Sprüche 16,2 «Das große ‹Aber›»
Aber! a sagt die Weisheit der Bibel. Wer es einmal gehört und verstanden hat, dem geht nichtsb über dieses umsichtige, bedeutungsvolle, inhaltsschwere, biblische Aber. Wir sind aber nie fertig damit, es zu hören und zu verstehen. Man kannc die Leser der Bibel einteilen in solche, die esd merken, und solche, die nichts davon merken. Nicht alle Gelehrten gehören zu den Merkenden, aber auch nicht alle Ungelehrten. Wir alle gehören manchmal zu den Merkenden, manchmal zu den Nichtmerkenden.Aber bedeutet, daß noch etwas übersehen und vergessen ist, daß noch etwas zu berücksichtigen ist, daß noch eine andere neue Möglichkeit vorhanden ist.Aber bedeutet, daß es mit unserem Denken und Reden, Sehen und Handeln um eine Ecke gehen muß. – Ein Schiff in voller Fahrt, fröhliche oder auch traurige |52 Reisendee, vielbeschäftigte Heizer und Matrosen an Bord, immer vorwärts, immer gradaus.Aber – da wirftf der Steuermann das Steuerg herum und hat ein Unglück verhütet, denn es lag eine Sandbank in der Fahrtlinie. Man kann eben nicht immer gradaus fahren. – Eine Schar von Wanderern auf staubiger Landstraße, seufzend unter der Hitze, klagend über die Länge des Weges.Aber – da hat sich einer gebückt und im Staub der Straße ein Goldstück gefunden. Es lohnt sich eben manchmal, nicht nur zu seufzen und zu klagen, sondernh die Augen offen zu halten. Es könntei auf einmal noch etwas anderes da sein. |
Aber das sind nur Bilder und 15 Gleichnisse. Das Andere, auf das uns dasAber derj Bibel hinweist, ist das ganz Andere4, das in unserem Leben auf uns wartet, das uns entgegenkommt, das auf einmal da sein könnte, um uns zu sagen, daß es immer da gewesen ist, immerk da sein wird. Vielleicht erschrecken wir dann, vielleicht freuen wir uns, es kommt nicht soviel darauf an. Wohl den Knechten, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet [vgl. Lk. 12,37], darauf kommt es an. Das Aber in der Bibel ist das große Aber, das die Ursache ist von den vielen kleinen und kleinstenl Aber, die es in unserem Leben und in der Welt gibt. Es ist der Grund inm allen Gründen, weshalb es bei uns Menschen so oft um die Ecke gehen muß, warum wirn immer ˹und immer˺ wieder lernen müssen, anderes zu sehen, anderes zu denken, anderes zu redeno. Es erinnert uns an das Größte, was übersehen und vergessen wird undp zu be|53rücksichtigen wäre, aber nicht nur das Größte, sondern eigentlich das Eine und Einzige. Denn nur, weil wir dieses Eine übersehen, übersehen wir so vieles. Und wenn dieses Eine berücksichtigt wird, ist alles berücksichtigt. Das Aber der Bibel erinnert uns an den Sinn Gottes, der vor und hinter und über und doch immer auch in dem Sinn und Unsinnq der Menschen ist. Das ist die in jedem Augenblick allerneueste, die in jedem Augenblick ganz andere Möglichkeit: Gott! Wollen wir uns davor entsetzen? Wollen wir darüber jubeln? Es ist beides möglich, manchmal auch beides miteinander. Viel wichtiger ist die Frage, ob wirr merken wollen. Die Bibel kann uns Auge und Ohr sein, um zu sehen, was ist in unserem Leben. Gott ist! sagen die biblischen Menschen. Und sie fragen uns: wer sieht? wer hört? wer glaubt unsere Predigt, und wem wird der Arm des Herrn offenbar? [Jes. 53,1]. Das ist ihr Aber.
Abers der Herr wäget die Geister, heißt es in unserem Text. Man kann es auch so sagen, das, was die ganze Bibel sagent will. Denn die Bibel sagt zwar nie das 16 Gleiche, aber sie sagt immer das Eine. Aber der Herr wäget die Geister. Das istu dasselbe, wie wenn es auf anderen Blättern der Bibel heißt: Aber der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der Herr spottet ihrer! [Ps. 2,4] … Aber meine Worte werden nicht vergehen [Mt. 24,35 par.] … Aber er ist um ihrerv Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen [Jes. 53,5] … Aber Christus ist auferstanden von den Toten und ein Erstling worden unter denen, die da schlafen [1. Kor. 15,20] … Das biblischeAber verkündigt uns das Dasein und die Taten Gottes. Wer ist Gott? Der, der immer wieder unvergleichlich, überraschend, unvorhergesehen vor uns steht als Herrw, als der, der da alles istx und hat, wo wir nichtsy sind und haben, und von dem wir gerade darum mit unserem Sein und Haben leben wie der Schatten vom Licht. Was tut Gott? Er wägt die |54 Geister. Die Geister sind die Menschengeister. Also wir sind auf seiner Waage, von ihm eingesehen, von ihm beurteilt, von ihm auf die Probe gestellt, wie viel oder wie wenig wir vor ihm wert sind. Das ist unsere Lebenslage, von Gott aus, vom Dasein und von den Taten Gottes aus betrachtet.
Wir werden gewogen, das ist zunächst die Hauptsache. Wir wägen und erwägen ja auch selber, wir urteilen über Gut und Böse, wahr und unwahrz, wir unterscheiden in unseren Erfahrungen, in den Zuständen und Ereignissen, die uns begegnen, in den Worten und Handlungen der Menschen und wohl auchaa in unseren eigenen zwischen Wert und Unwert. Gleichsam mit einer Waagschale in der Hand gehen wir mehr oder weniger aufmerksamab prüfend von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr durch unser Dasein. Aber – woher haben wir diese Waagschale? Woher wissen wir, was wir doch eigentlich nicht wissen können?ac Das ist das Neue: Mit unserer kleinen Waagschale in der Hand sind wir selbst in derad großen Waagschale. Wir unterscheiden nicht nur, sondern wir werden unterschieden. Wir urteilen nicht 17 nur, sondern wir werden beurteilt. Wir erkennen nicht nur, sondern wir sind erkannt. Ein Auge, das mich sieht, ein Ohr, das mich hört, ein Meister, der mich prüft, ein Richter, der über mich entscheidet, ein König, der mich wählt oder auch nicht wählt [vgl. Jes. 33,22] – das ist die letzte, tiefste Wahrheit meines Lebens und nicht ˹nur˺ mein eigenes Sehen, Hören, Prüfen, Entscheiden und Wählen. |
Wir Menschen sind imstande, sehr lange und sehr unbekümmert an dieser letzten Wahrheit vorüberzugehen. Darum sind wir so laut und lebhaft, besonders in unserem Klagen und Anklagen, aber auch in unserem Rühmen und Behauptenae. Wir übersehen, daß wir das, was wir selbst sagen, nie so ganz wirklich ernst nehmen dürften, auch wenn es uns noch so ernst ist. Ganz wichtig ist nicht das, was wir sagen, sondern das, was zu uns gesagt wird und gesagt ist. Darum sind wir im allgemeinen uneinig in unseren Erwägungen, widersprechen |55 uns gegenseitig in dem, was wir sagen, legenaf Wert darauf, uns zu widersprechen ˹und˺ bekommen Streit miteinanderag. Wüßten wir, daß wir alle gerichtet sind, so müßten und so könnten wir uns untereinander nur noch mit größter Zurückhaltung richten und zuletzt gar nicht mehr. Darum ist auch soviel Falsches in unserenah Urteilen und Entscheidungen. Wahr können unsere Meinungen nur dann sein, wenn sie hervorgehen aus dem, was Gott von uns meint. Wenn wir aber unsere Häuser so bauen, daß die Spitze des Daches den Boden bilden soll, müssen wir erleben, daß sie uns umfallen. Es braucht immer wieder eine kräftige, bedächtige Besinnung dazu, und vielleicht sind sehr bittere Erfahrungen nötig, um uns zu dieser Besinnung zu verhelfen, bis wir einigermaßen still werden und einsehen, daß wir gewogen sind, bevor wir gewogen haben, daß wir in einem großen Licht stehen, bevor wir unsere kleinen Lichter leuchten lassen können.
Der Herr wägt die Geister, heißt es. Wir Menschen 18 wägen brutto, wie man sagt. Was ist das Leben? Der Gang des Menschen durch die ihm zugemessene Zeit, sein Jungsein und Altwerden, die Glücksfälle und Unglücksfälle, die ihm zustoßen, sein Gesicht, das allmählich immer bestimmtere schärfere Züge bekommt, bis es in den Zügen des auf dem Totenbett Liegenden endgültig anschaulich geworden ist, was er gewesen ist; die angenehmen und unangenehmen Eindrücke, die er erweckt, sein Wort, aus dem wir gewohnheitsmäßig auf seine Gedanken schließen, seine Leistungen, aus denen wir meinen entnehmen zu können, was er kann und nicht kann, der Einfluß, der von ihm ausgeht, der Erfolg, den er hat oderai nicht hat. Im Blick auf das alles nennen wir einen Menschen oder vielleicht auch uns selbst einen glücklichen oder unglücklichen, einen guten oder bösen, einen bedeutenden oder unbedeutenden Menschen. Im Blick auf das alles achten oder verachten, lieben oder hassen wir. Was ist das Leben? Der Gang der Menschheit durch die Zeiten, die Geschichte der verschiedenen Epochen oder Kulturkreise, die Mannigfaltigkeit der Menschen, wie sie arbeiten, sich nähren und kleiden, sich bilden, in Krieg |56 und Frieden sich miteinander auseinandersetzen, ihre großen Männer, ihre Erfindungen und Entdeckungen, ihre gewonnenen und verlorenen Schlachten, ihre Kunstwerke, ihre Königreiche und Freistaaten, ihre Kunstaj und Wissenschaft, die unendliche Möglichkeit ihres Glaubens endlich, ihre Götter und Götzenak. Im Blick auf das alles reden wir von Weltgeschichte, von Fortschritt und Entwicklung, von herrlicher Vergangenheit, trüber Gegenwart und dunkler Zukunft. Aber der Herr wägetal die Geister. Ist denn das alles das Leben? Oder was ist denn das Leben in dem allem? Irren wir uns nicht, wenn wir so brutto wägen? |
Der Herr wägt das eigentliche Gewicht, den Inhalt. Dieser Inhalt stecktam in allerlei Hüllen, aber was sind die Hüllen ohne Inhaltan? Die Hüllen werden nicht mit19gewogen. Die Geister sind das eigentliche Gewicht. Die Geister sind der Inhalt. Die Geister, die Menschengeister sind das Leben, das im Guten wie im Bösen Treibende, Bewegende, Schöpferische in dem, was wir das Leben heißen. Die Geister sind die Früchte, von denen es heißt: an ihnen sollt ihr sie erkennen [Mt. 7,16 par.], die Früchte, die in die ewigen Scheunen Gottes gesammelt, oder auch das Unkraut, das mit ewigem Feuer verbrannt wird [Mt. 3,12 u. ö.]. Die Geister wohnen hinter allerlei Gesichtern, und durchaus nicht immer entspricht das Gesicht dem Geist, der dahinter wohnt. Die Geister reden in mancherlei Sprachen, und nicht immer spricht aus den größten Leistungen der größte, aus den kleinsten Leistungen der kleinste Geist. Nicht alles Böse, das geschieht, kommt aus einem bösen und nicht alles Gute, das geschieht, aus einem guten Geist. Die Geister wohnen auf den höchsten und auf den tiefsten Stufen der Menschheit, und daran, wo sie wohnen, sind sie nicht zu erkennen. Der5 Geist ist der Mensch selbst, aber nicht der Mensch, den wir kennen, sondern der Mensch, wie ihn nur Gott kennt. Der |57 Mensch, wie er durchschaut, aufgehoben, nackt vor Gott steht, offen oder verschlossen für Gott, ehrlich oder unaufrichtig, treu oder untreu, erwählt oder verworfen.ao Der Geist des Menschen ist in der Waagschale Gottes. Das ist das Neue: unsere Sünde kann uns nicht verderben, unsere Gerechtigkeit kann uns nicht erretten, der Geist ist’s, der ins Gericht kommt. Der Geist als Wurzelap des Menschen in der Ewigkeit, der Geist als sein offenes Fenster gegen Jerusalem [vgl. Dan. 6,11], der Geist als die Frage voller Antwort: wie kann ich einen gnädigen Gott kriegen?6, der Geist als das Seufzen [vgl. Röm. 8,26] voll Erhörung: es komme dein Reich [Mt. 6,10 par.]! Was bedeutet alles andere, was bedeutet der ganze Lebenslauf und alles, was du sagst und tust, was bedeutet der Fortschritt und Rückschritt in der Weltgeschichte neben diesem Einen? Wie steht’s mit diesem Einen? Daaq wird das Leben zur 20 brennenden Frage, da entscheidet es sich über Leben und Tod, da ist der Finger, der an die Wand schreibt: gezähltar, gewogen und – vielleicht – zu leicht erfunden [Dan. 5,25].
Und der Herr ist’s, der die Geister wägt. Gott ist der Geist aller Geister und darum ihr Richter. Gottes Wort ist das lebendige, kräftige, scharfe, zweischneidige Schwert [Hebr. 4,12], Gott ist die Wahrheit unseres Lebens, alles Lebens. Wir können nicht ehrfürchtig genug sein, nicht weit genug zurücktreten, nicht ˹tief˺ genug Abstand nehmen, um auch nur ein wenig zu ahnen, was das heißt, daß Gott die Geister wägt. |
Wir möchten ja wohlas, indem wir das Wort «Gott» aussprechen, immer wieder an irgend etwas Hohes, Großes und Schönes denken, |58 das wir selbst uns als Ziel, als Ideal aufgestellt haben. Aber dann würden wir im Grunde uns doch wieder selber wägenat, als unsere eigenen Richter selber uns freisprechen oder verurteilen. Gott aber wohnt in einem Lichte, da niemand zu kann [1.Tim. 6,16]. Auch das Höchste, was wir von ihm denken können, ist, an ihm selbst gemessen, immer noch Täuschung. Nur er selbst ist Gott. Nur er selbst kennt uns. Nur er selbst nimmt uns an oder verwirft uns. Er selbst, er allein. Wo der Mensch vor Gott steht, da ist ihm ein Halt! geboten, über das er nicht hinaus kannau, ein Halt, das sich nur mit dem Tode vergleichen läßt. Was noch von uns ist in unserem Leben, das ist noch nicht von Gott. Und was schon von Gott ist, das ist nicht mehr aus uns. Indem wir in die Waagschale Gottes gelegt werden, entsteht in unserem Leben eine Todeslinie7, eine Gerichtslinie, und was diesseits dieser Linie ist, das muß vergehen. |
Aber das Ende, an dem wir stehen, wo wir vor Gott stehen, ist auch ein Anfang, das Halt!, das uns geboten wird, ist auch ein Vorwärts! Die Todeslinie in unserem Dasein ist auch die Lebenslinie, die Gnadenlinie. Der scharfe Schnitt, der uns trennt von Gott, ist auch die Grenze, durch die wir an seinem unsichtbaren, unvergänglichen Wesen [vgl. 1.Tim. 1,17] teilhabenaw. Gerade die 21Frage nach Gott kann nicht abreißen, nicht aufhören, nicht erledigt werden, sie ist als Frage schon die Antwort. Das ist das Neue: wir stehen im Lichte des Kreuzes und der Auferstehung Jesu, von Gott gewogen, sterben wir sein Sterben und leben wir sein Leben. Kommen aus Gott nie herausax und sind doch von Gott nie losgelassen. Können nie fertig werden mit ihm und können es doch nicht lassen, immer neu mit ihm anzufangen. Fleisch und Blut kann das Reich Gottes nicht ererben – und dieses Vergängliche muß anziehen die Unvergänglichkeit und dieses Sterb|59liche die Unsterblichkeit [vgl. 1.Kor. 15,50-53]. Geschaffene Wesen sind wir, aber von Gott geschaffen. Staub und Asche vor ihm, aber nie ohne Erwartung der Erlösung, der Herrlichkeit. Wanderer zwischen zwei Welten8, gehend von hier nach dort, aber indem wir gehen, dem Dort näher als dem Hier. Denn der Herr, in dessen Hand wir sind, ist der Herr des Lebens, indem er der Herr des Todes ist.
Unday nun: Einen Jeglichen dünken seine Wege rein. Da sind wir wieder mitten in dem, was wir nur zu gut verstehen. Da leben wir alle in den Pflichten und Aufgaben, in den Sorgen und Freuden unseres großen oder kleinen Lebenskreises. Da leben wir und wägen selbst, jeder mit seinem besonderen Charakter, jeder mit seinem besonderen Schicksal, jeder mit seinem besonderen Licht oder auch mit seiner besonderenaz Finsternis, die ihm beschieden sind. Da leben wir und vergleichen uns unwillkürlich doch mit anderen, die es besser oder schlechter haben, besser oder schlechter machen als wir. Da lebt auch die Menschheit im Ganzen in der eigentümlichen Dämmerung der jetzigen Stunde, wo man nicht weiß: will es Tag werden oder erst recht Nacht [vgl. Jes. 21,11f.]: Die Völker, die Parteien, die Stände, alle mit ihren besonderen Notwendigkeiten und Wahrheiten, die vielen Einzelnen auch, die heute mit ihren Gedanken, mit ihren Bestrebungen, mit dem, was sie vertreten und ver22kündigen möchten, einsame Wege gehen. Und einen Jeglichen dünken seine Wege rein. Ein jeder hält dafür, daß er in seinem Seufzen und in seiner Freude, in seinem Wollen und in seinem Tun, in seiner Liebe und in seinem Haß gerechtfertigt sei und gerade den Weg gehen müsse, den er geht. Man kann miteinander streiten über das, was unsba dünkt. Man kann zueinander sagen: du meinst es nicht gut, oder du machst es jedenfalls nicht gut. Du hast nicht recht, hier zu weinen und dort zu lachen, so zu reden und so zu handeln. Sieh da, was mich dünkt, sieh da meinen Weg, wie rein er ist. Man kann auch die Lust verlieren, über das zu streiten, was andere gut und rein dünktbb. Aber was ist dann rein, |60 wenn vielleicht ein jeder seinen Weg für rein halten darf? Ist’s dann nicht fast dasselbe, wie wenn wir sagen würdenbc, daß unser aller Wege unrein sind? Seht, das ist unser Leben vor dem Aber! der Bibel. Vor dem Aber! ist im Menschenleben alles rein und nichts ist rein. Alles Ja und alles Nein. Wem es in diesem Zwielicht und Nebel von Übermut und Verzweiflung wohl ist, der hört an diesem Aber vorbei. Wer es in diesem Zwielicht nicht mehr aushält, der hört und merkt und versteht. Der stellt sich in das unzweideutige Licht, das von daher auf unser Leben fällt. |
Aber der Herr wägetbd die Geister. Sind sie rein oder unrein, unsere Wege, haben wir recht oder unrecht in unserem Tun und Lassen, Denken und Reden, wenn der Herr die Geister wägt? Nein müssen wir sagen, wir haben nicht recht. Wer könnte recht haben im Gerichte Gottes? Wer könnte ruhigbe und zuversichtlich bleiben, wenn er in die Waagschale Gottes kommt? Wer könnte vor ihm bestehen wollen? Nein, vor ihm können wir nur erschrecken, nur demütig werden, vor ihm hat aller Streit über das, was uns rein dünkt, endgültig ein Endebf, vor ihm wird alles zerschlagen und weich gemacht, was stehen und hart sein will. Und Ja müssen wir sagen, denn wer hatte nicht 23 recht, wer könnte nicht recht bekommen in der Gnade Gottes? Wer dürfte nicht sicher, ruhigbg und zuversichtlich werden, wenn er in Gottes Waagschale kommt? Wer sollte nicht bestehen in der Kraft der Vergebung? Sind wir nicht die Seinen, erkannt von ihm, berührt von ihm? Geht die Todeslinie, die die Lebenslinie ist, nicht mitten durch unser Lebenbh? Wie sollten unsere Wege nicht rein sein vorbi ihm?
Nein und Ja heißtbj es über uns, Nein und Ja ist die Wahrheit unseres Lebens. In Gott istbk kein Widerspruch. In Gott halten wir’s aus, denn in Gott istbl Bewegung, Lebendigkeit, Hoffnung. In Gott ist |61 lauter Ja und Nein nur um des Ja willen [vgl. 2.Kor. 1,19f.]. Menschen, die das Aber! gehört haben, wundern sich nicht mehr über das Nein und das Ja, sie wandern, sie arbeiten, sie beten vom einen zum anderen, sie tragen als die Gefangenen etwas in sich von der Freiheit der zukünftigen Welt. Erschrocken und gewiß im Geist, sind sie jetzt schon Gottes Zeugen und Wegbereiter. Niemand sage: ich kann es nicht hören. Jesus hat es gesprochen, auch in unser Leben hinein: Ich bin die Auferstehung und das Leben [Joh. 11,25]!9