1. Johannes 2,12 (Konfirmation)
1.
Entlassen aus d. Unterweisung in d. Annahme, ihr habts gehört u. verstanden. Admittiert in d. Annahme, ihr wißt was ihr tut, wenn ihr z. Abendmahl geht. Von heute an als Christen betrachtet in d. Annahme, ihr wollt nun selbst zu dem stehen, was in der Taufe über euch verfügt worden ist. Aber stimmts [,] wenn wir das annehmen? Ists nicht Allen: was? ich? Weiß ich nun etwas von Gott? Habe ich einen rechten Glauben? Ein gutes Gewissen? Ernste Vorsätze? Ja, aber über dem Ja ein großes Fragezeichen. Was wir wissen ist: wir sind M[enschen] mit allerlei Schwachheiten u. Fehlern. Viell. hat uns das gerade die Unterweisung gezeigt. Sofern [?] wir auch das nun wissen, so wärs besser, nicht so große Dinge von uns anzunehmen.
2.
Liebe Kindlein, ich schreibe euch! Die [,] denen er schrieb, waren Erwachsene u. sogar von den ersten Christen. Er muß auch etwas von ihnen annehmen: daß sie das verstehen u. annehmen u. betätigen werden, was er ihnen schreibt. Er wußte auch, daß sie Menschen waren. Darum nennt er sie: Kindlein! Ich nenne euch heute auch noch Kinder. Er tat es aber trotzdem. Und so nehmen wir heute trotz Allem an: Ihr habt etwas gehört, ihr dürft u. wollt mit uns vor G[ott] stehen, ihr seid Christen. Aber wieso? Denn die Sünden sind euch vergeben durch s. Namen. Noch einmal das Wort Vergebung zus. buchstabieren.
3.
Wißt ihr noch: Vergebung? Wenn G. den M. ansieht. Dann ist ihm vergeben, etwas
erlassen, weggetan. Was? Das[,] was die M. an dir
|91 sehen, das Gute u. das Böse. Das sind alles Sünden! Was du selbst an dir
siehst, das Irdische u. d. Himmlische. Das Alles Sünden! Was du in G. suchst. Das sind auch Sünden! – Wenn G. den M. sieht, dann bleibt nur das [,] was G. [,] nur G. sehen
kann an uns, Alles Andere wird durchsichtig. Bedenken, Hindernisse, Nein [?] – ja aber
du! Wissen, gutes Gewissen, Sicherheit – ja aber
du! Es ist noch ein ganz andres Ich u. Du im M. – Und das bist
du! Du bist das vor Gott, von ihm her, zu ihm hin. Gott zu dir: du bist mein
[
4.
Was bedeutet das? Niemand kann sich ganz zu Boden schlagen lassen: Mir ist vergeben, Gott ist für mich. Niemand im Bösen beharren: Das bin nicht ich. Gott ist mein Ich. Niemand ganz zufrieden: Gott ist immer noch der Andere. Niemand ganz sicher – Was weißt du von dir und den Anderen? Alles wird erschüttert. Immer die Fragen[?]! Immer unterwegs. Nur Gott bleibt [vgl. Ps. 102,27f.]! Weil mir vergeben ist!
5.
Darum nehmen wir heute von euch an, was man eigentlich nicht annehmen kann, auch von uns nicht. Gott bleibt euch, nur Gott, aber Gott sicher. Wirklich? Ja, «durch s. Namen»[.] Der Name Jesus. Sein Tod. Von dort aus sieht uns G. an. Dort wird das andere Ich, der neue M. geboren. Von dort aus gibts Vergebung. Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin[,] u. s. Gnade ist nicht vergeblich an mir gewesen [1. Kor. 15,10]. Ich lebe, aber nun nicht ich, sondern X [=Christus] lebt in mir [Gal. 2,20].
- Nr. 43 «Morgenglanz der Ewigkeit» von Chr. Knorr von Rosenroth, Strophen 1-3 (RG
[1998] 572; EG 450)
- Nr. 12 «Womit soll ich dich wohl loben» von L. A. Gotter, Strophen 1.2.6 (RG
[1998] 727,1.2.5 mit Textabweichungen)
- Nr. 237 «Wie schön leucht’t uns der Morgenstern» von Ph. Nicolai, Strophen 6.7 (RG
[1998]653,6.7; EG 70,6.7; jeweils mit Textabweichungen)