Offenbarung 7,9–17 (Karfreitag)
1.
Unser Text fängt an mit den Worten: «Darnach sah ich!», und wenn wir ihn verstehen wollten, dann müßte jetzt ein einziges, einmütiges, großes Seufzen und Flehen in unseren Herzen sein: Herr, öffne uns die Augen, daß wir auch sehen! Der diese Worte geschrieben: Darnach sah ich!, war wie einer, der auf einer hohen Bergspitze, höher als alle Berge ringsum, über Nacht gewesen ist. Finster war es, nun aber bricht der Tag an. Geschlafen und geträumt hatte er, wie wenn er zu Hause in seiner engen Kammer wäre, nun aber ist er erwacht und schlägt die Augen auf und sieht. Ja, was sieht er? Die Berge und Täler, die Flüsse und Seen, die Wolken und die Wohnungen der Menschen, und das alles ganz anders als sonst: von oben aus der Ferne, wo das Kleine wirklich klein wird oder ganz verschwindet und nun das Große wirklich groß erscheint1, aber auch das Große nicht ganz groß, nicht als etwas Einziges, sondern neben vielen anderen |79 großen Dingen. Vieles sieht er miteinander, wo er sonst immer nur etwas sah, das, was ihm gerade vor Augen war. Und dieses Viele doch wieder in einem großen Zusammenhang, als ein untrennbares Ganzes. Und dann über diesem Ganzen erst noch die unendliche Weite des Himmels, von dem man zum Fenster hinaus immer nur ein Stücklein sehen kann, und am Himmel die goldene Sonne, die hier auf dem Berge keinen Schatten werfen kann, weil hier nichts höher ist als die Sonne, es wäre denn, der Mensch würde seinen eigenen Schatten anstarren. |
Wir feiern heute Karfreitag, das Gedächtnis des Todes Jesu Christi. Was ist dieser Tod anderes als der hohe Berg, auf dem wir Menschen tatsächlich stehen? Was bedeutet dieser Tod anderes als den Ort, wo der Mensch und seine Welt unter Schmerz und Weh, unter Furcht und Zittern und doch völlig frei und freudig aufhört, um Gott anfangen zu lassen? Was sagt uns dieser Tod anderes, als daß dieser Ort tatsächlich das Wesen und die Wahrheit des Menschen ist, das Leben in seinem Leben? Von hier aus bist du, was du bist. Von hier aus bist du gedemütigt und erhöht, gerichtet und begnadigt. Von hier aus sieht dich Gott und kennt dich und liebt dich, und von hier aus kannst du ihn wieder sehen, kennen und lieben. Ja, von hier aus kannst du sehen, Alles sehen: Gott, die Welt und dich selbst, sehen im Lichte des hellen Tages und im Lichte deiner eigenen Augen. Das ganze Christentum besteht im Sehen von hier aus. Daß wir nicht weiterschlafen, daß wir nicht länger unsere Augen verschließen, daß wir nicht unseren Schatten anstarren, das Einzige, was uns hier noch hindern könnte zu sehen, das ist das Christentum. «Darnach sah ich.» Darum, weil ich auf diesem hohen Berge bin und stehe in der Kraft des Todes Christi, darum kann und will und muß ich und werde ich sehen. Herr, öffne uns die Augen!
2.
Von einer großen Schar lesen wir, die vor dem Stuhl Gottes steht und vor dem Lamm, Jesus Christus, der die
Sünden der Welt getragen und hinweggetragen hat [
Und nun heißt es von dieser großen Schar, sie seien angetan mit weißen Kleidern und Palmen in den Händen. Das bedeutet offenbar, daß diese vor Gott stehenden Menschen rein sind, so daß sie würdig sind, vor Gott zu stehen, und bereit wie zu einem Feste, wie geschmückte Kinder. Auch das streitet offenbar mit dem, was wir gewöhnlich sehen. Oder wo sind denn die Menschen, die wirklich rein und würdig vor Gott stehen könnten, die wirklich festlich bereit wären, ihn zu loben und zu lieben? Wo ist der Mensch, bei dem da nicht ein großes Aber! zu machen wäre? Das wissen wir doch wohl alle, wie bittere Enttäuschungen man da erlebt, wenn man etwa einmal meint, einen solchen Menschen gefunden zu haben, und die bitterste dann, wenn man etwa gar meint, selber ein solcher Mensch im weißen Kleid und mit einer Palme in der Hand zu sein. Vom hohen Berg aus aber, heißt es hier, da werden solche Menschen gesehen. Es heißt nicht: an welchem Ort und zu welcher Zeit; es heißt nicht, welches ihre Namen sind, es heißt nicht: 2-das ist so einer und das nicht2; es heißt nicht, mit was sie das verdient haben, es heißt nicht einmal, daß sie etwa besser seien als andere. Es heißt nur: sie sind da, ohne daß sie damit einen Vorzug bekommen, ohne daß sie überhaupt mit Anderen verglichen werden. Es ist an den Menschen dieser großen Schar etwas, das ist für Gott offen und geöffnet, das gefällt ihm, das ist ihm recht, das paßt zu ihm, damit können sie vor Gott stehen. Ohne daß sie sich dessen etwa rühmen könnten, denn sie stehen ja nur dazu vor Gott, um ihn zu rühmen. |
Das sagt uns das Nächste: «Sie schrieen mit großer Stimme: Das Heil sei dem, der auf dem Thron sitzt, unserem Gott und dem Lamm!» Sie schrieen nicht ihren Schmerz, ihre Verzweiflung oder Not in die Welt hinaus, wie es unter uns etwa vorkommt. Sie schrieen aber auch nicht: O wie glücklich, wie selig sind wir doch!, wie es bei uns ebenfalls vorkommt, wenn die Schaukel etwa einmal auf die andere Seite schlägt. Sie schrieen: Das Heil, die Errettung, die Seligkeit ist in Gott. |82 Ganz einerlei, ob wir gerichtet sind oder begnadigt, zur Hölle verstoßen oder zum Himmel erhoben sind: Das Heil sei dem, der auf dem Thron sitzt! Er ist über Leben und Tod. Er muß triumphieren, ob wir heulen oder jubeln. Er muß auf alle Fälle Recht behalten. Er allein ist wichtig und groß! Ihm allein die Ehre! Was für Menschen, nicht wahr, die das schreien, hinausschreien mit großen Stimmen als das Wahrste, Tiefste, Beste [?], was sie wissen: daß in Gott ihr Heil und das Heil aller Menschen und das Heil der ganzen Welt ist, daß es von ihm allein kommen kann und bei ihm selbst immer wieder gesucht werden muß. Was sollen wir dazu sagen, wenn wir vom hohen Berg aus das sehen und hören? |
Und nun noch etwas. Es heißt: «Alle Engel standen um den Thron und um die Ältesten und um die vier Tiere und fielen [vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an].» Da wird uns gesagt, daß die große Schar der Anbetenden sich in einer großen Übereinstimmung befindet mit einem ganzen Chor von zum Teil gleichartigen, zum Teil höheren Wesen, von denen die Menschen umgeben sind. Den innersten Kreis dieses Chores zunächst dem Thron Gottes bilden die 24 Ältesten [vgl. Apk. 4,4.10]; ich möchte in ihnen die wahren Führer, Helden und Weisen der Menschheit sehen, nicht die, die man dafür hält, aber die, die es in Wirklichkeit sind, diejenigen, deren Wort und Werk zu den verschiedensten Zeiten an den verschiedensten Orten und in der verschiedensten Weise Lichter geworden sind, die den Übrigen leuchteten wie Leuchttürme. Diese Ältesten sieht Johannes auf ihr Angesicht fallen und anbeten. Sie können auch nicht anders. Das ist der wahre Sinn ihres Lebens. Den zweiten Kreis bilden die vier Tiere. Das sind offenbar die teils wilden, teils edlen Naturkräfte in der Menschheit, Triebe, Leidenschaften, Begabungen und Ideen. Wir sehen diese Kräfte fast immer nur in ihrer Gottlosigkeit; wie sie auseinanderstreben und gegeneinanderprallen, wie sie Verwirrung und Zerstörung anrichten und wie sie alle ihre Grenzen haben, über die sie nicht hinauskönnen. Hier sind sie gesammelt und geordnet. Auch sie wenden sich zu Gott hin, von dem sie herkommen. Auch sie können nur anbeten. Den äußersten Kreis bilden die Engel. Die Engel sind die unsichtbaren geistigen Kräfte und Mächte im Menschheitsleben, die guten und die bösen. Es gibt ihrer viel mehr, als der gewöhnliche Mensch denkt und merkt. Aber freilich, wenn wir Menschen anfan |83 gen, etwas davon zu merken, dann besteht die große Gefahr, daß wir das Hohe, Geistige, das in uns und um uns lebt, mit Gott selbst verwechseln und nicht weiter kommen als nun nur wieder zu einem hohen Götzendienst, denn auch die Engel gehören zu unserem Menschheitsleben. Sie sind in gewissem Sinn nicht mehr als unser eigen Spiegelbild. Hier nun ist Alles klar: Gott allein ist in der Mitte, und zu ihm hin sehen alle Wesen [aus] allen Zonen und Kreisen, aus den höchsten und aus den tiefsten. Und auch die höchsten Engel können vor ihm nur niederfallen und anbeten. So ist die Schar der anbetenden Menschen umgeben von einer weiten, hohen und tiefen Einmütigkeit und Gemeinschaft, die schließlich das ganze Leben umschließt.
3.
Nicht wahr, das ist nun alles sehr hoch und wunderbar und schwer zu verstehen. Und zwar darum, weil wir ja diese große Schar, von der das alles gelten soll, nirgends sehen können. Wir möchten auch fragen, wie es da heißt: «Wer sind diese, mit den weißen Kleidern angetan, und woher sind sie gekommen?» Wir können offenbar nicht sagen, daß wir hier in der Kirche diese Schar oder ein Teil von ihr seien. Und wir könnten über die ganze Erde gehen und durch alle Zeiten der Geschichte und würden nirgends eine Versammlung antreffen, von der wir sagen könnten: Da sind sie nun, die Anbeter Gottes im Geist und in der Wahrheit [vgl. Joh. 4,24]. Wir können aber eben auch keine Auslese machen und da und dort etwa auf einen Menschen zeigen: der oder die. Diese Auslese würde gar verschieden ausfallen, wenn sie unsere Sache wäre, und erst noch [?] müßten wir dabei sofort und in jedem Fall einsehen, daß eigentlich Keiner, gar Keiner, auf den wir etwa zeigen möchten, wirklich ganz zu dieser großen Schar paßt. Auch wir können offenbar auf diese Frage nur antworten: «Herr, du weißt es!» Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin [Ps. 46,11]!, heißt es hier. Die wirkliche Antwort muß sich Johannes geben lassen von einem der Ältesten, der weiter [?] ist als er selbst. Er kann sie auch nicht nur so vom Baum pflücken. Man kann das, was da zu sagen ist, eben wirklich nicht nur so sagen. Es muß da ein großer Schritt getan werden: der Schritt einer Erkenntnis, die uns immer wieder gegeben werden muß, ein Schritt in den Frieden Gottes hinein, der höher ist als alle Vernunft [Phil. 4,7], ein Schritt über uns selbst hinaus, so daß wir, indem wir ihn tun, etwas Anderes und Neues werden. Das Wissen |84 fängt hier an mit einem Nicht-Wissen, der Glaube mit einem Nicht- Glauben-Können, das Sehen mit einer Blindheit. Es ist ja der Berg des Todes Christi, von dem aus hier gesehen werden muß, und wir haben schon gehört: dieser Tod ist ein Anfang im Ende, ein Neuwerden im Vergehen, ein Leben im Sterben. Selig sind, die immer wieder nicht wissen, denn ihre Augen werden aufgetan werden.
4.
Denn nun hören wir weiter: Die große Schar derer, die anbetend vor Gott stehen, das sind die, «die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes». Wir können es ja jetzt aussprechen: Ja, diese große Schar in weißen Kleidern und mit Palmen in den Händen, das sind die Menschen, die Menschen ohne Unterschied und ohne Grenzen, auch wir inbegriffen, und wer nicht? So sehen wir aus, so stehen wir da, von Gott aus gesehen. Das ist das Wesen und die Wahrheit des Menschheitslebens in Gott, nicht das, was wir aneinander und an uns selbst und in der Welt sehen, weder das Gute noch das Böse, weder das Herrliche noch das Niederträchtige an uns. Darum ist die Schar der Anbeter so groß, weil Gott so groß ist, immer noch größer als alle Gottesverehrung und Gottesleugnung der Menschen, die wir sehen. Darum ist niemand ausgeschlossen und niemand eingeschlossen, weil Gott die Möglichkeit und die Frage [ist], die als Möglichkeit und als Frage für alle Welt3 und für alle Menschen immer aufs neue lebendig ist. Darum die Würdigkeit und Bereitschaft dieser Schar, weil Gott uns Menschen kennt, bevor wir ihn kennen, und besser, als wir ihn je kennen [werden], und weil bei Gott kein Ding unmöglich ist [vgl. Lk. 1,37], auch das nicht, daß er an uns kleinen, sterblichen, sündigen Menschen sein Wohlgefallen hat [vgl. Lk. 2,14]. Darum jener unbegreifliche Ruf und Schrei: Das Heil sei dem, der auf dem Stuhl sitzt!, weil wirklich der Grund und die Kraft und der Ursprung und das Ziel der Menschen in Gott ist und nicht in ihnen selbst und weil wir das, wenn ein Wunder an uns geschieht, wissen können. Darum die große Einstimmigkeit des höchsten und tiefsten Menschheitsle|85bens mit jener Anbetung der großen Schar, weil er lebt und regiert über allem Chaos dieses Lebens, weil alles Drängen, alles Ringen ewige Ruhe ist in Gott dem Herrn4. Also die Menschen von Gott aus gesehen, von Gott aus verstanden, das ist die große Schar. Also noch einmal, auch wir, auch du und ich. |
Aber! Ja, was aber? Aber, muß ich sagen, die Menschen sehen sie unter dem Aber! stehen. Die Menschen sehen, sie wissen, daß sie von Gott aus gesehen und verstanden: gewendet, zerbrochen, aufgehoben sind. Die Menschen sehen, sie wissen, daß der Mensch, den Gott ansieht und versteht, ein neuer Mensch ist. Also die Menschen sehen, sie wissen, daß sie in einen Tod gegeben sind. «Die gekommen sind aus der großen Trübsal», heißt es. Diese Trübsal kann ihnen widerfahren sein als Angst, als Entbehrung, als Schmerz, als Krankheit, als Demütigung, als Verlassenheit, als Sterben. Aber das alles tut’s nicht. Aus der großen Trübsal, heißt es. Man kann das alles erfahren haben und doch immer noch nichts wissen vom Aber!, nichts vom neuen Menschen, nichts vom Zerbrechen, nichts vom in den Tod Gegeben-Sein. Wir Menschen sind im Stande, das Schwerste, das Allerschwerste durchzumachen und doch immer noch weiterleben zu wollen. |
Und darum wird hinzugefügt: «die ihre Kleider gewaschen und hell gemacht haben im Blut des Lammes». Das ist die große Trübsal, die Trübsal in der Trübsal, durch die der Mensch hindurch muß. Das Blut Christi ist das Ende des Menschen. Als dieses Blut floß auf der Erde, da wurde es klar, daß Gott allein helfen, retten und regieren kann und will. Das Blut Christi muß dem Menschen alles das nehmen, an das er sich noch klammern will, um weiterzuleben, alles das, was ihn als Menschen noch stark und zuversichtlich macht: alle Zufriedenheit, alle Ruhe, alle Sicherheit, alles Vertrauen, auch alles Gottvertrauen. Das Blut Christi muß machen, daß der Mensch sterbe, damit Gott, Gott allein, Gott selbst für ihn lebe. Das kann in Not und Traurigkeit geschehen, aber vielleicht auch bei voller Kraft und Freude des Menschen. Die große Trübsal ist nicht dasselbe wie die kleinen Trübsale, und wenn sie noch so groß wären. Die große Trübsal besteht darin, |86 daß der Mensch Gott als Gott erkennen muß, daß er nicht mehr vor Gott fliehen kann, daß er, wenn es heißt: Gott oder Verzweiflung! nicht mehr ausweichen und noch ein Drittes, einen Mittelweg suchen kann, daß ihm wirklich außer Gott nichts mehr übrig bleibt. Seht, daß diese Notwendigkeit über uns komme, das heißt seine Kleider waschen im Blut des Lammes. Diese Notwendigkeit ist die enge Pforte [vgl. Mt. 7,13 par.], der hohe Berg des Karfreitags. Von hier aus sieht und versteht Gott uns Menschen. Von hier aus ist die Menschheit, sind wir alle, du und ich, als versöhnte Menschheit, als die große Schar, die vor Gott steht, zu sehen. Es ist Alles, Alles klar, taghell, sonnenhell, wenn dieser Blitz leuchtet über Alles und uns zeigt, wer Gott ist. Ist sie nicht schon da, diese Notwendigkeit, stehen wir nicht eigentlich alle unter der engen Pforte, auf dem hohen Berg des Karfreitags? Habe ich da irgend ein seltsames, hohes Erlebnis seltener Menschen beschrieben in dem, was ich sagte vom Sterben des Menschen, auf daß Gott lebe? Sind wir denn nicht alle von Gott bedrängt und haben eigentlich keinen Ausweg als den, uns ihm in die Arme zu werfen? Stand denn Christus nicht an unserer Stelle, als er am Karfreitag starb, um Gott zu leben? Sollte der Blitz der Erkenntnis nicht leuchten in unseren Augen und damit über unserem Leben, und sollten wir dann nicht freudig weiterfahren, wir alle, die Guten und die Bösen, die Frohen und die Traurigen, die Ernsten und die weniger Ernsten, wir alle, weil es für uns alle wahr ist: «Darum sind sie vor dem Stuhl Gottes …»
- Nr. 117 «O Lamm Gottes, unschuldig», Strophen 1-3, von N. Decius (Str. 1) und
«nach Dresden 1736» (Str. 2.3) (RG [1998] 437 mit Textabweichungen in Str. 2.3; EG
190.1 Str. 1.-.-)
- Nr. 6 «Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren» von J. Neander, Strophen
1.2.5 (RG [1998] 242,1.2.5; EG 316,1.2.5)
[Beilage5]
Darnach sah ich. Seufzen. Wie Einer auf Bergspitze: finster, geschlafen, sieht: von oben Vieles, Zus. hang, Himmel, goldene Sonne. Karfreitag. Tod ist d. hohe Berg, Ort, wo M[ensch] aufhört. Ort [ist] Wesen u. Wahrheit, Leben in s. Leben. Von hier aus sieht, kennt, liebt dich G[ott,] gedemütigt, gerichtet, bist! G. sehen, kennen, lieben. Sehen, Alles! Chr[isten]t[um]: Sehen. Darnach: darum weil in Kraft d. Todes Xi [Christi] hier stehen, kennen, wollen … sehen: Herr öffne …
Eine große Schar vor d. Thron u. d. Lamm. (Nicht gewohnt: vor
Gott. Schar: Götzen, Kirche[,] Wahrheit b. d. Wenigen!) Umkehrung: d. Wenigen getröstet,
gedemütigt in d. großen Schar, auch sie gedemütigt. Was für eine Schar?
die niemand zählen kann, unendl. Volk aus versch. Bestandteilen.
Haus voll M., offen, kein Unterschied: drinnen u. draußen. Nicht: alle M., etwas
Besonderes dazu gehören. Niemand: sowieso. Große Möglichkeit u. Frage, größer als das
wir wissen.
angetan mit weißen Kleidern, rein – würdig, bereit (o [= nicht]
gewöhnlich: wo sehen wir d. M.? nicht Aber? Enttäuschung: gefunden, selber!) von hier
aus solche M. gesehen: o Ort, Zeit, Namen, das, verdient, besser, verglichen. Sie sind
da. Etwas für Gott offen, gefällt ihm, paßt, vor ihm. Ohne sich rühmen – sie rühmen Gott
schrieen mit großer Stimme: Das Heil … o Schmerz, Wut … o: wie
selig … Das Heil in Gott[.] Einerlei ob wir gerichtet od. begnadigt: d. Heil sei dem …!
Er über Leben u. Tod, triumphieren, Recht behalten, wichtig u. groß, Ehre! Was für M.:
schrieen mit großer Stimme: in Gott d. Heil[,] von ihm kommen, bei ihm zu sehen
alle Engel um Thron, Älteste, Tiere: Schar d. Anbetenden in
Übereinstimmung mit unendl. Chor v. Wesen, die die M. umgeben. – Innerster Kreis die 24 Ältesten, die Führer. Anbeten, unter Gott, weisen auf G.
hin. Können o anders. Sinn ihr Geist [?]. Zweiter Kreis: Tiere[.]
Wilde u. edle Naturkräfte: Triebe, Begabungen (Gottlosigkeit, auseinander |88 gegeneinander, Verwirrung, Grenze) Gesammelt geordnet, geleitet.
Wend[en] sich zu Gott. Anbeten. Dritter Kreis: Engel: die
geistigen Gewalten, gute u. böse. Mehr als wir denken. (Gefahr d. Verwechslung des Hohen
mit d. Höchsten, d. Geistigen mit Gott. Hoher Götzendienst: Gehören z. M’heitsleben,
unser Spiegelbild) Hier klar: Gott in d. Mitte, zu ihm hin finden die Gewalten aus allen
Zonen. Können nur niederfallen. – Schar d. M. umgeben von Gemeinschaft
Sehr hoch. Wir sehen d. Schar nirgends. Wer sind diese … Was für ein Teil? Nirgend eine Versammlung: Anbeten! Auch keine Auslese: verschieden, keiner ganz paßt! Herr du weißt[.] Seid stille … Joh. muß sich Antwort geben lassen. Nicht v. Baum pflücken, nicht nur so sagen. Schritt: Erkenntnis gegeben, Friede G., über uns hinaus, ein Neuwerden. Vorwärts: Wissen, Glauben, Sehen. Vom Tode Xi aus. Anfang im Ende, Werden im Vergehen, Leben im Sterben
Das sind die M., ohne Unterschied, auch wir
inbegriffen. So sehen wir aus. Das ist d. Wesen u. d. Wahrheit, nicht … Weil Gott so
groß ist, darum Schar d. Anbeter. Weil G. die Möglichkeit u. d.
Frage, darum niemand aus-[,] eingeschlossen. Weil Gott uns
kennt u. bei ihm k. Ding unmöglich, darum Reinheit u. Würdigkeit. Weil Grund, Kraft … d. M. in Gott, darum d. unbegreifl. Ruf. Weil G. lebt u. regiert, u. alles Drängen … darum Einstimmigkeit. Also die
M. von Gott aus. Also auch wir
Aber! Die M. sehen sie unter d. Aber! stehen! wissen: gewendet,
zerbrochen, aufgehoben! wissen: in den Tod gegeben! wissen: neuer Mensch!
die gekommen sind aus der großen Bedrängnis. Widerfahren als
Angst, Schmerz, Demütigung, Sterben[.] Das Alles tuts nicht. Große Bedrängnis. Alles erfahren, nichts wissen: Wende, Tod, neuer M. Das
Schwerste durchmachen und – weiterleben
die ihre Kleider gewaschen haben. Die große Trübsal, aus der d.
Mensch kommt, der G. sucht. Das Blut Xi d. Ende des M. Gott
allein kann u. will helfen. Blut Xi muß d. M. Alles nehmen, an das er sich klammert.
Blut Xi muß machen daß d. M. stirbt. Viell. in Freude. Nicht dasselbe wie die kl.
Trübsale. Große Trübsal: G. als G. erkennen, nicht mehr fliehen, ausweichen, nichts
übrig. Diese Notwendig|89keit: s. Kleider waschen. Wer davon herkommt [?] der steht vor Gott. Die enge
Pforte d. Karfreitags. Von hier aus sieht G. den M., versöhnte M’heit, große Schar.
Alles klar, wenn dieser Blitz leuchtet u. uns zeigt wer G. ist. Notwendigkeit da? Stehen unter enger Pforte? Seltsames Erlebnis? Sind wir nicht
von G. bedrängt? Stand nicht X [=Christus] an unsrer Stelle: starb, damit G. lebe?
Sollte Blitz o leuchten, freudig weiterfahren, wir Alle, weil sie uns Alle rufen: Darum
sind sie …