Brief Nr. 94 · 16. März 1932

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Zürich

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Liebe Lollo!

Dein Brieflein und die Bücher sind in meinen Händen. Ich bin froh, dich gut aufgehoben zu wissen, und du kannst mir keine größere Freude machen, als wenn du diese Tage zu Schlaf und Erholung jeder Art gründlich ausnützest. Was mich betrifft, so habe ich einen freundlichen Tag hinter mir und bin doch bei Allem innerlich sehr müde und traurig. Eben habe ich einen Brief an dich wieder zerrissen. Er ging über den Text «Du hast es leicht …» oder vielmehr gegen diesen Text. Aber was ich dir da sagen wollte, kannst du mir vorläufig doch nicht abnehmen, und so will ich es ungesagt lassen. Irgendeinmal viel später wirst du es dann verstehen.

Kari und Trudi waren da zum Mittagessen. Nachher habe ich seltsamerweise geschlafen, nachher ein Gänglein mit meiner Mutter gemacht. Die Missionsliteratur1 liegt aufgeschlagen um mich herum und wartet auf mich.

Grüße Rudi und Gerty. Wie gut ist es, daß wir sie haben.

Meine Lollo, ich bin dir gut.

Dein
Karl

Aus der Beilage magst du ersehen, wie ich mich 1895 (wer war damals noch nicht auf der Welt?) über das Problem der Ehe geäußert habe.2 Onkel Fritz ist der Onkel mit dem Doppelkinn, der aiaiaiaiai sagt! |214 Beachte auch die geschmackvolle Rückseite des Umschlags!3 (Die erwähnte «Braut» ist die Schwester deiner Frl. Preiswerk4. Sie ist nun schon Großmutter!)

Sachfußnoten

1
Zur Vorbereitung von K. Barth, Die Theologie und die Mission in der Gegenwart. Vortrag, gehalten an der Brandenburgischen Missionskonferenz in Berlin am 11.4.1932, in: ZZ, Jg. 10 (1932), S. 189-215 📖; wieder abgedruckt in: ders., Theologische Fragen und Antworten, Gesammelte Vorträge, Bd. 3, Zürich 19862, S. 100-126 📖.↩
2
Brief Barths vom 11.6.1895 (Datum des Poststempels) an seinen Onkel Friedrich Adolf («Fritz») Sartorius (1862–1935), von dessen Verlobung mit Bertha Preiswerk (1874–1952) er «soeben gehört» hatte: «Ich wünsche dir viel Glück und viel Kuchen zur Hochzeit […]. Ich freue mich schon, wenn ihr dann Kinder bekommt. Dann gibt es noch mehr Vettern.» (KBA 9295.2)↩
3
Unter dem Wunsch «Glück auf!» ist ein vorwärtseilender Keiler abgebildet.↩
4
Gertrud Preiswerk (1883–1970), Tante von Max Zellweger-Barth, bei der von Kirschbaum einmal Quartier gehabt hatte (vgl. Bw.Th. III, S. 239 📖).↩