10. April 1921

Psalm 104,2[a]

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Psalm 104,2[a]
Licht ist dein Kleid, das du anhast!

1.

In dem gleichen Psalm wie unser Textwort heißt es an einer späteren Stelle: Du machst Finsternis …; da regen sich alle wilden Tiere [V. 20] … Wenn aber die Sonne aufgehet… So gehet1 dann der Mensch aus [V. 22f.]. Das ist ein tiefsinniger Hinweis darauf, daß der Mensch im Unterschied von den wilden Tieren, im Unterschied also von all dem Grausigen, Wüsten, Wilden, das freilich auch in der Welt ist, das ihn auch umgibt und sogar erfüllt, mit dem er fortwährend auch rechnen muß, dem Lichte zugewendet ist und angehört, daß sein Leben von Haus [aus] ein Leben im Licht ist und nicht in der Finsternis. Menschenleben im eigentlichen Sinn ist das wache Leben des Tages, während die Nacht, die Dunkelheit, der Schlaf, denen wir immer wieder ausgeliefert sind, uns schon äußerlich an das erinnert, was nicht unser Leben ist, an den Tod. Das Reich der Finsternis ist das Reich des wilden Tieres. In der Finsternis hört der Mensch in gewissem Sinn auf, Mensch zu sein. Es hat darum seinen guten Grund, wenn die Menschen fast zu allen Zeiten und in allen Ländern das Licht als ein gottähnliches Wesen betrachtet haben. Es gibt ganze große Religionslehren und Philosophien, in denen das Licht, das Licht der Sonne vor allem und die Sonne als seine Quelle direkt Gott genannt wird, in denen das ganze Menschenleben, ja das ganze Weltall aufgefaßt wird als ein großer Kampf des Lichtes gegen die Finsternis.2 Darum war das größte Fest unserer heidnischen Vorfahren das Fest der Wintersonnenwende im Dezember, wo der Tag wieder anfängt länger zu werden3, darum pflegten sie die Sonnen-­ und Mondfinsternisse mit einem |104 ungeheuren Geschrei und Lärm auf allerlei Instrumenten zu begleiten, um dem Licht zu helfen, die Finsternis zu vertreiben4, darum gingen sie an einem bestimmten Tag im Frühling, wenn die Sonne gesiegt hat, frühmorgens auf einen Berg oder Hügel, um dort das aufgehende Gestirn des Tages feierlich zu begrüßen5. Noch ein so freidenkender Mann wie Goethe hat einmal gesagt, daß es ihm durchaus natürlich wäre, die Sonne anzubeten.6 |

Das Licht ist aber für uns Menschen ein Geheimnis, das mit den tiefsten Rätseln der Welt und unserer eigenen Existenz, mit unseren größten Nöten und Hoffnungen irgendwie aufs innigste verbunden ist. Die neueste Naturwissenschaft ist dieser Auffassung eher wieder näher gekommen. Wenn die Entdeckungen, die ein junger Gelehrter namens Einstein in den letzten Jahren gemacht hat7, sich auch nur einigermaßen bewähren, dann müßte man das Licht als eine Tatsache denken, die eigentlich gar nicht mehr als Tatsache, sondern vielmehr als Erkenntnis, als Geist, als Wahrheit zu begreifen ist, die irgendwie |105 den Übergang zu bilden scheint zu einer anderen Welt jenseits des Raumes und der Zeit, in denen wir leben und denken.

2.

Damit ist nun freilich nicht gesagt, daß dieses merkwürdige Andere, Höhere, Gottähnliche des Lichtes, dem wir Menschen als Menschen von Haus aus gleichsam zugekehrt sind, in dem uns irgendwie die Quelle, das Geheimnis, das Wesen, die Wahrheit unseres Lebens zu begegnen scheint, daß das nun etwa Gott sei. Es ist gut, daß die Gelehrten und Forscher heutzutage nicht mehr so schnell von Gott reden, sondern ruhig und vorsichtig weiterforschen und weiterdenken, auch wenn sie auf die größten Geheimnisse stoßen. Die Bibel sagt auch nicht: Das Licht ist Gott!, sondern: Licht ist dein Kleid, das du anhast! Sie sagt auch nicht, was heutzutage viele Unvorsichtige viel zu schnell sagen: Das Leben ist Gott, nämlich das in uns Menschen und in der ganzen Welt quellende, anhebende, ursprüngliche Leben. Sie sagt auch nicht, wie man früher oft sagen hörte: Die Natur ist Gott! Sie sagt auch nicht: Der Geist, der denkende und wollende Geist des Menschen, wie er sich allmählich aus der Natur heraus entwickelt hat und weiter entwickelt, ist Gott. Sie macht überall einen weisen Abstand zwischen den Geheimnissen, zwischen den gottähnlichen Wesenheiten, auf die wir da in der Tat überall stoßen, und Gott selbst; sie weist uns überall darauf hin, daß der Weg, der uns zu Gott führt und Gott zu uns, hinter all diesen Geheimnissen und Wesenheiten auf einmal scharf ums Eck geht. Darum heißt es auch hier: Licht ist dein Kleid, das du anhast!, und nicht mehr als das. Aber das heißt es! Laßt uns einmal darüber nachdenken!

3.

Also, wenn die Nacht vorbei und wieder einmal ein lieber neuer Tag angebrochen ist mit seinem Licht, dann dürfen wir an das Kleid Gottes denken, das mit diesem kommenden Licht gleichsam an uns vorüberstreift, wie um uns zu mahnen, zu erinnern an den, der der Träger dieses wunderbaren Kleides ist. Und wenn der helle Mittag da ist und die Sonne scheint und sagt uns ganz laut, daß wir wirklich leben, als Menschen leben, dann soll uns das Meer von Licht, in das sie uns eintaucht, vorkommen wie der weite Mantel eines Leibes, unter dem wir [wie] die Kindlein ganz geborgen sind. Und wenn es Nacht ist und der Lichtstrahl eines einzigen Sternes kommt in unser Zimmer |106 und wir denken vielleicht daran, wie unendlich fern dieser Stern ist und daß dieser Lichtstrahl bei einer Geschwindigkeit, die größer ist als alle Geschwindigkeiten, die wir kennen, vielleicht tausend und tausende von Jahren gebraucht hat, um eben in diesem Augenblick zu uns zu kommen, dann können wir daran denken, daß der, der das Kleid des Lichtes trägt, nicht schläft noch schlummert [Ps. 121,4] und daß es vor ihm und für ihn keine Nacht, keine Finsternis gibt [Ps. 139,12], auch wenn wir von seinem Kleid nichts oder fast gar nichts sehen. Und wenn wir Menschen unsere eigenen Lichter anzünden in der Dunkelheit, Licht machen, wie wir sagen, und dabei doch nichts Anderes tun als schöpfen aus der großen, unerschöpflichen Quelle des Lichts, ohne die all unsere Kunst nichts wäre, dann wollen wir daran denken, wie merkwürdig das ist, daß wir dieses Verlangen und diese Möglichkeit haben, von uns aus das Kleid Gottes anzurühren, wie das ja überhaupt an diesem Geheimnis des Lichtes etwas vom Geheimnisvollsten ist, daß wir Menschen so mit unseren Augen daran teilnehmen können, daß in unseren Augen etwas ist, das der Sonne und den Sternen entspricht8, etwas, das ihr Licht sieht, sich ihm entgegenwendet, sich nach ihm sehnt, und wenn wir Blinde wären, die dieses Licht nie selbst gesehen haben. Das alles ist eigentlich eine große Aufforderung an uns Menschen. Gott ist uns nicht fern, wenn uns sein Kleid, das Licht, beständig so nahe ist. Wir können als die da beständig von seinem Kleid gestreift, ja umgeben sind, die fortwährend selber dieses Kleid brauchen, nicht so träge sein, nicht so kleinlich, nicht so traurig, nicht so ganz gottlos, wie wir oft sind. Wir müßten auch in der tiefsten Finsternis greifen nach dem Licht, im Gedanken an den, dessen Kleid das Licht ist, wie jene kranke Frau nach dem Kleide des Heilands, wenn es schon [?] nur sein Kleid war, gegriffen hat, um gesund zu werden [Mk. 5,25­-34 par.]. Glaubet an das Licht, dieweil ihr es habt – auf daß ihr seid, was ihr seid: Kinder des Lichtes [Joh. 12,36]!

107

4.

Wir wollen noch etwas weiterdenken: Es gibt nicht nur ein äußeres Licht, das unseren Augen leuchtet, sondern auch ein inneres Licht, das in den Köpfen, in den Herzen, in den Seelen, in den Geistern, oder wie man immer will, den Menschen leuchtet. Wahrscheinlich sind das äußere und das innere Licht gar nicht zweierlei Licht, sondern nur verschiedene Strahlen von einem Licht. Wenn es wahr ist, was die Menschen immer geahnt und gefühlt haben, daß das Menschliche als solches das für das Licht bestimmte Leben ist, dann muß alles das, was geeignet ist, dieses Leben wirklich zum Menschenleben zu machen, alles Wahre, Gute, Schöne und Liebe Licht sein, unsichtbare oder vielmehr nur mit dem inneren Auge sichtbare Sonnenstrahlen und vielleicht auch Sternstrahlen gleichsam. Wenn wir nach irgend einer langen Täuschung oder Verwirrung zu uns selbst kommen und ein bißchen weitersehen, dann sagen wir mit Recht: es geht mir ein Licht auf! Und wenn es unter uns Menschen da und dort einmal im Großen ein wenig vorwärtsgeht mit der Einsicht, mit dem guten Willen, mit dem Glauben, dann sagen wir: es tagt!, und es ist wahr: da tagt es. Es gibt einen Tag der Wahrheit für uns Menschen, auf den warten wir alle, und diesem Tag geht seine Dämmerung voraus, und von dieser Dämmerung ist manchmal da und dort etwas zu merken, und da kann man dann mit Recht sagen: es tagt. Dieses innere Licht der Wahrheit, das in unserer Betrübnis leuchten möchte und in unserem Unverstand und in unserer Härte, dieses Licht, das uns Wege zeigen möchte, wo wir jetzt Alles vermauert sehen, dieses Licht, das das Licht unseres Lebens sein möchte, das uns lehren möchte, Menschen zu sein, aber eben Menschen, nicht wilde Tiere, dieses Licht ist auch Gottes Kleid. Nicht umsonst ist in der Bibel soviel vom Licht die Rede, das von Gott geschaffen sei [Gen. 1,3], das uns Menschen geschenkt sei, das wir hüten und pflegen wie jene zehn Jungfrauen ihre Lampen, als der Bräutigam kam [Mt. 25,1­-13], dem wir glauben und gehorchen müssen. Wenn wir Menschen solches Licht, solches Wahrheitslicht haben, vielleicht in großer Freude oder auch in einem großen Schmerz, vielleicht mühsam erobert in vielen schmerzlichen Kämpfen, vielleicht wirklich wie ein Geschenk plötzlich gefunden, vielleicht ein Lichtlein ganz für uns persönlich, vielleicht ein großes Licht, das wir sofort auch für andere müssen leuchten lassen [vgl. Mt. 5,16] – dann ist auch dieses Licht das Kleid Gottes, das uns streift. Dann ist auch das eine |108 große Aufforderung an uns: Nimm’s ernst! Laß es gelten! Sei nun hell! Blick auf, mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du geschaffen bist9. Wir müssen dann wiederum, und wenn wir in der größten Finsternis wären, nur tapfer zugreifen. Das Licht scheint in der Finsternis [Joh. 1,5]. Wie lange wollen wir warten, um auch licht zu werden?

5.

Aber nur Gottes Kleid ist das Licht, nicht Gott selbst. Das Kleid umschließt die ganze Gestalt eines Menschen und zeichnet sie wenigstens in den wichtigsten Zügen ab, es verrät uns auch manchmal durch seine Art etwas von der inneren Gestalt des Menschen, der es trägt. So können wir, wenn wir auf das Licht achten, das äußere und das innere, das wir haben, etwas begreifen von der Gestalt Gottes, etwas davon, wie wir ihn zu sehen haben und wie nicht, wer er ist und wer er nicht ist. Wir haben, wenn wir auf das Licht achten, Anlaß, sozusagen im Großen Ganzen Gott dankbar und gehorsam zu sein. Wir können uns wenigstens scheinbar in sehr vielen Beziehungen und während langer Strecken unseres Lebensweges damit begnügen, das Licht, das Kleid Gottes zu haben. Wir sind dann sicher nicht ohne Gott, wenn auch nicht eigentlich mit ihm. Aber nicht wahr: Das Kleid ist ja nicht der Mensch, der es trägt, sondern, und wenn es noch so schön wäre und wenn es noch so gut zu ihm paßte, etwas ganz und gar, etwas unendlich Anderes. Und so kann es uns vielleicht einmal aufgehen, daß das Licht nicht Gott ist, auch das größte, das strahlendste Licht nicht, auch nicht das Licht der Sonne, auch nicht das Licht der Aufklärung, auch nicht das Licht des christlichen Glaubens, auch nicht das Licht des Sozialismus oder welches Licht uns immer [als] das größte erscheinen mag. Gott ist auch vom höchsten, reinsten Licht so verschieden, wie der Mensch verschieden ist von seinem Kleid. Denke dir, um es ganz deutlich zu machen, deinen Rock, meinetwegen deinen schönsten Sonntagsrock, wie er ausgezogen heute abend im Schrank hängen wird, mit leeren Ärmeln, ohne Kopf, schlaff und leer, ein trauriges Bild. Nicht wahr, das bist nicht du? Nicht wahr, du bist etwas Anderes? Sieh, so ist Gott etwas Anderes als das höchste Licht, das uns leuchten mag. |

109 Das ist uns freilich schwer zu begreifen. Oder doch nicht so schwer? Nicht wahr, manchmal haben wir wenigstens Augenblicke, wo uns das Licht, das äußere und das innere, allein nicht genügt. Wo wir ganz merkwürdig unersättlich, nicht befriedigt sind von dem Meer von Licht, das uns umgibt. Wo wir uns nicht so ganz von Herzen daran freuen können, auch wenn uns wieder einmal ein Licht aufgegangen ist, auch wenn es wieder einmal ein wenig tagt unter den Menschen. Wo wir mit einer gewissen Ungeduld noch auf etwas Anderes, ganz Anderes warten. Von dem gleichen Goethe, der gesagt hat, es wäre ihm durchaus natürlich, die Sonne anzubeten, wurde lange erzählt, er sei gestorben mit dem Seufzer: Mehr Licht! Und wenn es auch in Wahrheit nicht ganz das gewesen ist, so ist es doch merkwürdig genug, daß man dazu kam, das von ihm zu erzählen.10 Der Mensch verlangt nach mehr Licht, nach einem anderen Licht. Er ist im letzten Grund bei allem Licht, das er hat und sogar selber machen kann, unruhig. Denn alles Licht, das wir kennen und das wir uns überhaupt denken können, hat auch noch Schatten neben sich. Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen [Joh. 1,5], die Finsternis bleibt Finsternis. Das Licht ist nicht reines Licht, nicht bleibendes Licht. Daran erinnert uns schon das Auf-­ und Niedergehen der Sonne und aller Gestirne, das Kommen und Gehen des Frühlings. Und wenn das uns nicht belehren kann, der beständige Wechsel unseres inneren Lichtes: wir wissen ja, wie es da beständig tagt und nachtet, wie uns da fortwährend Lichter auf-­ und wieder untergehen, wie wir da in ewiger Folge reich und arm, selig und elend, oben und unten sind. Das Kleid Gottes streift uns, und dann verläßt es uns wieder. Und wenn uns das auch nicht belehren kann, dann ist noch der Tod da, und der ist ganz gewiß die Finsternis gegenüber dem Licht des Lebens, die wir nicht übersehen können, da mag uns dann wohl die Frage kommen, ob eigentlich unser Leben mehr ist als ein kurzer und nicht einmal ungetrübter Lichtblick zwischen zwei unendlichen Finsternissen. Aus der einen gehen wir hervor, wenn wir geboren werden, in die andere gehen wir hinein, wenn wir sterben. Das ist das Beunruhigende, daß wir eigentlich auf diese Frage kommen müssen, und wenn unser Leben noch so voll Licht wäre, noch so sehr berührt und gestreift von Gottes Kleid. |

110 Wenn diese Beunruhigung da ist, dann kann auch die Frage nach Gott da sein, nach Gott selbst, nicht nur nach seinem Kleid. Wir verstehen dann vielleicht, daß Gott und sein Kleid wirklich nicht dasselbe sind. Wir verstehen dann vielleicht Worte der Bibel wie das, daß Gott in einem Lichte wohne, da niemand zukomme [1.Tim. 6,16], oder das andere, wo er der Vater des Lichts genannt wird, in welchem kein Wechsel des Lichts und der Finsternis ist [Jak. 1,17], oder das andere, wo er das Licht heißt, in dem keine Finsternis ist [1.Joh. 1,5]. Wir verstehen dann vielleicht, daß es von Mose erzählt wird, er habe sich in einer Felskluft verbergen müssen, als der Herr an ihm vorüberging [Ex. 34,21f.], und von Saulus, daß er zuerst erblindete, als Jesus im himmlischen Lichte zu ihm geredet hatte [Act. 9,3­-9]. Wir verstehen dann vielleicht, daß beim Tode Christi zunächst eine Finsternis das ganze Land bedeckte [Mk. 15,33 par.]. Seht, so scharf geht der Weg um die Ecke von Gottes Kleid zu Gott selbst. Der Morgenglanz der Ewigkeit, das Licht vom ungeschaffnen Lichte11, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist [1.Kor. 2,9], weder als äußeres noch als inneres Licht, Gott selbst ohne Kleid, ohne Bild und Gleichnis – das ist Ostern, das ist die Auferstehung. Wir könnten dieses Licht nicht ertragen. Wir würden wie Saulus oder wie die Kriegsknechte am Grabe [Mt. 28,2­-4] erblindet zu Boden stürzen, wenn wir jetzt dieses Licht sehen müßten. Aber nach diesem Licht sehnen wir uns in unserer Unruhe. Dieses Licht ist die Antwort auf unsere tiefsten Fragen. Gottlob, daß diese Antwort gegeben ist, daß Gott dieses Licht ist. Wir wollen treu sein, wir wollen uns nicht beruhigen, nicht zufrieden stellen lassen. Wir wollen mit der Hoffnung auf dieses Licht noch treuer umgehen als mit dem Licht, das wir eben haben. Und wir schließen nun mit dem Wort 1. Korinther 13,9­-12[: Unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Ange|111sicht. Jetzt erkenne ich’s stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.]

Lieder:
  • Nr. 9 «Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut» von J. J. Schütz, Strophen 1­-3 (RG [1998] 240; EG 326) 🎵
  • Nr. 225 «Ist Gott für mich, so trete» von P. Gerhardt, Strophen 6.7.9 (RG [1998] 656,7.8.11; EG 351,9.10.13; jeweils mit Textabweichungen) 🎵

Sachfußnoten

1
Die Formen "aufgehet", "gehet" zeigen an, daß Barth die Luther-Bibel in der Ausgabe von 1892 vor sich liegen hatte.↩
2
Vgl. K.-W. Tröger, Art. "Licht und Finsternis", I. Religionswissenschaftlich, in: RGG4 5, Sp. 329f.; J. Mohn, Art. "Sonne", I. Religionswissenschaftlich, in: RGG4 7, Sp. 1439f.↩
3
Vgl. K. Schier, Art."Germanen», I. Religionsgeschichte, in: LThK3 4, Sp. 526–528, dort Sp. 528: "Eine winterl. Festperiode mit Namen jul, jól usw. kann sowohl für den Norden als auch für südl. G[ermanen]-Stämme schon in vorchr. Zeit erschlossen werden, aber das Fehlen älterer Zeugnisse macht es beinahe unmöglich, Zeitpunkt u. Inhalt des alten Julfestes zu bestimmen."↩
4
Vgl. A. Paus, Art. "Sonne», I. Religionsgeschichtlich, in: LThK3 9, Sp. 721–723, dort Sp. 722: "S[onnen]-Finsternisse galten ähnlich wie die des Mondes stets als bes. gefährl. Zeiten. Winter- u. Sommersonnenwenden (‹Solstitien›) werden bis in die Ggw. mit religiös-mag. Ritualhandlungen unter besonderer Verwendung des Feuers freudig u. ängstlich begleitet." Vgl. J. Grimm, Deutsche Mythologie, II. Bd., Berlin 18754, Unveränderter Nachdruck Basel 1953, S. 588–590.↩
5
Grimm, a.a.O., S. 601, zitiert als Beispiel Prokop, der beschreibt, «wie nach ihren 35 tagen nacht [scil. des winterlichen solstitium] die Thuliten berggipfel erklimmen und die nahende sonne erspähen. dann feiern sie ihr heiligstes fest».↩
6
Im letzten Gespräch mit Eckermann am 11.3.1832: «Fragt man mich: ob es in meiner Natur sei, die Sonne zu verehren? so sage ich abermals: Durchaus! Denn sie ist gleichfalls eine Offenbarung des Höchsten, und zwar die mächtigste, die uns Erdenkindern wahrzunehmen vergönnt ist.» (J. P. Eckermann, Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens, hrsg. von Chr. Michel [J. W. Goethe, Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 39], Frankfurt am Main 1999, S. 747, Z. 32-36).↩
7
In der von Albert Einstein ausgearbeiteten Relativitätstheorie spielt das Licht und seine konstante Geschwindigkeit als Bedingung der physikalischen Theoriebildung und der Umformung des Verständnisses von Raum und Zeit in die Vorstellung einer Raumzeit eine entscheidende Rolle.↩
8
Vgl. J. W. von Goethe, "Zahme Xenien III", V.158–161:
Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken;
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?
↩
9
Vgl. Strophe 3 des Liedes Nr. 16 "Wie groß ist des Allmächt’gen Güte" von Chr. F. Gellert (GERS [1952] 61):
Schau, o mein Geist, in jenes Leben,
Zu welchem du erschaffen bist …
↩
10
Vgl. dazu den Bericht bei Büchmann, S. 440.↩
11
Lied Nr. 43 "Morgenglanz der Ewigkeit" von Chr. Knorr von Rosenroth (RG [1998] 572; EG 450) 🎵.↩