23. März 1934

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Eigentlich sollte ich die immer noch unvermeidlichen 43 Konfirmationssprüche schreiben. Aber es ist mir sehr viel mehr um einen Zuruf an dich1, sicher mit in der Hoffnung, auch eines von dir wieder teilhaftig zu werden. Der letzte Sonntag war ein richtiger Tag des Aufatmens für mich2: wie gut fing er an mit der in ihrer Weise gradgewachsenen und urchigen3 Predigt unseres zwar etwas verwitterten, aber immer noch ungebeugten Freundes Bader, und wie ausgezeichnet ging er dann an der Trittligasse weiter und zu Ende. Natürlich hatte auch ich das Gefühl, nun sollte das Zusammensein erst richtig anfangen, als der Zug abrollte, aber so ist es ja irgendwie immer. Und wir sind doch ganz freudig und «herausgeholt» und «an die Luft gebracht» wieder baselwärts gefahren. Wie selten vorher stand ich allerdings, und zwar wohl von den Gesprächen über Georg und die ganze deutsche Lage her, unter dem Eindruck, wie zusammengeschmolzen wir eigentlich dran sind. Ist’s nicht wieder wie beim einstigen Auszug im Aargau: Ruedis, du (allerdings nicht ohne Lollo!, unser aller Schwester!) und wir. Wo ist der ganze weitere Zuzug, der zu Zeiten so stattlich angeschwollen war, hingekommen? Wo sind auch «die Väter»4 hingeraten, die damals noch mehr oder weniger stattlich hinter uns standen? Den einen, unseren |609 Freund Ritsch Preiswerk, habe ich merkwürdigerweise gestern wieder einmal besucht. Ich war gerade in Riehen und hörte, es gehe seiner Frau5 nicht gut. Ich traf sie dann auch richtig im Sterben liegend und ihn selber ganz zusammengeschrumpft und ebenfalls auf Abbruch wartend («es macht mer nit, us däre Wält z’go»6), aber doch auch in diesem Stande ein kleines Hoffnungsfähnlein schwingend («i läbti no gärn», und: «der Bluemhard het immer gsait: es kunnt no emol e ganz, ganz neii Zit — jetz isch sie am Ko!»7). Aber wir sind also wirklich einstweilen noch da, noch am Leben, noch, wenn auch mit stumpferer Hornesspitze, zu diesem und jenem Stoße bereit, freilich älter, älter (Lollo, daran ist nicht zu rütteln!), und vor allem: wir sind wirklich mehr als je noch beieinander! Das ist ja auch nicht so ganz selbstverständlich. Das verdient wirklich als das ganz besondere Glück auch einmal ausdrücklich bedacht und gesagt zu werden. Man kann es nicht bedenken, ohne mit jenem besonderen Danke Ruedis und Gertys zu gedenken mitsamt Trittligasse und Bergli, ohne die dieses Zusammensein wahrscheinlich gar nicht möglich geworden wäre durch alle die Jahre hindurch. In deinem dereinst zu erstellenden Lebensfilm wird das «farmhouse»8 wirklich den immer neu sichtbar werdenden Hintergrund zu unzähligen Bildern abgeben …

Zur deutschen Lage: Ihr werdet den reichlich düsteren, aber auch wieder nur zu wahren Leitartikel9 gelesen haben, den Vater Oeri wohl unter dem Eindruck des eben stattfindenden Besuches seines Schwiegersohnes in spe, des Theologen Veltkes (oder wie er heißt — er hat mir eben eine längere Visite gemacht), und der sicher mangelnden Aussichten auf Heirat für die beiden jungen Leute10 geschrieben hat. Auf der anderen Seite |610 höre ich durch Hartenstein, der eben gerade aus Stuttgart zurückkam, daß wirklich der Widerstand im Süden nun auch wieder da ist. Wurm — dies als Geheimnachricht — hat sich nach langem innerem Hin und Her ganz klar zu seinem Fehler bekannt, Müller nachgegeben zu haben, und hat mit Meiser zusammen einen Bericht ausgearbeitet und ist nach Berlin zum Führer gefahren und hat eine Audienz errungen und soll sein ganzes Herz, ohne Müller benachrichtigt zu haben, ausgeschüttet und um erneutes Eingreifen gebeten haben. Hitler soll nach anfänglich sehr ungnädigem Zuhören sich bereit erklärt haben, das Seine zu tun, um es nicht zum äußersten kommen zu lassen in der Kirche.11 Aber einstweilen geht das Vabanquespiel Oberheids munter weiter. Koechlin kam gestern abend aus London zurück.12 Er hat sich mit verschiedenen englischen Bischöfen unterhalten und wirklich jene bitterböse Weltstimmung |611 gegen Deutschlands Kirchenpolitik festgestellt, von der Oeri sprach. Und irgendwie ist alles bereit, so gut es geht, einzugreifen. Chichester hat in den «Times» Heckel preisgegeben und erneut angegriffen.13 Aber wenn das alles nur wirklich nützen wollte! Koechlin ist etwas besorgt um dein Schicksal wegen der Pariser Reise. Er meinte, deine Feinde in Berlin würden nur so darauf warten, dir nachweisen zu können, daß du im Ausland irgendwie gegen Deutschland Stimmung machest — ob mit oder ohne Recht, sei ganz gleichgültig —, um dich zu stürzen. Und es wäre doch schade, wenn du statt auf dem deutschen Kampffelde selber in irgendeinem ganz offenen Kampfe, wo es sich lohnt, dein Leben teuer verkaufend, an einer Intrigue aus Anlaß irgendeiner Denunziation fallen würdest. Er läßt dir sagen, daß wahrscheinlich gleichzeitig mit dir auch Heckel in Paris weilen werde, um an einer Konferenz internationaler Art teilzunehmen.14 Der werde dir irgendwie seine Spitzel nachsenden. Schon daß gleichzeitig mit deiner Abreise in die Schweiz das Manifest |612 von Peter nun zu laufen beginne15, hält er nicht für günstig. Doch sind das wohl auch wieder zu fein gesponnene Erwägungen.

Unterdessen haben wir aber auch in der Schweiz Anlaß zu ernsten Sorgen. Denn was da in Bern gespielt worden ist16, das ist sicher fatal genug. Es wird nur dazu helfen, daß weitere Kreise vom faulen Freisinn weg zu den Fronten17 gehen. Und die Sozialisten bereiten sich einfach ein zweites österreichisches Schicksal18 in irgendeiner schweizerischen Abart. Was man in ihren Zeitungen liest, das ist fabelhaft blind und uneinsichtig.

Letzte Woche hatten wir eine Kirchgemeindeversammlung, an der mein Kollege Wolfer wieder aufs neue in einer unglaublichen Weise |613 freisinnigen Kohl darbot.19 Da gibt es auch nur Abmarsch und Weitergehen auf eigenen Wegen ohne jede Aussicht auf Zusammengehen.

Hast du wohl neuere Nachrichten über den inneren Gang der Dinge in den Rheinlanden? Fritz ist hier aufgetaucht für ein paar Tage und sagte mir etwas von einer Vorsynode, an der er teilgenommen habe und an der leider dein alter Freund Horn Allerübelstes von sich gegeben habe, richtig eine Art Verräterei an der gemeinsamen Sache übend.20 Wo, wo bleibt da nun eigentlich seine Bibel und sein darauf gegründetes Zeugnis? Wo der vielgerühmte Heidelberger?21 Wie erklärst du dir diesen Umfall? Er soll nämlich gerade die synodale Ordnung der Kirche ganz geringschätzig bei Seite geschoben haben.

Sei mit Lollo und Ruedis herzlich, herzlich gegrüßt! Genieße die kleine Ruhepause, die dir jetzt gegeben ist! Dein erster Pariservortrag22, den ich schnell lesen konnte, ist ausgezeichnet geraten und verspricht |614 ausgezeichnete Fortsetzungen, an deren Erstellung du nun wohl schon weiter gekommen bist. Laß einmal etwas von dir hören, wenn es angeht. Marguerite grüßt vielmal mit!

Dein
Eduard

Sachfußnoten

1
= es ist mir sehr viel mehr nach einem Zuruf an dich zumute.↩
2
Am 18.3.1934 hatte Thurneysen Barth bei Pestalozzis in Zürich (an der Trittligasse) besucht. Barth war Anfang März über Basel (2./3.3.) zu seiner Mutter in Wabern bei Bern und von dort weiter nach Zürich gereist, wo er bis zu seiner Reise nach Paris (s. oben S. 573, Anm. 15) bei Pestalozzis zu Gast war.↩
3
= urwüchsig, markig.↩
4
Anspielung auf eine Formulierung O. Herpels in seiner Einladung zur Tambacher Tagung am 22.-25.9.1919, gerichtet an «die Schweizer Väter des Religiös-Sozialismus»? Vgl. Bw.Th. I, S. 334, Anm. 1, und S. 335.344 📖. ↩
5
Margaretha Julie (genannt: Marguerite) Preiswerk, geb. Zellweger (geb. 1857), starb erst 1936.↩
6
= Es macht mir nichts aus, aus dieser Welt zu gehen.↩
7
= «Ich würde noch gern leben», und: «der Blumhardt hat immer gesagt, es kommt einmal eine ganz, ganz neue Zeit — jetzt ist sie am Kommen.»↩
8
Anspielung auf D. G. Barnhouses Schilderung seiner Begegnung mit Barth auf dem Bergli: «After a while, coming round a turn, we saw a farmhouse through the trees, beyond a garage which stood by the road. A man walked across the field to greet me; it was Karl Barth» (D. G. Barnhouse, An Interview with Karl Barth, in: Revelation, Januar 1934, S. 5. 30-33 📖; Zitat dort S. 5).↩
9
[A.] O[eri], Agonie des deutschen Protestantismus (Tagesbericht), in: BN, Jg. 90 (1934), Nr. 80 vom 22.3.1934 📖; vgl. unten S. 617f. mit Anm. 22, 24 und 25.↩
10
Der Deutsche Fritz Feldges (1906–1981 ) hatte seine spätere Frau Kunigund Oeri im SS 1931/32 an der Kirchlichen Hochschule in Bethel kennengelernt. Nach seinem letzten Examen im Sommer 1934 flüchtete er aus politischen Gründen (mit einer «Beurlaubung» von M. Niemöller in der Tasche) in die Schweiz, wo er die Suche nach einer Pfarrstelle im Kanton Bern aufnahm, und war nach einem Vikariat 1935–1972 Pfarrer in Oberbipp (Kanton Bern), von 1952 an zugleich Lektor an der Lehramtsschule für Religionslehrer der Universität Bern. — K. Oeri (1911–1997) legte kurz vor ihrer Hochzeit 1936 das Staatsexamen an der theologischen Fakultät Basel ab und engagierte sich später bis Ende der achtziger Jahre in kirchlichen und politischen Frauenorganisationen zunächst auf lokaler, dann auch auf nationaler und europäischer Ebene (briefliche Auskünfte von Frau K. Feldges aus dem Februar 1994).↩
11
Nach einer Besprechung mit dem Chef der Reichskanzlei, Dr. iur. Hans Lammers, hatten Wurm und Meiser am 8.3.1934 einen Brief an Hitler verfaßt, in dem sie den Widerspruch zwischen der in Besprechungen mit L. Müller nach dem Kanzlerempfang am 25.1.1934 beschlossenen und der tatsächlichen Kirchenpolitik des Reichsbischofs aufzeigten. Deshalb könnten sie ihre am 27.1. öffentlich zugesagte Mitverantwortung für die Leitung der Reichskirche nicht weiter tragen. Die daraufhin gewährte Audienz bei Hitler am 13.3.1934 verlief in heftiger Konfrontation und endete mit der Übertragung der Verhandlungsführung an den ehemaligen Hauptmann Franz von Pfeffer und Salomon. Vgl. Scholder II, S. 95–97 📖; Th. Wurm, Erinnerungen aus meinem Leben, Stuttgart 1953, S. 93f. 📖, zitiert in: G. K. Schäfer, Die evangelische Landeskirche in Württemberg und der Nationalsozialismus. Eine Dokumentation zum Kirchenkampf, Bd. III: Der Einbruch des Reichsbischofs in die württembergische Landeskirche 1934, Stuttgart 1974, S. 89f.100f. 📖 (Abdruck des Briefes vom 8.3.1934 dort S. 90–94); Kretschmar/Nicolaisen, S. 78–82 📖 (Abdruck des Briefes dort S. 79); vgl. Gauger I, S. 156f. 📖 ↩
12
Koechlin hatte in London mit Bischof George K. A. Bell und John Mott gesprochen und war über Genf nach Basel zurückgekehrt; vgl. Bell/Koechlin, S. 118. 📖 ↩
13
In seinem Brief an den Herausgeber der Londoner «Times» vom 19.3.1934 stellte Bell (1883–1958), der sich als Bischof von Chichester (seit 1929) und Vorsitzender des Ökumenischen Rates für Praktisches Christentum (seit 1932) für die Bekennende Kirche einsetzte, klar, daß eine zuvor veröffentlichte kurze Notiz über seine Zusammenkunft mit Heckel und anderen deutschen Kirchenvertretern am 10.2.1934 in London nicht in der Weise «mißdeutet» werden dürfe, «daß das Verhältnis zwischen der Deutschen Evangelischen Kirche und anderen Kirchen, repräsentiert durch den Ökumenischen Rat für Praktisches Christentum, völlig ungetrübt sei», und legte seine in jenen Gesprächen geäußerte umfassende Kritik an der deutschen Reichskirche dar. Abdruck des am 20.3.1934 veröffentlichten Briefes (deutsche Übersetzung) in: A. Boyens, Kirchenkampf und Ökumene 1933-1939. Darstellung und Dokumentation, München 1969, S. 321f. 📖 (Zitat dort S. 321); vgl. auch dort S. 107f.317-319; Scholder II, S. 104. 📖 ↩
14
Studienkonferenz des Ökumenischen Rates für praktisches Christentum am 8.-13.4.1934 über das Thema «Die Kirche und das Staatsproblem». — Tatsächlich kam es zu einem Zusammentreffen der Teilnehmer beider Veranstaltungen: «Ein Empfang vereinte an einem Abend die Teilnehmer der Konferenz mit einem grösseren Kreise von führenden Männern des französischen Protestantismus. Der Abend stellte gleichzeitig eine Ehrung für Professor Karl Barth dar, der in derselben Woche einer Einladung der theologischen Fakultät [sic] der Sorbonne zu Gastvorlesungen gefolgt war.» Vgl. W. Menn, Die Kirche und das Staatsproblem. Oekumenische Studienkonferenz, April 1934, in: Die Kirchen am Werk. Mitteilungen Oekumenischer Rat für praktisches Christentum Weltbund für internationale Freundschaftsarbeit, Nr. 5 vom Mai 1934, S. 1–3 📖 (Zitat «kommentierend» aufgegriffen in der Notiz von W. Stapel, Barth wurde in Paris geehrt, in: Kirche und Volkstum in Niedersachsen, Jg. 1 [1934], S. 175f. 📖); Meldung des Schweizerischen Pressedienstes auch in: KBRS, Jg. 90 (1934), S. 143. 📖 ↩
15
Siehe oben S. 605f., Anm. 2. Der Aufruf wurde M. Niemöller am 27.3.1934 übergeben (s. unten S. 616, Anm. 18).↩
16
Am 22.3.1934 wurde der Freisinnige Dr. Johannes Baumann aus Herisau als Nachfolger von Heinrich Häberlin zum Bundesrat gewählt. Nachdem ein sozialdemokratischer Mitbewerber schon im 1. Wahlgang unterlegen war, kandidierte im 2. und 3. Wahlgang — als gemeinsamer Kandidat der liberal-demokratischen und der katholisch-konservativen Partei — nur noch der Basler Regierungsrat Dr. Carl Ludwig gegen Baumann. Er erhielt 73, Baumann 141 Stimmen. Vorausgegangen war eine zehntägige heftige Auseinandersetzung. Der Freisinn war mit 4 von 7 Bundesräten in der Regierung proportional übervertreten gewesen. Auch innerhalb der Partei hatten maßgebliche Kreise dazu geraten, bei dieser Ersatzwahl auf die Nominierung eines eigenen Kandidaten zu verzichten. Noch am Wahltag kommentierten die Basler Nachrichten: «… ein peinliches Spiel der Schachzüge und Gegenzüge, der Schiebungen zwischen den Parteien nach abgenützten Regeln und überlebten Traditionen» (-chi, Der Freisinn behauptet seine Mehrheitsstellung, in: BN, Jg. 90 [1934], Nr. 80 vom 22.3.1934, 1. Beilage 📖).↩
17
Rechtsradikale, dem Nationalsozialismus oder Faschismus nahestehende antidemokratische Bewegungen oder Parteien, z. B. der im «Frontenfrühling» 1933 durch Zusammenschluß zweier «Fronten» entstandene Kampfbund Neue und Nationale Front; vgl. oben S. 415, Anm. 20.↩
18
In Abwesenheit des österreichischen Bundeskanzlers Dollfuß, aber von diesem nachträglich gutgeheißen, hatte die rechtsorientierte Tiroler Heimwehr durch einen großangelegten Aufmarsch die Auflösung aller Parteien in Tirol erreicht und ähnliche Bestrebungen in anderen Landesteilen ausgelöst. In der aufgeladenen Atmosphäre löste ein Zwischenfall in Linz am 12.2.1934 blutige Kämpfe zwischen dem Republikanischen Schutzbund der sozialdemokratischen Partei einerseits und Heimwehrverbänden und Armee andererseits aus, die nach wenigen Tagen mit der Niederlage des Schutzbundes endeten. Die sozialdemokratische Partei Österreichs wurde noch am 12.2. verboten. Vgl. W. Wiltschegg, Die Heimwehr. Eine unwiderstehliche Volksbewegung? (Studien und Quellen zur österreichischen Zeitgeschichte 7), München 1985, S. 81–84 📖; Th. Veiter, «Das 34er Jahr». Bürgerkrieg in Österreich, Wien/München 1984, S. 146–155. 📖 ↩
19
Kirchgemeindeversammlung vom 14.3.34 im großen Münstersaal mit einem Referat des Präsidenten des Kirchenvorstandes, Pfarrer O. Moppert, über das Thema «Unser kirchlicher Unterricht und die Mitwirkung des Elternhauses» und nachfolgender Diskussion. «Pfarrer Wolfer äußerte seine Bedenken gegen ein zu frühzeitiges Erzählen der biblischen Geschichten, wodurch leicht Vorstellungen erweckt werden, die den späteren Erkenntnissen nicht standhalten» (E. H., Kirchgemeindeversammlung der Münstergemeinde, in: BN, Jg. 90 [1934], Nr. 77 vom 19.3.1934, 1. Beilage 📖).↩
20
Am 16.3.1934 hatte in Köln die außerordentliche 43. Rheinische Provinzialsynode getagt, deren Einberufung das «Kirchengesetz über die Leitung der evangelischen Kirche der altpreußischen Union» vom 2.3.1934 (§ 3) vorgeschrieben hatte. Das Gesetz sollte der Gleichschaltung und Umgestaltung der preußischen Landeskirche in eine Führerkirche dienen und verlangte eine Neuwahl der Provinzialsynoden innerhalb von zwei Wochen, wobei eine Aussprache nicht gestattet war; vgl. Scholder II, S. 88 📖; Gesetzestext bei J. Beckmann, Rheinische Bekenntnissynoden im Kirchenkampf, a.a.O. (S. 572, Anm. 5), S. 90–92, § 3 dort S. 91 📖; Gauger I, S. 150 📖. — Im Protokoll der Synode ist vermerkt: «34 Mitglieder der Provinzialsynode haben eine Erklärung eingereicht, die zu den Akten genommen wird (Anhang III). / Der Synodale Horn erbittet das Wort zur Geschäftsordnung und schlägt im Hinblick auf die abgegebene Erklärung und die Tatsache, daß 49 Mitglieder [von 173] fehlen, vor, Synode wolle gemäß den Möglichkeiten des Kirchengesetzes vom 2. März 1934 von einer Wahl absehen und dem Bischof (Landespfarrer) [H. Oberheid] die Ernennung überlassen. Der Präses macht darauf aufmerksam, daß die Synode beschlußfähig ist und die Wahl zu vollziehen hat» (Protokoll in: J. Beckmann, a.a.O., S. 93–102; Zitat dort S. 98).↩
21
Vgl. oben S. 174, Anm. 5.↩
22
K. Barth, Offenbarung, in: ders., Offenbarung, Kirche, Theologie (ThExh 9), München 1934, S. 15–23 📖 (und in: Th.Fr.u.A., S. 158–166 📖).↩