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30. Juni 1931
Es wird wahrscheinlich ein Brief von Alphons Koechlin1 bei dir eintreffen, für dessen Anliegen ich mich auch bei dir einsetzen möchte. Alphons hat nämlich einen Strauß auszufechten an einer internationalen Konferenz in Amerika mit der deutschen Delegation der C.V.J.M.2 Diese Delegation, an deren Spitze der fatale |155 D. Stange3 steht, hat einen großen Votstoß im Sinne. Und zwar ganz genau in der Richtung der Hirsch-Althausschen Erklärung4. Sie will die Anderen mit einem Ausbruch bedenken hinsichtlich der Schuldlosigkeit Deutschlands am Weltkrieg und der Ruchlosigkeit des Versaillervertrags. Sie will diesmal nicht mit sich reden lassen, sondern endlich einmal das letzte Wort behalten, nachdem die Neutralen, die zuvor hätten reden sollen, zwölf Jahre lang eisiges Schweigen beobachtet hätten. Und zwar ist das alles bereits in einem ganz fatalen Memorandum5 niedergelegt, das breite theologische Unterlagen enthält, die direkt unter «Beratung des verehrten Professor Althaus» entstanden sind. Es ist alles |156 ganz und gar nicht gut. Du kennst ja die Geschichten. Nun hat Alphons diese Dinge eingehend mit mir beraten, und ich habe ihn nach Kräften scharf gemacht gegenüber Althaus und seinem Dokument. Er hat daraufhin einen Brief geschrieben, der sofort nach Deutschland ging, und dort hat er die Wirkung gehabt, daß Stange ganz erbittert ist und daß er seine Delegation extra noch einmal zusammenrufen hat lassen, um ihr erst recht Weisungen zu geben zu bockiger Haltung.6 Alphons war nun froh, deine beziehungsweise Karl Ludwigs kurze Gegenrede in den theol. Blättern7 zu lesen und sich da die entscheidenden Gesichtspunkte zu merken. Er wüßte nun aber vor seiner Abreise Ende nächster Woche gern noch, ob irgendwie das Gefecht um die Hirschsche Erklärung weitergegangen sei und wo.8 Und vor allem sollte er noch mit ein paar Angaben versehen werden über die Quellen, aus denen diese Dinge stammen, das heißt einen gewissen Einblick erhalten in die einschlägigen Schriften von Althaus und Hirsch. Ich konnte ihm nur ganz ungenaue Angaben machen. Vielleicht kannst du ihm noch ein paar Titel geben von Aufsätzen und Schriften, die hier von Althaus |157 und Hirsch in Betracht kommen. — Lieber Karl, ich sitze hinter meiner Festpredigt.9 Weißt du, was ich mache? Ich habe ganz einfach deine schöne Andacht über Psalm 210 vor mir und werde das Entscheidende daraus gewinnen für meine Darbietung! Wäre diese Passage nur schon hinter mir! Bereits wimmelt es von Missionsvolk, sooft ich auf den Platz hinausschaue, sehe ich B[ibel]-K[reis]mädchen oder deutsche Studenten oder Schwarzröcke oder Schwesternhauben, die das Münster anstaunen. Herzlich!