18. November 1933

Charlotte von Kirschbaum an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

Hier kommt das soeben fertiggestellte Vorwort zu Heft 4.1 Es setzt dich gut ins Bild über die Berliner Eindrücke. — Wie mag dort Alles weitergegangen sein? Wir sind unablässig mit unseren Gedanken dort. — Eduard, ob es in der Kirchengeschichte, aus der Nähe gesehen, immer so wüst zugegangen ist? Mich hat Berlin diesmal in einem Gefühl von Bekümmerung zurückgelassen wie noch selten ein kirchliches Ereignis. Dehns Bibelstunde war der einzig lichte Augenblick.2 — Aber das hilft nichts. Irgendwie wird ja in dem allen trotz uns allen Gottes Wille mit seiner Kirche geschehen. Und daß die Bitte darum wieder so ins Zentrum unseres Lebens rücken darf, das ist trotz aller Angst doch Gnade. —

Es liegt ein guter Luther-Aufsatz von Prof. Wolf vor.3 Bist du auf |544 Karls Urteil hin wohl einverstanden, daß er in der Schriftenreihe erscheint? Nur möchte Karl gerne, daß vor ihm, also in Heft 5, du das Wort ergreifst.4 Bitte laß uns wissen, was du darüber denkst.

Mit herzlichem Gruß auch an Marguerite und an Dorothee, deren Brieflein nicht vergessen ist, nur im Sturm der Ereignisse warten muß,
deine
Lollo

Sachfußnoten

1
K. Barth, Lutherfeier 1933 (ThExh 4), München 1933 📖; Vorwort (datiert auf den 19.11.1933 [sic]): S. 3–7.↩
2
Am Abend des 15.11.1933 folgten Barth und Ch. von Kirschbaum der Einladung zu einem Abendessen bei Dehns. «Nach dem Essen hielt Dehn in seinem alten Neuwerk-Kreis Bibelstunde (Auslegung vom Gal.brief). Da fanden sich viele vom Leben sichtlich beschädigte Gestalten zusammen, fast alle mit nachdenklichen Gesichtern» (aus: Ch. von Kirschbaums Bericht über die Berliner Reise [vgl. oben S. 539, Anm. 2]).↩
3
E. Wolf, Martin Luther. Das Evangelium und die Religion (ThExh 6), München 1933 📖; wieder abgedruckt in: ders. Peregrinatio. Studien zur reformatorischen Theologie und zum Kirchenproblem, München 1954, S. 9–29. 📖 — Ernst Friedrich Wolf (1902–1971), nach Privatdozenturen in Rostock und Tübingen 1931–1935 o. Professor für Kirchengeschichte und christliche Archäologie in Bonn, wegen seines Einsatzes für die Bekennende Kirche 1935 strafversetzt nach Halle an der Saale, von 1945 an Professor in Göttingen, 1957–1970 für Systematische Theologie ebenda.↩
4
Vgl. unten S. 553f. und S. 557 mit Anm. 4.↩