8. September 1931

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl, liebe Lollo,

hier eine Abschrift der Andachten1. Für euch wird nun auch der Tag des Weggehens anbrechen. Aber der Anselm ist ja unter Dach gebracht! Hoffentlich läßt es sich nun doch so einrichten, daß Lollo über nächsten Sonntag zu uns kommt. Wir würden uns sehr freuen. Aber es soll |172 natürlich keine Drängerei sein. Und du, Karl, wirst von Bern aus eintreffen.2 Und vielleicht läßt sich die Entrevue mit Georg auch gleich in Basel einrichten?3 Sieh zu, wie es am besten geht! Hier ist alles wieder angedreht. Am Sonntag habe ich Lukas besucht und ihn richtig als Nichtmehrraucher getroffen, ausgelöscht Pfeife und Stumpen4! Ich kann es ihm zwar nicht so recht glauben, er behauptet es eigentlich auch selber nicht, daß diese drakonische Drosselung geradezu unerläßlich gewesen sei, er tut es mehr als Demonstration seinen Kindern gegenüber, denen da und dort etwas nicht mehr erlaubt werden kann.5 Auch hofft er auf wiederkommende bessere Zeiten, das heißt wohl auf die Zeit, da der Schwiegerpappe6 … Aber auf alle Fälle, er tut’s nicht mehr, sogar das Pfeiflein des armen Mannes versagt er sich. Nicht wahr, man kann ihn sich gar nicht so recht vorstellen und mag selber nicht mehr so recht rauchen bei ihm. Er hofft sehr, dich zu sehen, wenn du in Basel bist. Auch ein Göttimaiteli7 wartet glaub darauf, deiner einmal richtig ansichtig zu werden. Und nun gute Tage noch in Bern! Seid herzlich gegrüßt!

Euer
Eduard

Sachfußnoten

1
Thurneysens Andachten (4. Advent bis 5. Januar) sind abgedruckt in: Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort!, a.a.O. (S. 140, Anm. 1), S. 30–57 📖; wieder abgedruckt in: E. Thurneysen / K. Barth, Andachten …, a.a.O. (ebd.), S. 7–47. 📖↩
2
D. h. von Wabern bei Bern, dem Wohnort von Barths Mutter.↩
3
Auf Einladung von Anna Barth reiste G. Merz, vom Bergli kommend, am 19.9.1931 nach Wabern, um Barth dort zu treffen, und fuhr am 20.9., dem eidgenössischen Bettag, nach Basel weiter (laut Postkarte von Merz an Barth vom 17.9.1931).↩
4
= Schweizerische Zigarrenart.↩
5
L. Christs (vorübergehende) Tabakabstinenz war wohl eine Sparmaßnahme, die aus dem Zusammenbruch der Bank seines Bruders (s. oben S. 163, Anm. 11) folgte.↩
6
= Schwiegervater. Jacob Wackernagel (1853–1938) war 1915–1936 o. Professor für Sprachwissenschaft und klassische Philologie in Basel.↩
7
= Patentöchterchen. Barth war Pate von Dorothea Christ (geb. 1929).↩