Matthäus 19,16–30
1.
Wenn ich über diese Worte nachdenke, so ist es mir, ich sehe gewaltige Meereswellen. Auf
und nieder steigen sie, immer ist wieder eine neue in der Höhe, wenn die eine verschwunden
ist, immer scheint eine noch größer als die andere, und doch ist’s immer die gleiche Flut,
bewegt von der unsichtbaren Kraft des Sturmes. Und nun auf den Meereswellen ein
Schifflein, das allen ihren Bewegungen folgen muß, auf und nieder wird es gerissen, immer
wieder möchte es dem Ufer sich nähern. Immer wieder wird es zurückgeworfen. Gewalt ist da
|183 und trägt und bewegt es. Und größer als die tragende und
bewegende Kraft der Wellen ist die Kraft des Sturmes, der die Wellen erregt. Und über der
Kraft des Sturmes ist niemand und nichts. Der Wind bläst, wo er will. Du hörest sein
Sausen wohl, aber du siehst nicht, von wannen er kommt, noch wohin er fährt [
2.
Oder spürt ihr’s nicht auch, wie der unsichtbare Sturm Gottes durch diese Geschichte geht und erregt und bewegt Alles, und wir können nur stehen und staunen und fragen: Warum? und irgendwie die Antwort zu stammeln versuchen: darum, darum, weil Gott so gewaltig ist. Zuerst der Jüngling mit seiner Frage: Was soll ich Gutes tun, daß ich das ewige Leben möge haben? Woher kommt diese Frage? Aus dem Herzen!, möchten wir sagen und werden wohl recht haben. Guter Meister!, redet er ja Jesus an. Wir fühlen’s, ja das kommt von Herzen. Aber wie ist’s nur möglich, daß aus seinem Herzen diese Frage kommt? Im Herzen der Menschen wohnen sonst tagaus tagein, jahraus jahrein ganz andere Fragen. Ich weiß nicht, ob jetzt aus dem Herzen auch nur eines Einzigen von uns wirklich die Frage kommen würde: Was soll ich Gutes tun? Das versteht sich jedenfalls nicht von selbst. Da ist etwas Gewaltiges geschehen, wenn wie ein Blitz die Erkenntnis über uns kommt: ich sollte das ewige Leben haben, und dazu sollte ich etwas Gutes tun. Das ewige Leben! Also ist das Leben, das wir sonst haben, nicht ewig. Das ewige Leben! Also gibt es ein anderes Leben! Und um dieses andere Leben zu haben, sollte ich (ich, kein Anderer für mich!) etwas Gutes tun. Keine Frage, das hängt zusammen, das ewige Leben und das Tun des Guten. Keine Frage, ich kann das Gute tun. Es fehlt mir ganz wenig dazu, ich stehe [?] ganz in der Nähe: Woher sollten wir wissen, was das Gute ist, das ich tun soll? Also: Was soll ich Gutes tun? Es ist unerhört, wenn ein Mensch zu dieser Frage kommt. Unzähligen brennt heute diese Frage heimlich auf den Lippen. Da ist Gott ihnen ganz nahe, da sind sie ganz nahe bei Gott, zum Greifen nahe. Voll Antwort ist ihre Frage. Wie hätte jener Jüngling Gott nicht nahe sein sollen, als er Christus fragte: Was soll ich Gutes tun? Wie hätte es anders sein sollen, als daß er, indem er fragte, schon die Antwort hatte?
3.
Aber: Was fragst du mich nach dem Guten? Einer ist gut! Das ist die Antwort. Und diese Antwort macht Alles ganz anders. Schon darum, weil sie die Antwort ist.1
[Stichwortkonzept der Predigt]
Sinn: Meereswellen (auf, höher, größer, Flut, Sturm) Schifflein (folgen, auf, Ufer, zurück, Gewalt) Sturm, niemand, d. Wind weht … D. Sinn: Sturm G[otte]s. Warum? Gott so gewaltig.
Jüngling mit s. Frage. Aus s. Herzen: d. ganze M[ensch] ist bewegt. Sonst von anderen Dingen. Einzigartiges, Gewaltiges, Wunderbares, wenn im Herzen d. Blitz d. Erkenntnis: d. ewige Leben! Ein Neues, Zweites, Anderes ist notwendig z. ihm gekommen: woher? Und nun: ich sollte etwas Gutes tun! Ein Zusammenhang zwischen mir u. dem ewigen Leben. Ich sollte etwas tun! In dieser Frage d. Gewalt G’s. Zum Greifen nahe.
Was fragst du mich? Einer! Demütigung, Zurückweisung. Fragen? Einen anderen? guten M.? soll d. Gute tun? Ist das die bekannte [?] Enttäuschung u. Entmutigung d. M.? Aber nein, da ist Größeres im Spiel: das Gericht. Ein Anderer dem M. gegenüber: Du bist es nicht, ich bins! Das ist die Antwort auf d. Frage in der Frage. Alle Demütigungen u. Entmutigungen bedeuten das: Ich bins! Wieder d. Gewalt G’s. Z. Greifen nahe.
Halte die Gebote! Welche? Nicht töten … Da sind wir mitten im Gewöhnlichen. So nahe ist uns G. Warum? Das Gute tun? Nein, aber Gebote, hier ist d. Zus.hang zwischen mir u. d. ewigen Leben. Gebote d. Eine! Richten sich gegen d. Übermut d. M. Nicht! Nicht du! Warum fragen? Wir wissen ja!
185 Was fehlt mir noch? Vollkommen sein! Habe ich es nun getan? bin ich nun[?] auf d. rechten Weg? Nichts ist getan! Es giebt k. rechten Weg! Alles fehlt dir! Merkst dus noch nicht? Gott ist gut!! Wie das begreiflich machen? Gerade hier [?], d. Reichtum, d. Ruhe, d. Sicherheit, d. Boden [?]! Alles fehlt mir! Der Jüngling versteht es! So groß ist G. D. Jünger verstehn es auch.
Wie schwer? Wer selig? Bei Gott! Alle
verschlossen unt. d. Ungehorsam … [vgl.
Ist das nicht ein Sturm? Nichts Bes[onderes] geschieht, nur ein
Gespräch wird geführt. Willst du hören [?]. Das ist X [=Christus]. Das ist unser Friede!
[vgl.