29. Mai 1931

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

Du weißt, wie wichtig und tröstlich es mir ist, meine Erzeugnisse deinem zugleich kritischen und wohlwollenden Auge zu unterbreiten, und so schicke ich dir denn mit gleicher Post das Konvolut meiner in den letzten fünf Tagen in ununterbrochener Schreibung entstandenen 21 Andachten1. Ich weiß nicht einmal, ob du die deinigen schon gemacht hast. Wenn nicht, so können dich die meinigen jedenfalls anregen, die deinigen besser zu machen. Es war ein recht merkwürdiges |141 und ungewohntes Geschäft für mich. Wenn du dich etwa fragst, wie ich gerade zu diesen 21 alttestamentlichen Texten gekommen sei, so erschrick nicht zu sehr und beschuldige mich nicht des Kitsches, wenn ich dir verrate, daß ich mich einfach und ohne Abweichung an das in Basel so beliebte Losungsbiechli2 gehalten habe. Das brüdergemeindliche Losungen-Ziehen ist ja gewiß wie wahrscheinlich die Brüdergemeinde überhaupt ein grober Unfug und gehört auch zu dem, was Paul Schütz in Orient und Occident so zutreffend als Renaissance-Christentum charakterisiert hat.3 Aber denk, ich brauche dieses Biechli sogar alle Morgen in der kurzen Andacht, mit der ich jetzt meine Vorlesungen zu eröffnen pflege, und für den Zweck des Jacobischen Buches fand ich das Vorhandensein einer solchen Weisung sogar ganz ausgezeichnet, denn ich wüßte wirklich nicht, unter welchem anderen Gesichtspunkt ich hätte auswählen wollen. Ganz abgesehen davon, daß ich es eigentlich ganz nützlich fand, solche 21 ausgerechnet alttestamentlichen Worte mit auf den Weg zu bekommen.

Hab vielen Dank für deinen großen guten Brief vom 16. Du wirst aus meinen Vorlesungen ersehen haben, daß Heim auch mich beschäftigt hat.4 Es ist mir ein richtiger Kummer, daß ich ihm den Anselm 📖 |142 nun nicht prompt gegenüberstellen kann.5 Ich bin nun überhaupt in richtiger Bedrängnis hinsichtlich meiner nächsten Publikationen. Die Dogmatik 📖 nimmt in der neuen Bearbeitung Dimensionen an, die mich für die Sommerferien, in denen sie6 zu beendigen sein wird, sehr ängstlich machen. Da sollte ja dann wirklich auch der Anselm endlich fertig werden, aber nun bin ich durch die lange Abwesenheit aus jenem diffizilen Stoff wieder so ganz heraus, und wie werde ich wieder hineinkommen? Im Winter weist mich dann der Fortgang der Vorlesungen unbarmherzig auf die Stoffe der Dogmatik I (Gotteslehre usf.)7, und die Publikation, in der ja dann auch die Ethik mit inbegriffen sein soll8, wird mit diesem rascheren Fortgang des Kollegs unmöglich Schritt halten können. So stehen mir wirklich sorgenvolle Zeiten bevor, und ich wollte nur, daß mit all dem Geschinde dann auch wirklich etwas geschaffen wäre. Aber eben das hat man nicht in der Hand. Es hat sein Gutes, daß ich durch den Unterrichtsbetrieb jetzt auch einfach wieder genötigt bin, den schon so oft gelesenen und beleuchteten Schleiermacher wieder und wieder zu lesen.9 Die Studenten wollten zunächst ein|143fach nichts wissen von dieser Speise, so daß ich große Reden über die geschichtliche Bedeutung des Mannes halten mußte, um sie nur erst heranzukriegen zu bedächtigem Lesen und Nachdenken über die Sache. Unsere zahlreichen Feinde hätten sich gewiß manchmal gewundert, wenn sie die Lobsprüche, in denen ich mich da ergehen mußte und ergangen habe, gehört hätten. Es ist tatsächlich so, daß wir mit dem Mann noch lange nicht fertig sind. Das konnte nur Emil meinen.10 Im Juli wird unser Stammgast Heinrich Scholz wieder in meinem Seminar erscheinen, um eine Apologie für Schleiermacher im Gegensatz zu |144 Emils und meinen eigenen Publikationen über ihn vorzutragen.11 Das wird eine sehr komplizierte dialektische Situation werden. Außer Scholz soll dann in demselben Kreis ein Benediktiner-Pater aus Maria Laach auftreten, um uns über die katholische Sakramentsauffassung etwas Authentisches vorzutragen.12 In meinem Seminar wirkt übrigens ein richtiggehender römisch-katholischer Theologe namens Fehr13 aus St. Gallen mit. Sehr aufgeschlossen und munter, aber auch sehr gegründet in seiner Sache, die er nach dreijährigem Studium bei den Dominikanern in Freiburg i. U. außerordentlich gut intus hat. Er ist bei den Diskussionen in der Lage, ganze Partien seiner Voten in glattem Lateinisch vorzutragen, in dem sich ja auch Alles viel besser sagen läßt. Ich fürchte sehr, ein evangelischer Normal-Student würde sich, in einen entsprechenden katholischen Kreis versetzt, sehr viel weniger gut und einleuchtend benehmen. Auch ein Neger sitzt übrigens im Seminar, aber er hat bis jetzt seinen Mund noch nicht aufgetan, sondern grinst nur unheimlich und urwaldmäßig, vielleicht ein Vorbote des erwachenden Afrika, das uns einmal mit Sack und Pack in die Tasche stecken wird.

Sag, was ist das: ich bekam heute Morgen Nr. 8 des Zofinger Zentral|145blattes mit der Erklärung des Altzofingerausschusses14. Ich kenne alle die unterzeichneten Leute ganz genau, war mit fast allen aktiv und habe mich über diese Sprache, die ich nur zu gut kenne, weidlich geärgert. Wie verhält sich diese Erklärung zu deiner Rolle als Beisitzer in der Redaktionskommission15? Wäre es nicht sehr schön, ein kräftiges Wort von dir in der nächsten Nummer zu lesen?16

Unsere Bergli-Freunde sind nun wohl vom Balkan wieder glücklich an ihren Ort zurückgekehrt.17 Ob wohl das neue Andachtsbuch in diesem christlichen Hause auch benützt werden wird? Vorgestern war hier eine Pfarrer-Konferenz18, aus deren Verlauf einem das ganze Elend der Kirche wieder einmal furchtbar entgegengähnte. K. L. Schmidt hielt den Vortrag19, und zwar gut, war aber in der Diskussion weder der Dumm|146heit noch der Schlauheit der Kirchenmänner gewachsen, wie er es hätte sein sollen. Ich war innerlich so zornig, daß ich am liebsten, dem Vorbild meines Urgroßvaters Lotz20 folgend, einen Stuhl in die Hand genommen, den gräßlichen Thorwaldsen-Christus21, der segnend im Hintergrund stand, umgeworfen und das Lokal geräumt hätte. Aber ich habe mich durch meinen Berliner Vortrag22 nun ohnehin vielleicht endgültig stinkend gemacht23 und will bis auf Weiteres mit Gewalttaten sparsam umzugehen mich bemühen. — Leb wohl, lieber Eduard. Es ist spät in der Nacht, und es ist an der Zeit, daß wir zu Bett gehen. Grüße Marguerite. Wir hoffen, daß sie völlig genesen und auch das Kindlein auf guten Wegen sei. — Lollo, die den Brief schreibt, grüßt dich mit mir.

Von Herzen
dein
Karl

Sachfußnoten

1
Der Berliner Pfarrer Gerhard Jacobi hatte nach persönlichen Gesprächen mit Thurneysen und E. Brunner in einem Rundbrief an 21 deutsche und Schweizer Theologen seinen Plan, ein theologisch einheitliches Buch mit Andachten für jeden Tag des Kirchenjahres herauszugeben, vorgestellt und konnte bereits auf Zusagen von Brunner, Dehn, Thurneysen und Barth verweisen. Die Mitarbeiter konnten die Texte und den Abschnitt im Kirchenjahr, für den sie Andachten schreiben wollten, frei wählen, abgesehen von Advent (Dehn), Weihnachts- (Thurneysen) und Osterzeit (Barth), und ihre Manuskripte bis Ende März 1931 einreichen (Brief vom 12.12.1930 u. a. an Bader, L. Christ, Gogarten, Hartenstein, Loew, W. Vischer und G. Wieser). Der Abgabetermin mußte noch zweimal verschoben werden. Am 29.5.1931 schlug Barth Jacobi brieflich vor, die Verfasserschaft der einzelnen Andachten nicht im einzelnen aufzuschlüsseln, um das Buch als gemeinsames Werk erscheinen zu lassen. Am 12.10. konnte Jacobi in einem Rundbrief bekanntgeben, alle Mitarbeiter hätten diesem Vorschlag Barths, Brunners, Christs und Wiesers, den er in seinem Rundbrief vom 11.7. zur Diskussion gestellt hatte, zugestimmt. Entsprechend gibt die Liste der Mitarbeiter keinen Hinweis auf die Verfasserschaft der einzelnen Andachten (S. 526). Vgl. [K. Barth], Palmsonntag [bis] Samstag vor Misericordias Domini, in: Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort! Evangelische Andachten für jeden Tag, in Zusammenarbeit mit H. Bader u. a. hrsg. von G. Jacobi, Berlin 1932, S. 186–213 📖, bzw. K. Barth / E. Thurneysen, Andachten für die Advents-, Weihnachts-, Passions- und Osterzeit, Berlin 1936 (und Basel o. J. [1949]), S. 49–91 📖; Pr. 1921-1935, S. 598–627 📖 (zur Vorgeschichte s. dort S. 598f.).↩
2
= Losungsbüchlein. Seit dem SS 1931, erstmals am 28. April, begann Barth seine Vorlesungen mit einer Andacht, in der er die Studenten einen Choral singen ließ und die Losung aus dem Herrnhuter Losungsbüchlein vortrug. Die Neuerung stieß nicht nur auf Zustimmung. Der Student Karl Gerhard Steck kritisierte u. a., daß die Andacht ohne Zusammenhang mit der konkreten Kirche und Gemeinde stattfinde, und empfand sie als ein Element pietistischer Erbaulichkeit, das im Mißverhältnis zu dem wissenschaftlichen Rahmen stehe, in dem sie stattfinde (Brief an Barth vom 28.4.1931). Barth antwortete noch am selben Tag: «Wo steht denn geschrieben, daß nur eine organisierte Kirchgemeinde das Subjekt einer solchen kleinen Andacht sein darf. Und woher wollen Sie wissen, daß das Auditorium voll Studenten durchaus nicht Gemeinde ist? / Mein Verhältnis zum Pietismus ist gerade wie mein Verhältnis zu Dilthey ein derartiges, daß ich mir eine Dosis von beiden nicht nur für meine Person meine leisten zu dürfen, sondern auch aus pädagogischen Gründen vor den Augen und Ohren meiner so arg prinzipiellen studentischen Freunde meine leisten zu sollen.» Vgl. auch Theologisches und Erbauliches (Aus dem Hörsaal von Karl Barth) Von einem Studenten der Theologie in Bonn [H. Bernds], in: RKZ, Jg. 82 (1932), S. 329–331. 📖 ↩
3
P. Schütz, Der politisch-religiöse Synkretismus und seine Entstehung aus dem Geist der Renaissance, in: Orient und Occident, 5. Heft (1931), S. 1–19 📖; darin S. 7–12: «III. Die Gestaltung der Bewegung durch Zinzendorf», vgl. bes. S. 11.↩
4
Vgl. oben S. 132, Anm. 2.↩
5
Die 1. Auflage von Barths Buch über Anselm (s. oben S. 14, Anm. 23) erschien im Herbst 1931 als 3. Band der 4. Reihe der seit 1927 von P. Althaus, Barth und K. Heim gemeinsam herausgegebenen «Forschungen zur Geschichte und Lehre des Protestantismus» 📖.↩
6
D. h. die Prolegomena zur Dogmatik 📖, für deren Behandlung in der Vorlesung Barth — statt wie 1924 in Göttingen und 1926/27 in Münster eines — acht volle und zwei angefangene Semester (WS 1934/35 und SS 1937) benötigte; vgl. oben S. 10, Anm. 7.↩
7
Die Lehre von Gott (KD II/1 📖 und KD II/2), die Barth erst in Basel Mitte des SS 1937 vorzutragen begann, erschien 1940 und 1942, die Lehre von der Schöpfung (KD III/1 bis III/4) und die Lehre von der Versöhnung (KD IV/1 bis zum fragmentarischen Band IV/4) wurden im Zeitraum von 1945 bis 1967 veröffentlicht. Die geplante Lehre von der Erlösung blieb unausgeführt.↩
8
Vgl. KD I/2, S. 875–890 📖: § 23: Der Auftrag der Kirche, 3. Dogmatik als Ethik. — Die Einbeziehung der Ethik in die Dogmatikvorlesung stellte gegenüber den beiden vorhergehenden Fassungen eine Neuerung dar.↩
9
Zur Schleiermacher-Lektüre nötigten Barth die Themen von Seminar und Sozietät (s. oben S. 121, Anm. 1). An den Widerstand der Studenten gegen Schleiermacher erinnerte sich Helmut Gollwitzer, Mitglied beider Veranstaltungen (Skizzen …. a.a.O., [S. 14, Anm. 23], S. 61f. 📖): «Wir rüsteten uns auf eine große Metzelei und freuten uns auf den Leichenschmaus. Aber nichts dergleichen wurde uns gegönnt. Die ersten Sitzungen verliefen mit liebevollen Schilderungen von Schleiermachers Leben und Persönlichkeit; in der Sozietät wurde das noch durch viel Detail ergänzt. Schließlich lief K. G. Steck eines Nachts wütend aus der Siebengebirg[s]straße [wo die Sozietät in Barths Wohnung stattfand] nach Hause: er streikte; diesen Dilthey-Salat habe er satt, und wofür wir denn eigentlich wieder die Unterscheidung von Lehre und Irrlehre gelernt hätten» (a.a.O., S. 61; wahrscheinlich verwendete Barth in der Sozietät W. Diltheys Werk Leben Schleiermachers, Bd. I, 2. Aufl. vermehrt um Stücke der Fortsetzung aus dem Nachlasse des Verfassers, hrsg. von H. Mulert, Berlin/Leipzig 1922 📖; vgl. oben Anm. 2). Die ganze erste Seminarsitzung diente offenbar dazu, die Bedeutung Schleiermachers hervorzuheben; das Seminarprotokoll spiegelt den Widerstand der Studenten, diese anzuerkennen, z. T. direkt wider (Protokoll der «Seminarsitzung am 20. April 1930», verfaßt von Wilhelm Blum, in: Protokollbuch des Seminars, S. 4–13). Sein Hauptteil beginnt mit der Feststellung: «Schleiermacher gehört zu den ganz Großen unter den Theologen. Seine Größe besteht — rein formal gesehen — darin, daß er etwas Neues gebracht hat, daß er eine wesentliche Weiterentwicklung der Theologie bedeutet» (S. 4). Er sei «die Synthese aller Spannungen und Unterschiede seiner Zeit, eine Synthese[,] die nicht Überwindung, sondern Aufnehmen und Anerkennung des Alten war» (S. 6). «Weil nun in Schl. alle Linien zusammenlaufen, gehen sie auch alle von ihm aus. Darum steht Schl. noch heute in der theologischen Diskussion, und jeder muß sich mit ihm auseinandersetzen» (S. 12). Einige Deutungen setzten einen «Begriff der Kirche» voraus, «in deren Raum auch noch ein Schl. Platz hat. Schl. sei darum nicht von vornherein zu verwerfen, er sei nicht indiskutabel» (ebd.). Und so lautet das Fazit: «Eine Beschäftigung mit Schl. ist darum für uns heute nicht nur wertvoll[, ] sondern auch notwendig» (Schlußsatz, S. 13).↩
10
E. Brunner, Die Mystik und das Wort. Der Gegensatz zwischen moderner Religionsauffassung und christlichem Glauben dargestellt an der Theologie Schleiermachers, Tübingen 1924, bes. S. 390–393 📖: «Nachwort, statt eines Vorwortes», das mit der Frage beginnt: «So ist denn also ‹Schleiermacher erledigt›? Einen einzelnen historischen Menschen ‹erledigt› man überhaupt nicht, am wenigsten einen Menschen wie Schleiermacher.» S. 391 jedoch: «Wenn in der Theologie Schleiermachers das Wörtlein Und das Entscheidende ist, so steht und fällt biblisch-reformatorischer Glaube mit dem Worte Solus … So ist das Resultat unserer wissenschaftlichen Besinnung die klare Disjunktion: Entweder der christliche Glaube oder die moderne Religionsauffassung.» Vgl. dazu Bw.Th. II, S. 703 📖; K. Barth, Brunners Schleiermacherbuch (1924), in: V.u.kl.A. 1922-1925, S. 401–425, bes. S. 424 📖; Pr.Th., S. 7.9. 📖 ↩
11
Scholz sagte seinen Vortrag «Kriegserklärungen zu Schleiermacher?» zum geplanten Termin ab. Barth schrieb ihm daraufhin am 28.7.1931: «Den Besuch einer der ordentlichen Sitzungen unseres Seminars meinten wir Ihnen tatsächlich nicht zumuten zu sollen, weil es uns in diesem ganz schlicht um die Interpretation der Schleiermacherschen Texte als solcher ging und nicht um die Frage, die zwischen Ihnen und uns zu verhandeln gewesen wäre. Wir glauben aber auch nicht, daß ein Schleiermacher-Vortrag von Ihnen im kommenden Semester denselben guten Sinn haben könnte, den er jetzt gehabt hätte», da bei einem neuen Seminar viele Unkundige zu erwarten wären. Vgl. Scholz’ und Barths Thesenreihen zu Schleiermacher aus dem Januar und Februar 1930 in: V.u.kl.A. 1925-1930, S. 536–541. 📖 ↩
12
P. Damasus Winzens Vortrag «Die Lehre von den Sakramenten» fand in der (außerordentlichen) 11. Seminarsitzung am 9.7.1931 statt. Das folgende «Religionsgespräch» wurde kurzfristig am nächsten Abend fortgesetzt (Protokolle beider Sitzungen im Karl Barth-Archiv); vgl. D. Winzen, Die Sakramentenlehre der Kirche in ihrem Verhältnis zur dialektischen Theologie, in: Cath(M), Jg. 1 (1931), S. 19–36. 📖 ↩
13
Jakob Fehr (1907–1971), 1930 in Freiburg (Schweiz) «summa cum laude» zum Licentiaten promoviert, WS 1930/31 Studium in Tübingen, SS 1931 in Bonn bei Barth, 1931 Diakon in St. Gallen, August 1933 bis Juli 1934 Vikar in Riehen (Kanton Basel-Stadt), 1934–1945 Kaplan und Kantonaler Schulinspektor in Appenzell, ab 1946 (gewählt 1945) Pfarrer in Schmerikon (Kanton St. Gallen). Siehe auch unten S. 650, Anm. 30.↩
14
Erklärung des Zentralausschusses der Altzofingia (vom 19. April 1931), (unterzeichnet von dessen Mitgliedern: E. von Steiger, W. Rytz, R. Looser, H. Matti und H. Ziegler, in: Zofingia. Zentralblatt des Zofingervereins, Jg. 71 (1930/31), Nr. 8 (Mai 1931), S. 442f. 📖 [französische Fassung a.a.O., S. 444f.]. Die Erklärung nimmt Stellung zu einer Beschwerde der «Section Vaudoise des Vieux-Zofingiens» vom 10. April 1931 gegen die Veröffentlichung des armeekritischen Artikels von P. Cérésole, L’Armée Suisse. Quarante-deux Questions, a.a.O., Nr. 4 (Januar 1931), S. 253–260 📖, und gegen die Führung des Vereinsblattes. Die Erklärung befaßt sich am ausführlichsten mit dem Artikel Cérésoles, eines Nicht-Zofingers, dessen Abdruck als eindeutiger Mißbrauch verurteilt wird. In Zukunft sei jeweils zu prüfen, ob durch eine Veröffentlichung das Vereinsblatt «den Grundsätzen des Zofingervereins nicht entfremdet und nicht zu anderen Zwecken gebraucht wird.» — Mit von Steiger, dem späteren Bundesrat, geriet Barth während des 2. Weltkriegs in Konflikt, weil er trotz Verbots wiederholt politische Ansichten, die der Linie der schweizerischen Regierung entgegenstanden, öffentlich vortrug und publizierte; vgl. Busch, S. 323f.327 📖.↩
15
Für den laufenden Jahrgang 1930/31 des Zofinger Zentralblattes — das jeweils vom Oktober bis Juli monatlich erschien — war Thurneysen Beisitzer der Redaktion.↩
16
Thurneysen nahm dazu im Zofingerblatt nicht Stellung.↩
17
Pestalozzis hatten ihre Reise am 28.5.1931 beendet.↩
18
Jahresversammlung des Wissenschaftlichen Predigervereins der Rheinprovinz am 27.5.1931.↩
19
K. L. Schmidts Vortrag «Kirchenleitung und Kirchenlehre im Neuen Testament, im Hinblick auf den preußischen Staatsvertrag über das Verhältnis von Kirche und Staat» wurde abgedruckt unter dem Titel Kirchenleitung und Kirchenlehre im Neuen Testament. Im Hinblick auf den Vertrag des Freistaates Preußen mit den evangelischen Landeskirchen (durch Anmerkungen erweiterter Vortrag, gehalten am 27. Mai 1931 in Bonn) (Theologische Arbeiten des Wissenschaftlichen Predigervereins der Rheinprovinz, NF 26), Essen 1931, S. 9–22.90–92. 📖 ↩
20
Peter Friedrich Lotz (1787–1841), Seidenfärber, Inhaber verschiedener öffentlicher Ämter. «Es gab … eine besondere Art des Zornes, bei dessen Ausbruch der Mensch stechend grüne Augen bekommt und dann gewiß nicht immer in den Grenzen dessen bleibt, was vor Gott recht ist und was ihn bei den Mitmenschen beliebt zu machen geeignet ist. Er wurde unter dem Namen ‹Lotzenzorn› fast sprichwörtlich bekannt. … Und ich selbst habe ihm sicher nicht nur, als ich das berüchtigte ‹Nein!› gegen Emil Brunner in die Welt schleuderte, sondern auch bei anderen Anlässen (leider bis in mein hohes Alter hinein) gelegendich Raum gegeben. … Beschönigend darf ich hinzufügen, daß der ‹Lotzenzorn‹, nachdem er wieder einmal ausgebrochen ist, ziemlich rasch wieder zu verfliegen und humaneren Regungen und Verhaltensweisen Raum zu geben pflegt.» (K. Barth, Manuskript zu einer Autobiographie [1966, Fragment], S. 6f.; im Karl Barth-Archiv); vgl. Busch, S. 14 📖.↩
21
Das Original der Christus-Statue des klassizistischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen (1768 [1770?]–1844), von der zahlreiche Gipsabgüsse in kirchlichen Räumlichkeiten standen, befindet sich in der Kopenhagener Frauenkirche; vgl. O.Br. 1945-1968, S. 416. 📖 ↩
22
«Die Not der evangelischen Kirche», vgl. oben S. 87, Anm. 6.↩
23
Vgl. Gen. 34,30 u.ö. (Luther-Bibel, bis zur Ausgabe von 1912).↩