Brief Nr. 66 · 10. April 1930

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum auf dem Bergli

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Liebste Lollo!

Dies soll nur ein Gruß sein und ein Zeichen, daß ich noch lebe, und die Bestätigung, daß ich morgen Freitag abend 743 in Zürich ankomme. Ob mit oder ohne Matthisli, kann ich noch nicht bestimmt sagen.1 Ich bin über Mittag in Madiswil2, und sie würden ihn scheint’s doch am liebsten behalten bis zu unserer Rückkehr nach Bonn. Vielleicht, daß wir ihn dann gemeinsam dort abholen, damit du Madiswil auch noch zur Kenntnis nimmst? Nun, das alles wird sich zeigen. Vielleicht bringe ich das Büblein doch gleich mit. Ich war in den letzten Tagen mit einem Karfreitagsartikel für die M. N. N.3 beschäftigt, dessen Erlös meiner Mutter zugedacht ist zur Anschaffung eines Jahresabonnements auf den Autobus!! Ich gehe eben zu Lindts, um ihn dort fertig zu tippen. Das dort erwartete Kindlein scheint schon in nächster Nähe zu sein, vielleicht erlebe ich seine Ankunft noch.4 Ich habe Trudi darauf aufmerksam gemacht, daß es auch Zwillinge sein könnten! Sie sieht der Sache sehr gefaßt und fröhlich entgegen. Die Tage hier waren noch sehr gut. Mama ist auch «uns» gegenüber jedenfalls freundlich-friedlich gesinnt. Sie ist im Bilde darüber, daß du auch aufs Bergli kommst, und hat keine Miene verzogen deswegen. Einige Photos von dir liegen bei denen von mir in ihrem Neuen Testament. Sie will im Sommer einmal nach Bonn kommen und sich Alles ansehen, und es wird schon so werden, daß sie dich dann heißt, auch einmal hieher zu kommen. Wir haben viel und gut über Alles geredet. Auch bei Karis ist die alte gute Stimmung, und Trudi läßt dich grüßen. Nur mit Heiner ging es entschieden nicht gut. Ich erzähle dir dann. … Schluß mit dem Brief. Morgen abend bin ich selber bei dir. Ich freue mich, wie wenn es das erste Mal wäre! Grüße Rudi und Gerty.

Ich h. d. s. l.
Dein
K.