An das «Rats-Stübli», National-Zeitung, Basel
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An das «Rats-Stübli», National-Zeitung, Basel
Am 19.3.1941 berichtete die
Nach einem Besuch im Spiegelhof schrieb
Gebändigte Kraft
Mich führte mein Weg neulich in den Innenhof des neuen Polizeigebäudes zu
Ich frage: Kann man bezweifeln, daß wir es in dieser Darstellung nicht mit einer «gebändigten», sondern mit einer brutal erledigten und kaputt gemachten «Kraft» zu tun haben? Inwiefern sollen wir in dem, was diesem jungen Drachen angetan wird, die Tätigkeit unserer Polizei wiedererkennen? Sollte es denn möglich sein, daß sie in dieser Weise ungebändigte Kraft zu bändigen gesonnen sein sollte?
Und wenn nun Drachen oder drachenähnliche Erscheinungen, wenn sie im Bereich der Basler Polizei je auftreten sollten, zweifellos durch Tötung unschädlich gemacht werden müßten, dürften dann etwas humanere Methoden als die auf diesem Brunnenbild angedeuteten nicht auch möglich sein? Gibt es nicht sogar Drachen gegenüber so etwas wie ein Gebot des Tierschutzes? Und wie ist es mit der fehlbaren Menschheit, mit der die Polizei es in der Regel zu tun haben wird? Sollte die peinliche Art, in der der Böse in diesem Bild vom Leben zum Tode gebracht wird, nicht anzeigen, daß es in gewissen Polizeikasernen in anderen Ländern seinen passenderen Ort hätte als gerade im Spiegelhof zu Basel? Würde es nicht eine beruhigende Sache sein, wenn man über die Absichten und Meinungen des Künstlers, der Jury, die dieses Werk auswählte, und schließlich doch auch des Vorstehers des Polizeidepartements, der es entgegennahm, noch Genaueres als das erfahren dürfte, was anläßlich der stattgefundenen Weihe dieses Werkes in der Zeitung zu lesen stand? Ich gestehe, daß ich ratlos bin, und frage darum im Rats-Stübli, ob jemand Rat weiß?
Auf die Gefahr hin, kräftig desavouiert zu werden, glaube ich kaum, daß da am Rats-Stübli-Tisch jemand für solche Art der Bändigung einzutreten bereit wäre. Vielleicht ist das Denkmal als abschreckendes Beispiel gemeint und soll den Gegensatz zu dem saubern Spiegelhof und der humanen Menschenbehandlung, die bei uns Gesetz ist, verdeutlichen. Ich muß allerdings gestehen, daß mir bei dieser tierquälerischen Phantasie auch nicht wohl ist, und kann nur allen Ungebändigten, so auch Ihnen, von Herzen wünschen, daß sie nie so mögen gebändigt werden. – (Im übrigen ist die Bezeichnung «Gebändigte Kraft» keine Devise des Bildhauers, sondern ein Reporterversuch!)