22. September 1934

Charlotte von Kirschbaum an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

In der letzten Viertelstunde auf dem Bergli möchte ich dir noch danken für deine Zeilen und Beilagen, die ich gestern Abend vorfand, als ich mit Gerty von der schönen und menschlich so guten Engadiner Wanderung heimkam. — Heute Mittag fahre ich nach Deutschland und bin dann bis 8. X. (bis Karl kommt) bei meiner Mutter1 in München, Bruderstraße 1/III, zu erreichen. — Dort draußen scheint es jetzt in den Endkampf zu gehen.2 Wie ist das alles schwer. — Karl schreibt vergnügt aus Rom, arbeitet in den Nächten an seiner Brunnerschrift. Pratteln war ihm ein guter Eindruck und hat ihn mehr erquickt als ermüdet. — Unser Gespräch über Peter ist von Ruedi in verschiedenen Phasen bildlich festgehalten. Wir sind eine nachdenkliche Gruppe!! — Lieber Eduard, ich dank dir für alles Teilnehmen und bin froh, dich und Marguerite wieder einmal gesehen zu haben. Von Nelly hatte ich gestern einen guten, getrosten Brief3. — Ich muß aufbrechen. Leb wohl.

Es grüßt dich, euch,
deine
Lollo

Zeitungsausschnitte aus D. werden kontrolliert!!

Sachfußnoten

1
Henriette von Kirschbaum, geb. Freiin von Brück (1874–1946).↩
2
Wahrscheinlich denkt Ch. von Kirschbaum an die Bemühungen A. Jägers um Gleichschaltung der letzten sogenannten intakten Landeskirchen; vgl. oben S. 700f., Anm. 7, und unten S. 727, Anm. 5.↩
3
Brief vom 20.9.1934, in dem N. Barth u. a. über das Ergehen ihrer Söhne und H. Traubs sowie über die Bonner Bekenntnisgemeinschaft erzählte.↩