Brief Nr. 25 · 29. April 1926

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld

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Liebe Lollo!

Nein, über deine zweite Münsterfahrt ist deswegen, weil meine Mutter und Schwester kommen, durchaus nicht negativ entschieden. Wir haben einen sehr einfachen, keine «Umstände» verursachenden Weg, dich auch noch unterzubringen. Meine Leute würden sich, nachdem in Basel dein Lob laut gesungen worden ist1, freuen, dich kennen zu lernen. Da du nur 2-3 Tage Zeit hast, wäre ein Besuch hier erholender für dich. Ich werde zwar durch Vorlesungen etc. mehr in Anspruch genommen sein als im Februar, werde aber doch dafür sorgen, daß für eine Velofahrt oder dergl. ein paar Stunden frei werden.

Die Idee mit Amsterdam hätte natürlich auch ihr Gutes. Auch mir war sie schon eingefallen. Nelly kommt mit und vielleicht auch ein paar Studenten. Du könntest dich an sich sehr wohl anschließen. Der Plan ist soweit festgestellt, daß ich am 30. Mai in Groningen predigen und wahrscheinlich die dir schon bekannte Sache über Phil. 3 vortragen werde.2 Am 1. Juni ist der Vortrag in Amsterdam.3 Vorher oder nachher muß ich vielleicht (ich habe zwar abgewinkt!) auch noch nach Leiden, aber das ist unsicher. Diese Möglichkeit wäre für dich wegen des fremden Landes interessanter. Aber in der Tat: ich werde dort von allen möglichen Leuten in Anspruch genommen sein, mit Nelly bei diesen und jenen Professoren etc. wohnen, und wir hätten sehr wenig voneinander. Ganz abgesehen von der Kürze deiner Zeit, die dir wohl nicht erlauben würde, die ganze Unternehmung mitzumachen, und die die Sache für dich zu einer Strapaze gestalten würde.

Du mußt nun Beides erwägen. Mir kommt’s vor, du würdest besser bei deiner ersten Absicht bleiben. Wegen uns hier – es müßte denn etwas dazwischen kommen – brauchst du sie sicher nicht aufzugeben.

43Ich wollte dann wohl noch wissen, ob dein Bleiben in Krefeld «bis zum Herbst» nun bedeutet, daß du auch im August dort sein wirst. Doch damit eilt es nicht. Jedenfalls und zunächst freue ich mich, dich hier zu sehen.

Von Herzen
Dein
Karl B.

Georgs Brief4 ist ein wahres Monument; auch für ihn selber! Ich bin ihm wirklich dankbar, daß er für uns alle so tapfer den «Fabrikdirektor» macht.