An die Schweizer Öffentlichkeit
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An die Schweizer Öffentlichkeit
Nach dem deutschen Überfall auf die
Grundlegende Informationen über die deutschen Mordaktionen an den Juden waren bereits im Sommer und Herbst 1942 in die Schweiz gedrungen. Proteste gegen die staatliche Flüchtlingspolitik wurden laut, auch innerhalb des Schweizer Protestantismus.3
Einen Monat später stellte er Mitte Oktober Thesen zur Flüchtlingshilfe auf.6 Wie er sie in der Öffentlichkeit verwendet hat, ob als Leserbrief oder als eine Stellungnahme in einer innerkirchlichen Auseinandersetzung oder für das Hilfswerk, ließ sich nicht klären.7 Nach
Die Thesen tragen keine Überschrift und kein Datum; sie sind nur mit «Professor Dr.
Es gibt Gründe für und gegen die uns Schweizern heute nahegelegte Flüchtlingshilfe. Dafür spricht:
Der christliche Grund. «Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!»9 Die Flüchtlinge gehen uns an: nicht darum, weil sie gute, wertvolle, angenehme Menschen, sondern darum, weil sie heute in der ganzen Welt die Geringsten, die Elendesten sind und als solche an unsere Tür klopfen, deren unzertrennlicher Gefährte der Heiland ist. Sie gehen uns an: nicht obwohl sie Juden, sondern gerade weil sie Juden und als solche des Heilands leibliche Brüder sind. (Ich bemerke, daß dieser erste Grund der stärkste und wohl der allein unbedingt durchschlagende Grund für diese Sache ist.)10
357Der schweizerische Grund. Die Flüchtlinge tun uns (ob sie es wissen oder nicht) die Ehre an, in unserem Land einen letzten Hort des Rechtes und des Erbarmens zu sehen und aufzusuchen. Man wird später viel Großes und Schreckliches wieder vergessen, was in dieser Zeit geschehen ist. Man wird aber noch nach Jahrhunderten davon reden, ob die
Der menschliche Grund. Wir sehen an den Flüchtlingen, was uns bis jetzt wie durch ein Wunder erspart geblieben ist. Es ist wohl wahr, daß es heute auch uns nicht zum Besten geht. Es ist aber wiederum wahr: es geht uns immerhin noch so gut, daß wir diesen unglücklichen Mitmenschen als die Wohlversorgten, ja Reichen gegenüber stehen. Können wir das aushaken, ohnen ihnen nach besten Kräften helfen zu wollen?
Wäre es nicht beschämend, die Gründe, die gegen diese Hilfe sprechen, auch nur über die Lippen zu bringen?