25. April 1930

Charlotte von Kirschbaum und Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

Die bewußte Lutherstelle findet sich E. A. Bd. 6 📖 Seite 59 in der Weihnachtspredigt über Jes. 9,1–7.1

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Herzlichen Gruß dir und Marguerite und noch vielen Dank für den guten Abend in eurem Hause

Deine
Lollo

Karl hat gestern vor ca. 160 Studenten die Ethik zu lesen begonnen.2

[Nachschrift von Barth:]

und hält das systematische Seminar3 doppelt mit je 30 ordentlichen und 15 außerordentlichen Mitgliedern!! O Eduard!

Sachfußnoten

1
Anscheinend Antwort auf eine mündliche Anfrage Thurneysens bei dem erwähnten Treffen. Auf der angegebenen Seite sind in Barths Exemplar — sehr wahrscheinlich von ihm selber — zwei Stellen mit Bleistift am Rand markiert: «Fragst du: welches die christliche Kirche sey? Ich will dir’s sagen: die christliche Kirche mußt du suchen, nicht daß sie liege zu Rom, noch zu St. Jacob, noch zu Nürnberg, noch zu Wittenberg, noch unter Bauer, Bürger, Adel, sondern es heißt also: ‹Sein Reich liegt auf seiner Schulter.› … Denn das Kindlein träget seine Herrschaft auf seiner Schulter, das ist, die Kirche und ganze Christenheit. Wenn du die christliche Kirche finden willst, so wirst du sie nimmer finden, wo du nicht auf die Christen siehest, welche Christo auf seiner Schulter liegen» (Dr. Martin Luther’s sämmtliche Werke, Erste Abth.: Homiletische und katechetische Schriften, Bd. VI: Dr. Martin Luther’s Hauspostille, hrsg. von J.G. Plochmann, Erlangen 1826, S. 59 📖). Der Text beider in der WA abgedruckten Fassungen der Predigt — dort im Gegensatz zur Erlanger Ausgabe ein Jahr früher auf das Jahr 1531 datiert — ist mit zahlreichen lateinischen Worten durchsetzt; s. WA 34/II, 512f. 📖 ↩
2
Barth wiederholte im SS 1930 seine bereits im SS 1928 in Münster gehaltene Vorlesung Ethik I; vgl. K. Barth, Ethik I (1928), hrsg. von D. Braun (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1973. 📖 ↩
3
Seminar über Anselm von Canterburys Schrift «Cur Deus homo» 📖.↩