14. Juni 1932

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

ein Gruß ab deutschem Boden. Es wartet ein Vortrag1 auf mich, aber vorläufig essen wir an einem guten Ort zu Nacht und freuen uns des schönen Abends. — Hab Dank für den Wobberminkugelwechsel2. Was ist das doch für ein unaufrichtiger Mensch! Und wie hat Hirsch den Märtyrerprofessor gemimt!3 Ich schreibe dir noch einmal vor Semesterende. Deine Studenten, Frey und Otten4, sind Stützen meines Semi|237nars5. Hast du wohl Brunner6 und Gogarten7 schon einsehen können? Ich bin eben dran.

Herzliche Grüße Nelly, Lollo, dir von uns beiden

Dein
Eduard und Marguerite

Sachfußnoten

1
Im Sommer 1932 veranstalteten die Evangelische Akademikervereinigung und das Evangelische Studentenpfarramt Freiburg eine Vortragsreihe über die Frage nach dem Wesen und der Gestaltung der Kirche. In diesem Rahmen hielt Thurneysen am 14.6.1932 in der Universität einen Vortrag über das Thema «Der Mensch von heute und die Kirche». An späteren Terminen sprachen Prof. Blanke aus Zürich über das Thema «Der junge Goethe vor der religiösen Entscheidung» und K. Hartenstein über «Die christliche Kirche in der Krisis Afrikas». Siehe die Vorankündigung in Aus der evangelischen Gemeinde, in: Freiburger Zeitung. Unabhängige Tages- und Heimatzeitung Oberbadens, Jg. 149, Nr. 157 vom 12.6.1932, 2. Blatt, S. 3. 📖 ↩
2
K. Barth, Offener Brief an Professor D. Dr. G. Wobbermin (31.5.1932), in: ThBl, Jg. 11 (1932), Sp. 186f. 📖; vgl. die beiden unter der gemeinsamen Überschrift Offener Brief an Professor D. Karl Barth abgedruckten Briefe Wobbermins an Barth vom 15.6.1932 (in: ThBl, Jg. 11, Sp. 219f.) und vom 7.6.1932 (in: ThBl, Jg. 11, Sp. 220f. 📖; zuerst erschienen in «Das Evangelische Deutschland»), sowie K. Barth, Replik an Professor D. Dr. G. Wobbermin (18.6.1932), in: ThBl, Jg. 11, Sp. 221f. 📖 ↩
3
E. Hirsch, Antwort von Emanuel Hirsch an den Herausgeber [Wilhelm Stapel], in: Deutsches Volkstum, Jg. 14 (1932), S. 394f. 📖 Vgl. etwa dort S. 395: «Es gehört als Teilaufgabe mit zu dem Dienste am Evangelium, der mir als Professor der Theologie aufgetragen ist, daß ich meiner Kirche zu helfen suche, auf die rechte Weise und mit der rechten Wegweisung sich hineinzustellen in die ihr von Gott vor die Füße gelegte gegenwärtige deutsche Wirklichkeit. Was mir um der Erfüllung dieser Pflichten willen widerfährt, das muß ich aushalten und meinen Weg weiter gehen, durch gute Gerüchte, durch böse Gerüchte.»↩
4
Heinrich-Ludwig («Heinz») Otten (1909–1942), Studium der Germanistik, Geschichte und evangelischen Theologie in Tübingen und — SS 1930/31 bis WS 1931/32 und WS 1932/33 — in Bonn bei Barth, studierte auf dessen Anraten im SS 1932 in Basel. Barth hatte auf seine Bitte hin (Brief vom 20.3.1932) zur Unterstützung seiner Aufnahme in das theologische Studentenwohnheim Alumneum ein sehr positives Empfehlungsschreiben an den Hausvater Pfr. Jakob Wirz gesandt (Brief vom 24.3.1932). Zu Ottens Bonner und Basler Studienzeit vgl. H.-G. Ulrichs, Heinz Otten. Ein vergessenes Schicksal aus dem reformierten Kirchenkampf, Bovenden 1994, S. 13–16 📖 (Abdruck des Empfehlungsbriefes dort S. 70).↩
5
Homiletisches Seminar.↩
6
Siehe oben S. 213, Anm. 6.↩
7
Fr. Gogarten, Politische Ethik. Versuch einer Grundlegung, Jena 1932 📖 (Barths Exemplar enthält eine auf den Mai 1932 datierte Widmung).↩