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da kommt noch einmal eine, nun wohl die letzte Sendung vor den Ferien. Es liegt ihr ein «Entwurf» bei, der in dieser Form natürlich nicht in Druck geht, da alles darin Geschriebene längst überholt ist.2 Aber Karl meint, er interessiere dich doch als Produkt jener Tage, und er kann dir gleichzeitig anzeigen, daß immerhin noch Weiteres auf dieser Linie geschrieben werden wird. Wir sind ja jetzt wirklich geschlagen dran mit einer Verfassung, die Alles möglich werden läßt (noch ist sie nicht öffentlich herausgegeben)3 und zu der das Kirchenvolk nur mehr ein freudiges Ja wird sprechen dürfen4, ein Ja zu dem — «Wunder der |468 Einigung der deutschen evangelischen Kirche», wie es wörtlich heißt.5 Darin besteht die «Wahl», von der nun die Zeitungen reden.6 — Karl wird dazu nicht schweigen können, wobei kaum zu vermeiden sein wird, daß der Widerspruch gegen diese «Einigung» — so wie die Dinge jetzt stehen — auch den Widerspruch gegen den Staat bedeutet, der den nun geschlossenen «Frieden» nicht hoch genug preisen kann. — Die übrigen Beilagen sind ja wesentlich noch Stimmen zur Broschüre, die nun in 4.(!) Auflage bereits durchs Land geht.7 —
Inzwischen ist hier mitten in allen Stürmen ein Schifflein eingelaufen, dessen Ankunft dich auch mitbewegen und erfreuen wird: der Römerbrief
📖 in der englischen Übersetzung von Hoskyns.8 Wir planen, es Ruedi zum 25. zu überreichen9, so daß du es dann auf dem Bergli einsehen kannst. Es liegt leider bis jetzt nur in diesem einen Exemplar vor, abgesehen von dem, das in Karls Bibliothek steht. — Außerdem ist zu melden, daß ein junger württembergischer Pfarrer Steinbach ein sehr gutes Wort zur Lage geschrieben hat, das demnächst erscheinen und |469 von einem Vorwort von Karl begleitet sein wird, damit es vielleicht etwas weniger ungeschützt seine Reise in die Welt antritt. K. wollte es erst sogar als Beiheft zu Z.d.Z. nehmen, ließ den Plan aber wegen gewisser Differenzen in der Bischofsfrage und überhaupt in der Frage der positiven Vorschläge zur Lage dann doch fallen.10 — Du wirst dich freuen an diesem offenen und tapferen Wort, das den entscheidenden Gegensatz auch jenseits der Gegensätze: D. Chr. und J. Ref. sieht. — Am Mittwoch [19.7.] erwarten wir Georgs Besuch, nicht ohne Herzklopfen, denn alle zu uns dringenden Äußerungen seinerseits sind nicht ermutigend. — Am 29. beginnen die Ferien. Am 31. wollen wir reisen. Der Termin hängt ab von Fränzelis Heimkehr11, die wir noch hier abwarten wollen und die auf den 30. angesetzt ist. Nelly fährt mit dem Kindern wohl erst am 2. August, da die Schulen in diesem Jahr später schließen. —
Und nun habe ich dir noch gar nicht gedankt für deinen guten Brief, der mir doch so wichtig war und für den ich dir von Herzen dankbar bin. Hör bitte nicht auf, so zu mir zu reden. Es geht schon nicht ins Leere, und du bist der einzige Mensch, der das kann, weil du unsere Lage so siehst, wie sie ist, und weil nahezu alles Mitreden Anderer daran vorbeigeht. Ich möchte ja lieber mündlich mit dir sprechen. Es war kein gutes Semester im Blick auf unsere innere Lage und das «B[este]»12 dar|470an vielleicht wirklich das, daß dieses Ungute übertönt wurde durch andere Sorgen. Aber gerade darum steht es im Hintergrund umso beschwerender. Ich lebe in einem so wehtuenden Müdesein nach dieser Seite, daß ich fast unfähig bin, noch eine Bewegung zu machen, deren jede ich ja doch zum vornherein mißverstanden weiß. Ich sehe das schon, was du meinst. Lieber Eduard, du siehst, ich muß ganz konkret «zudecken» an diesem Punkt. Und auch das mag dir sagen: es steht nicht gut. — Aber erlaß es mir, davon zu schreiben. — Grüße Marguerite sehr herzlich bitte. Sie weiß ja, daß meine Briefe an dich auch an sie gehen. Habt noch schöne Wochen in Adelboden und dann auf Wiedersehen im Bergli.
Karl läßt dich und
Marguerite herzlich grüßen.
Die Predigt ist im Druck!