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Hannover, 16. November 1933
Du wirst von den Berliner Ereignissen durch die Zeitung gehört haben.1 Ich fand den Kreis um Jacobi aufgewühlt wie einen Ameisenhaufen teils in der Erwartung der nun nahe herbeigekommenen Freikirche, teils in der Hoffnung, nun endlich den D. C. ein «Tannenberg»2 berei|541ten zu können, teils doch auch in dem Nebengedanken an einen Separatfrieden mit den «besseren» D. C.! Mitten unter ihnen Bodelschwingh und Dibelius — beide gar nicht gut.3 Jacobi hätte mich wirklich wegen dieser Sache in Ruhe lassen dürfen. Ich kam nämlich einfach nirgends |542 recht zum Schuß, und es bestand sogar eigentliche Opposition gegen mich, die mir auf Schritt und Tritt in wenig aufrichtiger Weise entgegenarbeitete und vor allem den geplanten Besuch bei Hindenburg bzw. Hitler, für den ich natürlich auf die Berliner angewiesen gewesen wäre, durch seltsame Manöver zu hintertreiben wußten4. Ich habe einen sehr schlechten Geschmack im Mund bei der Erinnerung an das alles! — Die Art, wie der Reichsbischof und Hossenfelder auf diese Sache — für die sie sicher verantworlich sind — reagiert haben, indem sie nun plötzlich in der Toga der Orthodoxie auftreten, war sehr schlau und wird sicher viel falsche Eindrücke und viel Verwirrung verursachen.5 Der D. C. -Häupt|543ling O. Weber, mit dem ich gestern eine 1 1/2 stündige Unterredung hatte, meinte allerdings in einer pessimistischen Anwandlung, das Ende der ganzen D. C.-Sache schon nahen zu sehen. Ich traue dem Frieden nicht. Mein Reiseergebnis ist höchst unbefriedigend. Die Jung-Reformatorischen und Bodelschwingh haben sich aufs neue als eine Gesellschaft erwiesen, von der6 man sich distanzieren muß. Jacobi ist recht, aber wohl etwas schwach. Ich werde in der Hauptsache nach wie vor allein weiterfechten müssen.
Lieber Eduard, sei herzlich gegrüßt