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13. November 1933
da läßt Karl dir den Durchschlag seines soeben an Georg abgegangenen Briefes1 senden, und diesen Anlaß will ich benützen, dir noch ei|536nen herzlichen Gruß beizufügen und die Meldung, daß es uns hier mitten im Gewühl des Tages und der Zeit gut geht. Karl war zwei Tage unterwegs mit einem Teil der hiesigen Fakultät zu einem Treffen mit den Marburgern und hatte an den Gesprächen mit Bultmann und besonders auch v. Soden Freude. Sie haben sogar eine gemeinsame Erklärung verfaßt zu einem Erlaß des Bischofs Ludwig Müller2, genannt Ludwig das Kind3. Du wirst ihn dann, sobald er geschrieben ist, auch zur Einsicht erhalten. — Hier beschäftigt uns augenblicklich ein kleiner Zwist mit den Studenten, die von sämtlichen Dozenten bei Beginn der Vorlesung den Hitlergruß verlangen. Karl hat seinem Auditorium in freundlichen Worten heute Morgen erklärt, warum er das nicht könne. Er habe den Bereich der Kirche und Theologie innerhalb der Universität zu |537 hüten und könne ihn nicht in dieser Weise an den Staat verraten. Er weigere sich nicht grundsätzlich gegen diesen Gruß, wohl aber in diesem Raum und vor dieser Vorlesung.4 Die Studenten nahmen seine Worte z. Tl. mit lebhaftem Beifall auf, einige scharrten. Und nun scheinen Karls Worte wie ein Lauffeuer durch die ganze Universität zu laufen, immer wieder kommen treubesorgte Schüler am Telefon und melden von diesem und jenem Gehörten und Gesagten. Wir müssen nun eben abwarten, was uns morgen früh im Hörsaal erwartet. Ich glaube, nichts Schlimmes. Es ist mir so klar geworden — was es mir nicht von Anfang an war —, daß Karl es nicht tun darf. Und damit ist der Fall ja ganz einfach und klar gelagert. Und er hat so gut und völlig entgiftet geredet, |538 daß ich einfach nicht glauben kann, daß seine Hörer ihm das nicht abnehmen sollten. —
Gestern waren wir hier in Bonn doch eine kleine «Gemeinde» von 1000, die ihre Kniee nicht gebeugt haben [vgl. 1.Kön. 19,18; Röm. 11,4]!! Aber mir ist noch selten eine Entscheidung so schwer gefallen wie diese.5
Nelly läßt Marguerite und dich herzlich grüßen und euch noch vielmals danken. Sie ist wohlbehalten hier angekommen, nur heute noch etwas müde von der Reise, —
In großer Herzlichkeit grüßen Karl und ich Marguerite und dich.
[Nachschrift von Barth:]
Lieber Eduard!
Laß doch bald das versprochene Weitere von dir hören! K. Sartorius hat mir in letzten Tönen von deinen Volkshochschulvorträgen geschrieben.6 Sollte da nicht etwas für unsere Hefte Geeignetes sich druckfertig machen lassen? Heft 3 werde ich noch bestreiten. Dann mußt du auch einmal von dir hören lassen!
Mit herzlichem Gruß