Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld
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Ich wollte dir schon längst auf deinen früheren Brief antworten; nun kommt schon
der zweite und mahnt mich. Du mußt nichts Anderes meinen, als daß mich deine
Briefe sehr freuen. Ich setze mich immer besonders behaglich
zurecht, wenn ich unter meinen Postsachen deine Handschrift entdecke, und dann
lese und bedenke ich es zwei- bis dreimal und sehe dich vor mir in der strengen
Diakonissentracht1 oder auch in dem weißen Gewand mit dem roten
Gürtel, den |15 meine Einbildungskraft hinzugefügt hat, und
sage: Grüß Gott und fein, daß du da bist! Also laß dich nicht verdrießen, wenn
ich meinerseits dann oft lange stumm bin. In
In der Umzugssache haben wir nichts, aber auch gar nichts als Verdruß. Es ist so
weit gekommen, daß ich nun einen richtigen Prozeß mit Anwalt, Klage, Gericht
etc. führen muß, und nun kann es noch Monate gehen. Etwas vom Schlimmsten ist,
daß meine sämtlichen Bücher seit November in 20 Kisten verpackt sind, so daß ich
in den Ferien nicht recht werde
arbeiten können in
Ich schicke dir mit gleicher Post zwei Drucksachen, eine interessante Rezension von 1.Kor. 15
Am 18. Januar bei der Reichsgründungsfeier10 durfte ich mich zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder einmal richtig verkleiden, nämlich in ein prächtiges violett-schwarzes Gewand mit einer Art Turban. So sieht man da aus als evangelischer Theologieprofessor, die Mediziner grün (= Hoffnung auf Gesundheit), die Juristen rot (= Aussicht auf den Henker) usf. Die Sache war wirklich hübsch.
Eine große Freude war das Hiersein von
Leb wohl für diesmal, kleine Lollo.
Die Rücksendung der Drucksachen eilt nicht. Einmal möchte ich dann noch wissen,
wie die letzten der verschiedenen Räubergeschichten, an denen dein Dasein so
reich ist, ausgelaufen sind. Mach dich nicht mehr müde, als nötig ist, und laß
dir den Glauben, die Liebe und die Hoffnung nicht nehmen [vgl.