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Barth an v.K. in München
Ja, nun steht und klopft das Maschinlein wieder – auf dem blauen Tisch in deinem
Zimmer, wo im Übrigen Alles noch öde und leer ist und durchaus auf dich wartet.
Meine Rückreise hat sich nach dem letzten sehr freundlichen Sonntag in Bern programmäßig abgewickelt. In Madiswil war es mit Peter
sehr gut; ihm gegenüber ist eigentlich Alles in Ordnung – sofern er
eben er und nicht der Ehemann ist. Die bewußte
Nachrichtenübermittlung nach Marburg1 hatte noch nicht
stattgefunden. Dagegen war die Wiederentdeckung eigener alter Essigflaschen
(Mama etc. gegenüber) noch tiefgrabender und umfangreicher, als ich
gedacht hatte. Und so kam es, daß Lenchen mir einen
Kopf machte2, bei meiner Aussprache mit Peter
gar nicht dabei sein wollte und aus Allem offenbar den Schluß gezogen
hat, für ihre eigene Person aufs Neue gekränkt und mir gegenüber reserviert zu
sein. Ich kann dir die Details noch gelegentlich erzählen. Mir war
ja die Hauptsache, daß es nun wirklich nicht zu einer neuen Verstimmung zwischen
Peter und mir gekommen ist
und nun auch schwerlich mehr kommen wird. In Olten sah ich wie erwartet in viel Sorge und auch Konfusion
hinein3, zu der ich kaum etwas Förderndes sagen konnte.
Dagegen ist es dann in Basel4 noch einmal sehr nett
gewesen, obwohl ich alsbald von dem für mich mit Basel unzertrennlich verbundenen Kopfweh und dazu noch mit einer häßlichen
Darmstörung heimgesucht wurde (Beides hat sich jetzt wieder verzogen). Ich war
abends mit Eduard … im
Dreyfusfilm5, einer wirklich guten Sache, über die wir nachher des
Lobes voll waren. Gestern morgen habe ich dann die |166
Rheinreise angetreten, versehen mit dem üblichen Wallace, im Übrigen ohne besondere Erlebnisse, und wurde hier freundlich und
gut empfangen. Sofort nach dem Nachtessen trafen Ernst Staehelin (Prof. in Basel, Bruder der beiden
wilden Schwestern Vischer und Lieb6, er selber aber ganz sanft!) und K. L. Schmidt samt Frau bei uns ein.
Entscheidendes ist nicht gesprochen worden. Die
Weimarana7 ist also da, und ich habe
sie heute morgen aufgestellt.
Und nun eine Nachricht, die ich dir gleichzeitig mit diesem Brief telegraphisch
schicke8, weil sie sonst vielleicht zu spät dort einträfe oder doch
einen argen Einbruch in die Dispositionen deiner Mutter
bedeuten würde: Es ist besser, wenn du erst am Samstag fährst. Eben
auf den Freitag abend hat sich nämlich unaufhaltsam mein Onkel Ernst9
(aus Genf) zum Übernachten angemeldet. Er ist ein etwas aufgeregter und
lärmender Herr, der mit einem Schwall von Redensarten, die ich seit bald 40
Jahren gehört habe, ins Haus zu fallen pflegt, im Übrigen natürlich ein guter
Mensch – aber der Gedanke eines Zusammentreffens deiner und seiner Ankunft ist
mir unvollziehbar. Wir werden die 24 Stunden, die uns auf diese Weise entgehen,
irgend einmal nachholen. Hoffentlich bringe ich dich nicht in Verlegenheit dort
mit dieser Botschaft, aber es schaut mich hier Alles so an, wie wenn es besser
wäre, es diesmal so zu halten. Es geht Alles gut und bleibt hoffentlich eine
Weile so.
Liebe Lollo … !
Ich freue mich!
Ein Brief aus Berlin10 kann dir nun auch noch
nachgeschickt werden!