Brief Nr. 87 · 16. September 1931

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum auf dem Bergli

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Meine liebe Lollo!

Heute früh ist, sehnlichst genug erwartet, dein langer lieber Brief gekommen. Und da auch ich wieder einen ganzen kleinen Korb voll zu erzählen habe, will ich gleich antworten. Die beiliegenden Postsachen mögen dir die nötigen Ergänzungen geben.

Also ich fuhr am Montag mit Kari nach dem Schloß Hünigen bei Stalden im Emmental, einem alten Berner Patriziergut, das jetzt in ein |190 christliches Hospiz verwandelt ist, und war dort einen ganzen Tag1 mit 25-30 Pfarrern «positiver» Richtung2 zusammen. Die Guten hatten ahnungslos gerade einen ziemlich lebhaft gegen mich gerichteten Vortrag über das Buch von Köberle3 auf den Traktanden, und ich bekam ausgiebig Gelegenheit zu zeigen, daß außer Frl. Beatrice von Menkenstern4 doch auch ich einige Begabung für Diskussionen habe. Die Leute gefielen mir mit einigen pointierten Ausnahmen nicht schlecht, einige ältere Herren sogar geradezu gut, ich fand mich rasch wieder in das eigentümliche Berner Milieu und Tempo. Wer war auch da? Mein Freund Karl Huber5. Und denk, er gefiel mir aus der Nähe eigentlich recht gut. Er votierte mit Abstand am besten, jedenfalls am bewegtesten, und hatte auch in den Pausen eine Art zu fragen, die mich richtig freute, so daß es mich nun gar nicht reut, ihn je und je aus der Ferne begrüßt zu haben. Aber wer war auch da? Ein unterdessen zu einem schrecklichen dicken Pfarrer ausgewachsener Heinrich Münger6, der mir den ganzen Tag lang ein finsteres Gesicht machte |191 und von dem ich erst nachher erfuhr, daß er das gewesen sei.7 Und wer war auch noch da? Ein in seiner Art ebenso schrecklicher uralter Pfarrer Güder8, früher in unserem lieben Biglen9, der den Tee aus der Untertasse trank und dazu meckerte: «Dä (nämlich dein lieber Karl) cha sich selber wehre, dä het es guets Muul!»10 Und wer präsidierte das Ganze? Der geradezu grauenhafte Pfarrer Benjamin Pfister11 von der hiesigen Länggasskirche, dem es seinerzeit in ZdZ mit seinen Predigten noch viel zu gut gegangen ist12, ein Mann, der salbungsvolle Gebete und nichtssagende Präsidialphrasen hervorsprudeln kann wie ein Bach und ein hohler Schwätzer ist, wo ihn die Haut anrührt13. Wahrscheinlich stammt von ihm die beiliegende Zeitungsmeldung.14 Ich freute mich aber sehr an einigen älteren Herren, z. T. noch ältesten Schülern meines Vaters, an einem ganz jungen Pfr. Lindenmeyer15 und |192 schließlich doch an dem Tenor des Ganzen … hoffentlich nicht etwa heimlich an mir selber, weil ich eben doch am Vormittag und Nachmittag je eine geschlagene halbe Stunde redete und die Geschichte wohl etwas geformt habe, so daß es nicht ganz unverdächtig ist, wenn sie mir am Schluß gefiel!! Aber du kennst mich ja!

Am Abend fuhr ich dann mit Kari nach Thun und über den See nach Beatenberg. Im Schmockli16 ist es noch immer gemütlich, wenn auch der Kinderlärm groß ist und meine Sehnsucht nach Familienferien dieser Art nicht eben vermehrte. Wir haben Weglein gemacht und viel baltisches Halma17 gespielt und uns gut verstanden.

Gestern nachmittag sind wir dann, Kari und ich, wieder hieher zurückgekommen. Und kaum war ich fünf Minuten im Hause, so klingelte Gertrud Staewen18 zum dritten Mal und nun erfolgreich bei uns an. Ich konnte dann gerade noch dreiviertel Stunden auf dem Bahnhof mit ihr verbringen und das Nötigste hören über den Einzug von Georgs19, über den letzten Brief von Günther Dehn und vor Allem über dein Ergehen. Von deiner Rede an jenem Damentee entwarf sie eine geradezu begeisterte Schilderung, die mich meinerseits besorgt machte in der Richtung, ob du nicht doch durch meine ständige Nachbarschaft und sozusagen durch meinen Schatten ganz fatal in der Auswirkung deiner besten Gaben und Kräfte gelähmt wirst. Du solltest doch, auch wenn ich dabei bin, viel mehr in dieser Weise loslegen, wie du es offenbar dort getan hast. Es ist keine Frage, daß die Menschheit sich daran regelmäßig freut und daß du in unerlaubter Weise ein Pfund vergräbst [vgl. Mt. 25,14–30], wenn du das nicht tust. Es war übrigens sehr nett mit Gertrud, und es kam mir doch vor, als ob sie nun in einer gewissen Klarheit und Fassung ihrem Berliner Leben und den ihr durch Günther Dehn bereiteten Peripetien entgegenfahre.|

193 Den Schluß des gestrigen Tages bildete dann noch ein besinnlicher Abend mit Mama. Aber ganz ruhig wird es zwischen ihr und mir vielleicht erst heute abend zum Gespräch kommen. Heute den Tag über hatten wir nämlich Besuch von einem alten Vetter20, einem klugen und sympathischen Greis, der in Solothurn lebt, und dessen etwas aufgeregter Nichte. Und ich hatte noch einen besonderen Besuch. Von wem? Von Herrn Röthlisberger21, der inzwischen einen der so wichtigen schweizerischen Militärkurse absolviert hat und im Übrigen voll seines bekannten Eifers nunmehr auf dem bernischen Gelände seine in Bonn gelernten theologischen Künste zu üben sich anschickt. Außerdem kam ein Eilbrief von Hinderer.22 Er liegt bei und auch die Antwort23, die ich ihm darauf geben mußte. Von K. L. Schmidt war nämlich gestern ein langer Brief da – ich habe ihn verlegt und weiß nicht, ob ich ihn vor Abgang dieses Briefes noch finde und beilegen kann – des Inhalts, es sei angesichts der Lage des Falles Hamel ungefähr unverantwortlich von mir, wenn ich meine Heimkehr nicht wenigstens etwas beschleunige, um die Sache vor Koblenz mit ihm durchzusprechen.24 Ich werde mich nun einrichten, schon auf Freitag abend (25.) in |194 Bonn zu sein und dann Zeit für Alles zu haben. Von Eduard ertönt also auch ein Ruf und ebenso einer von Lukas Christ, und meinem Bruder Heiner mußte ich versprechen, ihn endlich nun auch einmal nicht zu übergehen, sondern am 24. bei ihm zu Mittag zu essen. Das alles wird nun wohl bedeuten, daß ich schon heute in acht Tagen, also Mittwoch 23. von hier wegfahre. Aber Mama macht noch ein langes Gesicht dazu. – Darf man nicht sagen: Gertrud von Zezschwitz25 hat etwas an sich von jenem Huhn in der Bahnhofhalle26? Der Brief wird wegen seiner bayrischen Hintergründe auch Georg interessieren. Die dich und Rudi angehende Stelle aus dem Briefe von Lempp27 solltest du beim Mittagessen mit erhobener Stimme vorlesen. Wie du siehst, habe |195 ich ihm nun selbst so etwas wie einen Waschzeddel28 verfaßt. Heute morgen habe ich übrigens bereits die Korrektur für den Kattenbuschbeitrag 29 erledigt. Der Wegfall des Pressevortrags schafft mir nun noch ein bißchen letzte Ferienluft. Könnte ich sie doch mit dir zusammen genießen. Wie schön wäre es, wenn du mir auch an diesem Tischlein gegenübersitzen würdest! Du dürftest sogar einen Saturntag haben – wenn du nur da wärest. Gelt, es geht dir doch gut? Und ich brauche in keiner Hinsicht besorgt zu sein? Wie mag es dir gehen in der nun so gründlich erneuerten Bergli-Atmosphäre? Erholst dich noch ein wenig? Und wie schaut dich der Anselm, der nun unaufhaltsam laufende, nachträglich an? Zu einem Brief an Gerty mangelt es mir augenblicklich noch am inneren Auf- und Antrieb. Vorläufig interessiert mich auf dem ganzen, so lieben Bergli nur jemand. Weißt du wer? Du errätst es sicher nicht. Aber ich will dir ins Ohr sagen, daß sie einen «unkleidsamen glatten Scheitel» trägt und die feinsten Füßlein hat, die ich je gesehen habe, und Äuglein, die einen manchmal so anschauen können, daß man sie mit der Hand zudecken muß, und eine geradezu klassische Nase und … Ach du, ich habe dich lieb … Schlußpunkt.

Ich lasse Alle grüßen.

Dein
K.

196Der Brief von K. L. Schmidt hat sich soeben gefunden. Ich habe noch die Botschaft an Georg auszurichten, daß meine Mutter sich sehr freuen würde (trotz der seinerzeit von ihm ausgestreuten Nachricht über meine dunkle Geburt30), wenn er hieher kommen würde. Für ihn, aber eventuell auch für Rudi sei durchaus ein Bett bereit. Am passendsten wäre hier der Sonntag.31

Sachfußnoten

1
Zur Sitzung des Evangelisch-theologischen Pfarrvereins des Kantons Bern am 14.9.1931.↩
2
Die «Positiven» – eine der kirchlichen Hauptrichtungen neben den «Liberalen» («Reformern») in der Schweiz, zu der einst auch Fritz Barth gehörte – vertraten eine mehr traditionell-kirchliche, christozentrische Position.↩
3
Pfarrer Paul Fankhauser (1902–2006), 1929-1952 Pfarrer in Oberbalm (Kt. Bern), 1952-1967 in Bern, referierte über A. Köberle, Rechtfertigung und Heiligung. Eine biblische, theologie-geschichtliche und systematische Untersuchung, Leipzig 19291. 2; 19303; Gießen 19874. 📖 – Adolf Köberle (1898–1990), 1926 Leiter des Evangelisch-lutherischen Missionsseminars in Leipzig, 1930-1939 a. o. Professor für Dogmatik und Neues Testament in Basel, 1939-1969 o. Professor für Dogmatik, Ethik, Apologetik und Kirchenkunde der Gegenwart in Tübingen. Köberle beklagte sich in seinem Buch: «Alle Aussagen über die Heiligung liegen heute ständig unter dem Sperrfeuer der dialektischen Theologie» (2. Aufl., S. V; vgl. auch Bw.Th. II, S. 676, Anm. 5 📖, sowie Barths Anmerkung in: Der heilige Geist und das christliche Leben, V.u.kl.A. 1925-1930, S. 458–520, dort S. 498f., Anm. cf 📖.↩
4
Vermutlich ein Phantasiename für von Kirschbaum, vergleichbar dem des Pfarrers Baumgartner für Barth (s. oben S. 185).↩
5
Karl Huber (1886–1964), 1912-1933 Pfarrer in Rüeggisberg, 1933-1953 in Mühleberg (Kt. Bern). Huber hatte mit Barth gemeinsam in einer Schulklasse das Freie Gymnasium in Bern besucht.↩
6
Heinrich Münger (1890–1980), seit 1919 Pfarrer in Röthenbach im Emmental, seit 1930 in Thurnen (Kt. Bern).↩
7
H. Münger war der Bruder von Rosa Elisabeth («Rösy») Münger (1888–1925). Barth hatte sie in Bern als Student kennengelernt (vgl. unten S. 241). Sie wurde seine erste große Liebe, die er in seinem ganzen Leben nie vergessen konnte. Vor allem auf Drängen seiner Eltern mußte er im Mai 1910 diese Beziehung beenden. R. Münger starb 1925 an einer Blutkrankheit (vgl. Busch, S. 53f 📖).↩
8
Emil Güder (1859–1931), Dr. h. c. (Bern), Pfarrer in Herzogenbuchsee und Aarwangen (Kt. Bern), Hauptredaktor des «Kirchenblattes für die reformierte Schweiz».↩
9
Ort im Emmental (Kt. Bern).↩
10
= Der kann sich selber wehren, der hat ein gutes Mundwerk!↩
11
Benjamin Pfister (1883–1968), 1908-1910 Pfarrer in Olten (Kt. Solothurn), 1910-1914 in Rüderswil im Emmental (Kt. Bern), 1914-1949 an der Pauluskirche im Länggassquartier in Bern, 1956-1967 am Burgerspital in Bern; Feldprediger während der beiden Weltkriege.↩
12
Gemeint sind die von Gottfried Ludwig in ZZ, Jg. 1924, Heft 6, S. 67-72 📖, rezensierten und wegen der «harmlosen Erbaulichkeiten» (S. 72) kritisierten Predigten B. Pfisters: Meine Seele dürstet nach Gott!, Bern 1923 📖.↩
13
D. h. durch und durch ein Schwätzer.↩
14
Vermutlich eine Mitteilung aus dem Berner Tagblatt, Jg. 43 (1931), Nr. 431 vom 16.9.1931 📖, über die Sitzung des Evangelisch-theologischen Pfarrvereins des Kantons Bern vom 14.9.1931: «Die ganze Tagung gewann an Interesse und Inhaltstiefe durch die Anwesenheit des Herrn Prof. Karl Barth aus Bonn, der in einer Weise in die Diskussion eingriff, daß ein besseres Verstehen hüben und drüben sich anbahnen konnte.»↩
15
Albert Lindenmeyer (1905–1969), 1931-1939 Pfarrer in Aarwangen (Kt. Bern), 1939-1969 am Neumünster in Zürich.↩
16
Siehe oben S. 95, Anm. 1. ↩
17
Ein auch auf dem Bergli von G. Pestalozzi eingeführtes und dort oft gespieltes Halma, das sie während ihrer Jugendzeit in Capri bei ihrer Unterrichtung durch zwei baltische Schwestern gelernt hatte (vgl. Ein Leben, S. 412 📖).↩
18
G. Staewen hatte sich vom 4.8. bis zum 14.9.1931 auf dem «Bergli» aufgehalten.↩
19
Georg und Line Merz waren gemeinsam am Samstag, dem 12.9.1931, auf dem «Bergli» eingetroffen.↩
20
Nicht ermittelt.↩
21
Kurt Röthlisberger (1908–1994), 1931 Student bei Barth in Bonn, ab 1933 Pfarrer u. a. in Rohrbach (Kt. Bern) und in Bern.↩
22
In seinem Eilbrief vom 15.9.1931 antwortete Hinderer auf Barths Vorschlag (vgl. oben S. 188f., Anm. 13), daß eine Verlegung des Treffens nicht möglich sei (KBA 9331.492).↩
23
In seinem Antwortbrief vom 16.9.1931 (KBA 9231.261) schlug Barth ein Treffen zu einem späteren Zeitpunkt und vorläufig einen «Burgfrieden» vor.↩
24
Adolf Hamel (1904–1958), 1929 Lic. theol., Pfarrer in Bockenau bei Bad Kreuznach, Essen-Altenessen und Königswinter, ab 1946 Privatdozent für Kirchengeschichte in Bonn, ab 1949 a. o. Professor und ab 1952 o. Professor in Mainz. In seinem Brief vom 13.9.1931 (KBA 9331.488) hielt K. L. Schmidt Barth in einer «Philippika» vor, sich nicht genügend mit der Fakultätspolitik zu beschäftigen, so daß nun aufgrund der Kritik von Weber und Wolf und des Verhaltens der anderen Fakultätsmitglieder die Annahme der Habilitationsarbeit von Hamel gefährdet sei (vgl. A. Hamel, Der junge Luther und Augustin. Ihre Beziehungen in der Rechtfertigungslehre nach Luthers ersten Vorlesungen 1509-1518 untersucht, Gütersloh 1934 📖). In seiner Antwort vom 17.9. teilte Barth ihm mit, «daß ich Ihnen und ganz Bonn schon Freitag, den 25. Sept. gegen Abend wieder geschenkt sein werde, so daß wenigstens einiger Raum für eine Aussprache über das Problem We[ber]Wo[lf] offen sein wird» (KBA 9231.263).↩
25
G. von Zezschwitz (1865–1946), Tochter des Erlanger evangelischen Theologen C. A. G. von Zezschwitz, die 1916 zur katholischen Kirche übergetreten war (vgl. H. Hohlwein, Art. «Zezschwitz, Gertrud von», in: RGG³ VI, Sp. 1907 📖), hatte Barth am 23.7.1931 geschrieben, daß ihm «als outsider» «eine tiefere Einsicht u. volle Erkenntnis» der katholischen Kirche «ganz unmöglich» sei (KBA 9331.414). Auf Barths Antwort vom 12.9.1931, «die Grenzen der Möglichkeit konfessionellen Verstehens und konfessioneller Kritik» gölten auch für sie (KBA 9231.256), reagierte von Zezschwitz am 13.9.1931 mit einem Verweis auf ihre Begegnung mit der «alten würdigen Garde» der evangelischen Theologie, aber auch mit der protestantischen «Anarchie» und mit einer Darlegung ihres Weges in die katholische Kirche (KBA 9331.489).↩
26
Vgl. Chr. Morgenstern, «Das Huhn»: 📖
In der Bahnhofhalle, nicht für es gebaut,
geht ein Huhn
hin und her …
Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh’r?
[…]
↩
27
Am 12.9.1931 dankte A. Lempp Barth für das Anselm-Manuskript: «Mein Dank geht auch an Fräulein von Kirschbaum, die so unermüdlich an der Fertigstellung mitgeholfen hat, und nicht zuletzt an Herrn Pestalozzi, der nicht nur für die letzten Wochen der Arbeit den schönen und ruhigen Aufenthalt gegeben hat, sondern auch noch mit eigener Hand und Maschine eingesprungen ist. Hoffentlich entspricht auch das Interesse der Leser der vielen Mühe und Arbeit, die hinter diesem Buch steht.» Zugleich bat er Barth: «Sie schreiben, daß hier kein großer Reklame Tamtam erhoben werden darf. Damit wir nun Ihren Wünschen so gut wie möglich gerecht werden, hätten Sie, aber vielleicht kann es auch Fräulein von Kirschbaum machen, die große Güte und würden uns, um es kurz zu sagen, einen Waschzettel schreiben, der die Ankündigung des Buches, seine Begründung und seine Notwendigkeit in der richtigen Form darbietet.» (KBA 9331.484)↩
28
Der von Barth am 16.9.1931 Lempp mitgeteilte «Waschzeddel» lautet: «Die Schrift möchte Anselm von Canterbury als bedeutsamen und sowohl in der evangelischen wie in der katholischen Theologie der Gegenwart zu wenig gewürdigten Vertreter der vorthomistischen ‹Scholastik› für sich selbst sprechen lassen. Es wird versucht, gerade seine von allen Seiten am Meisten angefochtene Lehre: den Beweis der Existenz Gottes, aus dem Zusammenhang seiner übrigen theologischen Arbeit und in ihrer besondern Absicht und Folgerichtigkeit zu erklären. Nach den Ergebnissen des Verfassers ist Anselm auch und gerade hier als theologischer und nicht als ‹ontologischer› Denker zu verstehen.» (KBA 9231.260)↩
29
Dabei handelt es sich um einen Vorabdruck des ersten Abschnitts des ersten Kapitels des Anselm-Buches (K. Barth, Fides quaerens intellectum. Anselms Beweis der Existenz Gottes im Zusammenhang seines theologischen Programms. 1931, hrsg. von E. Jüngel und I. U. Dalferth [Gesamtausgabe, Abt. II], Zürich 20023, S. 13-20 📖), der unter dem Titel Die Notwendigkeit der Theologie bei Anselm von Canterbury in der Festgabe für Ferdinand Kattenbusch zu seinem 80. Geburtstag, ZThK. NF, Jg. 12 (1931), Heft 4/5, S. 350-358 📖, erschienen ist. – Ferdinand Kattenbusch (1851–1935), Professor für Systematische Theologie in Gießen, Göttingen und Halle.↩
30
Bezieht sich vermutlich auf eine Schwangerschaftsdepression, die Anna Barth 1886 durchlebt hatte.↩
31
Auf Einladung der Mutter Barths reiste G. Merz am 19.9.1931 nach Wabern bei Bern, um dort Barth zu treffen. Er fuhr am 20.9. wieder zum Bergli zurück (Postkartenmitteilung an Barth vom 17.9.1931 [KBA 9331.495]).↩