9. Februar 1932

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Was für eine schreckliche Lücke habe ich aufgehen lassen in unserem Briefgespräch. Ich wage fast nicht mehr, dir unter die Augen zu treten. Ach, sieh, es ist wirklich nicht Schlamperei oder gar eine wirkliche Ferne, die daran schuld wären, sondern schuld daran ist das unaufhörliche, das nicht ablassende Gedränge, in dem drin mein Dasein verläuft. Ich komme oft für mich selber kaum zur Besinnung, sondern muß wie auf einer Ressliritti2 immer weiter im Kreis herum von einem zum andern eilen. Nun aber muß das Loch in diese Mauer des Schweigens wieder einmal gebrochen werden!

Vor Weihnacht — da war der gute Abend, den ich in Frankfurt bei deinem Schüler Fricke hatte3, mit dem ich mich richtig befreundet ha|196be. Mein Vortrag war mir fast Nebensache über dem, was Fricke mir sagte und zeigte von seiner Gemeindearbeit. Das hat mir alles einfach eingeleuchtet bis hin zu seiner Notkirche, in der man «zur Not» sogar kochen kann4. Was da weitergeht, wird unsere ganze Aufmerksamkeit verdienen. Ich habe mich auch theologisch gut mit ihm verstanden. Er hat mir Predigten gezeigt und zu lesen gegeben, die einfach gut sind. Und auch was er aus seiner realen Denkweise heraus über die Gegenwartslage zu sagen weiß, ist mir alles ganz einleuchtend und nahe gewesen. Da hast du einen Schüler, der sich auf exponiertem Posten wirklich bewährt.

Und dann kam also der Weihnachtsrummel selbst mit seinem vielfachen Predigen und Rufen, während bei euch die Arbeit ein wenig ruhte und dafür die theologischen Jünglinge bei mir vorbeikamen und mir Kunde gaben von dem großen Antrieb und Auftrieb, in dem sie in Bonn drinstehen. Der Exfuxmajor5, der von seinem gewaltigen Vater sicher etwas erdrückte Paul Dieterle, der ganz erstklassige Paul Frey, sie alle, alle wußten jeder in seiner Färbung Bonn nicht genug zu loben. Und ich bin restlos froh um jeden, der von hier aus den Weg zu dir findet und endlich einmal etwas anständige Theologie zu schmecken bekommt. Sie bilden dann allerdings nach ihrer jeweiligen Rückkehr Steine des Anstoßes bei der hiesigen Lehrbildung, sie kaufen unserem |197 Freund Ernst seine Spekulationen über die gefallene Schöpfung6 (welcher fatalen Lehre übrigens neuerdings zu meinem Gram und Groll dein Bruder Heiner freundlichsten Beifall zu spenden beginnt!) und Köberle seine Halbheiligung nicht mehr recht ab. Dafür bilden sie dann die Stützen in meinem Seminar, das mir im übrigen viel Kummer bereitet. Denn mein Dutzend ist im übrigen theologisch von einer fabelhaften Buntscheckigkeit, Ignoranz und Unzuverlässigkeit — immer mit der Ausnahme der ein bis zwei, die von dir herkommen, diesmal ist es der junge Sutz7 und ein gewisser Gysel8.

Über Neujahr waren Marguerite und ich drei Tage im Schwarzwald oben für uns allein. Und da las ich von A bis Z das mir von euch geschenkte Buch über den wackeren Schlunk oder vielmehr Schlunck9, denn darauf legt er ja Gewicht! Ich habe schließlich das Gefühl, man habe dem Guten einen reichlich schlechten Dienst erwiesen mit dieser Vollveröffentlichung aller seiner Wege und Gedanken.10 Sein Durch|198bruch zum preußischen Leutnant11 ist nun einmal wirklich auch reichsgottesgeschichtlich kein Ereignis, und so viel Gutes und Lehrreiches und menschlich Sympathisches in dem Buche zu lesen steht, es ist doch eine tolle Überschätzung der Renitenz12.

Was mich aber gegenwärtig wirklich sorgenvoll beschäftigt, das ist, Karl, mein Freund Heiner. Du weißt ja um seine mit mir betriebene Neugründung, die theologisch-philosophische Arbeitsgemeinschaft. Hör an (mit Georg zu reden): die erste Sitzung fand noch vor Weihnacht statt und endete mit einem solennen — Krach zwischen Heiner und mir. Heiner hatte einen einleitenden Vortrag, den ich nach wie vor einfach für schwach halten muß, über das Thema «Vernunft und Offenbarung»13, wie er es selbst formuliert haben wollte. Und wenn ich recht sehe, war die Sache so gedacht, daß er, Heiner, mit diesem Vortrag einleitend das Feld zwischen mir und sich so abzustecken gedachte, daß ich mir jedenfalls keinerlei theologische «Übergriffe» mehr gestatten können sollte. Ich will dir ein paar (wörtliche) Zitate geben. «Was könnte dem Theologen daran liegen, dem profanen Denken alle Wahr|199heit abzustreiten? Diese Ausstoßung in die Wüste ist sicher oft weniger ernst gemeint, als der dialektische Eifer vermuten läßt. Wir halten [es] hier mit dem heiligen Thomas, der in allem Weltsein, auch im weltlichen Denken, [einen Hinweis auf die letzte Wahrheit, so etwas wie] eine ‹Analogie› des göttlichen Seins anerkennt. Das Problem der [‹]letzten Dinge[›] muß schon in den ersten aufgeworfen sein.»14 Du ersiehst aus diesen paar Sätzen wohl deutlich genug, auf welcher Linie Heiner zu fechten gedachte. Analogia entis!15 Was mich aber beim Anhören aufbrachte, war nicht so sehr die sachliche Differenz gegen diesen philosophischen Thomismus, als die gewisse mir ärgerliche «Abgeklärtheit» und Überlegenheit, aus der heraus ich ihn gegenüber der Theologie reden hörte. Immerhin war eben auch sachlich die Lage sehr diskussionsbedürftig. Überlege dir noch folgende (wörtliche) Zitate: Heiner proklamierte: «… bereits oben wurde der Hinweis gemacht auf das Moment der Ursprünglichkeit, des unbedingt Primären und Endgültigen in der Vernunft. Diese Ursprünglichkeit kommt in der platonisch-augustinischen Linie der Geistesgeschichte zum Ausdruck, zu der wir uns in diesem entscheidenden Punkte bekennen möchten, ohne die Gefahren ihrer mystisch-spekulativen Unmittelbarkeit zu übersehen. Die Erkenntnis hat ihren Ursprung in Gott. Die Vernunft ist endgültig nicht unsere, sondern Gottes Vernunft; was in uns aufleuchtet, ist ein Abglanz des ewigen Lichtes, der uns an das transcendens, an das unum, verum, bonum erinnern soll. Der Versuch, die Vernunft in diesem transcendenten Sinne in den Bereich unserer vermeintlichen Verfügbarkeit zu rücken, dürfte weniger nahe liegen. Für das moderne Bewußtsein, auch für die Theologen, ist leider die rein säkularistische Auffassung der Vernunft Axiom. Wir fragen: ist diese Säkularisierung des Erkenntnisbegriffs, die der ganzen Tradition fremd war, das letzte Wort? Warum soll Vernunft nur einen profanen, nur einen trivial-menschlichen Klang haben? Etwa damit ein absoluter Gegensatz gegen Offenbarung entsteht? Die Philo|200sophie der Erkenntnis weist nicht in der Richtung eines banalen Vernunft begriffs …»16 Nun, nicht wahr, es war doch zum mindesten am Platz, diesen Formulierungen gegenüber ein paar sichernde, den Offenbarungsbegriff sichernde Fragen zu stellen? Ich hatte den Abend zu leiten und konnte mir infolgedessen erst ganz am Schluß selber das Wort erteilen. Und nun scheinen meine Anfragen etwas sehr aggressiv hervorgebrochen zu sein. Und es endete alles unter dem Eindruck wirklicher Diskrepanz zwischen den beiden Leitenden! Und dies umso mehr, als auf der anderen Seite ein mir besonders ärgerlicher, aber wirklich erstaunlich dichter und vollständiger Consensus zwischen Heiner und — unserem Freund Ernst Staehelin und Köberle entstand. Sie trafen sich einfach alle merkwürdig freudig auf der augustinisch-thomistischen Linie. Und als ich Heiner nachher auf diese seine doch etwas seltsamen Partner hinweisen wollte, erklärte er mir stirnrunzelnd, ich unterschätze eben Ernst Staehelin doch bedeutend! Und nun denk dir noch dazu eine ziemlich beträchtliche Zuschauertribüne, das heißt ein stummer Kreis von diesem Duell beiwohnenden Lehrern und Lehrerinnen aus Töchterschule und Gymnasium17 und etlichen sonstigen Zuzügern, und ich wirklich in splendid isolation allen gegenüber.

Die Folge war nun, daß stürmisch verlangt wurde, der finstere, vernunftunfreudige Theologe solle nun seinerseits das Wort nehmen am nächsten Abend über das gleiche Thema. Und das ist nun auch geschehen. Ich habe vor 8 Tagen nun meinen Vortrag gehalten vor dem gleichen Kreise. Wie ging das zu? Es begann damit, daß ich einen ganzen Sonntag lang bis tief in die Nacht hinein las, las, las, und zwar, wie konnte es anders sein? — Karl Barth und noch einmal Karl Barth, einmal aufs sorgfältigste die mir glücklicherweise von Lollo (wie dankbar war ich gerade dafür!) übersandten Paragraphen über die Erkennbarkeit des Wortes Gottes18, dazu die Seminarnotizen über die (katholische) |201 natürliche Theologie, ferner ganz genau und gründlich die einleitenden Paragraphen der Ethik über die Abgrenzung der theologischen und der philosophischen Ethik 📖19 und natürlich den Anselm 📖20. Ich war schließlich von alle dem vollgesogen wie ein Schwamm und legte mich zu Bette, und anderntags ging ich dann daran und schrieb einen mehr nur skizzenhaft abgefaßten Vortrag21, in dem ich zunächst einfach noch einmal den Offenbarungsbegriff entwickelte und an Hand davon die Eigenart theologischer und philosophischer Aussagen. Ich wählte schließlich ein ganz konkretes Beispiel, indem ich auf den Satz «der Tod ist der Sünde Sold» [Röm. 6,13] eine theologische Aussage aufbaute und diese abgrenzte gegenüber den Todesaussagen etwa des Platonismus oder Heideggers22 und die theologische Aussage als eine den Tod eben in ganz und gar sonderlicher Weise qualifizierende Aussage auf Grund eines nur kraft Offenbarung gefallenen Urteils darstellte, die philosophisch nicht eingesehen oder gar begründet werden könne. Ich schloß dann mit einem letzten Teile, in dem ich an Hand deines Ethikparagraphen versuchte, eine Abgrenzung zwischen Philosophie und Theologie durchzuführen, die aber als solche Arbeitsgemeinschaft bedeuten müßte. Aber das war natürlich alles viel zu wenig für Heiner! Vor allem eines ertrug er nicht, daß ich an der Zweiheit der Begriffsbildung: «Vernunft» und «Offenbarung» grundsätzlich festhielt und die mir nicht abkaufen ließ. Ich sprach an Hand von Notizen und aus einer gewissen heilsamen Wurstigkeit heraus, entschlossen, meine theologische Position bis zum letzten zu halten. Und es kam, wie ich mir denken mußte: es bildete sich aufs neue wieder die Einheitsfront gegen mich von Heiner bis Köberle und Ernst, diesmal noch sehr verstärkt durch Heiners Fachkollegen Gauß23. Und zwar so, daß mich alle, alle, Heiner in zwei ausführli|202chen Voten, worunter ein langes über den Begriff der Analogie bei Thomas, in freundlichster Weise dazu bewegen wollten, ich solle doch von meinen schrecklichen und irgendwie bornierten Einseitigkeiten ablassen, dann könne man sofort mit sich reden lassen, und alles werde in einem großen Einverständnis enden. Aber eben daß ich das witterte hinter jedem Worte meines Partners, bewog mich nun dazu, mich steif zu machen und meinen Weg weder in der Richtung von Ernsts spekulativer Schöpfungslehre noch in der Richtung von Heiners Transzendentalphilosophie auch nur um Haaresbreite zu verlassen. Heiner ärgerte sich vor allem daran, daß ich so im allgemeinen von einem philosophischen Denken spreche, das dem theologischen gegenüberstehe, statt mich von vornherein einzulassen auf diese oder jene Philosophie, wobei dann gewiß auch starke und lebhafte Ablehnungen uneinsichtiger Philosophie möglich seien. Ich hatte somit auch diesen Abend wieder verdorben. Mir selber war eigentlich wohl dabei, denn ich hatte das Gefühl, während der ganzen Debatte an Verratsmöglichkeiten vorbeigeführt worden zu sein. Und wieder hörten alle die Lehrweiblein und ihre männlichen Kollegen zu, und wieder war ich völlig alleingelassen. Aber ich hatte den Eindruck, schließlich auch der Zuschauertribüne durch mein Steifbleiben mehr zu denken gegeben zu haben, als wenn ich den Friedensbogen allzu sichtbar hätte sich über dem Blachfelde breiten lassen. Übrigens war unter den Zuhörerinnen auch deine Schwester, die zufällig in Basel gewesen war, und die, wenn ich mich nicht täusche, eher bekümmert zuhörte. Nun aber geht meine Sorge weiter. Nämlich, jetzt hat Ernst Staehelin den Auftrag erhalten und angenommen, ein nächstes Mal über — ja, natürlich über die Schöpfung zu reden. Wahrscheinlich soll ich da den bekannten schwachen Punkt haben mitsamt der ganzen dialektischen Theologie. Und ich sehe schon die triumphale Spekulation daherkommen und bei den ja ahnungslosen Zuhörern ihren Eindruck nicht verfehlen, wie sie Ernst an dieser Stelle zu entwickeln liebt. Und so wird es wiederum zu Weiterungen kommen, obgleich ich selber eigentlich dieser Gesprächsführung jetzt schon müde bin. Und sieh, was früher eigentlich nicht so der Fall war — ich werde beim Anhören der Litanei von Ernst und der transzendentalen Fuge |203 von Heiner nachgerade richtig mudrig24 und grollend. Irgendetwas daran vertrage ich schlecht. Und das hat dann zur Folge, daß ich auch menschlich ihnen gegenüber so ein wenig, wie soll ich sagen, abgeriegelter, froissierter25 empfinde. Sie können mir, wie man so sagt, gestohlen werden. So oft ich sie antreffe, geht es doch irgendwie, wenn auch in freundlicher Weise, wieder los, ich werde angehauen, manchmal auch angeödet26, und mag darauf nicht immer eingehen. Doch, ich weiß, das ist nun also nicht johanneisch27. Aber daß diese mir immerhin hier in Basel sozusagen Nächsten mein Anliegen so gar nicht sehen wollen oder als eine Art theologischer Borniertheit ansehen, das läßt mich wirklich manchmal so ein wenig mudrig werden. Ich denke leicht, ich habe wirklich noch anderes zu tun als diesen Professoren, die ja schön Zeit haben, ihre Belange zu pflegen, während ich immer nur aus irgendeiner Bedrängnis heraus meine Thesen zusammenraffen kann und muß, Red’ und Antwort zu stehen, ohne daß das Gespräch wirklich auch nur um ein weniges auch für mich fruchtbar und wertvoll würde. Tröste mich, Karl! Aber vor allem: sag mir um Himmels willen, was ich nun lesen soll, um auf den Schöpfungsvortrag gerüstet zu sein. Das ist ja Ernsts schönster und eindrucksvollster Tonfilm, bedenke. Und wie, ja wie soll da die creatio ex nihilo aus Offenbarung (und nicht aus Ernsts heillosem Vorherwissen oder aus Heiners Analogiewissen — er bestreitet, daß es analogia entis sei, es sei nur analogia an sich) verständlich gemacht werden? Wäre es nicht möglich, daß Lollo mir die Paragraphen aus der Dogmatik 1 über die Schöpfung leihweise bis nach dieser Debatte übersenden würde, wie sie in der letztgelesenen Fassung28 vorliegen? Ich wäre heillos dankbar dafür! Ich sollte irgendetwas Zusammenhängendes darüber gelesen haben wie das letzte Mal. Die |204 Dinge liegen in der Tat für mich nicht gerade sehr klar vor mir. Bitte, laßt mich nicht im Stich! Die Sitzung findet am 7. März statt. Heiner bestreitet rundweg, daß Ernst einfach damit zu erledigen sei, daß man ihm Spekulation vorwerfe. Aber was sonst?

Was ist weiter zu erzählen? Die Muhme Rählen wüßte wirklich noch allerhand.29 So z. B. von neuerlichen Begegnungen mit — (das Unheil breitet sich auch hier aus) Meieli Staehelin-Kutter30, die auch nicht gut verlaufen und mich noch mehr von diesem Ecken wegtreiben. Dann vor allem von meinen Seminarübungen mit meinem Dutzend und merkwürdigen Erfahrungen, die ich auch hier zu machen habe und die mich bewogen haben, im kommenden Semester nun wirklich auch wieder eine kleine Vorlesung anzuzeigen über Grundprobleme der Predigt31, wobei das Wort «Grund» sehr zu unterstreichen ist, denn eben was eine Predigt sei und wie man allenfalls daran heranzutreten habe, das ist dieser theologischen Jugend seltsam verborgen geblieben. Fast noch wichtiger wäre freilich eigentlich (aber wie soll ich das können?), daß man diesen Jünglingen Exegese liest. Denn die Bibel ist ihnen im großen Ganzen rätselhaft verschlossen geblieben. Die exegetische Vorbereitung der Predigten, die ich im Seminar erleben muß, ist einfach unerhört hilflos. Dazu läuft auch die Pratteler Konferenz32 weiter. Eben |205 gestern war eine Sitzung, wo dein alter Freund Buxtorf33 nicht uneinsichtig über Krankheit und Sünde referierte, die Diskussion aber unter Anführung von Adolf34 fatalerweise in das Geleise der auch von uns wieder anzustrebenden Wunderheilungen lief. (Adolf wußte von zwei unter seiner Assistenz zum mindesten sich einst ereignet haben sollenden Wünderlein zu berichten, von denen Lukas behauptet, es sei nichts damit, und er habe diese Geschichten nun schon zum sechsten Male von Adolf erzählen gehört.) Man konnte auch da nur abbremsen und warnen und dieser zum Heilen bereiten Pfarrerschar beschwörend in den Weg treten.

Etwas Gutes noch, weil es undankbar wäre, wenn ich nichts davon sagen wollte. Vor Weihnachten noch bekam ich es in meiner Arbeit mit einem Manne zu tun, der in schwierigster, aussichtslosester innerer Lage an mich geriet und dessen Weg mich wochenlang und bis heute in Atem hielt, wobei ich aber einfach Zeuge so hoffnungsvoller Wendung und Durchhilfe werden durfte, daß ich selber viel davon hatte. Aus dieser Begegnung hat sich mir dann ein sehr freundlicher und mich bereichernder Kontakt ergeben mit der Frau dieses Mannes. Ich flüchte mich manchmal in die Gespräche mit ihr aus all den geschilderten mich so wenig befriedigenden anderen theologischen Gesprächen. Wie überhaupt mit den Weltkindern das Gespräch viel besser verläuft als mit den Zünftigen (wenigstens in Basel). Wäret Ihr doch näher! Am Freitag abend hörte ich einen Vortrag von Guardini35, der schlechthin raffiniert war, aber kalt bis ins Letzte und, was mich besonders ärgerte, alle, aber auch alle theologischen Belange vollständig vermied, rein weltlich, psychologisch, so daß mir das Ganze wie ein Verrat vorkam, was es natürlich vom katholisch-theologischen Denken aus sicher nicht |206 war. Ich ging dann, weil es mir so ganz aussichtslos vorkam, nicht zur Diskussion. Aber denk, dafür hatte ich etwa 14 Tage vorher einen ganz ausgezeichneten Abend mit einem katholischen Literaturprofessor aus Münster namens Müller36, der glänzend, überlegen und eindeutig theologisch orientiert über die Religiosität der Goethezeit sprach. Bis Mitternacht saßen wir zusammen, und es kam zu wirklich sehr lehrreichen Gesprächen zwischen ihm und mir. Denk, die Stadt München hat mich aufgefordert, als Partner Guardinis als protestantischer Theologe in ihrem dies Jahr veranstalteten Goethezyklus zu reden. Ich habe natürlich abgelehnt und diesen Ehrenauftrag an Loew und Georg37 weiterzugeben zu veranlassen gesucht. Ich werde mich wohl hüten.

Aber noch in anderer Hinsicht lebe ich ganz aus deiner Hand. So daß du wirklich bei mir nicht vergessen bist, nämlich in den Johannesbibelstunden dieses Winters, die mir auch ziemlich viel Mühe machen, aber auch ich habe etwas davon. Deine Arbeit38 ist wirklich auch hier mein Boden.

Zum Schluß — es ist schon spät — deine Mutter war auf der Rückreise bei mir. Du wirst dir denken können, von was sie mit [mir] reden wollte. Es verlief aber das Gespräch wirklich, soweit ich es sehen kann, restlos gut, besser als jemals zuvor. Ich bin so froh darüber.

Das Frühjahr kommt. Wirst du bei uns auftauchen? Es wäre so gut! Dein Sohn Markus hat mir um die Weihnachtszeit einen wirklich einfach guten, mich sehr bewegenden Brief39 geschrieben. Ich habe ihm bisher noch nicht geantwortet. Aber er ist nicht vergessen. Grüße ihn herzlich von mir. Und ich lasse ihm danken! Sei du mit Nelly und Lollo vielmal und herzlich gegrüßt. Was ist zur Weltlage zu sagen? Ob nicht das freche Auftauchen Japans40 bewirkt, daß der Pharisäismus Amerikas |207 uns gegenüber ein wenig kleinlauter wird, wie auch die russische Anmaßung? Und so irgendwie doch eine Entlastung eintritt wenigstens für uns arme europäische Menschen? Oder sollen wir doch endgültig untergehen41? Wir denken und tragen weiter und weiter mit Euch in allen Dingen, auch wenn uns das Reden darüber und dazu nicht leicht fällt. Es müßte ja doch direkt und persönlich geschehen können.

Also, gelt, vergiß nicht mein Anliegen wegen der «Schöpfung»!

Dein
Eduard
Marguerite grüßt herzlich mit!

Etwas noch: denk, am Sonntag vor vierzehn Tagen war ich mit Marguerite wieder einmal in — Leutwil. Und zwar ich auf der Kanzel! Der alte unselige Nachfolger42 ist weg und ein sehr guter junger Mann43 an seine Stelle getreten, der uns anhängt. Und er hat mich gebeten, einen Sonntag zu übernehmen. Und das ist nun geschehen. Unter gewaltigem Zulauf des Volkes und viel Begrüßungen. Es ist durch den neuen Pfarrer alles wieder im Blei44. Man kann wieder atmen dort oben. Nur — das Pfarrhaus, unser Pfarrhaus ist abgerissen und dafür ein schönes neues mit allen Chikanen ausgerüstetes daneben gestellt in den Pfarrbaumgarten. Wir haben viel an die alte Zeit gedacht, an euch, an die gemeinsame Wanderschaft im Aargau. In Safenwil ist Ott45 übrigens jetzt auch weg, und eben suchen sie einen neuen Pfarrer.

Sachfußnoten

1
Besonders im Hauptteil dieses Briefes, der Schilderung der Sitzung der Philosophisch-theologischen Vereinigung, lehnte Thurneysen sich eng an seinen Brief an R. und G. Pestalozzi vom 6.2.1932 (Durchschlag im Nachlaß Thurneysen 📖) an: der Aufbau und viele Wendungen dieses Stückes sind gleich, die Schilderung im späteren Brief ist jedoch ausführlicher. Etwas kürzer als im Brief an Pestalozzis faßte Thurneysen in seinem Brief an Barth die Beurteilung des Vortrags von Guardini und die Schilderung des Besuches von Leutwil (hier im Postskriptum, dort am Anfang des Briefes). Unter dem Brief vom 6.2. steht das auf den 9.2.1932 datierte Postskriptum: «Der Brief an Euch blieb liegen, weil ich noch an Karl schreiben wollte, und dazu brauchte ich — infolge Geistesarmut— als Vorlage diesen Brief. An Karl habe ich nun ausführlicher, aber das Gleiche geschrieben und lege zur Ergänzung einen Durchschlag bei.»↩
2
(oder Rössliritti) = Karussell.↩
3
Vgl. Thurneysens Bericht in einem Brief vom 20.12.1931 an G. und R. Pestalozzi: «Unterdessen war ich also in Frankfurt und habe dort sehr gute Aufnahme gefunden und einen herzlichen und wertvollen Kontakt mit dem Pfr. Fricke, der unentwegt seine Arbeit in seinem Vorort tut und zeigt, wie viel an ganz neuen Arbeitsmöglichkeiten gerade durch die Krisis in kirchlicher Hinsicht sich eröffnet, wenn man der Mann dazu ist, zu sehen und anzugreifen. Auch er war sehr unverzagt und meinte nur, Deutschland müsse nun die neue, kommende gebundene Wirtschafts- und Gemeinschaftsform innerlich erarbeiten. Es sei dazu in die Not hineingezwungen. Insofern habe der Bolschewismus schon etwas zu bedeuten, aber asiatisiert würden wir allerdings nicht werden, so sehr die Anstöße vom Osten her aufgenommen werden und eben verarbeitet werden müßten» (Nachlaß Thurneysen 📖).↩
4
1927 entstand aus Teilen von Frickes bisheriger, zur Landeskirche Hessen-Kassel gehöriger Bockenheimer Gemeinde und einer anderen Frankfurter Gemeinde die neue evangelisch-lutherische Dreifaltigkeitsgemeinde (Landeskirche Frankfurt am Main), die als Kirchengebäude einen zu diesem Zweck errichteten Notbau benutzte. Dieser Bau enthielt nicht nur einen Kirchenraum mit erhöhtem Altarbereich, Empore und Orgel. «Sehr hübsche, kleine Teeküchen ermöglichen die Bewirtung an Familienabenden.» Vgl. Frankfurter Kirchen-Kalender für die evangelischen Gemeinden Großfrankfurts, Jg. 43 (1931), S. 53–57 (mit Photographien; Zitat dort S. 56) 📖.↩
5
Arnold Schär.↩
6
Vgl. E. Staehelin, Sechsundfünfzig Thesen…, a.a.O., [S. 151, Anm. 21], S. 12–17 (These 10-21). 📖 Vgl. auch das Zitat aus Staehelins Ansprache bei der Trauerfeier für Professor E. Dürr unten S. 596, Anm. 1.↩
7
Erwin Sutz (1906–1987), Student bei E. Brunner und im WS 1928/29 bei Barth in Münster (vgl. Bw.Th. II, S. 639 📖) — er vermittelte die ersten persönlichen Begegnungen seines Freundes D. Bonhoeffer mit Barth und Brunner —, wurde nach seiner Ordination am 5.6.1932 Vikar in Zürich-Fluntern, 1933–1969 Pfarrer in verschiedenen schweizerischen Pfarrstellen; vgl. E. Bethge, Dietrich Bonhoeffer. Theologe, Christ, Zeitgenosse, München 19835, S. 189f.216.218.817. 📖↩
8
Hermann Gysel (1908–1990), nach seinem Studium in Zürich, Bonn (bei Barth), Basel und Marburg (bei Bultmann) bis zu seinem krankheitsbedingten Rücktritt 1972 Pfarrer in verschiedenen Orten im Kanton Schaffhausen.↩
9
Ein Pfarrer im Kriege. Kriegserlebnisse des renitenten Pfarrers Rudolf Schlunck, hrsg. von R. Schlunck und W. Wibbeling, München 1931. 📖 — Rudolf Schlunck (1871–1927) war 1902–1927 (unterbrochen von Kriegsdienst) Pfarrer der renitenten hessischen Gemeinden Schemmern, Melsungen und Morschen (s. unten Anm. 12) und zugleich Gymnasiallehrer (vgl. Bw.Th. I 📖 und II 📖 [Namenregister]). Infolge von innerfamiliären Auseinandersetzungen über seine Art, in einer Predigt «offenkundige politische Tatsachen unter die sittliche Beleuchtung des Wortes Gottes» zu stellen, hatte er im Sommer 1917 das von seinem Großvater gestrichene c wieder in seinen Namen eingefügt, vgl. a.a.O., S. 314–316; Zitat dort S. 314.↩
10
Das Buch enthält Schluncks Feldpost (Briefe an seine Familie, Freunde und seine Gemeinden), gekürzt «um rein persönliche Mitteilungen und Wiederholungen», sowie einige Beiträge für die Zeitschrift «Kirche und Welt» von 1918 (a.a.O., S. 5 📖).↩
11
Die Dokumente spiegeln auch Schluncks Kampf um die Eröffnung der Offizierslaufbahn wider, von der er während seiner früheren einjährigen Militärzeit wegen seiner politischen Gesinnung — seiner Ansicht nach unrechtmäßig — ausgeschlossen worden war. Seine Zugehörigkeit zu einer nicht anerkannten Kirche (der Renitenten Kirche in Niederhessen, s. unten Anm. 12), durch die ihm auch die Stellung eines Feldgeistlichen verwehrt war, erwies sich als zusätzliches Hindernis in diesem Kampf. Doch nach Überwindung immer neuer Widerstände und Bewährung an der Front wurde er im Juli 1915 zum Unteroffizier (a.a.O., S. 134 📖), im März 1916 zum Vizefeldwebel und Offiziersaspiranten (a.a.O., S. 226) und im Oktober 1916 zum Leutnant (a.a.O., S. 269) befördert.↩
12
Beim Anschluß Kurhessens an die Preußische Union 1873 verweigerten 43 Anhänger August Wilhelm Vilmars mit Teilen ihrer Gemeinden dem neuerrichteten Gesamtkonsistorium die Anerkennung und bildeten die «Renitente Kirche ungeänderter Augsburgischer Confession», die sich 1945 z. T. wieder der Landeskirche, z. T. der Selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche anschloß; vgl. Bw.Th. I, S. 450, Anm. 2 📖. Schluncks Feldbriefe lassen erkennen, für wie überlegen er die Kompromißlosigkeit und das offene Auftreten der Renitenz gegenüber der Haltung der allerlei Rücksichten nehmenden Landeskirchen und der Militärgeistlichkeit hielt; vgl. bes. a.a.O., S. 35.37.94-96.111.144-146.149.168.250.331. 📖↩
13
Ein mit «Vernunft und Offenbarung, Philosoph.-Theolog. Vereinigung, 8. Dez. 1931» überschriebenes Typoskript (11 S., DIN A 4), befindet sich samt der handschriftlichen Vorlage H. Barths im Nachlaß H. Barth (Universitätsbibliothek Basel) 📖.↩
14
Typoskript (s. Anm. 13), S. 10 📖; Ergänzungen in den eckigen Klammern von der Hrsgn. nach dem Typoskript, außerdem dort statt «dem profanen Denken»: «ihm» und statt «heiligen»; «hl.».↩
15
Vgl. E. Przywara, Analogia entis. Metaphysik, [Bd.] I: Prinzip, München 1932. 📖 — Der von Barth 1932 als «die Erfindung des Antichrist» bezeichnete Begriff (KD I/1, S. VIII 📖) begegnet in Barths Schriften erstmals in seinem 1929 gehaltenen Vortrag «Schicksal und Idee in der Theologie»: vgl. V.u.kl.A. 1925-1930, S. 344–392 📖, dort S. 356; vgl. auch KD I/1, S. 40.↩
16
Typoskript (s. Anm. 13), S. 7 📖 (Hervorhebungen von der Hrsgn. aus dem Typoskript übernommen). Der Anfang des Zitats lautet dort: «bereits oben der Hinweis auf das Moment der Ursprünglichkeit, des unbedingt Primären und Endgültigen in ihr …»↩
17
Das heißt wohl aus dem Humanistischen Gymnasium am Münsterplatz und dem einzigen Mädchengymnasium Basels am Kohlenberg. (Jungen standen daneben noch das Mathematisch-naturwissenschaftliche und das Realgymnasium offen.)↩
18
Siehe oben S. 188, Anm. 5.↩
19
Ethik I, S. 1–29 📖: § 1 Ethik und Dogmatik; S. 30–74: § 2 Theologische und philosophische Ethik; S. 74–101: § 3 Der Weg der theologischen Ethik.↩
20
K. Barth, Fides quaerens intellectum …, a.a.O. (S. 14, Anm. 23). 📖 ↩
21
Thurneysens Vortrag trug ebenfalls den Titel «Vernunft und Offenbarung» (laut Brief Thurneysens an R. und G. Pestalozzi vom 9.2.1932, s. oben Anm. 1).↩
22
Vgl. etwa M. Heidegger, Sein und Zeit, Erste Hälfte (Sonderdruck aus: Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung 8), Halle a.d.S. 1927 (198616), S. 235–267 📖: 2. Abschnitt des 1. Kapitels «Das mögliche Ganzsein des Daseins und das Sein zum Tode». Zu Todesaussagen Platons und des Platonismus vgl. A. Hügli, Art. «Tod», in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. X, Sp. 1227–1242, dort Sp. 1230–1232 📖.↩
23
Hermann Gauß (1902–1966), 1929 Privatdozent für Philosophie, 1938/1949 Professor mit einem Lehrauftrag zur «Interpretation klassischer philosophischer Autoren» in Basel, ab 1949 in Bern.↩
24
= verdrossen, mißmutig.↩
25
= kühler.↩
26
= … ich werde auf burschikose Weise angesprochen, manchmal auch aggressiv und herabsetzend angeredet.↩
27
Vgl. oben S. 7, Anm. 5.↩
28
D. h. aus der im SS 1927 in Münster gehaltenen, unveröffentlichten Fortsetzung der dogmatischen Vorlesung «Christliche Dogmatik». Der Text weicht nicht wesentlich ab von der ersten Fassung aus dem WS 1924/25; vgl. K. Barth, «Unterricht in der christlichen Religion», Bd. II: Die Lehre von Gott / Die Lehre vom Menschen (1924/25), hrsg. von H. Stoevesandt (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1990, dort: § 19: Die Schöpfung, S. 213–245, und § 22: Der Mensch als Gottes Geschöpf, S. 344–361. 📖 ↩
29
Anspielung auf ein Gelegenheitsgedicht von Lydia Kutter, geb. Rohner, der Frau Hermann Kutters d.Ä.: «… Die Muhme Rählen, die weiß was zu erzählen» (nach Bw.Th. II, S. 384, Anm. 10 📖).↩
30
Gertrud Staehelin (1901–1980), von ihrem Vater Hermann Kutter von Anfang an «Meieli» genannt, Ehefrau Ernst Staehelins.↩
31
Der Titel der einstündigen Vorlesung Thurneysens im SS 1932 lautete: «Homiletische Grundfragen».↩
32
Außer dem von L. Christ geleiteten Pfarrkonvent der Kirche im Kanton Basel-Landschaft kam in Pratteln auch ein inoffizielles «Kränzli» von Pfarrern (überwiegend aus dem Kanton Basel-Landschaft) zusammen, die sich — immer an einem Montag — über theologische Fragen austauschten (briefliche Auskunft von Frau Agathe und Frau Kunigund Christ vom 3.9.1994). Solche Zusammenkünfte fanden zumindest seit 1915 statt; vgl. Bw.Th. I, S. 72f. 127 📖. «Im ‹Kränzli›, der damaligen Form der heutigen theologischen Weiterbildungskurse, die aber zugleich eine echte brüderliche Arbeitsgemeinschaft war, setzte er [scil. Lukas Christ] sich gerne im Kollegenkreise, lernend und lehrend, mit der ‹dialektischen Theologie› auseinander» (M. B. Christ / E. G. Rüsch, Vorwort, in: Verehrte Väter und Brüder. Aus den Eröffhungsworten von Pfarrer D. Lukas Christ, gehalten vor dem Baselbieter Pfarrkonvent, zu seinem 100. Geburtstag hrsg. von M. B. Christ und E. G. Rüsch, Oltingen/Abtwil 1981, S. 3f; Zitat dort S. 3 📖).↩
33
Karl Buxtorf (1882–1953), 1929–1948 Pfarrer an St. Theodor in Basel, hatte wie Barth das Freie Gymnasium in Bern besucht.↩
34
Adolf Preiswerk (1861–1936), Anhänger Christoph Blumhardts, 1897/1928 Pfarrer an St. Peter in Basel; vgl. Bw.Th. I 📖 und II 📖 (Namenregister).↩
35
Romano Guardini (1885–1968), 1923–1939 Professor in Breslau (und Berlin), nach dem Krieg in Tübingen und München; vgl. Bw.Th. II, S. 657. 📖 Guardini hielt seinen Vortrag über «Grenzen und Möglichkeiten der Gemeinschaft» auf Einladung der Studentenschaft Basel am 5.2.1932 im Hans Huber-Saal des Stadtcasinos; vgl. sk, Grenzen und Möglichkeiten der Gemeinschaft, in: BN, Jg. 88 (1932), Nr. 39 vom 9.2.1932, 1. Beilage 📖; ferner die Vorstellung Guardinis in: vm, Zum Vortrag Romano Guardini der Basler Studentenschaft, a.a.O. Nr. 35 vom 5.2.1932, 2. Beilage. 📖 ↩
36
Günther Müller (1890–1957), 1930–1946 o. Professor für Deutsche Literaturgeschichte in Münster. Müller sprach auf Einladung des Katholischen Erziehungsvereins beider Basel im Münstersaal über das Thema «Die Religion der deutschen Klassik und das Christentum»; vgl. Deutsche Klassik und Christentum. Vortrag von Prof. Günther Müller. Montag, 18. Januar 1932, in: BN, Jg. 88 (1932), Nr. 19 vom 20.1.1932, 1. Beilage. 📖 ↩
37
W. Loew konnte eine Veröffentlichung zu Goethe aufweisen (Goethe als religiöser Charakter, München 1924 📖); Merz hatte mehrfach Vorträge über Goethe gehalten (vgl. Bw.Th. II, S. 93, 282 📖).↩
38
K. Barth, Erklärung des Johannes-Evangeliums …, a.a.O. (S. 180, Anm. 1). 📖 ↩
39
Brief vom 20.12.1931 (Nachlaß Thurneysen 📖).↩
40
Vermutlich die militärischen Aktionen um und in Shanghai nach feindlichen Übergriffen von Shanghaier Chinesen auf dort ansässige Japaner. Diese hatten die japanische Regierung um Entsendung von Truppen gebeten.↩
41
Anspielung auf: O. Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 2 Bde., München 1918-1922. 📖 ↩
42
Gottfried Ernst Leimgruber (1890–1966), 1920–1931 Pfarrer in Leutwil-Dürrenäsch (Kanton Aargau), wo zuvor (1913–1920) E. Thurneysen amtiert hatte. Leimgrubers Betreuung der Gemeinde und sein kirchlicher Unterricht hatten während seiner Amtszeit zu bitteren Klagen von Gemeindegliedern bei Thurneysen geführt (diese und die Angaben in der folgenden Anmerkung nach einer brieflichen Auskunft von Pfarrer H. Hug vom 21.6.1993).↩
43
Heinrich Hug (geb. 1904), späterer Freund Thurneysens, 1931–1942 Pfarrer in Leutwil-Dürrenäsch, war mit Thurneysens seit April 1931 persönlich bekannt, als er sich über seine Bewerbung in Leutwil im Zweifel befand und E. Thurneysens Rat einholte. «Er empfing den jungen ‹Schnaufe› mit einer mir bis heute unerklärlichen Herzlichkeit und beschwor mich geradezu, das Pfarramt in Leutwil zu übernehmen.» Thurneysen kam dann jährlich einmal nach Leutwil, um die Sonntagspredigt zu halten, erstmals am 24.1.1932 (Predigt über Ps. 103,1–4).↩
44
D. h. im Lot.↩
45
Ernst Ott (1903–1984), 1927–1932 Pfarrer in Safenwil (Kanton Aargau), Barths früherer Gemeinde (1911–1921).↩