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Barth an v.K. in Wabern
Adelboden, 21.8.1930
[II]
Der Briefträger, der meinen Brief an dich mitnahm, brachte den deinigen an mich,
und nun möchte ich dir rasch (Eduard ist eben eingetroffen) noch ein paar Dinge sagen.
Ich bin so froh, daß die Dinge in Bern so gelaufen sind, wie du mir schreibst. Das wird nun auf
alle Fälle ein Stücklein Boden sein, auf dem wir stehen können.
Daß Mama dich auf den Belpberg1 geführt hat, zeigt
mehr als alles Andere, wie sie zu dir steht, und das ist nun einfach
gut.
Sei nicht traurig, daß ich dir so traurig und vor Allem im Blick auf dich selbst
so mutlos geschrieben habe. Ich weiß nicht, wie es kam, aber unter den
mühseligen Eindrücken meiner Gespräche mit Nelly drängten sich mir bei Tag und
Nacht unerwünschterweise gerade die Erinnerungen an dich in den
Vordergrund, die zu besagen schienen, daß auch von deiner Seite Hemmung über
Hemmung zu erwarten sei. Ich
weiß doch wohl, und der Brief hat mich da wirklich zur Ordnung gerufen, daß ich
keinen Anlaß habe, so grämlich zu zweifeln. Aber du glaubst nicht, wie bedrängt
ich hier dran bin.
Nelly hat mich
nach Eintreffen deines Briefes nochmals gefragt, ob der Plan mit dem Auswärtswohnen nicht durchführbar sei. Ich habe ihr gesagt,
du seist «grundsätzlich bereit», aber ich sei nach
wie vor praktisch dagegen: ich sehe doch, wie Nelly es meint dabei, weiß, was es
für dich bedeuten würde und was für Enttäuschungen und Verwirrungen da erst
recht drohen würden. Sie ist nun nach dem Wildstrubel abgezogen mit der Erklärung,
sie könne «nicht Ja» sagen zu einer Fortsetzung der bisherigen Ordnung, wolle aber das Nein
als ultimative Bedingung nicht aufrechterhalten. Ich sagte ihr, sie möchte sich
nun Alles noch einmal überlegen, aber es wird letztlich wohl so kommen, daß sie
die Entscheidung mir zuschiebt. Ob ihr der Brief meiner Mutter
noch eine Bestärkung in ihrem Wunsch bringt? Ich |143 habe doch im Sinn, wenn es irgend geht, dabei zu
bleiben, daß es nicht zu dieser deiner «Entfernung» kommt.
Es ist eine zu sinnlose Aktion. Aber freilich: dann werden wir uns
sehr Mühe geben müssen, denn dann wird es an uns sein, alle
Verantwortung
für das Kommende zu übernehmen.
Noch einmal aufs Bergli zu kommen war längst mein eigener
Gedanke. Noch weiß ich nicht, ob und wie es sich machen läßt. Ich werde ja jetzt
sehr Sorge tragen müssen. Aber vielleicht läßt es sich doch für
1-02-3 Tage richten. Zweifle nicht daran, daß ich Alles tun werde,
es zu ermöglichen. Nur sprich vielleicht erst halblaut davon zu den Anderen, und
sei im voraus nicht enttäuscht, wenn es nichts wird. Am
1. September. Gelt, jetzt hat man doch wieder ein «vielleicht», auf das man
sich freuen kann.
Doch nun muß ich mich Eduard zuwenden. Und bleibe doch innerlich gänzlich zugewendet –
wem? Meinem Lollochen, das ich so lieb habe.
Was sagst du zu diesem Brief von K. L. S.?2 Ich habe ihm mild, aber bestimmt geantwortet.3