltlos sein Vertrauen und seinen Gehorsam in Anspruch nehmen darf. Inhalt der Botschaft muss allein Gottes Gnade in Christus sein, nicht eine Vollkommenheit des deutschen Menschen. «Gott ist euer Helfer, Gott allein.»23 In der Kirche regiert allein Jesus, ihm sind wir verantwortlich, und Träger dieser Verantwortlichkeit sind nicht ernannte Bischöfe und Führer, sondern die Gemeinden und ihre Synoden. Dieser Synode folgte eine zweite am 18. Februar24 1934 in Barmen und eine dritte p-am 16. März-p in Dortmund.25 Diese Synoden bestätigten die Erklärungen von Barmen und kündigten an: solange diese Irrlehre herrscht, solange können wir q-dem gegenwärtigen Kirchenregiment-q den Gehorsam nicht leisten. (Die Bekenntnisgemeinden konstituieren sich und brechen mit den Deutschen Christen.) Als Notordnung wurden Bruderräte geschaffen (ohne Kirchenaustritt). Aber in der Kirche ist 4 Spaltung unvermeidlich. Höhepunkt der Bekenntnisbewegung bildet die dritte Barmer Synode am 31. Mai 1934, die zwei große Erklärungen abgab, eine theologische und eine juristische.26 Dort wird ausdrücklich daran appelliert, dass die Kirchenverfassung im ersten Artikel gesagt habe, das Evangelium Christi sei Grundlage der Kirche.27 Nun wurde erklärt: von dieser Voraussetzung ist der Reichsbischof abgewichen. Die Konfessionsfragen (lutherisch-reformiert) bereiteten große Sorgen. Trotzdem kam es nach schweren Nächten zu einer gemeinsamen Erklärung. Das war etwas |687 Großes, seit der Reformation vielleicht nie vorgekommen. Einfach war es nicht, es brauchte viel Mühe. Juristische Erklärung: Die Bekenntniskirche ist die rechtmäßige Kirche, was vom Reichsbischof geschieht, ist Anmaßung und Rebellion. (Er verlässt den Grundartikel.) Vom Bekenntnis her soll die Kirche gebaut werden, im Bekenntnis muss ihre Einheit begründet sein, nicht politisch.28 Endlich im Oktober die Bekenntnis-Synode von Berlin-Dahlem, veranlasst durch Eingriffe in Bayern und Württemberg (Sistierung von Wurm und Meiser), woher Notschreie kamen.29 Nun wurde erklärt: auch diese Landeskirchen sind zerstört, womit vollends bewiesen ist, dass die Kirchenregierung der Deutschen Christen keine solche ist. Daher proklamieren wir das kirchliche Notrecht. Nun muss aus der Gemeinde heraus dem falschen ein rechtes Kirchenregiment entgegengestellt werden. Man bestellte den Reichsbruderrat und seine Organe und forderte Pfarrer und Gemeinden auf, von der Reichskirche keine Anweisungen mehr anzunehmen, sondern sich an die Bekenntniskirche anzuschließen. Das war nicht Rebellion, sondern Konsequenz der Sachlage, eine Notbrücke, indem vom Bekenntnis aus die Kirchenleitung rechtmäßig beansprucht wurde. Sehr bemerkenswert war der Schluss der Erklärung, nämlich dier Mitteilung dieser Entscheidung |688 an die Reichsregierung und Forderung des Freiheitsrechtes alleiniger Entscheidung für die Kirche.30 Das war ein deutlicher Trompetenstoß.

Ach hätte die Bekenntniskirche das unentwegt angewandt! Vielfach geschah es, in vielen Gemeinden, wo neues Leben sich regte. Wäre man weiter gegangen! Man versuchte in Barmen und Dahlem mitten in dieser bösen Welt den Weg des Glaubens zu gehen. Das wäre auch taktisch das Beste gewesen in solcher Zeit. Das Beste auch für die Erde ist: einfach seines Glaubens zu leben [vgl. Gal. 3,11; Hebr. 10,38]. Viele hofften Großes 5 und sahen den 20. Oktober (Berlin-Dahlem) als einen großen Tag an. Aber auf Erden ist nichts vollkommen, es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht:31 immer war noch eine andere Seite da. Außer den geschilderten Kreisen war ein anderer Partner als Mitkämpfer auf Seiten der Bekenntniskirche, als Gegner der Deutschen Christen, das war das alte überlieferte Landeskirchentum, verkörpert in den Bischofsregimenten von Bayern, Württemberg, Hannover, Schlesien (Meiser, Wurm, Marahrens, Zänker). s-Auch die Kirche von Ost-Friesland32 war in dieser Weise beteiligt – wenn auch reformiert.-s Wenn zwei sich in einem Gegensatz zusammenfinden und verbünden und es dabei doch anders meinen, werden oft die besten Sachen auf Erden durch Liebe und Gemeinschaft verdorben. Worum ging es bei |689 diesemt bischöflichen Landeskirchentum, das mit der Bekenntniskirche Arm in Arm gehen wollte?33 Man wollte nicht die mechanische Einheitskirche mit ihren Gewaltmethodenu, wohl aber um jeden Preis die hergebrachte Landeskirche. v-«Wir möchten das gesunde Leben der geschichtlich bedingten Kirche.»-v34 Man sah die Verbindung mit Boden und Landschaft angegriffen durch den Reichsbischof, aber zum Bekenntnis sagte man: «Natürlich, es gehört zur Landeskirche, der Bekenntnisstand muss gewahrt werden, das ist die Fahne des Regiments; aber die Gegenwart, ach, da gibt es Streitigkeiten! die Kirche muss sich darüber halten, die Bischöfe müssen für alle da sein.»35 Freudiger Klang von Vermittlung. Bekenntnis, ja: aber lieber nicht bekennen, wohl beim alten bleiben. Dazu kommt Respekt vor allem, was Staat heißt. Diese Herren nehmen gegenüber den staatlichen Hoheiten sofort eine demütige Stellung ein. Diese Richtung gewann in Deutschland besondere Macht: das ist die eigentliche lutherische Haltung. «Was ihr in der Bekenntniskirche macht, ist reformierte Unruhe. Also halten wir uns diese Bekennende Kirche vom Leibe!»36 Allerdings waren diese Bischöfe eine Zeit lang ganz froh über deren Hilfe, dann aber hieß es: die alte schöne Ordnung ist wieder herzustellen, und wenn dann alles wiederw im Blei ist,37 dann ist der ganze Kirchenstreit am Ziel.38 Diese andere Gruppe ist sehr mächtig geworden |690 und hat jetzt die Führung in der Hand und siegte äußerlich. 1933 wirkten diese Leute mit bei der Wahl des Reichsbischofs, im Spätherbst erschraken sie (Krause), dann schlossen sie eine Front, den lutherischen Bund, x-Würzburger Front-x,39 dann furchtbare Niederlage dieser Front, am 27. Januar 1934 nämlich: zum Reichskanzler befohlen, erschrecken ihre Führer vor diesem und unterwerfen 6 sich Müller.40 Davon erholte man sich (in der lutherischen Front), weil der Gegner dauernd Fehler beging. Man fand den Mut zur Erklärung in Ulm,41 die rechtmäßige Kirche sei nicht die Reichskirche etc. (siehe oben.42) Dann kam für die lutherische Front ein glückliches Ereignis, die Einsetzung Jägers, der die Bischöfe von Bayern und Württemberg |691 zu Märtyrern machte, so dass sie nun den Leidensglanz erhielten;43 sie litten jedoch mehr für die Selbständigkeit ihrer Landeskirchen als für das Bekenntnis. Daraufhin kam dann die Dahlemer Synode mit Wiedereinsetzung dieser Bischöfe als Erfolg. Aber nun stellten sie sich wieder der Bekenntnis-Synode selbständig gegenüber. Der Reichskanzler lud sie ein zur Besprechung der kirchlichen Lage.44 Das war Anerkennung durch den Staat, und sie hatte eine rückläufige Bewegung gegen die Bekennende Kirche zur Folge. Nun hoffte man, Müller falle, und dachte, nun muss man sich bereit machen und im Bekenntnis dem Staat gefallen. Plötzlich kam man auf die Dahlemer Erklärung zurück (im Sinn der Revision), um mit dem Staat im Frieden zu leben. «Wir müssen schnell zugreifen, der Staat bietet die Bruderhand, jetzt brauchen wir statt der Schützengrabenkämpfer Generalstabsoffiziere.»45 Man sprach von Marahrens als neuem Führer. Ein dunkler Tag war der 20. November 1934 in den Berliner Verhandlungen. Da hörten wir wieder eine Rede von Frieden und Liebe von Bodelschwingh.46 Die letzten Widerstehenden gaben nach. Man richtete sich auf das Entgegenkommen ein. Der Bruderrat besteht weiter, darüber aber zudem eine vorläufige Kirchenregierung. Über ihre Tätigkeit kann man noch nicht viel sagen. Doch hört man bedenkliche Aufrufe, ähnlich denen des Reichsbischofs, bedenkliche Verhandlungen mit den Deutschen Christen zum Zusammenschluss.47 Die Zukunft ist dunkel. Starke Kräfte sind sichtbar geworden, sehr viel mehr von christlichem Wollen in Gemeinden und Pfarrern wurde lebendig als wir erwarteten, aber auch die Mächte des Beharrens und der Reaktion in den eigenen Reihen erwiesen sich als sehr gewaltig unter Druck der politischen Lage, darum ist das Hin und Her nicht verwunderlich. Wie wird das Ringen enden? Geschichte der Kirche machen nicht die Menschen, weder die radikalen noch die reaktionären, |692 sondern ihr Haupt: Gott. Menschen versagen, ER macht es immer gut [vgl. Ps. 37,5; Mk. 7,37] und wird es auch in Zukunft gut machen.

2. Stichwortmanuskript [zu: Der Weg der Bekenntniskirche 1934]

Ein Stück K[irchen]gesch[ichte] Deutschlands – hier berichtet, weil Gesetz, Not u[nd] Hoffnung der Kirche überall dieselben – ohne Teilnahme nicht zu verstehen[.]

Ein Stück: nicht kathol[ische] Kirche, nicht Glaubensbewegung, nicht Taten der Reichskirchenregierung, sondern Bekenntniskirche (nicht, weil hier Alles gut – vieles allzu ungut! – aber weil hier die Fragen am Deutlichsten und weil ich hier dabei war und erzählen kann)[.]

«Bekenntniskirche» nicht = Kirche[,] die an den alten Bekenntnissen festhalten will. Das will auch Müller, wollen auch die D.C. Das will B.K. freilich auch. Aber wo sie nur das will («Orthodoxie») krankt sie an der Ähnlichkeit mit dem Gegner. Das Besondere der B.K.: Kirche, die heute bekennen, d. h. zu den ihr heute gestellten Fragen aus ihrem Glauben[,] natürlich ausgehend von den alten Bekenntnissen, letztlich aus der h[ei]l[igen] Schrift [,] Antwort geben will.

Die deutsche B.K. = diejenigen Gemeinden, kirchl[ichen] Kreise u[nd] einzelnen Christen in D[eutschland], die

1. in den Lehren u[nd] Handlungen der D.C. u[nd] der R[eichs]K[irchen]R[egierung] eine der Kirche gestellte Frage (= eine Infragestellung der Kirche) sehen[,]

2. auf diese Frage aus ihrem Glauben eine Antwort geben zu können u[nd] zu müssen meinen[,]

3. die diese Antwort für das heute notwendige Wort der Kirche selbst halten.

1933 war B.K. erst in einigen Anfängen da. Auftreten der D.C. teils begrüsst, teils gebilligt, teils geduldet. Protest erschien als reaktionär u[nd] war es vielfach. Jung-Reformatorische. Pfarrernotbund.

693 Aufmerksamkeit erregten damals 1. die Einführung des Führerprinzips[,] 2. die gewalttätigen Methoden der Machtgewinnung[,] 3. der offene Durchbruch heidnischer Ideen bei Krause 13.11.33[,] 4. Arierparagraph[.]

Dahinter standen schon damals die grundsätzl[ichen] Fragen:

1. Hat die K[irche] ausser auf Christus48 u[nd] Schrift auch noch auf eine andere Off[en]b[arung] zu hören?

2. Hat die K[irche] ausser der Gnade Gottes (Sündenvergebung u[nd] Heiligung) auch noch die Güte des (deutschen) Menschen zu verkündigen?

3. Hat die K[irche] sich in ihrer Ordnung nach Christus u[nd] der Schrift oder nach den jeweil[igen] polit[ischen] Überzeugungen zu richten[?]

4. Ist der Staat eine in sich begrenzte göttliche Anordnung für Recht u[nd] Frieden oder die schöpfungsmässig notwendige höchste bezw. totale Form des menschl[ichen] Lebens überhaupt?

Diese Fragen damals von relativ Wenigen beachtet. Von den alten Bekenntnissen aus nicht eindeutig zu beantworten.

Entwicklung des mod[ernen] Protestantismus wies darauf hin, sie als indifferent zu behandeln.

Es brauchte ein Erwachen. Dieses Erwachen kam[.] 1934 Wer hat die Fragen gehört und beantwortet? Nicht die theologischen Fakultäten. Nicht die christl[ichen] Vereine. Nicht die Bischöfe der «intakten» Landeskirchen.49 Wohl aber viele Gemeinden. Aus ihrer Vereinigung entstanden die Synoden, deren Bekenntniserklärungen beanspruchen durften, die Stimme der Kirche und Wegweisung zu deren Neubau zu sein.

1. Freie ref[ormierte] Synode in Barmen vom 4.1.3450 320 Abgeordnete von 167 Gemeinden

«Erklärung über das rechte Verständnis der reformator[ischen]

694 Bekenntnisse in der D.E.K. der Gegenwart»:51

Busse = Umkehren vom Irrtum über die Eigenmächtigkeit des Menschen, der schon der des Papsttums u[nd] der Schwärmer war. Lutheraner u[nd] Reformierte zusammen gegen diesen Irrtum[.]

Offenbarung allein in Christus u[nd] h[ei]l[iger] Schrift A[lten und] N[euen] T[estaments.]

IIIKein Gut dieser Welt kann vorbehaltlos Vertrauen u[nd] Gehorsam in Anspruch nehmen. Kirche dient den Menschen, indem sie Gott dient[.]

IVInhalt der Botschaft ist Gottes Gnade in J[esus] Christus und nicht eine Vollkommenheit des M[enschen.]

Verantwortlich für die Gestalt der Kirche sind die Gemeinde u[nd] die Gemeinden.

Der Staat hat sein Amt, die Kirche das ihrige. 2

2. Freie Synode des Rheinlands ⎤  Bestätigung der

(Barmen) 18.2.3452 ⎥  theol[ogischen]

3. Freie Synode von Westfalen ⎥  Erklärung + Bruch

(Dortmund) 3.34 ⎦  mit dem Kirchenregiment

4. Bekenntnissynode von Barmen 31.5.34

Theol[ogische] Erklärung53 Appell an Art[.] 1 der Verfassung der D.E.K. 

Anklage gegen Verletzung dieser Voraussetzung

Bund deutscher Bekenntniskirchen. Union?

1. Nur eine Offenbarung 2. Keine selbständigen Bereiche 3. Keine Fremdherrschaft in der Kirche 4. Kein Führertum, Dienst 5. Kein totaler Staat 6. Dienst Christi, nicht Menschendienst

695 Jurist[ische] Erklärung54 Rechtmässige Kirche!?

Bekenntnissynode als Organ der kämpfenden bek[ennenden] Gemeinde

Keine Scheidung von Bek[enntnis] u[nd] Ordnung

Einheit nur durch Bek[enntnis] u[nd] Gemeinde, nicht mechan[ische] Gewalt (Eingliederung) 

5. Bekenntnissynode von Dahlem 20.–21.10.34 «Botschaft»55

Feststellung des Schadens und der Erfolglosigkeit aller Proteste

Kirchenregiment erledigt

Notrecht: Bruderrat + Rat als «neue Organe der Leitung»

Abbruch

Selbständigkeit gegenüber d[em] Staat

Diese Erkenntnisse brauchten blos[s] exerciert zu werden, so war man auf dem Wege zu einem Neuaufbau der Kirche vom Bekenntnis aus. Das Exercitium begann. Aber

Mit der Bekenntniskirche verband sich von Anfang [an] ein anderer Gegner des d[eutsch]­c[hrist]­lichen und reichskirchenregimentl[ichen] Systems = das Landeskirchentum[,] verkörpert in den Bischöfen (aber auch ref[ormiert] Hannover!)

Abneigung gegen Unifizierung ⎤

u[nd] Gewaltmethoden ⎥  Berufung auf das

Beharren bei «Bekenntnisstand» ⎥  «Luthertum», starke

Neutralität gegenüber den ⎥  Instinkte und Ideologien

Gegenwartsfragen ⎥  sicher wirksam

Höchster Respekt vor dem Staat ⎦

Für sie «Bekenntniskirche» nur Bewegung als Mittel zum Zweck, Wiederherstellung der «geordneten» Zustände56 

696 1933 Mitwirkung bei der Wahl Müllers gegen Bodelschwingh

Dann «Würzburger Front» 57

1934Zusammenbruch am 27.1.34

Ulmer Deklaration 22.4.3458 «rechtmässige Kirche». Aber keine dogmat[ische] Erklärung. Dafür Staatstreue!

Mitwirkung an der Bek[enntnis-]Synode von Barmen

Mitwirkung an der «Nationalsynode» 19.8.3459

Martyrium von Bayern u[nd] Württemberg

Mitwirkung an der Bek[enntnis-]Synode von Dahlem

Restitutionen in Süddeutschland60

Hitlerbesuch.61 Gegenwirkung im Nov[ember] Vorläuf[iges]

Kirchenregiment Marahrens. (Staat, Theologie, Reichskirche!)

Aufrufe u[nd] Verhandlungen62

1935 Rekonstitution der Bek[ennenden] K[irche]?

Textkritische Fußnoten

a-a
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
b
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
c
Tskr.: «Kirchgemeinden die»; von den Hrsg. korrigiert.↩
d
Die Klammern sind dem Tskr. nachträglich handschriftlich hinzugefügt worden.↩
e-e
Im Tskr. handschriftlich verbessert aus: «Untaten und Moritaten». ↩
f-f
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
g
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
h
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
i
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
j-j
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
k
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
l-l
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
m
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
n
«-kirchlichen» wurde dem Tskr. handschriftlich in eckigen Klammern hinzugefügt. ↩
o
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩
p-p
Im Tskr. handschriftlich verbessert aus: «im März».↩
q-q
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr. ↩
r
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr. ↩
s-s
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.; im Tskr. ist keine Positionierung dieses Zusatzes markiert. ↩
t
Im Orig.: «diesen»; von den Hrsg. korrigiert.↩
u
Im Orig.: «Gewaltsmethoden»; von den Hrsg. korrigiert.↩
v-v
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.; im Tskr. ist keine Positionierung dieses Zusatzes markiert.↩
w
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr. ↩
x-x
Handschriftlicher Zusatz zum Tskr.↩

Sachfußnoten

1
Zu Barths Schweiz-Reise vgl. Predigten 1921–1935, S. 383f., Anm. 1 📖; s. auch oben, S. 675. ↩
2
Markus Barth (1915–1994) hatte im Sommersemester 1934 sein Theologiestudium in Bern begonnen. ↩
3
Vgl. oben, S. 328, Anm. 5. ↩
4
Conrad Bäschlin (1878–1951), seit 1927 Lehrer, seit 1928 Direktor der Neuen Mädchenschule in Bern. ↩
5
KBA 9334.1421. ↩
6
KBA 9272.144; Bw.Kirschbaum I, S. 438 📖. – Am Freien Gymnasium war Barth seit 1892 selbst zur Schule gegangen (vgl. Busch, S. 25f. 📖). ↩
7
Brief Barths an Ch. von Kirschbaum vom 25.1.1935 (KBA 9272.148; Bw.Kirschbaum I, S. 470 📖). ↩
8
KBA 11091 (zwei mit Tinte beschriebene Seiten, DIN A 4, oben rechts auf der zweiten Seite in Barths Handschrift mit Bleistift datiert: «26.1.35»). ↩
9
Brief an Thurneysen vom 23.1.1935 (KBA 9270.646; Bw.Th. III, S. 826 📖). ↩
10
Brief Bäschlins an Barth vom 30.1.1935 (KBA 9335.134). ↩
11
Brief K. Hubers an Barth vom 28.1.1935 (KBA 9335.115). – Karl Huber (1886–1964), seit 1933 Pfarrer in Mühleberg (Kt. Bern). ↩
12
KBA 11093 (sechsseitiger Typoskript-Durchschlag, DIN A 4). ↩
13
So ein Vermerk auf der Rückseite der letzten Seite des Typoskript-Durchschlags. Beide Personen konnten nicht ermittelt werden. Zu dieser Zeit waren Eduard, Hans und Wilhelm Schlatter als Pfarrer im Kanton Zürich tätig. Am Typoskript angebrachte handschriftliche Zusätze sind in einem textkritischen Apparat ausgewiesen. Es ist nicht zu entscheiden, ob es sich dabei um die Ergänzungen Pfarrer Schlatters handelt oder um eine weitere, spätere Überarbeitung. ↩
14
Die Hrsg. konnten dabei dankbar auf eine von Hinrich Stoevesandt angefertigte Transkription des Stichwortmanuskripts zurückgreifen. ↩
15
Anspielung auf Horaz, Epistulae I, 18,84 📖: «Nam tua res agitur, paries cum proximus ardet» (Denn es geht auch dich an, wenn die Wand [= das Haus] deines Nachbarn brennt); vgl. Büchmann, S. 331 📖.↩
16
Die im Folgenden und im ganzen weiteren Vortrag erwähnten Ereignisse, Erscheinungen und Redeweisen der Jahre 1933 und 1934, mit denen Barth sich in zahlreichen seiner «Vorträge und kleineren Arbeiten» befasst hat, werden hier nicht noch einmal einzeln in den Anmerkungen erläutert. Verwiesen sei insbesondere auf K. Barth, Theologische Existenz heute!, in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 271–363 📖, und seine Vorworte «zur Lage» (a.a.O., S. 553–557 📖, S. 590–599 📖 und S. 600–618 📖, sowie in diesem Band S. 124-137, S. 218-239 und S. 244-251). ↩
17
In Barths Stichworten ist – historisch genauer – die Rede von der 1933 zu beobachtenden Reaktion der frühesten bekenntniskirchlich orientierten Gruppierungen auf das Auftreten der Deutschen Christen (s. unten, S. 693), dessen Beginn schon auf das Jahr 1932 zu datieren ist. ↩
18
Erstmals geschah dies im «Kirchengesetz betreffend die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Kirchenbeamten», das die Generalsynode der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union am 5. September 1933 verabschiedete; vgl. V.u.kl.A. 1930–1933, S. 474, Anm. 63 📖. ↩
19
Anspielung auf Emil Brunners Schrift Natur und Gnade 📖; vgl. oben, S. 429-527. ↩
20
In Barths Stichworten heißt es – näher an der Formulierung der fünften Barmer These (s. oben, S. 298f.) –: «eine in sich begrenzte göttliche Anordnung für Recht und Frieden» (s. unten, S. 693).↩
21
Vgl. oben, S. 3-5. ↩
22
Siehe oben, S. 65-83.↩
23
Als direktes Zitat nicht ermittelt. Vgl. oben, S. 40f. und S. 44-53, Barths Erläuterungen zu Punkt III.2 und IV. 1–4 der genannten Erklärung. ↩
24
Im Orig. irrtümlich «I» für Januar. ↩
25
Zur Bildung dieser und weiterer freier oder Bekenntnis-Synoden im Februar und März 1934 vgl. oben, S. 222f., Anm. 27. ↩
26
Vgl. oben, S. 264-301. Im Vergleich mit Barths Stichpunkten fällt auf, dass dort deutlich mehr Gewicht auf dem Inhalt der Erklärungen liegt, während die Entstehung der Erklärung und die Atmosphäre auf der Synode dort gar nicht erwähnt werden (s. unten, S. 694f.). ↩
27
Vgl. oben, S. 293f.↩
28
In der in Barmen verabschiedeten Erklärung zur Rechtslage der Deutschen Evangelischen Kirche heißt es: «1. Die unantastbare Grundlage der Deutschen Evangelischen Kirche ist das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift bezeugt und in den Bekenntnissen der Reformation neu ans Licht getreten ist. Das derzeitige Kirchenregiment hat diese unmittelbare Grundlage verlassen […]. Es hat dadurch den Anspruch verwirkt, rechtmäßige Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche zu sein. […] 3. In der Kirche ist eine Scheidung der äußeren Ordnung vom Bekenntnis nicht möglich. Insofern ist die in der Verfassung festgelegte Gliederung der Deutschen Evangelischen Kirche in Landeskirchen bekenntnismäßig begründet. Bekenntnismäßig gebundene Landeskirchen dürfen nicht durch Eingliederung in die Deutsche Evangelische Kirche auf dem Wege der Verwaltung oder gar des äußeren Zwangs ihrer Selbständigkeit beraubt werden, weil ihre äußere kirchliche Ordnung sich immer vor ihrem Bekenntnis zu rechtfertigen hat. […] 4. Die Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche wird auch nicht geschaffen durch den rücksichtslosen Ausbau einer zentralen Befehlsgewalt, die ihre Rechtfertigung dem der Kirche wesensfremden weltlichen Führerprinzip entnimmt […]» (Schmidt II, S. 95 📖). ↩
29
Vgl. oben, S. 528-549.↩
30
Bei diesem «sehr bemerkenswerten Satz» handelt es sich um den Punkt der Erklärung, von dem sicher belegt ist, dass er wesentlich auf Barth zurückzuführen ist; vgl. oben, S. 536, Anm. 43. ↩
31
Aus der ersten Strophe eines Volksliedes (vgl. L. Erk / Fr. M. Böhme [Hrsg.], Deutscher Liederhort, Bd. I, Leipzig 1893, S. 588 📖), das von Heinrich Heine als «wirkliches Volkslied», das er «am Rheine» gehört habe, in seine Gedichte unter der Rubrik «Tragödie» aufgenommen wurde (H. Heine, Werke und Briefe in zehn Bänden, hrsg. von H. Kaufmann, Berlin / Weimar 19722, Bd. 1, S. 279f., dort S. 279 📖):
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht,
Er fiel auf die zarten Blaublümelein,
Sie sind verwelket, verdorret.
↩
32
In Barths Stichpunkten heißt es korrekter: «reformiert Hannover» (s. unten, S. 696).↩
33
Zum Folgenden vgl. oben, S. 579-609: Barths Gedanken über die Lage 📖. ↩
34
Bei diesem und den folgenden in der Nachschrift als Zitat gekennzeichneten Sätzen handelt es sich wohl eher um Paraphrasen der in den Berliner Verhandlungen vertretenen Positionen als um wirkliche Zitate. ↩
35
Siehe Anm. 34. ↩
36
Siehe Anm. 34. ↩
37
Sprichwort: Wenn etwas «im Blei» oder (häufiger) «im Lot» ist, ist es «in Ordnung» (vgl. Röhrich III, S. 975 📖). ↩
38
Hans von Soden äußerte sich bereits am 28.10.1934 in diesem Sinne: «Wenn morgen Verfass[un]g wiederhergestellt wird, erlischt Notrecht», und berichtete vom allgemeinen Tenor auch an Hochschulen: «Hoffen wir, dass unser Notrecht nicht zur Execution kommen braucht» (Mitschrift H. Kloppenburgs über die Sitzung des Reichsbruderrates in Berlin, 28.10.1934 [Archiv der Evangelisch-lutherischen Oberkirchenrats Oldenburg, Best. Bekenntnissynode, Nr. 16], [Bl. 2]). ↩
39
Hier wie auch in Barths Stichpunkten (s. unten, S. 696) ist nicht völlig klar, was er meint. Einerseits schlossen sich bereits am 14. Mai 1933 in Würzburg die lutherischen Landeskirchen «zu einem lutherischen Zweig innerhalb der werdenden Deutschen Evangelischen Kirche» zusammen (Gauger 📖; vgl. Verantwortung I, S. XXVIIf.); dieses 📖 rein lutherische Unternehmen aber fügt sich zeitlich nicht in Barths Darstellung. – Andererseits trafen sich am 30. Dezember 1933 wiederum in Würzburg die nicht-deutschchristlichen Kirchenführer mit Vertretern des Pfarrernotbunds, um das weitere gemeinsame Vorgehen gegen Ludwig Müllerechen. Man forderte dort ultimativ eine Neubesetzung des Geistlichen Ministeriums u. a. mit Karl Koch, WilhelmFlor und Udo Smidt, scheiterte aber am hinhaltenden Widerstand Müllers und an der eigenen, immer wieder zögerlichen Haltung. Das führte am 4. Januar 1934 dazu, dass Martin Niemöller namens des Pfarrernotbunds erklärte, an den Sitzungen der Kirchenführer nicht mehr teilnehmen zu wollen (vgl. Verantwortung I, S. 183–186). Dieses Ereignis fügt sich zeitlich in Barths Darstellung ein, und später spricht etwa auch Hermann A. Hesse von den für dasGeistliche Ministerium Vorgeschlagenen als von den «Theologen der Würzburger Front»  (Lekebusch, S. 358 📖, vgl. S. 372); diese «Front» jedoch war zwar lutherisch dominiert, aber kein rein lutherisches Unternehmen. ↩
40
Vgl. oben, S. 119f. ↩
41
Gemeint ist die sogenannte «Ulmer Einung»; vgl. oben, S 250, Anm. 26. ↩
42
Wahrscheinlich bezieht sich der von Barth sicher so nicht vorgetragene Hinweis: «siehe oben» auf die Ausführungen über die juristische Erklärung der Barmer Bekenntnissynode. – Die Klammern wurden handschriftlich hinzugefügt. ↩
43
Vgl. oben, S. 528f. ↩
44
Gemeint ist der Empfang der bis dahin unter Hausarrest stehenden Bischöfe Hans Meiser (Bayern) und Theophil Wurm (Württemberg) zusammen mit dem hannoverschen Landesbischof August Marahrens bei Hitler am 30.10.1934. Hierzu und zum Folgenden vgl. oben, S. 579-609. ↩
45
Vgl. dazu oben, S. 592 (mit Anm. 54). ↩
46
Vgl. oben, S. 605, Anm. 105. ↩
47
Vgl. oben, S. 645f., Anm. 34 und 36. ↩
48
Mskr.: «X» (hier und sonst von Barth als Abkürzung für «Christus» verwendet). ↩
49
Als «intakt» wurden die Landeskirchen bezeichnet, in denen nicht die Deutschen Christen das Kirchenregiment übernommen hatten. ↩
50
Siehe oben, Anm. 21. ↩
51
Siehe oben, Anm. 22. ↩
52
Barth schrieb irrtümlich: «18.1.34» (s. auch oben, Anm. 24); von den Hrsg. korrigiert. ↩
53
Siehe oben, Anm. 26. ↩
54
Siehe oben, Anm. 28. ↩
55
Siehe oben, Anm. 29. ↩
56
Siehe oben, Anm. 38. ↩
57
Siehe oben, Anm. 39. ↩
58
Siehe oben, Anm. 41. ↩
59
Siehe oben, S. 561 (mit Anm. 6). ↩
60
Von Barth mit Bleistift nachgetragener Punkt. ↩
61
Es handelte sich um den Empfang der Bischöfe bei Hitler; s. oben, Anm. 44. ↩
62
Von Barth mit Bleistift nachgetragener Punkt. – Siehe oben, Anm. 47. ↩