15. April 1933

Nelly Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard,

Du hast mir so treu denkend geschrieben, daß ich nicht nur mit Danken, sondern auch mit einem neuen festen Vertrauen auf Deine und Marguerites Freundschaft Dir heute schreibe. Laß mich je und je Deine Stimme hören. Es ist mir ein großer Trost, mit zu Euch gehören zu dürfen, auch wenn ich von Karl wegrücken müßte. Du hast meinen letzten Brief an ihn1 noch nicht gesehen, ich schrieb ihm, ich rüste mich auf ein vielleicht langes Fortbleiben von zuhaus mit den Jüngsten. Ob er mich Matthislis Schule wegen nahe einer Stadt (wie Bern) ganz einfach, aber selbständig könnte leben lassen. Ich könne aber nicht oder noch nicht so gemeinsam, wie wir es tun müßten, unsere Scheidung beantragen.

Ich habe doch aus Karls zweitem Briefe gelesen, daß er mich eigentlich bittet um die äußere Klärung und Entlastung unseres kranken Eheverhältnisses. Ich habe lange nachgedacht, bis ich noch einmal sagen mußte: ich kann Karls wegen gehen, um ihm und Lollo Raum zu schaffen. Aber ich selber werde mir einer großen Verantwortung bewußt, die mich noch und noch einmal aufruft, Karl zu diesem Ärgernis vor der Gemeinde nicht zu veranlassen. Karl schreibt zwar und denkt: er nehme die Verantwortung auf sich. Aber wenn er auch nichts hält von meiner Mitverantwortung — ich kann sie nicht leugnen. War und bin ich nicht doch Anlaß dazu, daß Karl seine Ehe brechen muß? Und die Kinder! Nein, man soll sie nicht in zwei Gruppen teilen. Sie sollen denn alle gleich dran sein ihrem Vater wie ihrer Mutter gegenüber.2

Sachfußnoten

1
Nicht erhalten.↩
2
Hier bricht der Text des unvollendeten oder unvollständig erhaltenen Briefes ab.↩