4. August 1930

Nelly Barth an Anna Barth

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Liebe Mama,

es ist Zeit, daß Du weißt, wo ich bin — seit vorgestern bei Anny1 Vorher behielt mich meine Schwester Gritli2 mit Hans-Joggeli3 bei sich. Berti4 ist mit Matthisli in Stäfa5. Du hast meine drei Großen6 bei Dir. Grüße sie! Denk, ich habe soeben an Karl aufs Bergli geschrieben, daß ich, bis ich gelernt haben werde, diesen Weg oder einen anderen wirklich zu gehen, allein bleiben muß.7 Ich komme nicht nach Adelboden, vielleicht auch nicht gleich nach Bonn. Ich finde den Mut nicht, ohne neue und andere innere Kraft, in jenes Dasein zurück. Ich kann es so nicht wahrhaftig leben. Jetzt bin ich getrennt von den Kindern, und jetzt geht es ohne mein Mitarbeiten allen gut.

Ich schreibe nicht nach einer unruhigen Nacht, sondern nach reiflichem Überlegen. Karl kommt vielleicht einmal über den See, daß wir uns noch sprechen können.

Liebe Mama!
Deine
Nelly

Sachfußnoten

1
Nelly Barths Schwester Anny Schuler, geb. Hoffmann (1889–1964).↩
2
Franziska Margarita Knauer, geb. Hoffmann (1886–1956), wohnte in Zürich.↩
3
Johann Jakob (1925–1984), jüngstes Kind von Karl und Nelly Barth.↩
4
Bertha Bultmann(1913–1987) arbeitete vom 1.3.1930 bis zum 28.2.1931 als Hilfe im Haushalt von Familie Barth (briefliche Auskunft von Pfr. E. Bultmann vom 25.10.1994).↩
5
In Stäfa (Kanton Zürich) wohnte Nelly Barths Mutter Anna Elisabeth Hoffmann, geb. Hugentobler, verw. Locher (1854–1934).↩
6
Franziska Nelly (1914–1994), Markus (s. oben S. 1, Anm. 4) und Christoph Friedrich (1917–1986).↩
7
Brief nicht erhalten. Barth und Ch. von Kirschbaum verlebten Ferientage auf dem Bergli (s. unten S. 34 Anm. 1).↩