Charlotte von Kirschbaum an Eduard Thurneysen
der zweite Ferientag — ein erster verging mit viel Schlaf und allerhand Begrüßungsgesprächlein — ist angebrochen. Auf diesen ersten ruhigen Augenblick habe ich gewartet, um dir zu danken für deinen Brief1, der als eine ganz unerwartete und umso größere Freude zu mir kam. Ich kann zu allem, was du mir in seiner ersten Hälfte sagst, nichts schreiben. Ich kann es nur ganz dankbar hinnehmen und ganz froh darüber sein. — Es ist ein Geschenk, lieber Eduard, ganz und gar ein Geschenk und eines von den wenigen, die man nicht mehr vergißt und die helfend mit einem gehen. —
Hier hast du den letzten Paragraphen2, und hier hast du die von Anfang an für dich bestimmten
Statt alles weiteren Erzählens und Fragens nur dies: Ist es euch recht, wenn Karl und ich einmal, und zwar sehr bald einmal auf ein paar Stunden zu euch hinüberfahren? Karl hat den dringenden Wunsch, dich zu |251 sprechen (
Sei mit
Karl schreibt eben an seinem Vorwort zur 2. Auflage.5 Weißt du schon, daß nun doch auch die Trinitätslehre in diesen 1. Halbband aufgenommen wird6 und er sich somit zu einem stattlichen Wälzer von ca. 500 Seiten auswächst? Ich brüte über dem Sachregister. — Und schon warten unten in einer Kiste 20 Goethebände7 und hier oben auf dem |252 Tisch noch 17 unkorrigierte Prüfungsarbeiten über den Begriff der Offenbarung bei Lessing!! Aber durch alles hindurch ertönt eben Gertys Stimme und ruft zum Mittagsmahl. — Leb wohl!