An Pastor Gustav Friedrich Nagel, Hamburg
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An Pastor Gustav Friedrich Nagel, Hamburg
1929
Sehr geehrter Herr Professor! Ihr Angriff gegen den Pietismus möchte von solchen, die sich zu einem biblisch geklärten Pietismus dennoch glauben bekennen zu sollen, trotz seiner Heftigkeit rein sachlich empfunden werden. Ich habe mich jedenfalls bemühen wollen, diesem Empfinden in einem Referat, das eine Antwort enthält, voll Raum zu gewähren. Außerordentlich dankbar wäre ich, wenn es Ihnen, sehr geehrter Herr Professor, möglich wäre, dieses Referat, das ich in Form einer Broschüre mir hier beizufügen gestatte, mit gleichem Empfinden entgegenzunehmen und würdigen zu können.
Sollte irgend ein Anlaß einmal einen mündlichen Austausch ermöglichen und Sie einen solchen mir gütigst gewähren können, so würde mich das zu großem Dank verpflichten.
In christlicher Hochachtung G.F. Nagel
Barth, der auf Angriffe von Pietisten nicht mit öffentlichen Stellungnahmen reagierte2, antwortete Nagel am 14.10.1929. Aus seinem Briefe druckte Nagel nur einen kleineren Teil am 5.1.1930 im Ev. Allianzblatt ab, und zwar so, daß er Barths Meinung «gerade um seine eigentlichen Spitzensätze» reduzierte und den Anschein erweckte, als lehne Barth die Position Nagels und seinen Pietismus nur wegen des Formfehlers (falsches Zitat) ab3; danach ließ Nagel einen Abschnitt aus Barths Dogmatik und einen Kurzkommentar von Lic.
Am 13.1.1931 versicherte Nagel in einem Privatbrief an Barth, es ginge ihm um «Sinn und Inhalt des Wortes», um seine Unversehrheit «in seiner Heilsbedeutung für die Gemeinde». Nagel fragte Barth, ob er auf seine (Nagels) Schrift irgendwo eingehender als in seinem Briefe geantwortet habe. Barth erwiderte am 16.1.1931, das sei nicht geschehen und werde auch nicht erfolgen. «Es wird von allen Seiten so viel über mich und gegen mich geschrieben und gedruckt, daß ich fast ununterbrochen nur damit beschäftigt sein könnte, Antworten zu geben, wenn ich dabei auch nur die größeren Bücher und Broschüren berücksichtigen wollte.» Er könne seine Antworten auf die einzelnen Einwände «nur in der Form geben, daß ich eben weiterarbeite und dann in […] weiteren Veröffentlichungen gelegentlich kundgebe […], ob ich aus den Äußerungen Anderer etwas gelernt oder nicht gelernt habe.» Im zweiten Absatz seines Briefes ging Barth kritisch auf Nagels Behandlung seines Briefes von 1929 ein: «Die Art, wie Sie meinen letzten Brief in Ihrem Blatt ohne mein Vorwissen und nur teilweise citiert haben, und die Art, wie Sie sich dazu geäußert haben, endlich die Tatsache, daß Sie mir auch nachträglich von dieser Veröffentlichung nicht einmal Kenntnis gaben, gefällt mir nicht. Ich kann nur wiederholen, daß ich eine Diskussion über die Heiligung mit Menschen aus Ihren Kreisen immer wieder auch darum als schwierig empfinde, weil mir die konkreten Auswirkungen dessen, was Sie Heiligung nennen (in diesem Fall die Ordnung des Verhaltens in einer literarischen Auseinandersetzung), weithin fremdartig sind.»
Barths Brief vom 14.10.1929 hieß im Wortlaut:
Empfangen Sie meinen besten Dank für Ihren Brief und für die Übersendung Ihrer Streitschrift. Ich habe sie gelesen und anerkenne gerne, daß Ihr Bemühen, diesen Streit rechtschaffen zu führen, nicht zu verkennen ist. Zur Sache selber kann ich kaum etwas sagen, weil Sie sich – wie das nun von Andern schon oft geschehen ist – damit begnügt haben, einer Anzahl von Spitzensätzen aus meinen Schriften die von mir bestrittene These noch einmal gegenüberzustellen und als schriftgemäß und giltig zu behaupten. So einfach bin ich nun jedenfalls nicht zu überwinden.7 ⌜Und wenn es Ihnen wirklich darum zu tun ist, mit mir und nicht nur über mich zu reden, so müßten Sie es anders anfangen, etwa in Form einer genauen zusammenhängenden Durchprüfung meiner Auslegung z.B. von