Barths beide Briefe nach Frankreich (s. Nr. 28 und 30) stießen auf das Interesse von Christen in England. Dort bemühten sich zwei Männer darum, diese Briefe den Engländern zugänglich zu machen und Barth zu bewegen, einen Brief nach England zu schreiben, D. Joseph Houldsworth Oldham (1874–1969) und Rev. Alexander Roper Vidler (1899–1991). Barth hatte Oldham, damals Generalsekretär des Internationalen Missionsrats (1921–1938), auf seiner ersten Englandreise 1930 in London kennengelernt, wo er Zusammenkünfte Barths mit Theologen und Kirchenmännern organisiert hatte.1 Oldham hatte 1939 die Zeitschrift «Christian News-Letter» ins Leben gerufen, die sich vornehmlich den durch den Kriegsausbruch aufgeworfenen Fragen christlicher Ethik widmete2, und gab in einem Supplement der Zeitschrift Anfang 1940 «extracts» des Briefes an Westphal wieder, die er der gekürzten Fassung aus «Foi et Vie» entnommen hatte.3 Inzwischen war aber auch die vollständige Fassung des Briefes an Westphal nach England gelangt; Barth hatte sie Kurt Emmerich geschickt, einem Emigranten jüdischer Herkunft aus Deutschland4, der sich sogleich um eine Übersetzung bemühte. Er bat Alec Vidler um Rat, der 1939-1948 «Warden» der St. Deiniol’s Library in Hawarden, Chester, war und dessen Wirken er gegenüber Barth so charakterisierte5:
Dieser ist Herausgeber der theologischen Monatsschrift «Theology». Im übrigen ist er ein sehr angesehener Mann. […] Die Zeitschrift «Theology» besteht seit vielen Jahrzehnten; Vidler redigiert sie seit zwei Jahren. Das Blatt ist äußerlich und inhaltlich ein ausgesprochen |269 vornehmes Organ der hochkirchlichen Kreise und stellt sich insbesondere theologischen Kontroversen über politisch-ethische Fragen zur Verfügung. Es wird insbesondere von den Bischöfen nicht nur gehalten, sondern sogar gelesen. […] Rev. Vidler bat mich auf meine Anfrage, den Brief lesen zu dürfen, und war gleich Feuer und Flamme dafür. Er bot mir an, den Brief in «Theology» abzudrucken und seinerseits für einen guten Übersetzer sorgen zu wollen. Als Übersetzer möchte er Rev. Cobham haben, der sich auch schon bereit erklärt hat, die Arbeit zu übernehmen. […] Ich finde den Plan Vidlers ausgezeichnet. In seiner Zeitschrift erreichen Sie alle Leute, die für das Problem und seine Diskussion überhaupt offen sind. Sie bekommen den Brief anständig übersetzt. Außerdem stellt Vidler Sonderdrucke her, die wichtigen Einzelpersonen zugeschickt werden können.
Barth erklärte sein Einverständnis, und so wurde der vollständige Brief an Westphal (s. Nr. 28) – übersetzt von Ernest H. L. Gordon, einem Mitarbeiter Cobhams, und Gordons Freunde R. H. Füller – im März 1940 in «Theology» abgedruckt.6
Als Vidler am 10.8.1940 Barth mitteilte, daß sein Brief an Westphal in beiden Zeitschriften wiedergegeben worden war, fügte er hinzu: «The Suggestion has been made that that letter should be republished as a pamphlet, but I think that the capitulation of France has made the letter in its original form out of date.» Vidler fragte bei Barth an, ob der Text nun nicht mit anderen zusammen in der Buch-Serie von Christian News Letter, die Vidler herausgab, erscheinen könnte: «We do ernestly ask you to send us in this way a message to the Christians in Britain. Your letter to the French pastor brought much encouragement and insight to the people in this country, and a small book addressed to us in our present Situation would, I am sure, do even more for us. This is an appeal to you to ‹come over and help us›7 by the written word.»8 Vidler spielte damit darauf an, daß die politische und militärische Situation Englands nach der deutschen Eroberung Norwegens, Dänemarks, Hollands, Belgiens und Frankreichs sehr gefährlich geworden |270 war; ein deutscher Angriff auf England drohte, wenige Tage nach Vidlers Anfrage griff die deutsche Luftwaffe südenglische Radarstationen, Flugplätze, Flugzeugfabriken, Häfen und Verkehrswege an; damit sollte die Invasion vorbereitet werden, die Hitler dann doch immer wieder verschob.
Als Barth zögerte, ermutigte ihn die «Society for Promoting Christian Knowledge and The Sheldon Press», deren Sekretär am 8.11.1940 an Barth schrieb: «My Committee would welcome with enthusiasm the chance of publishing such a book. I can’t promise absolutely, without seeing the MS., that publication would be possible, because Government censorship in War-time might create difficulties. But I anticipate no difficulty.»9
Ehe Barth darauf reagiert hatte, schickte ihm Oldham am 11.2.1941 den englischen Abdruck von Barths zweitem Briefes nach Frankreich (s. Nr. 30), den er von Emmerich mit der Genehmigung zur Veröffentlichung erhalten hatte und der, von Ernest Gordon und George Hill übersetzt, in «The Christian News Letter» wiedergegeben worden war.10 Oldham entschuldigte zugleich mögliche Ungenauigkeiten bei der Übersetzung11 und fügte hinzu:
Your letter has made a profound impression among some of the best people in this country including some of our leading laymen. The Master of Balliol spoke to me very warmly about it and several people of Standing have written to me to say that in their judgment it is the most significant thing that has been published for some time.
I write now to ask whether you would write a letter to your Christian friends in England which I might publish in the News-Letter. It |271 would, I am certain, be greatly appreciated and might achieve much good. Apart from deeper questions connected with the substance of what you write I believe it to be of the first importance to maintain touch between Christians on the continent of Europe and in the Anglo-Saxon world.
Nach einem Gespräch mit dem Mitherausgeber Vidler stellte Oldham fest, daß das Manuskript, das Barth Vidler für das Buch versprochen hatte, den gleichen Inhalt haben sollte wie der von ihm selbst angeregte Text, und er zog seine Bitte zurück: «Vidler’s original request of course holds the field.»12
Barth schrieb seinen Brief nach Großbritannien erst Ostern (das 1941 auf den 13. April fiel), wenige Tage nachdem die Truppen der Achsenmächte am 6.4.1941 auch in Jugoslawien und Griechenland eingefallen waren. Er sandte den Text am 22.4. an Vidler mit einem Begleitschreiben:
Lieber Herr Vidler! Es hat lange gedauert, aber nun kann ich Ihnen die gewünschte kleine Schrift endlich übersenden und hoffe, daß sie dem, was Sie von mir erwartet haben, einigermaßen entspricht.
Ich möchte auf jedes Honorar für diese Schrift verzichten und bitte Sie zu veranlassen, daß der entsprechende Betrag irgend einem den Bedürfnissen des gegenwärtigen Krieges dienenden Hilfswerk zugeleitet wird, dessen Auswahl ich gerne Ihnen überlasse.
Mit freundlichem Gruß! (den ich auch Herrn Dr. Oldham zu bestellen bitte)
Ihr Karl Barth
Vidler bestätigte am 23.5. den Eingang des Manuskripts und teilte am 18.6. Barth mit, daß der Brief übersetzt war – wiederum von Gordon und Hill – und, zusammen mit einer Einführung von Vidler und beiden Briefen nach Frankreich, in Druck gegangen sei: «Those of us who have so far seen your letter are tremendously struck by it and we cannot tell you how grateful we are.»13 Das Büchlein erschien Anfang August 1941 unter dem Titel «A Letter to Great Britain from Switzerland»14; den Verkaufserlös erhielt das britische Rote Kreuz.
272Der Herausgeber Vidler leitete den Brief mit der Bemerkung ein, Barth sei vielfach falsch verstanden worden:
In particular, «Barthianism» has been used as a synonym for «transcendentalism», i.e., the doctrine that the Christian Gospel and the Christian Church have to do only with the transcendent, heavenly, other world and that they have no message for, and no dealings with, the affairs of this world. The present letter will at least correct that error. It will not only help us to a more accurate understanding of Professor Barth’s own teaching, but also – what, he would agree, is much more important – it will drive us to clearer and deeper thinking about the great theological questions which the war is pressing upon us.15
Ein Vierteljahr nach dem Erscheinen des Buches berichtete der Übersetzer Ern(e)st Gordon, ein deutscher evangelischer Theologe jüdischer Herkunft, der 1938 als Emigrant aus Deutschland in der Schweiz wichtige Vorträge von Barth gehört hatte16 und nun Pastor der anglikanischen Kirche in einer Londoner Arbeitergemeinde war, Barth von der Übersetzung, die er mit seinem jungen Kollegen George Hill aus Battersea im Mai und Juni 1941 vorgenommen hatte:
Es war eine harte Arbeit, aber es hat sich gelohnt («worth while»), und ich darf dankbar feststellen, daß die Übersetzung überall anerkannt worden ist. Und wie Sie wohl wissen, «Barth in gutes Englisch zu übersetzen ist sehr schwer.» […]
Ich stehe zu dem, was Sie darin sagen. Es findet nicht überall Billigung. Manche meiner Brüder – damit meine ich jetzt die in gleicher Lage wie ich – lehnen es ab mit der Begründung, daß Sie sagen, «wir müßten im Namen Christi Krieg gegen die Nazis führen», d.h. sie legen dabei den Ton auf «Krieg», und es wird ein Widerspruch zwischen dem ersten Brief an die Christen in Frankreich und diesem Brief gefunden.
273Ich darf aber sagen, daß unter den britischen Freunden Ihr Brief großes Interesse und Verständnis gefunden hat. Der Bischof von Chichester17 sagte mir vor wenigen Wochen: «Ich habe Karl Barths Brief dreimal durchgelesen, und je mehr ich ihn lese, je mehr stimme ich mit ihm überein. » Christopher Dawson (Sword of the Spirit Movement Roman Catholic Church) hat dem Bischof von Chichester von seiner Zustimmung geschrieben.18
Gordon wies auf zwei Kritiken des Briefes hin, eine in «Theology» durch den Canon Oliver Quick, Oxford, die sich «gegen die radicale christologische Begründung für den Widerstand gegen den Hitlerismus» richte; «Quick sagt, daß er Ihnen im Herzen und im Ergebnis völlig zustimmt, aber nicht im ‹Kopf›.» Quick sei auch über den Begriff «Naturrecht»/Natural Law in Barths Brief gestolpert. Die andere Kritik erschien im «Presbyter», einer in ganz Großbritannien verbreiteten Zeitschrift, als «A Letter from England to Karl Barth» und war mit «Certain unnamed Presbyters» unterzeichnet. Darin wurde begründet, warum britische Christen denn doch den Krieg mit sinnvollen politischen und humanistischen Argumenten bejahten, die nicht aus dem Zentrum christlichen Glaubens, aus dem heraus Barth argumentierte, stammten.19
Barths Brief wurde alsbald weit verbreitet. Dazu trug nicht nur bei, daß Oldham auf ihn hingewiesen hatte.20
The Times Literary Supplement druckte am 23.8. eine Besprechung ab21, die die Schweizer Botschaft in London an das Politische Departement nach Bern sand|274te22 und die Barth vom Britischen Konsulat erhielt.23 Englische Studenten erbaten von Barth einen an sie gerichteten Text.24 The Religions Division des Ministry of Information brachte am 23.10. einige Auszüge25, und am 9.11.1941 wurde der Brief auch im Nachrichtendienst von London BBC verlesen26, was wiederum der Schweizer Rundspruchsdienst in zwei Radio-Abhörberichten festhielt.27 Im folgenden Jahr gab es weitere Rezensionen und Reaktionen.28
Längst war der Brief auch in Übersee bekannt geworden.29 Er wurde, wiederum zusammen mit den beiden Briefen nach Frankreich, in |275
New York veröffentlicht30, in gekürzter Form auch in Milwaukee31, und erhielt in den USA Kommentare in «Christianity and Crisis»32 (von dem englischen Theologen John Baillie33), in The Christian Century (von W. S. Kilpatrick34) und im Magazin «Time», das unter der Überschrift «Karl Barth declares war» Teile des Inhalts wiedergab35 – ein Artikel, der in Berlin das Auswärtige Amt beschäftigte36 und in der Schweiz beachtet wurde.37 Aus Chicago meldete sich mit Kommen|276taren «Christian Century»38 und Barths Biograph William Pauck39, aus Melbourne/Australien
H. J. Hannah in der «Reformed theological review»40, aus Neuseeland drei Theologen in der Zeitschrift «The Student»41 und aus Jobannesburg/Südafrika der Superintendent der «Methodist Church. Witwatersrand Coloured Circuit», Rev. W. H. Warmington, der Barth in einem Pivatbrief grundsätzlich zustimmte, aber Großbritannien nach seinem Versagen gegenüber der Mandschurei, Abessinien, der Tschechoslowakei und dem freien Spanien nur für «simply another nationalistic state» hielt, der zudem nach dem Bündnis mit der Sowjetunion völlig ins moralische Zwielicht geraten sei.42
In der Schweiz stieß Barths Brief auf eine Situation verschärfter Zensurmaßnahmen. Am 18.7.1941 wurde Barths Vortrag "Im Namen Gottes des Allmächtigen» vorläufig, am 29.7. definitiv verboten.43 Am gleichen Tage erschien im «Journal de Genève» eine Meldung aus London, wonach der Erzbischof von York in einer Botschaft an die Christen in der Schweiz gesagt haben sollte: «Nous sommes heureux de savoir qu’ un message des plus fameux théologien suisses aux chrétiens de Grande-Bretagne est sur le point d’etre publié ici».44 Ein Angehöriger der Schweizer Armee gab diesen Zeitungsartikel umgehend an das Politische Departement weiter.45 Am nächsten Tage traf dort auch ein Telegramm des «Swiss Minister» Thurnheer aus London ein: «In|277formations Ministerium gibt Brief Karl Barths bekannt, der Krieg Großbritanniens gegen Hitlerismus als christlicher Lebensauffassung entsprechend beschreibt. Annehme, daß Brief morgen in englischer Presse erscheinen wird.»
In Bern reagierte man sofort; der Bundesrat beschloß, den «Brief Prof. Karl Barths an den Erzbischof von Canterbury» gänzlich zu verbieten.46 Unter dem Datum des 31.7. schrieb Hauptmann Lüthi, Pressechef vom Kommando Ter. Kreis 3, den Zeitungsredaktoren47:
Auf Befehl der Abt. f. P. u. F. [Presse und Funkspruch] teilen wir Ihnen mit, daß Herr Prof. Barth vor einigen Tagen ein Schreiben an kirchliche Kreise Englands gerichtet hat, in welchem er den Krieg Großbritanniens gegen den Nationalsozialismus als dem christlichen Ideal entsprechend erklärt. Diese Meldung ist der Abteilung aus England zugegangen.
Jede Veröffentlichung und Kommentierung dieses Schreibens oder Anspielung auf das Verhalten von Prof. Dr. Barth ist verboten. Diese Meldung darf auch nicht allenfalls von ausländischen Radiosendungen übernommen werden.
Barth erhielt davon Nachricht durch Pfarrer Rudolf Schwarz aus Basel, der ihm schon am 1.8.1941 von dem Verbot berichtete und mitteilte, er habe dagegen protestiert; er sandte Barth den Text.48 Barth, der gerade am 3.8. ein Stück seines Briefes aus dem englischen Radio gehört hatte, wußte zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal, daß der Text in England gedruckt worden war.49 Gegenüber Schwarz äußerte Barth die «Meinung, daß man mit solchen Hauptleuten [wie Lüthi] mindestens brieflich sowenig diskutieren kann, wie mit dem großen Adolf, sondern daß der sicherste Weg des Verkehrs mit ihnen darin |278 besteht, daß man unter ihrer Nase weiterlebt, als wäre nichts geschehen50, und immer wieder eine Tatsache schafft, mit der sie sich dann als solcher auseinandersetzen müssen.» In diesem Falle verzichtete Barth darauf, Rekurs gegen den Entscheid der Zensur zu ergreifen.51 An W. Vischer schrieb Barth: «Schon sind sie nun in Bern auch hinter die Existenz des Briefes nach England gekommen und haben den Redaktionen drohend befohlen, kein Wort darüber verlauten zu lassen. Wodurch viele erst davon erfuhren!! Ich habe nun wirklich nur eine kleine Weile mit dem Strom schwimmen dürfen. »52 Barth erhielt selbst die englische Fassung des Briefes erst im September.53
Peinlich war für die Schweizer Zensur allerdings, daß der Erzbischof von Canterbury in einer Botschaft an die Schweiz zu deren 650jährigem Jubiläum den Barths Brief erwähnte. Der Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizei-Departements, Bundesrat von Steiger, entschied sich dafür, des Erzbischofs Brief zu veröffentlichen, diese Passage aber einfach wegzulassen54, um der Verärgerung der nationalsozialistischen Nachbarn keinen neue Nahrung zu geben.55
279So erhielt auch Barth erst im Dezember 1941 Kenntnis von diesem Vorgang, als der Chefredakteur der Schweizer Zeitschrift «Semeur Vaudois» durch seinen Korrespondenten in London von Barths Brief und der Anspielung des Erzbischofs erfahren hatte und, weil der ihm aus London zugesandte Text von der Schweizer Zensur einbehalten worden war, sich an Barth mit der Bitte um Zusendung seines Briefs nach England wandte.56 Barth zögerte nicht, der Bitte nachzukommen, und der Sohn des Chefredakteurs, ein Pastor in Gryon, übersetzte den Brief alsbald ins Französische, weil sich Kollegen dafür interessierten, auch Katholiken aus Frankreich.57 Auch ins Holländische wurde der Brief übersetzt.58 Der Brief kam in einzelnen Exemplaren sogar nach Deutschland. Über ein deutsches Ehepaar mit Schweizer Paß wurde der Text in dem Kreis des Verlegers Lempp vom Chr. Kaiser Verlag in München bekannt. Pastor Walter Höchstädter berichtet, der Brief sei «vervielfältigt und weitergegeben, eine Sache, die während des Krieges als Hochverrat eingestuft worden wäre und alle Mitglieder des Kreises in Lebensgefahr gebracht hätte. Auch ich habe in meinem Gepäck in Rußland 1942 eine Abschrift dieses Briefes bei mir gehabt. »59 Gedruckt wurde die deutsche Fassung erst im Sommer 1945 in der «Schweizer Stimme», nun unter dem von Barth gewählten Titel «Ein Brief aus der Schweiz nach Großbritannien».60
In England erinnerte man sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach an Barths Brief von 1941. In einem Brief zu Barths 60. Gebunstag 1946, der von zahlreichen englischen Theologen aus allen |280 Denominationen unterschrieben worden war, wurde Barth «as a great Christian prophet» bezeichnet: «We salute you also especially with a thankful recognition of the stand you made in your own country’s championship of freedom throughout the war, and for the Letter you addressed to your Christian brethren in Great Britain.»61 1951 verlieh der englische König Georg VI. Barth die «King’s Medal for Service in the Cause of Freedom», nach dem Begleitschreiben des britischen Botschafters in Bern «in recognition of your services to British interests during the war.»62 Und in einem Artikel im «Manchester Guardian» zu Barths 70. Geburtstag 1956 hieß es: «His ‹Letter to Great Britain› in 1941 was a moving epistle in a dark hour.»63
Liebe christliche Brüder in Großbritannien!
Rev. Vidler und Dr. Oldham waren so freundlich, mich einzuladen, Ihnen einen Brief zu schreiben, um mich Ihnen gegenüber über das, was in unserer Zeit uns alle bewegt, auszusprechen. Die beiden Herren erwarten, daß ich damit etwas zur Erhaltung der Fühlung zwischen den Christen der angelsächsischen Welt und denen des Kontinents beitragen könnte.
Ich habe diese Einladung rasch angenommen und dann doch lange gezögert, ihr Folge zu leisten. Wenn ich das heute tue, so möchte ich Sie zum vornherein bitten, mir zu glauben, daß ich es von mir aus kaum gewagt hätte, Sie in dieser Weise anzureden. Ich bin kein Apostel, und wenn ich einer wäre, so hätte ich nach so vielem, was ich in diesen Jahren von Ihnen gehört und gelesen habe64, wohl die Neigung, Ihnen mit dem Apostel Paulus (Röm. 15,14) zu sagen, ich sei überzeugt, «daß ihr selbst voll guter Gesinnung seid, erfüllt mit aller Erkenntnis und fähig, euch untereinander zu ermahnen». Wenn ich von |281 jener Einladung Gebrauch mache und Ihnen schreibe, so tue ich es tatsächlich vor allem darum, weil ich gerne einmal zum Ausdruck bringe, daß ich die Sorgen, Nöte, Aufgaben und Hoffnungen, mit denen Sie beschäftigt sind, bisher mit der herzlichsten Anteilnahme begleitet habe und auch in Zukunft begleiten werde – mehr noch, daß ich die große Sache, die Sie heute in Anspruch nimmt, in bestimmtem Sinne als meine eigene Sache und als die der ganzen Christenheit und Kirche ansehe. Eben darum meine ich mich nicht als ein Fremder in Ihre Angelegenheiten einzumischen, wenn ich mir erlaube, Ihnen meine besonderen Gedanken darüber in Kürze mitzuteilen. Ihre gutwillige Nachsicht wird dabei freilich nötig sein. Ich möchte ja so gerne die rechte Türe treffen und an dieser Türe die richtige Glocke finden. Aber eben das ist gar nicht so leicht. Es ist mir zwar seit vielen Jahren ein ernstliches Anliegen gewesen, in das Verständnis des allgemeinen und des christlichen Lebens Ihres Landes 180 und Volkes einzudringen, und auch eine ganze Reihe von Spezimina Ihrer politischen und theologischen Literatur aus der Kriegszeit habe ich mit Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen. Ich finde es aber immer noch gar nicht einfach, genau zu sehen, wo Sie nun eigentlich stehen, und dann auch das entsprechende rechte Wort dazu zu finden. Nicht zum Wenigsten auch darum, weil ja die Situation heute von Monat zu Monat in Veränderung begriffen ist, so daß es allzu leicht sein könnte, daß Sie morgen schon nicht mehr da wären, wo ich Sie heute vielleicht mit Recht gesucht hätte. Das Alles bitte ich Sie freundlichst in Rechnung gut zu ziehen und mir zu verzeihen, wenn ich Sie mit dem, was ich Ihnen schreiben möchte, teilweise mißverstehen sollte oder wenn Ihnen das, was ich Ihnen schreibe, Ihrerseits mißverständlich vorkommen sollte. Halten Sie sich dann jedenfalls an die aufrichtige Brüderlichkeit meiner Absichten!
Von Christen und als Christ bin ich ja zu dem Schreiben dieses Briefes eingeladen worden, und es sind die Ostertage, in denen ich mich dieser Arbeit zugewendet habe. Wir sind also gemeinsame Hörer des Wortes Jesu Christi: «Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden!»65 Daß dieses Wort die Wahrheit ist, daß es auch in unserer Zeit die Wahrheit bleibe und als solche sich erweisen wird, das |282 führt und das hält uns zusammen: das ist es, was Sie dort und mich hier mehr als alles andere bewegt, stärker als alles andere in Anspruch nimmt, bestimmter als alles andere regiert. Von daher, daß dieses Wort die Wahrheit ist, blicken Sie und blicke auch ich auf die Ereignisse und Gestalten unserer Zeit und möchten Sie und ich diesen Ereignissen und Gestalten gegenüber unsere Verantwortlichkeiten wahrnehmen. Weil dieses Wort die Wahrheit ist, darum wollen und werden Sie im Sturm und Tumult des gegenwärtigen Krieges gute Briten und will und werde ich mit Gottes Hilfe ein guter Schweizer sein und bleiben. Mit der Wahrheit dieses Wortes steht und fällt alles, für das wir heute, wenn auch am verschiedenen Ort und in verschiedener Weise, gemeinsam eintreten. Ich glaube, daß es um der Wahrheit dieses Wortes willen trotz aller menschlichen Beschränktheit nicht umsonst sein wird, wenn ich mich Ihnen gegenüber offen ausspreche und wenn Sie mir die Liebe zuwenden, mich ebenso offen anzuhören. 181
Lassen Sie mich mit einer Feststellung beginnen, bei der ich mich mit den meisten von Ihnen jedenfalls in der Sache im Einverständnis zu befinden meine:
Wir Christen aller Länder befinden uns dem gegenwärtigen Krieg gegenüber im Unterschied zu dem, den wir vor einem Vierteljahrhundert erlebt haben, in der merkwürdig anderen Lage, daß wir ihn nicht nur als ein notwendiges Übel hinnehmen, sondern als einen rechten, von Gott nicht nur zugelassenen, sondern gebotenen Krieg bejahen müssen. Obwohl er doch nicht weniger schrecklich ist, obwohl er leicht noch schrecklicher werden kann als jener letzte Krieg! Obwohl wir die heilige Schrift seither nicht oberflächlicher, sondern gründlicher gelesen haben, obwohl wir über die christlichen Verantwortlichkeiten der Welt gegenüber seither ernstlicher nachgedacht zu haben meinen! Obwohl unsere Hoffnung auf Gottes kommendes Reich und seinen Frieden seither nicht schwächer, sondern stärker geworden ist! Wir können uns nicht gut sträuben dagegen, auf eine andere Frage heute eine andere Antwort geben zu müssen als damals. Wir verschließen uns nicht gegen die Möglichkeit, daß die bekannten Argumente des christlichen Pazifismus, die wir uns vor 25 Jahren entweder ernstlich zu eigen machten oder die uns doch damals ernstlich beunruhigt haben, in einer späteren neuen Lage und in einer neu|283en Form wieder zwingende Gewalt über uns bekommen könnten. Wir können aber wiederum nicht leugnen, daß sie heute und in der uns heute bekannten Form diese Gewalt nicht haben. Wir sehnen uns von ganzem Herzen nach einem Zustand, in welchem wir Menschen für einander sein und leben dürften, ohne in der furchtbaren Weise des Krieges zugleich gegeneinander sein und leben zu müssen. Und darum beklagen wir es aufrichtig, daß heute Krieg geführt werden muß. Wir haben aber keinen Grund zu sagen, daß er nicht geführt werden sollte, keinen Grund, denen in den Arm zu fallen, die für seine Führung verantwortlich sind, keinen Grund, uns der Mitwirkung an seiner Führung zu entziehen. Wir haben vielmehr ernsten Grund, zu bekennen, daß dieser Krieg geführt und zwar recht geführt, mit Entschlossenheit und Nachdruck geführt werden muß, ernsten Grund, dies auch mit unserem eigenen Einsatz und unserer eigenen Tat zu bekennen. Wir hoffen auf ein baldiges Ende auch dieses Krieges, aber nur auf ein solches 182 Ende, mit welchem das Ziel – das sehr beschränkte, aber notwendige Ziel dieses Krieges – erreicht sein wird: nicht auf einen Kompromiß also, sondern auf eine Entscheidung in der Frage, um derer willen es zu diesem Krieg gekommen ist.
Es ist nämlich nicht zu verkennen, daß es sich in diesem Krieg um eine Sache handelt, die es wert ist, mit allen Mitteln, auch mit dem des Krieges, verteidigt zu werden und die anders als eben mit Krieg nicht mehr zu verteidigen war. Über nationale, territoriale, wirtschaftliche und strategische Wünsche und Ansprüche würden sich die Regierungen und die Völker grundsätzlich immer auch auf anderen als militärischen Wegen auseinandersetzen und einigen können, und es hätten wohl die meisten der um solcher Dinge willen geführten Kriege früherer Zeiten – darunter wahrscheinlich auch der von 1914-1918 – faktisch nicht geführt zu werden brauchen. Es handelt sich aber – und das ist es, was die pazifistische Argumentation heute unwirksam macht – bei dem im September 1939 erklärten Krieg nicht um solche Dinge und auch nicht um einen vermeidbaren Krieg. Man hat viel Aufhebens gemacht von den verschiedenen Fehlern, die nach jenem letzten Krieg, die in den Friedensverträgen und in dem darauffolgenden Jahrzehnt von den damaligen Siegern begangen wurden und die diesen neuen Krieg möglich gemacht haben. Mehr als das: daß sie ihn möglich gemacht haben, kann man doch nicht behaupten. Sie haben |284 ihn nicht notwendig gemacht. Sie haben ihn nicht zwangsweise herbeigeführt. Sie waren nicht von der Art, daß sie nur durch das Schwert verbessert werden konnten. Man war freilich auf Seiten der Sieger von 1918 merkwürdig langsam auf dem Weg zu ihrer Verbesserung. Man darf aber nicht übersehen, daß sie in derselben Zeit hinsichtlich der Erhaltung ihrer 1918 gewonnen Machtposisition ebenso tatenarm waren. War nicht der Grundfehler jener Zeit der, daß die Regierungen und die Völker der Sieger von 1918 sich nach den Anstrengungen und Opfern des Krieges einem möglichst ruhigen Schlummer hingaben und deshalb ihren internationalen Verantwortungen nach keiner Seite ernsthaft nachkommen wollten? Das kann man ihnen aber auf keinen Fall vorwerfen, daß sie zum Zweck der Fortsetzung und Verewigung der vorher begangenen Fehler einem neuen Krieg entgegenstrebten. Dieser neue Krieg wurde vielmehr nach einem viele 183 Jahre dauernden Zögern und Ausweichen schließlich dazu erklärt, um einem Versuch zu wehren, der sich seinerseits als eine Wiedergutmachung der Fehler der vorangegangenen Zeit ausgab, der aber in Wirklichkeit eine Drohung bedeutete, die zehnmal schlimmer war und ist als alle jene Fehler miteinander. Diese Drohung war – ich darf den längst als Nebenfigur erwiesenen Mussolini hier übergehen – das Unternehmen Adolf Hitlers: heute dem mittleren, morgen dem ganzen Europa und übermorgen der ganzen Welt seine «neue Ordnung» aufzudrängen. Ihr Wesen sollte und soll in der Aufrichtung einer Oberherrschaft der deutschen Rasse, des deutschen Staates und praktisch: des deutschen «Führers» bestehen. Ihre Herbeiführung sollte und soll durch Deutschlands militärische Macht – ihrerseits getrieben durch die Wucht einer heidnischen Religion des Blutes, der Autorität und des Kriegertunis – erzwungen werden. Man hat diesem Unternehmen zunächst Duldsamkeit und immer wieder Duldsamkeit entgegengebracht und damit – in einer sehr unchristlichen Weise freilich! – für die vorher begangenen Fehler Buße tun wollen. Man hat – vielleicht aus Blindheit für die Natur wie für die Gewalt dieses Unternehmens, vielleicht in der Schwachheit des bösen Gewissens wegen jener Vergangenheit, vielleicht im Bewußtsein der vernachlässigten Pflicht, sich um des Friedens willen auf den Krieg zu rüsten – mit Adolf Hitler verhandelt, als ginge es um Dinge, über die man um des Friedens willen verhandeln kann und muß. Man hat ihn und seinen Vasallen im |285 Süden ungehindert stark und immer stärker werden lassen. Man hat Abessinien und das freie Spanien, man hat insbesondere Österreich und die Tschechoslowakei geopfert, obwohl man sich 1919 für ihre Existenz verantwortlich gemacht hatte. Um endlich, endlich dieses Unternehmen zu stoppen, hat man, als es im Herbst 1939 auch auf Polen übergriff, den Krieg erklärt und eröffnet. Es ist nicht wahr, daß es ein Unterdrückungskrieg des Westens gegen den Osten, oder der «alten» gegen die «jungen» Völker, oder der Besitzenden gegen die «Habenichtse», der Kapitalisten gegen die Sozialisten ist. Der imperialistisch-militaristische Teufel würde sich wirklich etwas anders benommen haben als die, die sich zu diesem Kriege so lange nicht entschlossen und dann doch endlich entschlossen haben! Es ging und geht vielmehr in diesem Kriege 184 um die sehr einfache, sehr nüchterne Frage: ob es recht oder unrecht sei, zur Beseitigung irgend einer Unvollkommenheit oder zur Herbeiführung irgend einer Vollkommenheit des europäischen Lebens, die Denkweise, die Sprache, die Maßstäbe und die Methoden einer Räuberhöhle66 oder vielmehr des Urwalds, die «Revolution des Nihilismus»67 zum regierenden Prinzip zu erheben oder als solches zuzulassen. Als man an einigen entscheidenden Stellen einzusehen begann, daß es Adolf Hitler gegenüber schlicht und einfach darum geht: um die Verteidigung des Rechtes als solchen gegen das prinzipielle Unrecht und also um eine Sache, über die man nicht verhandeln, für die man sich nur wehren kann, – da kam es zu dem gegenwärtigen Krieg.
Weil dem so ist, darum können wir Christen zu diesem Krieg weder Nein noch Ja und Nein, sondern nur Ja sagen, müssen wir unseren Protest gegen den Krieg als solchen aussetzen für einen künftigen Fall, in dem er wieder einen konkreten Sinn haben könnte, dürfen wir uns der Verantwortlichkeit dafür, daß er geführt und zwar mit Ernst geführt wird, nicht entschlagen. Ich sage ausdrücklich: wir Christen, d.h. wir, die wir im Großen und im Kleinen nach Gottes Wort und Willen fragen und nach ihm uns richten möchten. Wir wären gewiß keine Christen, wenn wir nicht damit rechnen wollten, daß es Gottes Wille sein könnte, uns und die ganze Welt mit einem Sieg Hitlers, mit |286 einem Gelingen seines bösen Unternehmens dafür zu strafen, daß wir für die Verteidigung des Rechtes so wenig getan haben. Wir wären aber gewiß auch keine Christen, wenn wir uns nicht gerade im Gedanken an diese Möglichkeit sagen würden, daß wir an dem Gelingen dessen, was Hitler will und vorhat, auf keinen Fall, weder aktiv noch passiv, mitschuldig werden dürfen. Wer heute für Hitlers Unternehmen oder nicht dagegen oder doch nicht mit allen Konsequenzen dagegen ist, der verdient es, nach dem Willen Gottes, durch die «Revolution des Nihilismus» zu empfangen, was er wert ist. So ist Frankreich, so ist zuerst das unglückliche Deutschland selber nach dem Willen Gottes dem Unternehmen Hitlers zum Raube geworden. Es ist aber nicht Gottes Wille, daß wir uns in dieser Weise schuldig und strafbar machen. Sondern es ist der klare Wille Gottes, daß wir die Natur und die Gewalt jenes Unternehmens erkennen, um ihm mit allen unsern 185 Kräften Widerstand entgegenzusetzen. Der klare Wille Gottes macht das Einstehen für diesen Krieg zu einer Sache des christlichen Gehorsams.
Kann man das so bestimmt sagen? Wir Christen müssen es darum in aller Bestimmtheit sagen, weil die Welt, in der wir leben, der Ort ist, wo Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, und die Zeit dieser Welt die Zeit der göttlichen Geduld bis zur Wiederkunft desselben Jesus Christus in seiner Herrlichkeit. Es ist die Welt, in der wir leben, in der ganzen Vorläufigkeit und Vergänglichkeit ihrer jetzigen Existenz: mit Inbegriff der Sünde, die wir begehen, und des Jammers, den wir uns durch die Sünde bereiten, mit Inbegriff der Todesschatten, die über ihr liegen, im Innersten und auch im Äußersten dadurch bestimmt, daß Gott den Namen Jesu Christi über alle Namen erhoben hat: daß in ihm sich beugen müssen alle Knie derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind.68 Weil das wahr ist, darum ist die Welt, in der wir leben, nicht irgend ein finsterer Raum, in welchem das Schicksal oder der Zufall regieren, in welchem alle möglichen «Mächte und Gewalten»69 sich ungescheut und grenzenlos ausleben und austoben dürften. Weil das wahr ist, darum ist die Welt nicht dem |287 Teufel und auch nicht den Menschen überlassen zur Veranstaltung einer großen «Insanity Fair»70 nach ihrem Geschmack und nach den Einfällen irgend welcher individueller oder kollektiver Koboldsgeister. Es gibt freilich, wie geschrieben steht und wie wir es heute wieder erleben, solche «Mächte und Gewalten», und wahrhaftig auch solche Koboldsgeister. Es steht aber wiederum geschrieben, und wir dürfen und sollen uns auch heute daran halten: daß das Reich Jesu Christi sich auch in der Gegenwart, in der uns das Reich der Herrlichkeit Gottes erst eine Hoffnung sein kann, nicht etwa nur über die Kirche als die Gemeinde der Christgläubigen, sondern ohne Rücksicht auf den Glauben oder Unglauben der Menschen über den ganzen Raum dieser Welt, über alle seine Höhen und Tiefen erstreckt und also auch den bösen Mächten, Gewalten und Koboldsgeistern dieser Welt in aller Realität überlegen gegenübersteht. Es ist wohl wahr, daß die ganze Schöpfung mit uns seufzt, weil sie als Stätte des Leidens und Todes Jesu Christi der Nichtigkeit unterworfen 186 ist (Röm. 8,19–23). Es ist aber auch wahr, daß dieselbe Schöpfung durch die Auferstehung Jesu Christi schon jetzt geheiligt ist für seine Wiederkunft, für das Neuwerden des Himmels und der Erde. Denn wie Jesus Christus nach der Lehre des ganzen Neuen Testamentes die Sünde schon hinweggetragen und den Tod schon getötet hat, so hat er nach Kol. 2,15 jene Mächte und Gewalten schon gänzlich entwaffnet und zu einem Schaustück seines eigenen Triumphes gemacht, um sie dereinst, wenn er wieder kommen wird (1.Kor. 15,25), endgültig unter seine Füße zu treten. Nur noch als Gespenster ohne reale Substanz und Kraft kön|288nen sie jetzt noch ihr Wesen unter uns treiben. Gerade wir Christen haben also keinerlei Recht, sie zu fürchten und zu respektieren, uns damit abzufinden, daß sie sich in der Welt breit machen, als ob sie keinen Herrn und keine Grenze hätten. Wir würden die Auferstehung Jesu Christi verachten und sein Regiment zur Rechten des Vaters verleugnen, wir könnten auch in der Kirche, in unserer Anbetung Gottes, in unserer Verkündigung und in unserem Hören seines Wortes, in unserem persönlichen Glauben, Lieben und Hoffen keine ruhige Stunde mehr haben, keinen Trost und keine Kraft mehr finden, wir müßten vor Gott und seinen Engeln und allen Kreaturen in Schanden dastehen, wenn wir die schon geschehene Heiligung der Welt, in der wir leben, vergessen, wenn wir nicht um Jesu Christi willen den Koboldsgeistern entschlossen und mutig gegenüber treten würden. Das Unternehmen Adolf Hitlers mit allem seinem Geräusch und Feuerwerk, in seiner ganzen Raffiniertheit und Dynamik, ist das Unternehmen eines Koboldsgeistes. Er ist wahrscheinlich dazu eine Weile in Freiheit gesetzt, um unseren Glauben an die Auferstehung Jesu Christi und vor allem auch den Gehorsam unseres Glaubens auf die Probe zu stellen.
Und nun ist es wiederum keine willkürliche Erfindung, daß einem Unternehmen wie diesem durch die politische Gewalt und also mit den Mitteln des Krieges entgegengetreten werden muß. Gerade nach christlicher Einsicht muß das geschehen, und gerade die Christen können dabei nicht passiv bleiben wollen. Es ist nämlich wieder nach dem Neuen Testament so, daß Gott nicht 187 nur für uns Christen zur Auferbauung im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung die Kirche, sondern für uns Christen, aber auch für die ganze übrige Welt zur Bezeugung des Reiches Christi auch die Ordnung der politischen Obrigkeit, des Staates, eingesetzt hat. Paulus hat die Funktion des Staates (Röm. 13,4 und 6) in feierlichster Weise einen Gottesdienst genannt. Er hat die Christen mit dem größten Nachdruck aufgefordert, sich in seine Ordnung zu fügen und für ihren Bestand zu beten ( 1.Tim. 2,1f.): «damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit». Der Staat, der der Kirche in dieser Weise gegenübersteht und an den auch die Christen in dieser Weise gebunden sind, ist nun freilich nach der Heiligen Schrift eine |289 überaus nüchterne Angelegenheit. Er kann und soll keine zweite Kirche sein, geschweige denn, daß er auch nur einen Anfang des Reiches Gottes (auf das ja auch die Kirche nur hoffen kann) darzustellen hätte. Man darf, wenn der Staat redet, kein Bekenntnis des christlichen Glaubens zu hören erwarten. Und man darf vom Handeln des Staates nicht erwarten, daß es ein Beweis und ein Vorbild der Bruderliebe sei. Wer beim Staat zu viel sucht, verfehlt das Wenige, das er da tatsächlich finden könnte. Der Bereich des Staates ist nämlich das Leben aller Menschen, sofern es auch in seiner unerlösten und immer gefährdeten Natürlichkeit, auch ohne den Glauben, die Liebe, die Hoffnung der Christen vom Reich Jesu Christi tatsächlich objektiv umschlossen ist. Hier ist der Staat das Zeichen jener Heiligung, die der Welt durch Jesu Christi Auferstehung widerfahren ist: das Zeichen der Geduld, in der Gott die Welt trägt, schützt und erhält, bis auf den Tag, da er alles neu machen wird. Hier ist der Staat die Erinnerung, daß die Willkür der Menschen, die Phantasie und der Tumult ihrer Selbsthilfe, die böse Lust, in der sie sich selbst ausleben möchten, nicht grenzenlos sind, daß die Dämonen tatsächlich einen Herrn haben. Denn das ist nach Röm. 13,1–7 und 1.Petr. 2,13–17 die Aufgabe des Staates: zwischen Recht und Unrecht im Leben aller Menschen Unterscheidungen zu vollziehen und Schranken aufzurichten. Diese Schranken hat der Staat zu bewachen und zu verteidigen: für alle, weil das Leben aller Menschen dieser Schranken bedarf, aber im Notfall auch gegen alle, die etwa hochmütig genug wären, diese Schranken umgehen 188 oder durchbrechen zu wollen. Das zu tun ist der Staat von Gott eingesetzt, und indem er das tut, ist er Gottes Diener: in seinem Bereich und in seiner Weise nicht weniger als die Kirche. Eben um das zu tun, ist dem Staat nun aber (Röm. 13,4) das Schwert gegeben. Es ist ein ernstes Gericht, daß es so ist, aber so ist es tatsächlich Gottes unverbrüchliche Ordnung: wo das Leben der Menschen nicht durch die Predigt des Evangeliums, nicht durch das Gebet, nicht durch Taufe und Abendmahl bestimmt wird, wo die Kirche aufhört, da beginnt der Bereich, in welchem Gottes väterliche Fürsorge, die auch da nicht fehlt, zuletzt durch die Drohung und zu allerletzt durch den Gebrauch des Schwertes aufrechterhalten und durchgesetzt wird. Wir haben kein Recht, uns gegen diese Ordnung aufzulehnen oder sie zu vernachlässigen. Wie könnte da, wo der Glaube, die Liebe und die Hoffnung das Leben der |290 Menschen noch nicht regieren, eine andere Ordnung als diese in Betracht kommen? Wir haben Gott dafür zu danken, daß er uns auch da nicht einfach der Unordnung ausgeliefert hat, sondern uns auch da nun eben diese Ordnung gegeben hat: eine harte, aber eine in diesem Bereich wirksame Ordnung. Auf alle Fälle: eine Ordnung, einen Damm: nicht gegen die Sünde, wohl aber gegen das Chaos, in das die Sünde uns stürzen könnte und müßte, wenn uns Gott nicht die Obrigkeit und wenn er der Obrigkeit nicht das Schwert gegeben hätte. Der Staat würde sich selbst und seine Aufgabe preisgeben, er würde den Gottesdienst, zu dem er bestimmt ist, unterlassen, er würde den Menschen die Wohltat, die Gott ihnen durch seinen Dienst zugedacht hat, rauben, wenn er es unterlassen würde, die Schranke zwischen Recht und Unrecht mit der Drohung und mit dem Gebrauch des Schwertes zu verteidigen. Wir Christen können nicht wünschen, daß er sich dieser Unterlassung schuldig mache. Wir Christen können nur darum beten und selber dafür einstehen, daß er unter allen Umständen und mit allen Konsequenzen im Sinne der Heiligen Schrift ein rechter Staat sei. Als die britische Regierung dem Deutschland Adolf Hitlers im Herbst 1939 den Krieg erklärte, da handelte sie nach christlichem Maßstab als die Regierung eines rechten Staates. Und ich denke, daß von dem gleichzeitig gefaßten Entschluß der Schweiz zum militärischen Schutz ihrer Neutralität71 (in der sie ihre geschichtliche Aufgabe hat) dasselbe zu sagen ist. Da dem 189 so ist, kann es für die Christen Ihres und meines Landes nur eine Entscheidung geben, und diese muß diese Entscheidung unseres christlichen Gehorsams sein: die Sache, um die es in diesem Krieg geht, ist unsere eigene Sache. Und es müssen die Anstrengungen, die Nöte, die Hoffnungen, die er von allen Menschen fordert, zuerst und am meisten unsere eigenen sein. Die Christen müßten über der Bibel ebenso wie über der Zeitung geschlafen haben, die sich an diesem Krieg nicht unmittelbar beteiligt wüßten.
Ich möchte Ihnen nun wohl einige Fragen stellen dürfen, die mir beim Anhören der aus Ihrem Lande zu mir gedrungenen Stimmen aufgestiegen sind. Mir ist ohne weiteres deutlich, daß wir im Ergebnis hin|291sichtlich der diesem Krieg gegenüber einzunehmenden christlichen Haltung faktisch und praktisch einig sind. Mir ist aber nicht ebenso deutlich, ob und inwiefern wir auch in den Begründungen, die uns zu diesem Ergebnis führen, beieinander sind. Es scheint mir aber für die Einheit zwischen uns Christen von heute wesentlich, daß wir nicht nur dasselbe wollen, sondern auch gemeinsam wissen, warum wir es wollen. Es könnte sonst allzu leicht so sein, daß wir uns auch in dem, was wir wollen, doch wieder trennen würden. Irre ich mich, wenn ich annehme, daß manche von Ihnen das, was ich Ihnen vorhin zur Begründung unserer gemeinsamen Entscheidung kurz angedeutet habe, mit einigem Befremden gelesen haben dürften? Nun, so geht es mir, wenn ich meinerseits manche britische Begründung dieser Sache lese. Eben dazu möchte ich einige Fragen vorbringen, die dann auch zu dem, was ich selbst eben auch zu sagen versucht habe, eine gewisse Erläuterung bieten mögen. Fassen Sie sie so auf, wie sei gemeint sind: als Ausdruck meines aufrichtigen Wunsches, mit Ihnen so ganz einig sein zu dürfen, wie es heute nötig ist.
Meine eigentliche und umfassende Frage betrifft gewissermaßen den ersten Ort, von dem wir Christen auch in unserer heutigen Entscheidung herkommen müssen, wenn sie eine christliche Entscheidung sein soll und wenn wir in ihr einig und fest 190 bleiben sollen. Es wird Ihnen aufgefallen sein, daß ich vorhin gegen Hitler und für die Notwendigkeit, «ihm zu widerstehen», in letzter Linie so einfach die Auferstehung Jesu Christi geltend gemacht habe. Und es fällt umgekehrt mir auf, daß in Ihren Äußerungen Begriffe wie «abendländische Zivilisation», «Freiheit des Individuums», «Forschungsfreiheit», «unendlicher Wert der menschlichen Persönlichkeit», «menschliche Bruderschaft», «soziale Gerechtigkeit» usw. so etwas wie die Rolle von ersten oder letzten Worten spielen.72 Meine Frage lautet: ob wir mit so verschiedenen Worten zur letzten Begründung unserer gemeinsamen Haltung doch dasselbe meinen und sagen wollen? Wie gerne möchte ich das annehmen. Ich brauche Ihnen nicht zu versi|292chern, daß alle jene Begriffe auch für mich ihre höchst positive Bedeutung haben; und wenn ich sie den für die Sprache des Dritten Reiches bezeichnenden Begriffen (etwa «Volk», «Rasse», «Soldatentum», «Lebensraum» usw.) gegenüberstelle, dann brauche ich keinen Augenblick zu zögern, welche von den beiden Reihen ich zu wählen habe: Ich stehe dann entschlossen auf Ihrer Seite. Und so möchte ich auch niemandem verwehren, jene Begriffe je und je mit Ernst und Gewicht in den Mund zu nehmen; ich tue es selber und ohne mich allzu ängstlich gegen die hier möglichen Mißverständnisse zu sichern. Ich habe aber Bedenken, zuzugeben, daß jene Begriffe nun wirklich den Ort bezeichnen, von dem aus wir Christen uns heute christlich entscheiden können. Mich beunruhigt nämlich die Tatsache, daß sie von lauter Prinzipien reden, die auch die eines frommen Inders oder Chinesen oder Atheisten sein könnten, daß sie bei aller Schönheit und Fruchtbarkeit, die ihnen zweifellos eigen sind, die eigentümlich christliche Wirklichkeit, auf die die Kirche begründet ist, noch gar nicht berühren. Sollten wir uns nicht noch weiter von Hitler entfernen, als es in jenen Begriffen geschieht, damit unser Gegensatz zu ihm wirklich der christliche sei? Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihnen vielleicht spitzfindig erscheine. Aber ich habe, wie einige von Ihnen wissen, die ersten Jahre des nun leider fast zum Stillstand gekommenen deutschen Kirchenkampfes mitgemacht und habe dort erfahren: Man kommt dem Koboldsgeist des neuen Deutschland damit nicht bei, daß man ihn auf dem Felde des Naturrechts73
zu widerlegen versucht, daß |293 man seiner bösen eine freundliche, seiner dionysischen eine apollinische An191thropologie und Soziologie gegenüberstellt. Die übergroße Mehrzahl derer (besonders auch unter den intellektuellen Emigranten), die gegen das Dritte Reich geredet und geschrieben haben, haben das nicht verstanden. Ich möchte aber, daß Sie, liebe christliche Brüder in Großbritannien, es verstehen würden: daß man Hitler gegenüber erst dann auf wirklich feste Füße zu stehen kommt, wenn man ihm eindeutig, im Namen der eigentümlich christlichen Wirklichkeit, eindeutig im Namen Jesu Christi gegenübertritt. Es gibt gewiß auch eine gute christliche Interpretation der Ideologie des 18. Jahrhunderts, und es ist mir selbstverständlich, daß Sie sie nur in dieser Interpretation so hochschätzen. Aber vergessen Sie nicht, daß man eben diese Ideologie auch heidnisch und dann auf einem kleinen Umweg sicher auch hitlerisch interpretieren kann, daß kluge Köpfe in Deutschland das längst getan haben, und daß man dann mindestens darüber streiten kann, wo sie genuiner und kräftiger interpretiert worden ist. Alle naturrechtlichen Argumente haben nun einmal einen Januskopf. Sie führen nicht ans Licht und zu klaren Entscheidungen, sondern in einen Nebel, in welchem zuletzt alle Katzen grau sind. Sie führen nach – München.74 Es liegt so viel daran, daß man Hitler gegenüber einen unzweideutigen Ausgangspunkt hat, von dem her man auf keinen Fall noch einmal nach München kommen wird. Dieser Ausgangspunkt kann aber nur die Konsequenz der Interpretation des ökumenischen Glaubensbekenntnisses sein, die wir im Jahr 1934 an der Synode von Barmen zu ziehen versucht haben75:
«Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
294Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.»
Ich habe mich in den darauffolgenden Jahren mehr als einmal darum bemüht, in England und Schottland Verständnis und Zustimmung zu diesen Sätzen zu finden.76 Man hat mich mit In192teresse angehört, hat mir aber damals bedeutet, daß man in Ihrem Lande nach solchen theologischen Besonderheiten kein eigentliches Bedürfnis habe. Und wie hätte erst die Weltkirchenkonferenz des Jahres 1937 auch nur von ferne daran denken sollen, sich mit der Bekennenden Kirche in Deutschland in diesen Sätzen solidarisch zu erklären?77 Was gäbe ich darum, wenn sich die Lage heute geändert hätte! Es geht ja wirklich nicht um jene Sätze als solche, wohl aber um die Frage: Jesus Christus oder Naturrecht? Komme ich noch immer zu früh, wenn ich Ihnen heute dringender als je zurufe: Christliche Entscheidungen, so schwer und hart und dauerhaft, wie sie in der heutigen Krise nötig sind, können nur im Namen Jesu Christi und nicht im Namen irgendwelcher menschlichen Ideale vollzogen werden!? Es geht um keine theologische Besonderheit, der gegenüber Sie sich auf die Eigenart der christlichen Tradition Ihres Landes berufen dürften: Es geht um die Luft, in der die Kirche allein leben und in der sie auch zu dem bedrängten Volk unserer Tage allein reden kann. Es geht um die Erhaltung oder Wiederentdeckung der Kraft, die der Dämonie Hitlers allein so gewachsen ist, um sie so gründlich zu schlagen, wie es nach unser aller Hoffnung geschehen muß. Wenn Sie können, so hören Sie mich jetzt in dieser Sache! Und wenn ich nun doch zu eindringlich geworden sein sollte – ich weiß, daß man es in Ihrem Lande nicht gerne sieht, wenn jemand zu eindringlich wird –, so verzeihen Sie mir! |295 Nein, für einen Streit um Worte haben wir jetzt in der Tat keine Zeit. Aber lassen Sie mich Ihnen einige für unsere Zeit wichtige praktische Folgerungen nennen, die sich aus jener Voraussetzung ergeben, in der ich mit Ihnen gerne ganz einig wäre.
Wenn der Grund, der uns heute zu unserer Entscheidung führt, wirklich Jesus Christus ist, dann wird sich dies darin zeigen, daß uns diese Entscheidung so verbindlich ist, daß wir keine Rückzugslinie haben, auf der wir uns der Verantwortlichkeit wieder entziehen könnten. Dann wissen wir ja: die politische Sphäre, in der wir diese Verantwortlichkeit übernommen haben, ist keine Fremde, der wir als Christen auch ebenso gut oder besser den Rücken wenden könnten, um sie ihren eigenen 193 Gesetzen und Schicksalen zu überlassen. Und Jesus Christus wohnt nicht in einem mystischen, kultischen, pietistischen, individual-moralischen oder theologischen Hinterland jenseits der politischen Sphäre, so daß das eigentliche Leben mit ihm dort anfangen würde, wo diese aufhört. Wir freuen uns, daß wir ihn in der Kirche erkennen, anbeten und verkündigen, daß wir, wiedergeboren durch die Taufe auf seinen Namen und genährt und gestärkt durch seinen Leib und sein Blut im Abendmahl, als Glieder an seinem Leibe leben und wachsen dürfen. Wir sind aber, weil sein Leib nicht auf die Mauern der Kirche beschränkt ist, weil auch die politische Sphäre ihm und weder dem Menschen noch dem Teufel gehört, eben als Glieder seiner Kirche zum Gottesdienst auch in dieser Sphäre unweigerlich verbunden. Ich frage mich, ob nicht jede naturrechtliche Begründung der Verantwortlichkeit notwendig zu einer Trennung zwischen der politischen und der christlichen Sphäre führen muß, ob sie imstande ist, der politischen Entscheidung jene Unwiderruflichkeit zu geben, deren sie in den schweren Anfechtungen dieses Krieges bedürftig ist.
Eine andere praktische Folgerung: wenn der Grund, der uns heute zu unserer Entscheidung führt, wirklich Jesus Christus ist, dann wird sich das zeigen in einer großen Nüchternheit dieser Entscheidung. Ich habe den rechten Staat, um dessen Behauptung gegen die Anarchie es in diesem Kriege geht, bereits eine überaus nüchterne Angelegenheit genannt. Das wird uns gerade dann einleuchten, wenn wir uns um Jesu Christi willen in den Dienst dieses Staates stellen. Es wird uns ja dann einleuchten, daß es nicht etwa unsere Sache sein kann, die Schlacht Gottes gegen seine Feinde zu schlagen, weil diese Schlacht am Kreuz |296 von Golgatha schon geschlagen und gewonnen ist. Und weiter: daß wir dabei nicht das Reich Gottes zu verteidigen oder auszubreiten haben, weil dieses ohne unser politisches oder sonstiges Zutun in Jesus Christus von selber kommen wird, wenn seine Stunde da ist. Wir werden also in diesem Krieg weder einen Kreuzzug noch einen Religionskrieg sehen. Wir werden uns die besonderen Leidenschaften und die falschen Erwartungen und Hoffnungen, die mit einem solchen Unternehmen verbunden zu sein pflegen, ersparen, wir werden alles Derartige ruhig dem modernen Mohammed und seinen verführten Scha194ren überlassen dürfen. Was ist dieser Krieg? Eine notwendig gewordene Polizeimaßnahme großen Stiles, eine Abwehr eines prinzipiell gewordenen aktiven Anarchismus. Es scheint mir auch theologisch bedeutsam, daß gerade die britischen Staatsmänner – ich erinnere an die charakteristische Broschüre von Harald Nicolson «Why Britain is at war»78 – ihn von Anfang an so beschlossen und geführt haben, und es scheint mir, daß auch die Christen gut tun würden, ihn so und nur so aufzufassen. Nur in diesem Sinn kann uns ja Krieg zu führen geboten sein. Alles andere wäre ein Übergriff in die Majestätsrechte Gottes, dessen wir uns als Christen am Letzten schuldig machen sollten. Alles andere könnte uns auch die große Ruhe nicht geben, die zu diesem schweren Werk nötig ist. Ich fürchte, daß man da, wo man sich auf das Naturrecht statt auf Jesus Christus stützen zu sollen meint, der politischen Schwärmerei, der Verwechslung zwischen dem kirchlichen und dem politischen Gottesdienst, zwischen dem Glauben an Gottes kommendes Reich und den anspruchslosen Werken dieses Glaubens nicht entgehen wird. Ich fürchte die Konfusionen und Enttäuschungen, die diese Verwechslung zur Folge haben müßte. Wir brauchen heute mehr als je ganz klare Köpfe.
Noch eine praktische Folgerung: Wenn der Grund, der uns heute in unsere Entscheidung führt, wirklich Jesus Christus ist, dann wird sich das darin zeigen, daß wir uns nach seiner Anweisung keine Sorgen für den nächsten Tag79 zu machen brauchen. Ich meine: wir sind dann |297 unabhängig von bestimmten Vorstellungen, Erwartungen und Verheißungen hinsichtlich des Friedens, der auf diesen Krieg folgen wird. Wir haben es dann nicht nötig, uns selbst und Andere heute damit zu beschäftigen, Pläne und Bilder zu entwerfen von den nach diesem Krieg einzuführenden Neuordnungen der wirtschaftlichen und sozialen, der nationalen und internationalen und schließlich auch der kirchlichen Verhältnisse. Wir werden dann unser Herz nicht an solche «Friedensziele» hängen. Warum sollten wir nicht gelegentlich von solchen «Friedenszielen» träumen dürfen? Wir werden uns aber bewußt bleiben, daß mehr als Träume in dieser Hinsicht nicht möglich sind. Wir werden uns hüten davor, unsere Willigkeit, heute unser Bestes zu tun, und die Anderer auf bestimmte Erwartungen und Versprechungen in dieser Hinsicht zu begründen. 195 Warum? Darum, weil wir, wenn wir im Dienste Jesu Christi stehen, wissen werden, daß die Anordnung dessen, was heilsam und notwendig sein wird, nachdem wir ihm heute gehorcht haben, seine Sache sein und daß er gewiß nicht verfehlen wird, uns dann aufs neue zum Dienst an neuen Aufgaben heranzuziehen. Es kann nicht die Sache guter Knechte sein, über das hinaus, was sie im Gehorsam heute tun sollen, beständig hinauszuschielen auf das, was ihnen ihr Herr, nachdem sie heute gehorsam gewesen sind, nach ihrer Meinung morgen anvertrauen und befehlen könnte und sollte. Haben sie nicht alle Hände voll zu tun mit dem, was heute von ihnen gefordert ist? Haben sie nicht vollen Trost darin, heute in seinem Dienst und also unter seiner Hut und gewiß auch unter seiner Verheißung zu stehen? Müssen sie denn durchaus wissen, was bei ihrem Tun herauskommen wird und was sie morgen tun werden? Ist es nicht eine besondere Gnade, daß sie das faktisch in keiner Weise wissen können? Die britische Regierung hat es bis jetzt – wie ich denke, in großer Weisheit – unterlassen, den Phantasien Hitlers über die Neuordnung Europas und der Welt Konkurrenz zu machen und ihrerseits irgendwelche «Friedensziele» bekannt zu geben.80 Es war vielleicht ebenfalls weise, daß sie, wie neulich gemeldet wurde, dem britischen Publikum in aller Form die Erlaubnis zur öffentlichen Dis|298kussion solcher «Kriegsziele» gegeben hat. Ich meine aber, daß gerade die britischen Christen sich der Haltung ihrer Regierung anschließen und von dieser Erlaubnis so wenig als möglich Gebrauch machen, daß sie die Reihen der umlaufenden Zukunftsphantasien doch ja nicht durch allerlei christliche Bilder dieser Art – etwa um das einer großen christlichen Weltkonferenz unter dem Präsidium des römischen Papstes – vermehren sollten. Haben wir die einfache Tatsache noch nicht bemerkt, daß wir die Zukunft wirklich auch nicht im Kleinsten, geschweige denn im Großen in unserer Hand haben? Daß das Einzige, was die Zukunft von uns fordert, dies ist, daß wir für sie bereit sind? Und daß die Bereitschaft für die Zukunft sich schlechterdings darin erschöpft, daß wir uns den Anforderungen der Gegenwart unterziehen und von dem Trost Gebrauch machen, der uns auch in der Gegenwart nicht versagt ist? Wollen wir nicht das feste Vertrauen fassen, daß dem recht geführten Krieg, dem zu seinem Ziel geführten Krieg, wie je196dem recht getanen Werk ein rechter Anfang neuen Werkes, des Werkes des Friedens zu seiner Stunde, bestimmt folgen wird, auch wenn wir dessen Art und Richtung heute noch nicht vor Augen haben? Kommen wir vom Naturrecht her statt von Jesus Christus, dann weiß ich freilich auch nicht, wie wir solchen Vertrauens fähig sein sollen. Wo das Naturrecht offen oder heimlich die den Menschen bestimmende Offenbarung ist, da kann es nicht fehlen, daß er auf der Flucht vor der Gegenwart in irgend einer selbst fabrizierten Eschatologie seine Zuflucht nehmen muß. Wer vor der Gegenwart nicht auf der Flucht ist, weil er von Jesus Christus in diese Gegenwart geführt ist, der braucht keine solche Zuflucht.
Und nun noch eine praktische Folgerung: Wenn wirklich Jesus Christus der Grund ist, der uns heute zu unserer Entscheidung führt, dann wird sich das zeigen in der Demut und in der Aufrichtigkeit des Glaubens, in dem wir diese Entscheidung vollziehen.
In der Demut: Es ist ja offenkundig nicht menschliches Verdienst, sondern das Werk der göttlichen Gnade und Geduld, daß es so etwas wie eine politische Ordnung (in aller Unvollkommenheit und Verbesserungsbedürftigkeit ihrer Gestalt) noch gibt in der Welt und daß wir die Ehre haben, bei ihrer Bewachung und Verteidigung mitwirken zu dürfen. Es könnte wohl sein, daß das Chaos sie längst verschlungen hätte. Mit welcher Gleichgültigkeit, mit welchem bloßen Zuschauer|299interesse, ja teilweise mit welcher geheimen Sympathie hat man in allen Ländern zugesehen, wie dieses Chaos in Deutschland selbst immer größer und mächtiger wurde und wie es dann über Deutschlands Grenzen hinauszutreten begann! Wie haben die Massen gejubelt und wie haben die Kirchenglocken zum Dankgottesdienst geläutet, als Mr. Chamberlain und Mr. Daladier von München zurückkehrten: als ob dort das größte Heil Ereignis geworden wäre! Wie hat man die wenigen Warner überhört und verdächtigt, die in jenen Jahren ihre Stimme erhoben haben! Welche Opfer mußten fallen, bis wir endlich erwachten, endlich für die göttliche Wohltat der politischen Ordnung dankbar zu werden begannen! Wir können das alles heute nicht vergessen. Wir sind wohl seither nicht ganz andere Menschen geworden und von uns aus nicht ganz sicher davor, daß wir uns 197 ähnlicher Nachlässigkeit unter anderen Umständen wieder schuldig machen könnten. Würde Gott seine Sache in dieser Welt nicht selbst bewachen und verteidigen, so würde das durch uns gewiß sehr schlecht geschehen. Wir haben Anlaß, ihm die Ehre zu geben, wenn er uns zum Dienst an seiner Sache nun dennoch aufgerufen hat und gebrauchen will. Wir werden daran besonders auch im Blick auf die armen Deutschen zu denken haben, gegen die heute gestritten werden muß und deren Mitschuldige wir doch lange genug gewesen sind. Sie unterlagen schwererer Versuchung und Verführung als wir. Wir stehen mit ihnen vor Gott, wenn wir ihnen heute in aller Bestimmtheit widerstehen müssen. Wir wehren uns gegen ihren oder gegen ihres Hitlers Hochmut. Wir werden dies doch nur dann wirksam tun können, wenn wir es in großer Demut tun.
Und in der Aufrichtigkeit: der Glaube ist dann aufrichtig, wenn er – von dem, was menschlicher Optimismus uns einflüstern möchte, möglichst frei – ganz auf Gott und die Siegesmacht seines Willens gerichtet ist. Es ist wohl recht und notwendig, zur Bewältigung der uns heute bedrängenden Aufgaben alle Kräfte zusammen zu raffen und in Tätigkeit zu setzen. Es lohnt sich aber nicht, sich dann auf sich selbst, auf seine Flugzeuge und Tanks, auf seine unerschöpflichen Hilfsquellen, auf seinen Witz und seine Moral zu verlassen. Es lohnt sich nicht, den Teufel zu leugnen, dessen Selbstvertrauen noch viel größer ist und der in allen diesen materiellen und geistigen Faktoren noch viel reicher sein könnte. Es lohnt sich nur Eines: nämlich sein |300 ganzes Vertrauen auf Gott allein zu setzen, um dann eben in diesem ausschließlichen Vertrauen Alles und Jedes zu tun, was in unseren Kräften steht. Es lohnt sich darum nur dieses Eine, weil wir nur dann den zu überwindenden Schwierigkeiten und Widerständen mit ganz offenen, nicht mit pessimistischen, aber mit ehrlichen Augen gegenüberstehen und ihnen dementsprechend begegnen werden. Wenn ich auf die 1 1/2 Jahre des Krieges zurückblicke, so drängt sich mir doch die Frage auf: ob man die Dinge nicht mehr als einmal mit den Augen eines schönen Selbstvertrauens angesehen hat, um dann die Erfahrung machen zu müssen, daß der Teufel immer noch ein bißchen schlauer, schneller und stärker war, als man sich vorgestellt hatte? Und ob es nicht praktischer wäre, die Aufrichtigkeit des Glaubens, die alles 198 Selbstvertrauen zur Ruhe bringt im Gottvertrauen, bei der Beurteilung der jeweiligen Lage das erste Wort sprechen zu lassen?
Wir brauchen in unserer Zeit zum Widerstand gegen Hitler durchaus diesen demütigen und aufrichtigen Glauben. Verzeihen Sie mir aber, liebe britische Freunde, wenn ich auch hier darauf hinweise, daß vom Naturrecht her, soweit ich sehe, kein Weg zu diesem Glauben führt. Nur der Glaube an Jesus Christus ist dieser demütige und aufrichtige Glaube.
Ich bitte Sie nochmals, alles Vorangehende als Fragen zu verstehen, auf die Sie mir nicht einmal antworten müssen, mit denen ich Ihnen nur zeigen wollte, an welchen Punkten ich des Einverständnisses mit Ihnen gerne noch gewisser wäre. Aber nun soll es auch des Fragens genug sein. Wenn ich nicht schließlich Doktor von drei britischen Universitäten81 wäre, so würde ich mir nicht einmal das formale Recht zusprechen können, im Geiste diese kleine Disputation mit Ihnen angefangen zu haben. Sie können übrigens darüber ganz beruhigt sein: ich habe mir sagen lassen und ich bin mit der Zeit selber zu der Überzeugung gekommen, daß das eigentliche Leben der britischen Kirchen und der britischen Christenheit nur zum Teil und zwar zu einem geringeren Teil in dem Gehalt und in der Genauigkeit ihrer |301 christlichen und theologischen Sprache sichtbar wird, auf die wir auf dem Kontinent so viel Gewicht legen. Ich denke insbesondere oft nach über die These, daß die Anglikanische Kirchengemeinschaft so gar nicht von ihrer Lehre, sondern nur von ihrem Gebet, und zwar genau genommen: nur von der persönlichen Teilnahme an ihrem täglichen Gebet aus verstanden sein wolle. Ich bin darum ohne weiteres bereit, damit zu rechnen, daß die tatsächliche Übereinstimmung zwischen Ihnen und mir viel größer sein könnte, als ich es, indem ich nach kontinentaler Weise so fragte, zum Ausdruck gebracht habe.
Lassen Sie mich nun mit zwei ganz andersartigen Bemerkungen zum Schluß kommen:
1. Sie müssen wissen, mit welch aufrichtiger Erbauung wir seit dem letzten August von der Haltung gehört haben, die die 199 Bevölkerung Londons und der anderen britischen Städte in der schrecklichen Belastung durch die deutschen Fliegerangriffe an den Tag gelegt hat. Die Nachrichten darüber haben nicht wenig dazu beigetragen, die Leute auch bei uns, die infolge der Ereignisse in Frankreich teilweise etwas bedenklich geworden waren, wieder mutig zu machen. Die Hunderttausende von wehrlosen Männern und Frauen ihres Volkes, die in dieser Zeit so harte Schläge entgegennehmen mußten und dabei immer wieder so viel Geduld, Humor und Standhaftigkeit, so viel Geschicklichkeit und gegenseitige Hilfsbereitschaft bewiesen, haben uns damit ein Beispiel gegeben, von dem wir hoffen, daß es gegebenen Falles auch bei uns Nachahmung finden würde. Wir sind ihnen dankbar, denn wir wissen, daß ihre Ausdauer indirekt auch uns zu Gute kommt. Ich zweifle nun aber nicht daran, daß die Tradition und die gegenwärtige Wirksamkeit des britischen Christentums an dieser außerordentlichen aktiven und passiven Leistung seinen besonderen Anteil hat. Denen von ihnen, die mich genauer kennen, will ich gerne ins Ohr flüstern, daß ich angesichts dieses Geschehens geneigt bin, viel «Pelagianismus», den ich meinen britischen Freunden gelegentlich vorzuhalten hatte, milder zu beurteilen.82
3022. Ich brauche Ihnen meine persönliche Überzeugung nicht zu verhehlen, daß der Erfolg im gegenwärtigen Krieg endlich und zuletzt auf Seiten Großbritanniens sein wird. Heute, da ich das schreibe, rennen die Deutschen gegen den Olymp und zugleich gegen die Pyramiden83, und wer kann wissen, ob sie nicht eines Tages auch noch gegen den Sinai rennen.84 So kann ich wirklich keine Vermutung äußern, wann, wo und wie Großbritannien siegen wird. Ich bin aber sicher, daß das geschehen wird, weil ich der britischen Zähigkeit schließlich mehr zutraue als der deutschen Energie und weil ich der besseren Sache, für die sich das britische Reich verantwortlich gemacht hat, schließlich doch auch mehr historische Kraft zuschreibe als der bösen und letztlich rein phantastischen Sache Adolf Hitlers. Sie verstehen: das ist menschlich geredet und der Mensch kann irren. Der Ort, den Sie und ich im Glauben diesem Krieg gegenüber einnehmen, ist von der Frage, wer in diesem Krieg siegen wird, unabhängig. Sie sollen aber wissen, daß ich menschlich redend und auf die Gefahr menschlichen Irrens hin mit Ihnen erwarte, daß Hitlers 200 Traum nach diesem Krieg ausgeträumt sein wird. Napoleon ist ja auch einmal nach Moskau gerannt.85 Dabei rechne ich gewiß ein, daß noch viele schlimme Überraschungen und Rückschläge bevorstehen können. Es macht mir Ihren Mr. Churchill sehr glaubwürdig, daß er sich nicht scheut, die Öffentlichkeit immer wieder darauf vorzubereiten.86 Vielleicht denken Sie Ihrerseits mit Sympathie daran, daß die Schweiz heute ebenfalls eine Insel und zwar nicht nur im Meer, sondern im |303 Bereich Hitlers und Mussolinis geworden ist und daß sich wenige Kilometer hinter Basel schon die deutsche Grenze befindet: ich rechne wirklich auch damit, daß auch unsere eigene Bedrohung noch ganz andere Formen annehmen könnte. Ich habe aber am Endergebnis der ganzen Sache nie gezweifelt, tue es auch heute nicht und werde es auch in Zukunft nicht tun.
Unser aller Bürgerrecht, unsere politeia, ist heute und unter allen Umständen im Himmel.87 Eben darum dürfen wir und wollen wir in der Frage der irdischen, politischen Ordnung, die uns heute so brennend gestellt ist, guten Mutes und fest entschlossen sein und bleiben.
Basel, im April 1941Karl Barth