465
14. Juli 1933
Ich übersende dir hier einen Notenwechsel, der zwischen Heiner und mir eben stattgefunden hat.1 Ich nehme an, im wesentlichen teilest du |466 meinen Einspruch gegen Heiners Thesen. Aber ich bin natürlich froh um gelegentliche Besprechung, denn das Gefecht wird ja weiterlaufen. — Was geht wohl auf Eurer so viel wesentlicheren Front? Der Mann aus Amerika, Homrighausen, war da, hat mich aber fatalerweise verfehlt, ließ jedoch einen Zeddel zurück, auf dem vermerkt stand, die Dinge um dich herum stünden immer noch gefährlich genug. Ich kann damit nicht viel anfangen, sondern nehme nun doch mit einer gewissen Zuversicht an, das Semester werde für euch schließlich noch einigermaßen gut zu Ende gehen. Was hat wohl die nun also fertiggestellte Verfassung2 zu bedeuten? Hartenstein hat zwar allerlei Nachrichten, auch die D[eutsche] A[llgemeine] Z[eitung] trifft täglich bei ihm ein. Aber er weiß doch nicht so sehr viel mehr. Seine schwäbischen Prälaten3 sind eher zuversichtlich gestimmt, meinen, alles werde schließlich nicht so lätz4 herausgekommen sein. Aber eben … Ich verbrachte den gestrigen Abend unter langen Gesprächen mit Hartenstein über die Lage. Er weiß natürlich durchaus auch, um was es geht. Nur die Stimme des Blutes ist immer irgendwie Mitunterredner. Ich bin aber natürlich froh um seine Nähe. Denn mit den Zuschauerschweizern läßt sich über|467haupt nicht viel austauschen. Auch für euch rücken die Ferien näher. Möchte das Ziel noch endgültig gut erreicht werden.
Wir grüßen euch vielmal, vielmal!