11. April 1932

Die Theologie und die Mission in der Gegenwart

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DIE THEOLOGIE UND DIE MISSION IN DER GEGENWART

1932

1. Berlin, 11. April 1932

Bereits im Sommer 1931 war Barth von Julius Richter1, dem Vorsitzenden der Brandenburgischen Missionskonferenz, zu einem Vortrag auf der turnusmäßig Anfang Oktober stattfindenden Missionswoche der Berliner Missionsgesellschaft eingeladen worden. Barth hatte im Blick auf seine Arbeitsbelastung absagen müssen, aber doch zugleich sein deutliches Interesse an einer Fühlungnahme mit den Kreisen der Mission bekundet und die Zusage zu «irgend einer späteren Zeit unter besseren Umständen» in Aussicht gestellt.2 Am 3. Dezember 1931 bekräftigte Richter den Wunsch nach einer «Klärung über die Stellung der dialektischen Theologie zur Mission» und bat Barth um den Hauptvortrag auf der nächsten Tagung der Brandenburgischen Missionskonferenz Anfang April 1932 in Berlin.3 Neben Barth sollte Missionsdirektor Siegfried Knak4 sprechen. Als Termin schlug Richter den 4. oder 11. April vor: «wie es Ihnen am besten paßt; der 11. April hätte den Vorzug, daß die Mehrzahl der Studenten schon wieder in Berlin ist».5

Barth sagte umgehend zu: «Sie sollen diesmal nicht umsonst an mich herangetreten sein. Das Problem der Mission interessiert mich schon lange und angesichts der heute aktuell gewordenen Fragestellungen ganz besonders.» Er bevorzuge den 11. April. Als vorläufiges Thema – eine «prägnantere Bezeichnung» wollte er sich noch vorbehalten – gab er den Titel an, bei dem es dann doch geblieben ist: «Die Theologie und die Mission in der Gegenwart».6

157 Den Dank für Barths Zusage verband Richter mit einem weiteren Terminvorschlag: Am Sonntagnachmittag, dem 10. April 1932, wolle er Barth und die Kollegen der Berliner Fakultät zu einer «freundschaftlichen Begegnung» und Aussprache in seine Wohnung einladen.7 Wenige Tage vor der Reise nach Berlin erreichte Barth noch eine weitere Einladung von Otto Dibelius, dessen versöhnlich gehaltener Brief 8 von Barth mit der erhofften Gesprächsbereitschaft erwidert wurde.9

Wie wichtig Barth der Gegenstand dieses Vortrags war, wird daran ablesbar, dass er sich bereits in den Weihnachtsferien 1931/32 in die damals aktuelle missionstheologische Literatur, die dann auch im Vortrag angesprochen wurde, vertiefte. In einem Brief an Helmut Gollwitzer berichtete er, dass er vor der Brandenburgischen Missionskonferenz sprechen werde und in seinem Vortrag versuchen wolle, sich «mit der neulutherischen Einführung der Schöpfungstheologie (die allmählich der gewöhnlichen natürlichen Theologie immer ähnlicher zu sehen beginnt) in die Missionstheorie auseinanderzusetzen».10 Zur Ausarbeitung des Vortrags kam es freilich erst in den Osterferien, die Barth auf dem Bergli in Oberrieden verbrachte. Unmittelbar vor der Reise dorthin schrieb er aus Bern an Eduard Thurneysen: «Die Aufgabe ist doch recht schwierig, und ich bin noch weit entfernt davon, zu wissen, was ich nun eigentlich dazu sagen soll. Es hat keinen Sinn, Dinge vorzutragen, die sich die besseren Missionsführer in den letzten |158 zehn Jahren offenbar schon zu eigen gemacht haben […]. Es muss nun hier oder auf dem Bergli irgend eine österliche Erleuchtung über mich kommen, wenn die Sache nicht schief gehen soll.»11

Barth traf dann am Morgen des 10. April, direkt aus Oberrieden kommend, in Begleitung Charlotte von Kirschbaums und der Freunde Rudolf und Gerty Pestalozzi in Berlin ein. Man logierte im Hotel Excelsior am Anhalter Bahnhof. Für den Vormittag «in dem von Wahlfiebern geschüttelten Berlin» stand der Besuch des Festgottesdienstes mit Julius Richter in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Programm; «nachher werden Lollo und ich als besorgte deutsche Reichsbürger irgendwo unsere Stimme für Hindenburg abgeben».12 Am Nachmittag kam es zu der Begegnung mit der Berliner Fakultät im Haus von Julius Richter, der die Versammlung um die ortsansässigen Generalsuperintendenten und die auf der Konferenz weilenden Missionsführer erweitert hatte.13 Das Zusammensein stand unter gewissen Spannungen und dürfte mindestens atmosphärisch den Verlauf der Diskussion von Barths Vortrag am Folgetag beeinflusst haben.14 Am Montag, dem 11. April, gab es weitere Begegnungen, so |159 mit Gerhard Jacobi15, Hermann Sasse16 und einer Anzahl jüngerer Berliner Pfarrer, zumeist Mitarbeiter an dem von Jacobi herausgegebenen Andachtsbuch.17 Auch für die von Otto Dibelius angeregte Unterredung konnte Barth eine Stunde erübrigen.

Auf der Missionskonferenz sprach Barth am Nachmittag des 11. April, wie schon im Vorjahr,18 in der Aula der Berliner Universität. Der Andrang war erneut außergewöhnlich groß: «Es war auch diesmal wieder so, dass man offenbar auf der einen Seite mit meinem Namen ein großes Publikum anlocken wollte – was denn auch geschah: man musste wieder in jene neue Aula ziehen, in der ich schon letztes Jahr geredet, und die wurde rammelvoll, 2000 Leute oder so etwas […].»19 Andererseits sah sich Barth durch den Verlauf der Veranstaltung in seinem Anliegen deutlich missverstanden. In der den Auftakt der Veranstaltung bildenden biblischen Einführung schien ihm «im Voraus eine geölte kleine Polemik» gegen ihn enthalten zu sein.20 Nachdem Barth geredet hatte, hielt Siegfried Knak nicht das im Programm angekündigte Koreferat zur Frage «Welche Aufgaben stellt heute die religiöse Lage auf den Missionsfeldern der Theologie?»21, |160 sondern fühlte sich nach Barths Einschätzung zu einer «schmetternde[n] Pauke» provoziert, «in der er […] teils ganz an mir vorbei, teils in sehr übler Weise auf mich sich beziehend ungefähr alles Törichte, was ich in meinem Vortrag zur Diskussion gestellt hatte, jubelnd noch einmal sagte».22 Als Knak gar den Mangel an seelsorgerlicher Liebe beklagte, den er bei der jüngeren Theologengeneration zu beobachten glaubte, kam es zu Missfallensbekundungen im Auditorium, die nach Knaks Vermutung von den Anhängern Barths kamen, und daraufhin zu einer «Demonstration der großen Mehrheit» gegen dieses Missfallen.23 Die Veranstaltung endete daher mit einem deutlichen Missklang. Barth fühlte sich lebhaft an die Vorgänge im Vorjahr erinnert, als man ohne Gespür für seine Fragestellungen Dibelius gegen ihn gestellt hatte: «Es musste mir vorkommen, als sei ich gerade gut genug, mit meinem nun einmal bekannten Namen die Aula zu füllen, wonach dann die einzige Sorge der Veranstalter die zu sein schien, was ich gesagt möglichst prompt abzudämpfen und über Theologie und Mission alles längst Bekannte, das doch nun gerade zur Diskussion gestellt war, mit Pathos noch einmal zu sagen, als wäre nichts geschehen.»24 Mit dem Eindruck, «eine Mauer von gehörloser Selbstsicherheit»25 hinterlassen zu haben, reiste der enttäuschte Barth am folgenden Dienstag mit den Freunden nach Bethel weiter.

In den folgenden Wochen gab es manchen Versuch zur Verständigung und zur Beseitigung vermuteter Missverständnisse. Knak schrieb gleich am 12. April einen entschuldigenden, erklärenden Brief, in dem er sein Abweichen vom vereinbarten Thema mit der Überlänge von Barths Vortrag begründete, der statt der erwarteten Stunde eindreiviertel Stunden gedauert hatte: «Und dann kam die Zeitbedrängnis. In der mir bleibenden halben Stunde wollte ich versuchen, einiges von meinem vorbereiteten Vortrag über das mir gestellte Thema zu sagen und einige von den Missverständnissen über unser Tun und Treiben, die, wie ich spürte, bei den Hörern durch einige Stellen Ihres Vortrags entstehen mussten, zu beseitigen. Eine wirkliche feste Stellungnahme zu Ihrem Vortrag war mir unmöglich.»26 Es entspann sich ein längerer, |161 von Freimut wie gegenseitigem Respekt getragener Briefwechsel zwischen Knak und Barth, der trotz bleibender Sachdifferenzen versöhnlich endete. Denn Knak war ja durchaus der Meinung, dass die dialektische Theologie der Mission etwas zu sagen habe,27 und Barth hatte bei den Vorstudien für den Vortrag Knaks Missionstheologie schätzen gelernt.28 Sie kamen überein, dass Knaks noch nicht endgültig ausgearbeiteter Vortrag in «Zwischen den Zeiten» erscheinen sollte.29 Barth ging auch bereitwillig auf Knaks Bitte ein, ihm dazu die Korrekturfahnen seines Vortrags zu überlassen.

Julius Richter dankte im Namen des Vorstands der Brandenburgischen Missionskonferenz «für den großen und wertvollen Dienst», den Barth mit seinem Vortrag erwiesen habe,30 machte aber wenig später erkennbar, dass seine Bedenken an Barths missionstheologischem Ansatz nicht ausgeräumt waren.31 Insgesamt blieb das Echo überwiegend |162 kritisch und ablehnend. Eine Stimme wie die des Missionsinspektors Karl Steck32 hatte durchaus Seltenheitswert: «Wir sind in der Mission immer in Gefahr bis in die Begriffsbestimmungen hinein […] vom Technischen gehalten zu werden – es ist unüberschätzbar verdienstvoll, daß Sie uns einen theologischen Missionsbegriff geben.»33

2. Bonn, 10.5.1932

Da Barth in der Druckfassung als Vortragsort nur Berlin angegeben hatte – wohl nicht zuletzt deshalb, weil er sich in der Einleitung ausschließlich auf die Einladung durch die Brandenburgische Missionskonferenz bezog –, ist weithin unbeachtet geblieben, dass er den Vortrag wenig später noch einmal hielt. Hinrich Johannsen34, der Vorsitzende der Rheinischen Missionskonferenz, bat ihn am 14. April um eine Vorlesung auf dem für den 9. und 10. Mai 1932 geplanten «Missionskursus» in Bonn «über ‹das Wort Gottes und die Mission› oder wie Sie sonst das Thema formulieren würden, um damit Ihre theologische Stellung zur Mission uns deutlich zu machen».35 In der Woche zuvor hatte er mit Nelly Barth telefoniert und von ihr erfahren, dass Barth auf der Brandenburgischen Missionskonferenz über ein ähnliches Thema referieren würde. Barth erklärte sich bereit, seinen Berliner Vortrag für die Rheinische Missionskonferenz zu wiederholen, bat aber wegen dessen Länge um ausreichende Redezeit.36 Neben Barth waren unter anderem Johannes Witte37 und Johannes Warneck38 |163 als Referenten eingeladen. Barth sprach am Dienstag, dem 10. Mai – seinem 46. Geburtstag – vormittags am Tagungsort im Evangelischen Gemeindehaus in der Bonner Rathausgasse.

Offensichtlich wurden Barths Darlegungen in Bonn mit einem ganz anderen Verständnis aufgenommen als in Berlin. Johannsen dankte Barth mit bewegenden Worten und schrieb ihm: «Sie haben uns damit einen ganz großen Dienst erwiesen. Für Sie selbst war es gewiss auch eine Freude, an dem in Bonn erlebten Widerhall zu merken, dass Bonn nicht Berlin ist, und dass wir auf dem Boden unserer Rheinischen Missionskonferenz den freien Austausch der Gedanken sine ira et studio wohl zu vertragen in der Lage sind.»39 Ähnlich sah es Barth selbst: Der Vortrag sei in Bonn «unverhältnismäßig viel freundlicher bzw. verständiger aufgenommen worden», so dass er hoffen könne, dass man ihn «auch nachher in den Kirchenzeitungen nicht so schrecklich schlecht machen wird» wie in Berlin.40

Vom Vortrag ist ein von Barth angefertigtes Manuskript erhalten (KBA 10024). Er benutzte dazu ein liniertes Schreibheft im Oktav-Format; der Text füllt 41 engzeilig beschriebene Seiten und wurde dann noch während der Ferien auf dem Bergli mit der Schreibmaschine abgeschrieben. Offensichtlich hat Barth nach dieser Schreibmaschinenfassung, in die noch zahlreiche Änderungen eingeflossen sein müssen, referiert. Dem Brief an Thurneysen vom 9. April 1932 legte er jedenfalls den Text seines Vortrages «zur vielleicht gleichzeitig zu vollziehenden Kenntnisnahme» bei.41 Nach diesem Typoskript, das im Karl Barth-Archiv nicht erhalten ist, dürfte auch der Druck erfolgt sein. Denn Barth betonte gegenüber Knak: «Ich habe keinen Anlass, meinen Vortrag nachträglich zu verschärfen […], sondern werde ihn so drucken lassen, wie ich ihn hielt […].»42 Das heißt: Bei dem veröffentlichten Text handelt es sich eindeutig um die Berliner Fassung des Vortrags. Für die Bonner Fassung musste zumindest der einleitende erste Absatz variiert werden, aber darüber oder über etwaige andere Änderungen gibt es keine Vermerke oder Aufzeichnungen. Insofern ist |164 der ausschließliche Verweis auf Berlin als Vortragsort in der Druckfassung wohlbegründet.

Der Text erschien erstmals in ZZ 10 (1932), S. 190–215 📖. Er wurde übernommen in: Th.Fr.u.A., S. 100–126 📖. Diesem Wiederabdruck folgt die in den Text eingefügte Originalpaginierung. Die Abweichungen vom Manuskript sind ausgewiesen, schon im Manuskript nachträglich eingefügte Textpassagen durch ˹ ˺ kenntlich gemacht. Anders als in Th.Fr.u.A. wurden die Leerzeilen aus dem Erstdruck und dem Manuskript, die an drei Stellen zwischen Absätzen eingefügt sind, übernommen, um die Gliederung des Textes deutlicher darzustellen.

Die Theologie und die Mission in der Gegenwart

Vortrag, gehalten an der Brandenburgischen Missionskonferenz
in Berlin am 11. April 1932

Wenn ich die heute an mich gestellte Anforderung recht verstehe, so besteht sie darin, eine Antwort zu versuchen auf die Frage, was die Arbeit der christlichen Mission in der Gegenwart von der Arbeit der Theologie erwarten und nicht erwarten darf. Dass die Männer der Mission einen Mann der Theologie einladen, in ihrer Mitte das Wort zu ergreifen, das weist schon an sich darauf hin, dass die Mission der Theologie mit Erwartungen gegenübersteht; und der Titel des angekündigten zweiten Vortrags sagt ja noch deutlicher, dass mana der Theologie hier geradezu «Aufgaben» zu stellen gedenkt.43 Warum sollte die Mission der Theologie nicht Aufgaben zu stellen haben? Aber es wird doch, bevor b-darüber gesprochen wird-b, ˹schon um allfällige Enttäuschungen zu vermeiden,˺ eine Überlegung darüber am Platze sein, welcherlei Aufgaben eine c-ihres Wesens und-c ihrer Verantwortung bewusste Theologie sich von der Mission stellen lassen kann, welche möglichen Erwartungen hier allenfalls in Betracht kommen. |165 Dieser Überlegung möchte ich – wie es sich gehört als Prolegomenon zu dem, was wir nachher hören werden – mit dem, was ich hier sagen darf, zu dienen versuchen.

Es wird der Klärung unserer Frage dienen, wenn wir mit einigen Begriffsund Verhältnisbestimmungen den Anfang machen.

Was ist Mission? Ein Handeln der Kirche will sie sicher sein, d-auch wenn das organisatorisch nur indirekt zum Ausdruck kommen sollte-d.44 Ein Handeln der Kirche, will sagen: ˹eine bestimmte Gestalte des Bekenntnisses zu Gottes Selbstoffenbarung in Jesus Christus,˺ eine bestimmte Gestaltf desjenigen menschlichen Handelns, das sich selbst als Gehorsam gegen den Aufruf Jesu Christi als des Herrn verstehen möchte, ein Versuch, seinen Willen zu tun, das heißt, seine Botschaft auszurichten, die Botschaft von ihm als dem Herrn, das heißt von dem Schöpfer, Versöhner und Erlöser des Menschen. Dies, dass Jesus Christus in Wahrheit und Wirklichkeit dieser Herr ist, ist der Inhalt des Wortes Gottes, das heißt des Wortes, das 101 Gott g-zum Menschen-g spricht und dem die Kirche mit ihrem Handeln dienen möchte. Eben das möchte in der Kirche und mit der Kirche auchh die Mission. Die bestimmte Gestalti, in der gerade die Mission dem Worte Gottes dienen möchte, besteht aber darin, dass sie sich j-bei der Ausrichtung-j der Botschaft von Jesus Christus an diejenigen Men|166schen wendet, die sich selber noch nicht in der Kirche befinden, das heißt, die sich noch nicht zu Gottes Selbstoffenbarung in Jesus Christus bekennen, die k-seine Stimme jedenfalls insofern-k noch nicht gehört haben und die ihm jedenfalls insofern noch nicht gehören, als ihre freilich auch ohne das feststehende Hörigkeit ihm gegenüber ˹noch nicht durch den auch an ihnen geschehenen Botschafterdienst der Kirche,˺ noch nicht durch ihre eigene Erkenntnis und noch nicht durch das den auch auf sie gerichteten Willen des Herrn bestätigende Zeichen der Taufe sichtbar geworden ist. Die unter dieseml «Noch nicht!» stehendenm Menschen sind die Heiden. Die Mission ist, sie möchte sein: die Kirche, die sich an die Heiden und insofern nach außen wendet. Dieses Außen ist freilich auch drinnen. Es ist ja gesorgt dafür, dass der Heide auch in der n-Kirche, also-n die Botschaft gehört, die Buße getan, die Taufe empfangen habend, weiterlebt. Insofern ist und bleibt die Kirche selbst Heidenkirche, Sünder- und Zöllnerkirche. Insofern ist alles Handeln der Kirche Mission, auch wo es nicht ausdrücklich so heißt. Insofern ist das, was ausdrücklich Mission heißt, nur eine Verlängerung dessen, was die Kirche mit der Ausrichtung der Botschaft von Jesus Christus an ihren eigenen, in Bezug auf Botschaft, Buße und Taufe immer wieder in das «Noch nicht!» zurückgeworfenen Gliedern tun möchte. Aber eben, diese Verlängerung ist das Auszeichnende des missionarischen Handelns der Kirche. In der Mission wagt die Kirche dasselbe, was sie sonst in Form von Wiederholungen ˹wagt˺ – wahrlich in Form von Wiederholungen von Grund aus, wenn sie sich ˹selbst˺ recht versteht! – nunmehr in Form von Anfängen. Wir könnten sagen: wie radikal die Wiederholung ist, die o-die Kirche-o den Menschen als ihren eigenen Gliedern gegenüber wagt, die sie ihnen zumutet, das macht sie sich klar, indem sie gleichzeitig auch Anfänge mit Menschen wagt, die noch gar nicht ihre Glieder sind. Die Kirche der Heiden drinnen, ˹der Heidenchristen,˺ der Heiden, die schon gehört, schon Buße getan, schon die Taufe empfangen haben und doch in dem Allem immer noch und immer wieder |167 Heiden sind, der göttlichen Wiederholung ˹bedürftig˺ und also auch ˹bedürftig˺ der Wiederholung des Dienstes der Kirche, der erneuten Predigt, der wiederholten Buße, der Bestätigung der 102 empfangenen Taufep – diese Kirche greift in der Mission darin über sich selbst hinaus und bestätigt sich doch eben gerade darin als Heidenkirche, dass sie mit demselben Dienst, den sie an ihren Gliedern tun möchte, auch und gerade an die ˹sich˺ wendet, für die jenes «Noch nicht!» nicht nur das Fehlen der nötigen Wiederholung, sondern schon das Fehlen des nötigen Anfangs bedeutet. Indem die Kirche diese Solidarität ˹der Heiden drinnen mit den Heiden draußen, q-diese Solidarität-q der Welt, der Kreatur, des Volkes r-in der Kirche-r˺ mit aller Welt, mit aller Kreatur, mit allen Völkern nicht nur bekundet, sondern betätigt, möchte sie ernst machen mit ihrem Bekenntnis zu dem Herrn, der ˹der˺ Herr ist und dem auch der Mensch hörig ist jenseits alles menschlichen «Noch nicht!» und vor allem Dienst, den sie, die Kirche, bei der Proklamierung ˹und sichtbaren Anerkennung˺ seiner Herrschaft und s-der Hörigkeit des Menschen-s vielleicht leisten kann. Die Betätigung dieser menschlichen Solidarität t-im Sinneu des Bekenntnisses zu der Herrschaft, zu der Gottheit Jesu Christi-t ist das spezifisch missionarische Handeln der Kirche.

Was aber ist Theologie? Sicher will auch sie ein Handeln der Kirche sein, eine Gestaltv des Bekenntnisses zu Jesus Christus, ein Versuch, durch Ausrichtung der Botschaft von ihm seinen Willen zu tun. Aber gerade das Letztere gilt von ihr in einem andern Sinn als von der Mission. Theologie unterscheidet sich von der Mission, aber auch von der sonstigen nicht im engerenw Sinn missionarischen Verkündigung der Kirche dadurch, dass sie nicht sowohl selber Ausrichtung der Botschaft als vielmehr Besinnung über dieses Tun, Besinnung auf die |168 Richtigkeit dieser Ausrichtung ˹sein möchte˺. Theologie ist freilich nicht der Luxus einer von der Verkündigung der Kirche unabhängigen intellektuellen Anschauung ˹Gottes˺, einer Gnosis der Offenbarung. Theologie ist aber auch nicht selber Verkündigung, ˹etwa philosophisch x-oder historisch-x geläuterte Verkündigung,˺ etwa Verkündigung für die Gebildeten oder dergleichen. y-In diesem wie in jenem Fally wäre sie eine Dublette, deren Existenz letztlich, das heißt in Verantwortung gegenüber dem Sinn und Grund der Kirche, nicht zu rechtfertigen wäre und die an ihrer Überflüssigkeit zugrunde gehen müsste. Die Aufgabe der Theologie ist entstanden und entsteht an der völligen Unzulänglichkeit der nun einmal in menschliche Hände gelegten kirchlichen Verkündigung. z-Theologie ist ein Korrektiv.-z45 In der Theologie macht die Kirche sich selbst den wahrhaftig nötigen Einwand, ob sie denn die Botschaft von Jesus Christus recht auszurichten in der Lage sei, und stellt sie sich selbst 103 die wahrhaftig nötige Frage nach dem richtigen Gehalt dieses ihres Handelns. Die Aufgabe der Theologie ist entstanden und entsteht an der zu keiner Zeit und in keinem Stand der Kirche ausgeschlossenen Möglichkeit der innerkirchlichen Häresieaa. Ihr gegenüber auf reine Lehre zu dringen, ˹nach den Ursprüngen, nach der «katholischen Wahrheit» zu fragen,˺ nicht an Hand irgendeines selbst gewählten Maßstabes, sondern an Hand des immer neu zu entdeckenden ab-und zu verstehenden-ab Maßstabes der die Kirche begründenden Offenbarung, wie sie uns in ihrer prophetisch-apostolischen Bezeugung entgegentritt, das ist die theologische Forschungsaufgabe und die theologische Unterrichtsaufgabe. Weil die Kirche sich der Erkenntnis nicht entziehen kann, dass sie gerade hinsichtlich ihres ac-eigenen und-ac eigentlichsten Handelns der täglichen Buße, der Umkehr zu den Quellen, der Rei|169nigung bedarf, weil auch die Heiligkeit ihrer Verkündigung die Heiligkeit ad-einer Sünderkirche-ad ist, deren Existenz eine Frage und eine Aufgabe bedeutet, darum bringt sie eine Theologie hervor, darum braucht sie theologische Forscher und Lehrer, darum will sie, dass ihre Prediger nicht nur wohlgesinnte ˹und willenskräftige˺ religiöse Persönlichkeiten, sondern unter allen Umständen auch Theologen seien. Theologie muss sein, weil die Kirche sich in ihrem Handeln mit dem Handeln ihres Herrn nicht identifizieren ˹kann˺, sondern ihr Handeln durch das Handeln ihres Herrn richten und nach ihmae ausrichten lassen muss. Nicht als ob dieaf Theologie dieses Richten und Ausrichten selber schaffen könnte. Sie kann ihm nur dienen, wie auch die beste Predigt dem Lauf des Wortes Gottes nur dienen wollen kann. Aber wie das Wort Gottes den menschlichen Dienst der Predigt fordert, so auch den andern menschlichen ag-Dienst, den-ag Dienst der Selbstkritik und Selbstkorrektur ah-jenes ersten Dienstes, das dem Predigtamt zugeordnete theologische Lehramt, den Versuch, im Blick auf die Predigt nach der immer wieder verlierbaren und verlorenen Analogie des Glaubens immer aufs Neue zu fragen-ah. Dieser besondere Versuch kirchlichen Gehorsams ist die Theologie. Weil die Kirche keine Predigt will ohne den gleichzeitigen Versuch dieses Gehorsams, darum will sie, dass ihre Prediger unter allen Umständen auch Theologen seien.

Eine entscheidende Linie herüber und hinüber zwischen Mission und Theologie wird sich sofort ziehen lassen: Mission und Theologie haben jedenfalls dies gemeinsam, dass sie beide Versuche kirchlichen Gehorsams sind. Will sagen: die Arbeit an diesen beiden Aufgaben, die missionarische und die theologische Arbeit, bedeuten, wenn auch in ganz verschiedenem 104 Sinn und an ganz verschiedener Stelle, dies und streng genommen nur dies, dass die Kirche den Befehl ihres Herrn vollstrecken möchte. Beide sind freilich wie alle menschlichen |170 Werke auch Werke menschlicher Motivation, Methode und Zielsetzung. Aber quer hindurch durch alle menschlichen Motivationen, Methoden und Zielsetzungen möchten beide Werke des Glaubens und streng genommen nur des Glaubens sein. Die Mission als Ausrichtung der Botschaft von Jesus Christus nun auch an die Heiden draußen und die Theologie als Besinnung auf die Richtigkeit der Ausrichtung der Botschaft drinnen und draußen setzen voraus die Kirche als Stätte, an der sich Gott so offenbart, zu menschlichem Erkennen und Tun sich so bekennt, dass in seinem Namen und Dienst und damit unter seinem Segen und in seiner Kraft gehandelt, gearbeitet werden ai-muss und kann-ai. Daraufhin, auf diese Voraussetzung hin und streng genommen nur auf diese Voraussetzung hin wird Mission und Theologie gewagt. Alles, was hier unvermeidlich mitläuft an anderen Voraussetzungen, soll hier dieser Voraussetzung untergeordnet sein, soll hier aj-in keinem Sinn-aj eigenen letzten Ernst haben dürfen. ˹Insofern sind sie beide wehrlose, ungesicherte Unternehmungen. Man kann die Mission ebensowenig von einer allgemeinen Ethik wie die Theologie von einem allgemeinen Wissenschaftsbegriff her begründen. Sie sind innerhalb der Grenzen der Humanität46 beide mit den Funktionen der Gesandtschaft eines fremden Staates zu vergleichen. Als durch und durch menschliche Werke möchten sie˺ ak-doch ganz und gar-ak Werke des Glaubens sein. Sie sind Versuche kirchlichen Gehorsams. Wir haben aber im Blick auf beide Anlass, das Wort «Versuch» stark zu unterstreichen. Einmal darum, weil sich beide nach außen wirklich nicht mehr denn als Versuche in dieser Richtung darstellen können. Man kann freilich verlangen, dass man das Wesen der Mission und der Theologie gerechterweise ˹mindestens zunächst nach ihrer eigenen Meinung und Erklärung und also˺ nach dieser ihrer eigenen Intention˹, kirchlicher Gehorsam zu sein,˺ beurteilen müsse. Aber gerade |171 diese ihre eigene Intention lässt sich ja nicht so an den Tag legen, dass sie für jedermann eindeutig sichtbar, dass ein Urteil andersartigen Inhalts über ihr Wesen einfach ausgeschlossen wäre. Mission könnte bekanntlich auch ein Instrument religiöser oder zivilisatorischer Propaganda47 oder gar wirtschaftlich-politischer Machtwünsche48 sein und Theologie eine Spielart, vielleicht sogar eine besonders gefährliche Spielart eigenmächtiger Spekulation und intellektueller Selbstsicherung und Selbstüberhebung. Welche Mission 105 und welche Theologie könnten sich rühmen, ˹mit ihrem Tun˺ nicht in diesem Zwielicht zu stehen? Welche Mission und welche Theologie vermöchte es, sich auch nur den Aspekt zu geben, der sie gegen diesen oder jenen Verdacht solcher Art einigermaßenal schützen würde? Wo ihre wahre Intention sichtbar wirdam, wo sie also als an-Werke des Glaubens kenntlich werden-an, da ist es sicher nicht ihr Verdienst, da geschieht es gegen den Schein, den sie sich selbst ao-geben und zu geben vermögen-ao, da hat etwas Anderes als sie selbst, ap-etwas Höheres-ap als ihre menschliche Werkgestalt für sie und durch sie gesprochen. Ihre menschliche Werkgestalt als solche wird gewiss nicht mehr als eben ein Versuchaq kirchlichen Gehorsams sein und zu sein beanspruchen |172 können. Für solche Bescheidung spricht aber bestätigend auch ein innerer Grund: wenn Mission und Theologie ˹nach ihrer eigenen Meinung und Erklärung˺ Werke des Glaubens sein möchten, so sagen sie ja eben damit, dass sie die Rechtfertigung ihrer Existenz nicht in sich selber zu tragen meinen, sondern aus der freien und freibleibenden Gnade Gottes zu empfangen hoffen. Wie die Kirche überhaupt nie und nirgends darin als wirkliche Kirche existiert, dass fromme, aufrichtige und eifrige Menschen eine Kirche haben und Kirche sein wollen, sondern immer und überall darin, dass Gott in seiner freien Allmacht und Barmherzigkeit Kirchear haben will, so ist es auch nicht Sache menschlichen Gutmeinens und Gutmachens, sondern Sache göttlicher Absicht und Bestätigung, wenn Mission und Theologie sind, was sie sein möchten. Sind sie, was sie sein möchten: Werke des Glaubens, dann sind sie es auf dem Felsengrunde der Erwählung ˹Gottes, der sein Wort spricht zu seiner Zeit und dessen Geist weht, wo er will˺ [vgl. Joh. 3,8]. Was sie in und durch sich selbst sind, das wird auch die beste Mission, auch die beste Theologie nicht bewahren vor der Möglichkeit, dass sie in Wahrheit˹, von Gott verlassen,˺ auch das ganz Andere sein könnten, was sie gerade nicht sein möchten. Gerechtfertigte Werke des Glaubens sind sie, sofern sie durch Gottes freie und freibleibende Gnade über diesem Abgrundas gehalten sind und nicht at-sofern sie sich selbst daselbst halten möchten und könnten-at. Die Ehre ihres Gelingens wird immer eine fremde Ehre, nämlich die Ehre Gottes sein. Und ihre eigene Ehre, die Ehre dessen, was der Mensch in der Mission oder in der Theologie leisten kann, wird gerade nach deren gründlichstem Selbstverständnis nur die anspruchslose Ehre eines Versuchsau sein können. In dieser Bescheidung werden Mission und Theologie auf alle Fälle beieinander sein müssen.

106 Eben in dieser Gemeinsamkeit können und sollen sie sich nun aber auch je der Besonderheitav bewusst sein, in der sie beide kirchlicher Gehorsam sein möchten. Steht es fest, dass Mission und Theologie Werke des Glaubens sein möchten, und steht es gerade darum fest, |173 dass das Gelingen in beiden Gnade, das menschliche Wollen aber wiederum in beiden einen Versuch bedeutet, dann entsteht Raum für die notwendige Verschiedenheit dieser Versuche. Das ist es ja, was das Leben der Kirche und das Leben in der Kirche überhaupt möglich macht: dass sie sich in allen ihren Gliedern und Funktionen aw-in Demut-aw als der irdische Leib ihres himmlischen Herrn erkennt. ax-Aus dieser Demut folgt die kirchliche Sachlichkeit.-ax Mission und Theologie bekommen Raum nebeneinander, je einen eigenen Raum, wenn sich beide ihrer Grenze zunächst in der allein genugsamen göttlichen Rechtfertigung bewusst werden. ay-Und innerhalb-ay dieser sie gemeinsam umschließenden Grenze kann und muss es dann auch Grenzen ihrer beiderseitigen Aufgaben geben.

Reden wir zunächst von gewissen Grenzziehungen, die dann unmöglichaz werden. Es wird dann unmöglich, die Mission (˹etwa noch mit der sogenannten innern Mission˺ ba-und den entsprechenden Funktionen der offiziellen Kirche zusammen) auf der einen-ba und die Theologie bb-auf der andern Seite-bb einander so gegenüber zu stellen: es vertrete die erste die christliche Liebe, die zweite den christlichen Glauben, oder: die erste das Werk, die zweite das Wort, oder: die erste das Leben, die zweite das Denken, ˹oder: die erste das Eilen, die zweite das Wartenbc,˺ oder gar: die erste die kirchliche Front, die zweite aber die mehr oder weniger treulich um Proviant und Munition besorgte Etappe.49 Diese gutgemeinten Unterscheidungen sind darum fatal, weil sie offen oder versteckt Wertschätzungen, Überlegenheitsansprüchebd enthalten, Andeutungen: dass eben doch hier und nicht dort oder doch hier mehr als dort das Eigentliche, Wesent|174liche˹, Entscheidende˺ geschehe, was in der Kirche geschehen sollte, wobei man ja bis ins Unendliche darüber streiten kann, ob man das vom Glauben oder von der Liebe, von der «Front» oder von der «Etappe» sagen will. Eben diese Wertschätzungen werden unmöglich, wenn es wirklich feststeht, dass das Geschehen des Eigentlichen, Wesentlichen und Entscheidenden, das in der Kirche geschehen sollte, be-weder durch missionarische, noch durch theologische, noch durch irgendeine andere menschliche-be Arbeit geschieht, sondern durch das barmherzigebf Wohlgefallen dessen, der diese und jene Arbeit für seinen Dienst fordert und als ihm erwiesenen 107 Dienst, als wirklichen Gehorsam annimmt, wo und wann er gnädig sein will. Steht dies fest, dann werden aus der Diskussion über und zwischen Mission und Theologiebg vor allem die Unterscheidungen verschwinden müssen, die darauf hinauslaufen, als gäbe es in der Kirche solche besonderen Bezirke, in welchen zwischen dem Wollen und Können des Menschen und dem Reiche Gottes sozusagen größere Durchbruchsmöglichkeitenbh bestünden als anderswo. ˹Leben ist nicht mehr als Denken, so gewiss Denken nicht mehr als Leben ist – beide Sätzebi wären Philosophumene, die jedenfallsbj in der Kirche Jesu Christi keine Geltung haben könnenbk.˺ Ist die Kirche als Subjekt der Mission wirklich die Kirche der immer noch und immer wieder höchst unbekehrten Heidenchristen und ist sie als Subjekt der Theologie wirklich die von der Häresiebl von allen Seiten jeden Augenblick höchst aktuell bedrohte Kirche, dann stehen der Missionar sowohl wie der Theologe auf Posten, bm-und zwar, menschlich geredet, auf verlorenen Posten-bm, nicht aber – weder der Eine noch der Andere – anbn Orten besonders mög|175lichen und wahrscheinlichen Sieges. Der Durchbruch, das Geschehen dessen, was in der Kirche geschehen sollte, wird dann weder von der Mission noch von der Theologie, sondern in schlichter Ausschließlichkeit von dem Herrn der Kirche (und von diesem nur, sofern es sein gnädiger Wille ist) erwartet.

Der wirkliche Unterschied von Mission und Theologie ist ein Unterschied des Dienstes. Von Überlegenheitsansprüchenbo hin und her kann schon darum keine Rede sein, weil ihre Dienste sich auf zwei ganz verschiedenen Ebenen abspielen, unter sich unmöglich konkurrieren und also auch nicht wertend miteinander verglichen werden können. ˹Sinnvoll kann hier nur eine Frage sein: die Frage, ob und inwiefern sie einander dienen können.˺

In der Mission handelt es sich wie in der Predigt, Seelsorge und Unterweisung, wie in der innern Mission bp-und den anderen Funktionen-bp, in denen sich die Kirche an ihre eigenen Glieder wendet, um den Dienst der Ausrichtung der christlichen Botschaft. Wobei das Besondere der Mission gegenüber jenen andern Formen kirchlichen Handelns darin liegt, dass die Kirche hier sozusagen reines Subjekt dieses Dienstes ist. Nicht auch Objekt wie dort. In der Mission redet die Kirche nicht wiederum zur Kirche. Kein schon gehörtes Wort, kein schon sich bezeugender Heiliger Geist wird hier bei den Hörern der Botschaft vorausgesetzt. ˹Vorausgesetzt wird, dass sie Gott und den Nächsten hassen50 und falschen Göttern 108 dienen˺ bq-und dass für sie als solche Menschen Christus gestorben und auferstanden ist-bq. Als Missionsbotschaft ist die christliche Botschaft nicht Wiederholung, sondern Anfang. Sie geht ins Leere, br-sie geschieht-br auf Hoffnung wider alle Hoffnung [vgl. Röm. 4,18]. Sie kann nur an solche Punkte anknüpfen, die sie selber zuvor setzen muss, nicht an solche, die schon vorher und an sich da wären. Sie kann nicht parlamentierend, sondern nur diktierend verkündigt werden. Sie rechnet nicht mit Entwicklungen ˹eines schon Vorhandenen˺, sondern mit Schöp|176fungen aus dem Nichts. Sie verkündigt nicht Kranken die Genesung, sondern Toten die Auferstehung. bs-Gewiss das ist die Art der christlichen Botschaft-bs auch in der Wiederholung, auch wo sie sich an die eigenen Glieder der Kirchebt wendet. Die Wahrheit und Kraft aller kirchlichen Predigt hängt daran, dass sie immer wieder so gewagt wird. Um wieviel mehr da, wo sie, wie in der Mission, reiner Anfang ist. Eben das, was die Missionspredigt zum Prototyp der kirchlichen Predigt überhaupt macht, charakterisiert aber auch die bu-Erstaunlichkeit des Unternehmens, das die Kirche in der Mission wagt-bu. Sie wagt es, an die Möglichkeit eines reinen Anfangs zu glauben und nach diesem Glauben zu handeln. Sie wagt es, den Menschen etwas zu sagen und etwas von ihnen zu verlangen, was diese ˹nach menschlichem Ermessen˺ von sich aus weder je wissen noch je wollen können. Sie wagt es, ihnenbv mit der einen Hand ihr Heiligstes zu nehmenbw, ohne ihnen mit der andern einen ˹einleuchtenden˺ Ersatz dafür bieten zu können. Sie wagt es, sie vor eine Entscheidung zu stellen, in der sie nach allem, was man darüber wissen und vermuten kann, versagen müssen. Sie wagt einen Sprung an einer Stelle, wo nach dem Urteil aller Vernünftigen nur ein Brückenbau dienlich sein könnte und wo nach dem Urteil aller Einsichtigen auch und gerade ein Brückenbau unmöglich ist. Die Missionsmethoden mögen unter sich sehr verschieden sein;51 ihre Verschiedenheiten ändern doch nichts daran, dass der Dienst aller Mission bx-in seinem-bx Grund und Kern in diesem Wagnis besteht. Dieses Wagnis ist aber nicht möglich ohne ein bestimmtes, nicht geringes Zutrauen der Kirche zu sich selber. Sie muss es sich zutrauen – sie, die Heidenkirche! – den anderen Heiden da draußen als Botschafterin an Gottes Statt52 [2.Kor. 5,20], als Künderin des |177 Lichtes in der Finsternis [vgl. Joh. 12,46] entgegenzutreten. Sie muss es sich zutrauen, die Botschaft selbst so gut verstanden und so fest ergriffen zu haben, dass sie weiß, was sie will, und will, was sie weiß, wenn sie nun wirklichby der an Frömmigkeit, Geist und Vitalität jeder Art so reichen Welt da draußen mit dieser Botschaft entgegentritt. Sie muss es sich zu109trauen, dass ihr Wille, diesen Kampf auf Leben und Tod zu wagen, ˹ihr sogenannter «Missionswille»53˺, kein eigenmächtiger und kein unreiner, sondern ein gehorsamer und lautererbz Wille ist. Sie muss es sich zutrauen, in den Sprachen Afrikas und Asiens, die der Mensch sich so wenig zu diesem Zwecke geschaffen hat wie das Hebräische, Griechische oder Deutsche, Worte zu finden oder vielmehr erobernd Worte zu usurpieren, ca-in Anspruch zu nehmen-ca zum Dienste des Wortes Gottes. Sie muss es sich zutrauen, cb-dass sie in der Lage sei,-cb diesen Worten ˹Licht und˺ Nachdruck zu geben durch die Haltung und Führung, durch die Klugheit und Demut, cc-durch den Brudersinn-cc ihrer Boten, die den Anderen schließlich doch auch nur als verkehrte und gebrechliche, cd-von Natur selbstsüchtige-cd Menschen und gar nicht (oder sicher auch auf der verlorensten Insel nicht lange)ce als Wesen moralischcf höherer Art gegenübertreten können. Sie muss es sich zutrauen, es vor Gott und den Menschen verantworten zu können, wenn sie, wie es in der Mission nun einmal geschieht, nicht bloß bleibt, wohin sie Gott gestellt, sondern auchcg über sich selbst hinausgreift ch-und hinausgeht-ch und auch derci draußenstehenden Brüder Hüter sein [vgl. Gen. 4,9] zu |178 wollen sich anschickt. Ohne dieses bestimmte, nicht geringe Zutrauen der Kirche zu sich selber kann das Wagnis der Mission offenbar nicht gewagt werden.

Und nun steht irgendwo neben der Mission als Versuch kirchlichen Gehorsams auch die Theologie, und wir möchten wissen, wie die Theologie der Mission zu dienen vermag, was die Mission von der Theologie zu erwarten und nicht zu erwarten hat.

Zweierlei darf hier gleich vorweggenommen werden:

1.cj Wenn es wahr ist, dass auch die Theologie nur ein Versuch kirchlichen Gehorsams, ein in der Kirche zu leistender Dienst ist, dann darf die Mission von der Theologie nur Menschenmögliches erwarten, nicht aber Dinge, die sie angemessenerweise nur von dem Herrn der Kirche erwarten kann und wirklich von ihm erwarten soll. Es ist zum Beispiel zu viel verlangt, wenn man von der Theologie erwartet, dass sie «der Kirche die Missionstat schenkenck», das heißt doch wohl, dass sie jenes Zutrauen der Kirche zu sich selbst und damit das Ereignis missionarischen Wagens cl-hervorbringen könne und solle-cl.54 Verbindet man ernsthafte Vorstellungen mit dem Begriff dieses Ereignisses, wie kann man es dann als ˹Hervorbringung und˺ Geschenk einer Theologie verstehen? Man darf aber von der Theologie auch das nicht verlangen, dass sie den Missionsbefehl so erkläre und formuliere, dass das Entstehen eines mächtigen sogenannten «Missions110willens» in der Kirche das greifbare Ergebnis ihrer Arbeit sei. Wiederum: ist dieser sogenannte Missionswille eine ernsthafte Angelegenheit, wie kann man ihn dann als Ergebnis theologischer Arbeit bestimmen und von da her erwarten wollen? Und weiter: die Mission |179 kann von der Theologie nicht erwarten, dass diese ihr irgendwelche Waffen oder Instrumente zur Verfügung zu stellen habe, mit Hilfe derer das Zutrauen zu sich selbst, das die Kirche in der Mission beweisen muss, weniger kühn, das Wagnis der Mission weniger unmöglich werden könnte. Sie kann den Missionar zum Beispiel nicht in den Besitz eines Beweises für die Absolutheit des Christentums55 setzen. Sie hat ihm nicht einmal so etwas wie ein System der christlichen Wahrheit und Sittlichkeit56 anzubieten. ˹Sie kann ihn auch nicht im Voraus belehren und insoferncm beruhigen hinsichtlich des «Anknüpfungspunktes», den das Wort Gottes bei seinen heidnischen Hörern finden werde und müsse.˺57 Und sie ist nicht in der Lage, ihm auch nur von ferne die für seinen Dienst so nötige Gewissheit des christlichen Glaubens58 in irgendeiner Form darreichen und vermitteln zu kön|180nen. Sie wird ihm vielmehr sagen müssen, dass er das Alles: den Beweis und das System ˹und den Anknüpfungspunktcn˺ und die Gewissheit beileibe nicht bei ihr ˹und überhaupt bei keiner menschlichen Instanz˺, sondern immer wieder bei Gott suchen soll. ˹Wenn Gott sich vielleicht auch einmal der Theologie bedienen will, um der Mission das zu geben, was nur er selber ihr geben kann co-und will-co, so ist das eine Sache für sich.˺ Die Theologie kann es aber nicht darauf absehen, Erwartungen dieser Art zu befriedigen. Sie kann es nicht, weil sie es nicht darf, weil sie sich aus der Stellung des Dienstes nicht verdrängen lassen darf. Befriedigung von Erwartungen dieser Art aber wäre nicht Dienst, sondern angemaßte Herrschaft. Wenncp der Ton ernst zu nehmen wäre, der in der Missionsliteratur manchmal vernehmlich wird: als ob die Befriedigung von Erwartungen dieser Art das Kriterium wäre, an dem messend die Mission befugt wäre, über Wert oder Unwert einer Theologie zu urteilen,59 so dürfte die Rückäußerung erlaubt sein, dass mindestens ein Kriterium, an dem die Theologie sich gemessen weiß, gerade darin besteht, dass sie cq-bei ihrem Sagen und Tun-cq ihre Grenzen wahrt gegenüber dem, was nur Gott sagen und tun kann. Wenn man auf Seiten der Mission bei solchen Erwartungen wirklich verharren wollte, so wäre wohl nicht genügend bedacht, dass doch auch die Mission selbstcr nur Dienst und nicht Herrschaft sein und darum gerade das Entscheidende, dessen sie bedarf: die Missionstat, den Missionswillen, die Missionskraft, immer wieder nur 111 von Gott erbitten, nicht aber˹, wie solche Erwartun|181gen der Theologie gegenüber zu verraten scheinen,˺ als einen menschlichen Besitz in Anspruch nehmen darf.

2.cs Wenn es wahr ist, dass es innerhalb der durch die göttliche Rechtfertigung gezogenenct Grenze Raum gibt für verschiedenen Dienst, dann darf man auch innerhalb des Menschenmöglichen seitens der Mission nicht ungeduldig darüber werden, wenn die Theologie nun einmal Theologie und nicht selbercu Mission ist. ˹Theologie cv-als solche-cv kann nicht «in Mission einmünden».˺60 Theologische Arbeit hat nun einmal ihr eigenes Gesetz und ihren eigenen Weg. Ist sie ihnen getreu, so wird sie damit implizit und indirekt wie der Kirche überhaupt, so gewiss auch der Mission dienen. Und wenn sie in gewissen Wendungen ungewollt auch direkt missionarische Bedeutung bekommen sollte, so wird das gewiss immer ein Ereignis sein, dessen man sich cw-auf beiden Seiten-cw dankbar freuen kann. Es geht aber nicht an, die Arbeit der Theologie, wie Missionsfreunde es gelegentlich tun, ˹nur daraufhin anzusehen und cx-nur nach dem Gesichtspunkt-cx zu würdigen,˺ wie viel oder wie wenig dabei an direkten Erwähnungen, Bezugnahmen, Bejahungen oder, sagen wir ernsthafter: an direkter Mitarbeit für die Mission herausspringen möchte. Theologische Arbeit will wie jede rechte Wissenschaft um ihrer selbst willen, ohne Rücksicht auf die praktische Tragweite und Brauchbarkeit ihrer Ergebnisse betriebency sein. Geradecz ihre wirkliche praktischeda Bedeu|182tung erschließt sich nur einer gewissen Selbstlosigkeit und Sachlichkeit, die nicht ernten will ohne gesät zu haben. ˹Wer ihr erst von dem Augenblick ab «dankbar»61 wird, wo er etwas mit ihr anfangen kann, das heißt wo sie ihm Wind in seine eigenen Segel und Wasser auf seine eigenen Mühlen gibt, der sollte ihr lieber nicht danken, denn ihm ist sie sicher nicht, was sie auchdb ihm sein könnte.˺ Auch den Missionar oder Missionsfreund darf man bitten, das, was er braucht, in der Theologie nicht gleichsam handgreiflich gebrauchsfertig vorfindendc zu wollen. Er wird sich schon auf das eigene Gesetz und den eigenen Weg der Theologie, die mit denendd der Mission nicht identisch sind, einlassen müssen, um hier ernsthaft und mit Erfolg mitzutun. Wenn in der Kirche wirklich niemand für sich die Sache des Herrn zu führen hat, dann muss es hier verschiedene Räume und einen gewissen gegenseitigen Respekt vor dieser Verschiedenheit geben.

Das Menschenmögliche, das man von der Theologie für die Mission erwarten darf, ergibt sich aus der Eigenart der theologischen Arbeit im 112 Unterschied zu der missionarischen ˹wie zu aller sonstigen kirchlichen Arbeit˺. de-Diese Eigenart-de ist zunächst dadurch bestimmt, dass die Kirche in der Theologie Subjekt und Objekt ist, dass in ihr die Kirche zur Kirche redet. Das gilt freilichdf auch von dem sonstigen Handeln der sogenannten Heimatkirche. Die Theologie unterscheidet sich aber von der Mission und von diesem sonstigen Handeln der Heimatkirche dadurch, dass sie voraussetzt: der Versuch der Kirche, ihrem Dienst der Verkündigung gerecht zu werden, ist im Gang, und dass sie sich nun an die in diesem Dienst handelnde Kirche wendet mit der Frage nach der Richtigkeit ihres Handelns. Nicht vom |183 Ort eines fremden Zuschauers aus und nicht mit einer unverantwortlichen Zuschauerfrage, sondern selbst als kirchlicher Dienst und Gehorsam, selbst als eine notwendige Funktion der Kirche, nun aber als die Funktion der Kirche, in welcher sie ihre Verkündigung prüft auf ihr Recht und ihren Grund, in welcher sie sie misst an dem Ursprung, auf den sie sich beruft, in welcher sie immer wieder zu hören versucht, um recht reden zu können. In der Theologie möchte sich die Kirche immer aufs Neue – und zu jeder Zeit in der gerade ihr angemessenen Verschärfung – sowohl der Notwendigkeit als auch der Unerhörtheit eines Handelns aus dem Glauben bewusst werden, der ˹Notwendigkeit, aber auch der˺ Bedrohlichkeit eines Wagnisses, wie dessendg, das ihr befohlen ist, der Notwendigkeit, aber auch der tiefen Bedenklichkeit des Selbstvertrauens, dessen sie zu diesem Wagnis bedürftig ist. In der Theologie möchte die Kirche der Kritik standhalten – oder vielmehr nichtdh standhalten, ˹vielmehr˺ der Kritik sich rückhaltlos ausliefern, nochmals: nicht irgendeiner fremden, von außen herangetragenen, sondern der aus ihrem eigensten Sein und Wesen von ihrem Herrn her notwendig hereinbrechenden Kritik ihres Handelns. Nur von daher kritisiert möchte sie handelnd weiterschreiten, ˹Zutrauen zu sich selbst haben und neu fassen,˺ im Zutrauen zu sich selbst wagen, was sie wagen muss. ˹Theologie ist die Aufmerksamkeit der Kirche auf den Grund und Gegenstand ihrer Verkündigung. Darum ist die Exegese der Heiligen Schrift (im weitesten Sinn des Begriffs Exegese verstanden) die eigentliche und zentrale Aufgabe der Theologie. Wenn die Kirche nicht ohne Theologie sein will, so bedeutet dies, dass sie um keinen Preis, treffe es sie, wie es wolle, dieser Aufmerksamkeit entraten will.˺ Braucht erst gesagt zu werden, dass die Kirche wie zu ihrem Handeln überhaupt, so nicht weniger auch zu diesem kritischen Handeln an sich selbst des Glaubens bedarf, des Glaubens, dass es unter allen Umständen und wider allen 113 Schein gut und heilsam ist, sich den Herrn der Kirche von allen Seiten in den Weg treten zu lassen, ihm nach allen Seiten die Ehre zu geben, sei es, dass er ein unerhörtes Tun von den Seinigen verlangt, sei es, dass er ihnen eine unverrückliche Zuversicht zu diesem Tun gibt, sei es ˹denn – und das |184 ist das objektiv göttliche Korrelat zu dem Menschenwerk der Theologie –˺ dass er eben dies ihr Tun in seiner Menschlichkeit in das tötende und lebendig machende Gericht seines Wortes nimmt. Wenn der Glaube der Kirche nicht auch zu diesem Letzten und insofern zur ˹Aufgabe der˺ theologischen Kritik als zu einer kirchlichen Aufgabe Ja sagen wollte, sodi würde er wohl nicht Glaube, sondern Unglaube sein.

Das Menschenmögliche, das ˹von der Theologie her˺ für das ˹übrige˺ kirchliche Handeln und so auch für die Mission zu erwarten ist, wird demnach dies sein, dass die Theologie die Verkündigung drinnen und draußen mit bestimmten Fragen begleitet, die auf ihr Verhältnis zu ihrem Grund und Gegenstand hinzielen, die sie gegenüber allem noch so drängenden Ob? Wann? und Wie? an das Was? erinnern, um deswillen Verkündigungdj der Mühe wert ist, die sie auf die enge Pforte [vgl. Mt. 7,13] hinweisen, durch die auch die gewaltigsten und herrlichsten Taten des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung [vgl. 1.Kor. 13,13] hindurchgehen müssen, um zu sein, was sie sein wollen. Wohlverstanden: die wirkliche und wirksamedk Kritik des kirchlichen und so auch des missionarischen Handelns vollzieht das Wort und vollzieht der Geist Gottes selber. ˹Sie und nicht die theologische Kritik ist die enge Pforte.˺ Das Menschenwerk der theologischen Kritik ˹kann dieser wirklichen dl-und wirksamen-dl göttlichen Kritik an der Kirche˺ schlechterdingsdm nur dienen ˹wollen˺. Wir sagen darum nicht etwa, dass die Theologie in der Kirche Urteile zu fällen, sondern wir sagen nur dies, dass sie Fragen zu stellen habe, Fragen, die sie nicht apodiktisch beantworten kann, sondern die ebendn als Fragen ihren menschenmöglichen Dienst tun müssen, auf das apodiktische göttliche Urteil, das der Mensch nicht vorwegnehmen˹, sondern immer nur bedenken und erwarten˺ kann, hinzuweisen. Wenn die kirchliche Verkündigung diese Fragen gehört hat, wenn das, was sie sagt, durch das |185 Feuer dieser Fragen hindurchgegangen ist, dann hat ihr die Theologie den Dienst geleistet, den sie ihr leisten und den man von ihr erwarten konnte.

Versuchen wir es zum Schluss, uns an vier beispielsweisedo ˹herausgegriffenen˺ dp-und natürlich nur andeutungsweise auszuführenden-dp Punkten aus der Problematik der Mission der Gegenwartdq klar zu machen, was es etwa 114 heißen könnte, wenn nun ˹speziell˺ die Mission sich von den Fragen der Theologie begleiten lassen wollte.

1. Die Mission hat immer dr-und so auch heute-dr Gewicht darauf gelegt, sich selbst und der ganzen Kirche das sogenannte Missionsmotiv62 klar zu machen, das heißt sich selbst als eine wesensnotwendige Funktion der Kirche, als eine unentbehrliche Lebensäußerung der Christenheit zu rechtfertigen. Die in der heutigen, jedenfalls in der heutigen deutschen Mission in dieser Hinsicht ˹im Ganzen˺ maßgebenden Gedanken sind, wenn ich recht sehe, aufs kürzeste zusammengefasst etwa diese: Wir sind zur Mission aufgerufen einmal durch die Tatsache, dass wir an unserem Glauben ein Gut, einen Wert, ˹einen Reichtum˺ besitzen, ˹der an sich und als solcher zur Mitteilung drängt,˺ dessen Mitteilung wir denen, die seiner bis jetzt entbehren, ds-als die glücklich Besitzenden-ds einfach schuldig sind.63 Sodann durch |186 die Tatsache, dass der moderne Weltverkehr, die moderne Weltwirtschaft, die moderne Weltpolitik ˹immer deutlicher˺ eine Situation geschaffen haben, durch die uns jene Anderen, die der christlichen Kirche einst Fernste sein mochten, faktisch ˹räumlich und moralisch˺ zu Nächsten geworden sind, ˹eine Situation,˺ durch die jene Mitteilung dt-aus einer freien Möglichkeit zu einer selbstverständlichen-dt Pflicht der Kirche geworden ist.64 Endlich und vor allem durch die Tatsache, dass das die Kirche und die Christenheit konstituierende Evangelium, wie sein Name sagt, in seinem Wesen Botschaft ist, die nicht ruhen, sondern laufen, nicht besessen und genossen, sondern ausgerichtet sein will.65 – Die theologischen Fragen, die zu dieser Sache und zu diesen Gedanken zu stellen wären, könnten etwa diese sein: Die Mission bedarf in der Tat wie Alles, was die Kirche tut, der Rechtfertigung, das heißt der Angabe ihrer Motive, und als das ausgesprochen Kühnste, was die Kirche tut, als jenes Hinausschreiten der Kirche über sich selbst, gewiss auch ganz besonderer Rechtfertigung. Aber ist sie sich darüber klar, dass auch und gerade sie sich letztlich nicht selbst rechtfertigen, sondern nur darauf hoffen kann, als Akt des Gehorsams gerechtfertigt zu sein, ohne dass sie auf eine Bürgschaft dieser Hoffnung die Hand legen könnte, wie man auf jene Missionsmotive die Hand legen zu können und manchmaldu auch zu wollen scheint? Sind |187 nicht alle Motivationen der Mission, die man von jeher angegeben hat, und sind nicht auch die heute angegebenen an sich vortrefflichen Missionsmotive bloße Veranschaulichungen eines Motivs, das man nicht angeben und voraussetzen kann, weil es ˹identisch ist mit dem˺ aktuellen Willen und Befehl einer 115 Person, nämlich der göttlichen Person, des Herrn der Kirche, ˹einem Willen und Befehl,˺ der sich in kein System von menschlichen Begriffen, Gesichtspunkten und Gründen, und wären es die der erleuchtetsten Christen, einfangen lässt, der ein freier Wille und Befehl ist, der immer neu, mit dem Mute, immer wieder von vorn anzufangen, ˹aus der Heiligen Schrift abgelesen,˺ gehört und verstanden sein will˹, dessen Inhalt, dasdv Vorwärts! Halt! oder Zurück!, dw-das er für uns bedeutet, uns, wenn wir nicht eigenmächtig sein wollen, immer wieder offen und bereit finden muss-dw˺? Muss es nicht etwa auch dem treuesten Missionar, auch dem überzeugtestendx Missionsfreund zu denken geben, dass der Begriff «missio» in der alten Kirche ein Begriff aus der Trinitätslehre, nämlich die Bezeichnung für die göttlichen Selbstsendungen, die Sendung des Sohnes und des Heiligen Geistes in die Welt gewesen ist?66 Versteht es sich etwa von selbst, dass wir es anders halten dürfen? Ist der ˹nun einmal nicht zu leugnende˺ Ursprung der modernen Mission bei den Jesuiten und bei den Pietisten, das heißt dy-ihre Geburt-dy aus dem Geiste des ˹katholischen und protestantischen˺ Barockchristentums67 |188 – auch wenn man aus dieserdz geschichtsphilosophischen Überlegungea die sachlichen Konsequenzen nicht ziehen darf und will, die Paul Schütz hier gezogen hat68 – nicht doch mindestens eine sehr ernste Warnung? Eine Warnung ˹vor der für jene Zeit so charakteristischen Überschätzung dessen, was der Mensch für göttlich gut meint halten zu dürfen und zu sollen, eine Warnung also auch˺ vor der Überschätzung aller angebbaren Missionsmotive? Sie könnten an sich, wie trefflich und wahr sie uns immer anschauen, wie unausweichlich sie sich uns aufdrängen mögen, auch Ergebnisse einer Systematik seineb, deren Eigenmächtigkeit mit Gehorsam nichts zu tun hätte. ˹Die Möglichkeit, dass der Mensch sich in der Mission etwas nimmt, was ihm |189 nicht zukommt, könnte durch die sämtlichen angebbaren Missionsmotive ebensogut erwiesen als widerlegt sein.˺ Dürfte es darum nicht angemessen sein, sie nicht geltend zu machen, ohne zugleichec zuzugeben, dass sie an sich allesamt gefährdet sind, dass sich gegen sie alle, wie einleuchtend und zwingend sie uns auched augenblicklich erscheinen ˹mögen˺, doch immer noch Einwendungen erheben lassen? Wäre es zugegeben, dass dem ˹grundsätzlich˺ so sein muss, wäre eingesehen, dass wir mit keinem Missionsmotiv wirklich und letztlich durchkommen, es wäre denn mit dem heute und jetzt ergehenden Befehl des Herrn, auf den man sich nur berufen kann, ˹indem man darum betet, ihn zu empfangen,˺ indem man ihn wiederholt und ausführt, wie man ihn gehört hat – wäre 116 es dann nicht möglich, dass die Mission bei Angriffen auf ihre Notwendigkeit und Berechtigung wie einst dem schwergerüsteten Angriff von J. T. Beck69 oder heuteee dem etwasef leichter geschürzten von P. Schütz70 mit etwas weniger Nervosität reagieren dürfte˹, als es da und dort geschehen ist˺? Einfach darum, weil sie jaeg dann wüsste, dass sie mit ihren angebbaren ˹und angreifbaren˺ Motiven weder steht noch fällt, dass es ihr nur zum Besten dienen kann, eh-wenn ihr deren Gebrechlichkeit wieder einmal zum Bewusstsein gebracht,-eh wenn sie vielleicht wieder einmal von allen möglichen Selbstrechtfertigungen zurückgeworfen wird auf die Rechtfertigung, die ihr nur widerfahren kann und die ˹gerade˺ als solche ihre wirkliche und wirksame Rechtfertigung sein wird. ˹Die |190 Voraussetzung der Erkenntnis dieser Rechtfertigung ist dochei die Erkenntnis, dass jede menschliche Berechtigung der Mission bis in die Wurzel hinein anfechtbar ist.˺ Sollte die Missionsapologetik, deren Sätze durch solche Angriffe getroffen werden können, nicht vielleicht gerade so viel wirkliche Bedeutung haben, ˹als sie solchenej Angriffen keinenek allzu ernstlichen Widerspruch entgegensetzt,˺ als sie die Relativität ihrer eigenen Sätze einsieht und zugibt und als sie die Mission ˹über alle sogenannten Missionsmotive hinaus˺ auf die Grundlegung verweist, die mit der höchsten Beunruhigung, die sie wie über jedes menschliche Werk so auch über die Mission bringen muss, auch ihre faktische Bewährung bedeutet?

2. Mit der Frage nach dem rechten Missionsmotiv hängt eng zusammen die Frage nach dem rechten Aufruf zur Mission. Die Mission tritt innerhalb der Kirche verständlicherweise vor allem in Erscheinung in Form von Werbung für die Mission. Und diese Werbung vollzieht sich, wenn ich wiederum recht sehe, heute wie in den Anfängen der Mission entscheidend in Form des Missionsberichtes, das heißt der Darlegung der konkreten Notwendigkeit, der Hemmungen und Förderungen, der Erfolge und Niederlagen der missionarischen Arbeit. Auch das wird so sein müssen. – Aber auch dazu sind einige theologische Fragen zu stellen. Es ist offenbar eine besondere Gnade und gar keine selbstverständliche Möglichkeit, wenn es dazu kommt, dass (wie ich persönlich es etwa von den Büchern von Christian Keyßer sagen würde71) wirklich mit dem Bericht von Mission wirklich für die Mission geworben wird. ˹Die wie es scheint von J. P. Lange eingeführte und dann besonders von Martin Kähler fruchtbar gemachte |191 Unterscheidung von Mission und Propaganda72 ist heute in zweifellos bedeutsamer Weise in das Bewusstsein el-jedenfalls der 117 deutschen-el Mission eingegangen – nämlich hinsichtlich der Zielsetzungen für ihre Arbeit draußen.73 Man wird aber fragen dürfen: ob sie auch bei der theologisch vielleicht noch schwerer zu bestimmenden Zielsetzung ihrer Heimatarbeit schon in der ihr zukommenden Weise zu ihrem Rechte gekommen ist?˺ Enthält nicht schon der Begriff des Missionsberichtes eine ganz eigentümliche Schwierigkeit? Werben soll er und zu diesem Zweck Entscheidendes mitteilen. Gerade über das Entscheidende aber, nämlich über die wirklicheem Not des Heiden, über die wirklicheen Kraft des Evangeliums, ˹über wirklicheeo |192 Bekehrung,˺ über wirklichep erwachendes neues Leben lassen sich doch keine, jedenfalls keine direkten Mitteilungen74 machen, aus dem einfachen Grund, weil sie doch wahrlich weder draußen noch bei uns Gegenstände von Beobachtung, jedenfalls nicht von direkter Beobachtung sind. Kann sich die Mission wohl genügend der Verantwortung bewusst sein bei der Vorlage ihrer Berichte, gerade darum, weil diese zugleich werben sollen? Ist sie sich klar darüber, dass die Apostelgeschichte mit ihren allerdings höchst direkten Mitteilungen dieser Art nun eben die Apostelgeschichte ist, ein Stück des ˹kanonischen˺ Zeugnisses von Gottes einmaliger eq-und einzigartiger-eq Offenbarung, und auf keinen Fall dazu uns gegeben, um durch er-die (feineren oder gröberen!) Geschichten von den Taten unserer Missionare-er ˹wiederholt,˺ fortgesetzt und womöglich überboten zu werden, wie es ihr in der ˹altkirchlichen und mittelalterlichen˺ Heiligenlegende widerfahren ist? es-Sollte es der heutigen Mission nicht möglich sein, sich gerade in dieser Hinsicht vom Geist des Barock mit seinem Bedürfnis nach Vorführung gerade noch etwas freier zu machen?-es Müsstenet ihre Berichte [nicht], gerade weil sie werben, aber eben für die Mission eu-und also nicht für eine Partei oder für ein Geschäft-eu werben sollen, lieber zu wenig als zu viel sagen wollenev, ew-das heißt aber-ew am liebsten˹, wenn die betreffenden Missionsschriftsteller nicht prophetische Inspiration für sich in Anspruch ­nehmen,˺ gar nichts in letzten Worten, ex-gar nichts in Form des Versuchs-ex von direkter Mitteilung? Missionsberichte müssen glaubwür|193dig sein˹, um werbekräftig, nämlich in dieser Sache, in Sachen der Mission, werbekräftig zu sein˺. Glaubwürdig aber macht sie – so ist jedenfalls theologisch zu denken – gerade das, was sie˹, indem sie etwas sagen,˺ nichtey sagen – nicht sagen, weil sie auf der Erkenntnis beruhen, dass man es nicht sagen darf und darum auch nicht sagen kann. Es ist wichtig zu betonen: gerade um der Werbekraft des Missionsberichtes willen ist diese Frage zu stellen. Wofür soll er denn werben? Doch für die Mission als Werk des Glaubens! 118 Doch dafür, dass die Gemeinde, die sogenannte Heimatgemeinde, die Gemeinde der Heidenchristen sich selbst erkenne und betätige als das, was sie von Hause aus ist: als Missionsgemeinde! Nicht als Missionsverein oder -gesellschaft, nicht als zur Missionstat eigenmächtig entschlosseneez, sondern als zur Missionstat berufenefa Menschenscharfb. Kann die Werbung dafür mit genug Bedacht betriebenfc werden? Wird sich die Mission ˹nicht allzu bald und in der verschiedensten Hinsicht mit Recht˺ über einefd Heimatgemeinde beschweren müssen, fe-bei deren-fe Werbung sieff vielleicht dieses Bedachtnehmen nicht geübt hat? Kann die gröbere oder feinere Heiligenlegende für etwas Anderes werben als für eine gröbere oder feinere Werkgerechtigkeit? Und wird Werkgerechtigkeit die Mission auf die Länge wirklich tragen können und wenn ihre Leistungen noch so treu und reichlich wären? Wäre die Mission nicht ein Koloss auf tönernen Füßen [vgl. Dan. 2,31–45], wenn sie, um leben zu können, nach dem Grundsatz: Helfe, was helfen mag! verfahren wollte? Aber wird dann, wenn sie das nicht will, ihre Botschaft an die Heimat nicht doch˹, indem sie von dem Werk der Mission berichtet,˺ abbiegen müssen von allen Berichten über menschliche Leiden und Taten, Zustände und Aussichten und einbiegen in das an Hand der keiner Ergänzung bedürftigen biblischen Texte stattfindende Berichten von den einmaligen und einzigartigenfg |194 Taten Gottes? Kann die Missionsgemeinde: die die Mission als ein Werk des Glaubens und nicht der menschlichen Eigenmacht tragende Missionsgemeinde, ­anders gesammelt werden als indem die Gemeinde überhaupt gesammeltfh wird, das heißt aber in Form jener Wiederholung, also wirklich gar nicht durch Propaganda, sondern fi-auch sie selber-fi durch Mission und nur durch Mission?

3. Die Missionsliteratur der Gegenwart ist bewegt von der Diskussion über die rechte Fassung der Missionsaufgabe. Bedeutet das rechte Hören des Evangeliums entscheidend eine innere seelische Umwandlung des Menschen, besteht also die Missionsaufgabe˹, die Ausrichtung der Botschaft,˺ entscheidend darin, den Heiden bei diesem inneren Anderswerden˹, das der Missionar schon hinter sich, der Heide aber noch vor sich hat,˺ dienlich zu sein? Oder ist das Wesen des Christwerdens zu suchen in der Annahmefj einer neuen ˹moralischen˺ Lebensgestalt, um deren Beschaffenheit ˹und Güte˺ der Missionar als Vertreter seiner europäischen Heimatgemeinde weiß, der Heide aber noch nicht weiß, so dass die Aufgabe jenes darin bestünde, diesen in das Leben in jener Gestalt˹, will sagen: in die christlich bestimmte Kultur oder Zivilisation˺ über- und einzuführen? 119 Oder wird der ein Christ, der ˹zugleich innerlich und äußerlich˺ fk-heimfindet zu der-fk Gotteskindschaft, zu der er schöpfungsmäßig durch die Gestalt ˹gerade˺ seines bisherigen Lebens (in dessen Verwurzelung in seinen natürlichen, geschichtlichen und soziologischen Zusammenhängen) bestimmt und unwissend schon auf dem Wege ist und die nun im Hören des Evangeliums, in Christus, sozusagen ihr natürlich vorgesehenes Erwachen, Aktuellwerden ˹und Aufgipfeln˺ erfahren würde, so dass die Missionsaufgabe darin bestünde, den Heiden ˹– wozu der Missionar als Künder des Evangeliums befähigt und verpflichtet wäre –˺ im tiefsten Sinne zu sich selbst fl-und eben damit zu Gott zu rufen-fl? Es ist die alte pietistischefm, die viel verrufene anglo-amerikanischefn und |195 endlich die besonders von Bruno Gutmann inaugurierte und vertretene, sich selbst gern als die genuin lutherisch bezeichnende Fassung der Missionsaufgabe,75 auf die damit kurz hingewiesen sein soll. – Die theologische Frage wird hier schon bei der gemeinsamen Voraussetzung dieser drei Auffassungen einsetzen müssen. Darf die Mission überhaupt ˹diese oder jene˺ systematische Auffassung von dem, was Christus für den Menschen bedeutet, dem gleichsetzen, was Christus ˹selbst˺ in Wirklichkeit, aber eben in seiner Wirklichkeit für den Menschen bedeuten will? Müsste die Mission nicht in erster und letzter Linie und fo-ohne ihr Pathos an ein solches System zu verschwenden,-fo Christus selbst dienen? Gewiss, sie wird das nie reinfp tun, und gewiss, sie wird es auch gar nie rein tun, könnenfq. Es gehört gewiss zu der Menschlichkeit wie der Kirche überhaupt, so auch der Mission, dass Christus von uns nie anders als in einer solchen systematischen Auffassung verkündigt wird. Aber muss dieser Notstand nicht als Notstand und also in seiner Relativität erkannt werden? Darf man anders für diesen oder jenen dieser drei Wege eintreten als zum vornherein unter dem Vorbehalt, dass man es nach der eigenen Führung und Einsicht zwar so fr-und so-fr halten muss, dass man aber darüber hinaus mindestens weiß um eine der eigenen überlegene Führung und Ein|196sicht, um die ständige Möglichkeit eines Einspruchs von dorther und um die Notwendigkeit, zum Gehorsam gegen diesen Einspruch und also zum Ungehorsam gegen das eigene System jederzeitfs bereit zu sein? Wird das Pietistische oder das Zivilisatorische oder also das Völkisch-Urtümliche76 dann nicht aus einem eigentlichen Prinzip zu einem ehrlich und unvermeidlich˹, aber untergeordnet˺ Mitlaufenden des missionarischen Handelns werden müssen? Und würden dann, wenn man sich über dieses Grundsätzliche verständigen könnte, nicht auch die ernsten 120 Schranken, aber auch die Wahrheitsmomente aller drei Auffassungen in Ruhe und ohne allzu große gegenseitige Rechthaberei erwogen werden können? Was ˹etwa˺ gegen die pietistische Missionsauffassung im Besonderen zu erinnern ist, ist längstft am Tage. Was heißt Bekehrung? Als seelisches Erlebnis? Als Erlebnis Einzelner? Als menschlicher Besitz? fu-Was hat man sich unter einem bekehrten Missionar und was unter einem bekehrten Heiden eigentlich vorzustellen?-fu Darf man die Aufgabe der Mission, wenn sie wirklich Ausrichtung der fv-Botschaft vom Reiche Gottes-fv sein soll, so eng auffassen? fw-Aber es-fw wird doch heute, wo diese Fragen auch die pietistisch gerichteten Missionen längst lebhaft genug beschäftigen, ˹wo es kaum eine ursprünglich pietistische Mission gibt, die nicht mit den andern Richtungen ihre größeren oder kleineren Kompromisse geschlossen hätte,˺ angebracht sein, ˹auch˺ die Gegenfrage zu stellen: Ja, kommt es etwa nicht wirklich immer wieder auch und geradefx an entscheidender Stelle auf die Bekehrung des Einzelnen an? Ist die Aufgabe nicht tatsächlich immer wieder mindestens auch «so eng» zu fassen? fy-Sagt die Zinzendorfsche Formel, es gelte «Seelen für das Lamm zu werben»,77 recht verstanden nicht doch immer wieder alles, |197 was im Grunde zu sagen ist?-fy Ebenso hieße es Wasser in den Rhein tragen,78 wenn man an einer deutschen Missionskonferenz aus der theologischen Frage, die an den anglo-amerikanischen Missionsgeist und ˹Missions˺betrieb ˹sicher˺ zu stellen ist, allzu viel Aufhebens machen würde. Wir fragen hier vielleicht beinahe schon ˹wieder˺ zu selbstverständlich und routiniert und unserer eigenen besseren Auffassung allzu gewiss, fz-wenn wir die drüben fragen-fz: ob bei jenem Moralismus das Evangelium vom Reiche Gottes nicht zu flach verstanden, der Mensch nicht zuga optimistisch betrachtet, die Abgründe gb-der menschlichen Existenzgc- und zwar gerade auch die Abgründe-gb der kultivierten menschlichen Existenz-gc nicht übersehen und die Herrlichkeit Gottes und insbesondere der Zukunft des Herrn nicht gd-bis zur Unkenntlichkeit-gd verkleinert werde? Ob ein ˹theologisches˺ Dokument dieser Missionsauffassung wie die Botschaft der Jerusalemer Konferenz79 an Erkenntnis- und Bekenntnis|198gehalt den Symbolen der alten Kirche und den ge-Konfessionen der lutherischen und calvinistischen Reformation-ge auch nur von ferne an die Seite gestellt werden könne? Sei es denn, dass wir gf-mit dem Allem-gf ˹nur zu˺ recht haben und ˹ernste˺ Gründe genug, anders als so zu glauben und zu denken. Aber vergessen wir nicht: auf denselben Begriff der Schöpfung, an den man bei unsgg zur Formulierung einer vermeintlich reinen Antithese gegen jene westliche Konzeption anzuknüpfen pflegt, kann sich 121 in etwas anderer Wendung auch diese berufen. Gleichnisfähig ist der Begriff der Organisation nicht weniger als der gh-dem deutschen Denken so liebe-gh Begriff des Organismus.80 Dass man in jener so ganz anderen Missionswelt ein so lebhaftes Empfinden hat auch und gerade für die äußeren, menschlicher Hilfe zugänglichen Exponenten der großen Menschheitsnot, dass man gewisse relative Ziele in der Veränderung der menschlichen Dinge mutiggi ins Auge fasstgj, dass man den menschlichen Willen innerhalb seiner Schranken ernst nimmt und ernstlich gk-in Anspruch nimmt-gk, dass man eine Beziehung zu sehen meint zwischen dem einen Adam und Christus und einer einheitlichen Menschheit – das alles sind Dinge, die man˹, wie bedenklich uns ihre Ausprägung und Anwendung auch mit Recht sein mag,˺ theologisch, im Lichte jenes Vorbehalts der eigenen gl-Lösung und Führung-gl gegenüber, auch im ˹lutherischen˺ Deutschland nicht einfach wird verurteilen können, durch die man |199 sich vielmehr besser an ˹die eigene Gebrechlichkeit, an˺ gewisse kaum zu verkennende Probleme der eigenen Position wird erinnern lassen. gm-Und nun scheint heute die durch den Namen von B. Gutmann bezeichnete Lehre gute Aussicht zu haben, im Gegensatz zu der anglo-amerikanischen-gm für die ˹spezifisch˺ deutsche Auffassung der Missionsaufgabe einigermaßen repräsentativ zu werden.81 Die Frage dürfte abergn ˹hier vor allem˺ zu erwägen sein, ob diese Lehre von der anglo-amerikanischen wirklich durch eine so tiefe Kluft geschieden ist, wie Gutmann und die Seinen anzunehmen scheinen. Sie mag sich von ihr unterscheiden, wie sich eben konservative und liberale, go-romantische und revolutionäre-go Weltanschauung unterscheiden. Aber dieser Unterschied dürfte doch von Theologen auch in den aufgeregtesten Zeiten mit dem Unterschied von Himmel und Erde, von Gottesreich und Weltreich nicht gleichgesetzt werden. Er ist ein innerhumanitärer, aber kein theologischer Unterschied. Und wenn es nun so sein sollte, dass die Konzeption des «Freien Menschentums aus ewigen Bindungen»82 eine ähnliche Verabsolutierung eines humanitären Prinzips bedeuten würde wie der Fortschritts- und Zivilisationsglaube der Westler auf der Gegenseite ˹– das Zutrauen in die Identität zwischen Christus und der eigenen Auffassung von Christus ist hüben wirklich nicht geringer als drüben –˺ wären dann nicht beide gleich sehr eine säkularistische Bedrohung der eigentlichen Missionsaufgabe? ˹Was heißt denn Säkularismus, was kann dasgp heißen als eben dies, dass Christus in irgendeiner Auffassung von Christus aufgeht und verschwindet, und was übrigbleibt, ist der Mensch – wobei die Frage, ob dies der zivilisierte 122 oder der urtümliche Mensch ist, einen so großen Unterschied gewiss nicht ausmacht!˺ Verrät sich die |200 Eigenmächtigkeit der Gutmannschen Position nicht ˹schon˺ in der schönen, aber theologisch nun doch sehr bedenklichen Einseitigkeit, mit der er sich mit so vielen Zeitgenossen getraut, aus dem Artikel von der Schöpfung den «articulus stantis et cadentis ecclesiae» zu machen?83 Kommt die Predigt des Gerichts, der durch Christusgq-für uns-gq vollbrachten Versöhnung, der Rechtfertigung allein durch den Glauben – ich meine nicht in Gutmanns Verkündigung als Missionar, aber in Gutmanns Missionstheorie etwa besser zu ihrem Recht als in den Jerusalemer Protokollen84? Liest sich die wahrlich geistreiche Gutmannsche Literaturgr nicht durchwegs wie eine einzige Variation zu dem ˹nur zu lieblichen˺ Gesanggs der alten Schlange [Apk. 20,2]: «Gratia non tollit sed supponit et perficit naturam»?85 Und das soll |201 nun Luthertum sein? Und ausgerechnet dahin sollte die Reise nun gehen? Nun, wir werden auch hier nicht versäumen dürfen, uns sagen zu lassen, was wir uns sagen lassen müssen. Wie sollte Gutmanngt nicht im Vorsprung sein vor dem Pietismus mit der einfachen und folgenschweren˹, von Christian Keyßer in Neuguinea86 so eindrucksvoll betätigten˺ Einsicht, dass die Völker der Gegenstand des Missionsbefehls sind und also auch der Gegenstand der Mission sein müssen?87 Und wie sollte er nicht im Vorsprung sein vor dem Anglo-Amerikanismus, wenn er die Mission aufruft zur Einsicht in den Fluch, den die sogenannte christliche Zivilisation überallgu mit sich bringt und zum ˹unvoreingenommenen˺ offenen Kampf gegen die Folgen dieses Fluchs?88 – Die Theologie wird alle diese Fragen |202 stellen müssen. Irgendwo in der Mitte zwischen allen diesen Fragen – wo, darüber hat die Theologie nicht zu entscheiden˹; sie kann sich nur dafür einsetzen, dass die sämtlichen Fragen gesehen werden und offen bleiben˺ – liegt die richtig gestellte Missionsaufgabe, die dem, der hier ernstlich Besinnung übt, je und je, jeweilen für den nächsten Tag, wie wir Menschen es nötig haben, nicht verborgen bleiben wird.

4. Wenn endlich ein Wort gesagt werden soll zu der Frage «Theologie und Missionspredigt»89, so muss besonders deutlich daran erinnert werden, dass in dem allen von der die Mission begleitenden Theologie die Rede ist, also nicht von einer Sache, die irgendwo in einer fernen Studierstube von irgendjemand Anderem besorgt wird, sondern von einer Sache, die den Missionar oder Missionsfreund selbst angeht, auf die er sich in irgendeinem Maße selbst einzulassen willens ist. Wie die Theologie eines Anderen, des theologischen Lehrers zum Beispiel, dem Prediger überhaupt in Bezug auf 123 den Inhalt seiner Predigt nur dienlich sein kann, sofern sie ihn selbst zur theologischen Arbeit anregt, so wird es auch nicht sie, sondern bestenfalls die durch sie angeregte Theologie des Missionars selbst sein können, die ihm für den konkreten Inhalt seiner Predigt konkrete Wegleitung gibt. Alle Predigt ˹und so auch die Missionspredigt˺ ist Ereignis und Entscheidung, für die der Prediger eine Verantwortung trägt, die ihm letztlich niemand abnehmen kann. Wie sollte ihm zum Beispiel gv-der ahnungslose europäische Theologe vorsagen-gv können, wie weit er – im fernen Land da drüben, ˹in der fremden Sprach- und Vorstellungswelt,˺ in einer Situation, die sich gw-dem Urteil dessen, der sie nicht genau kennt, völlig-gw entzieht – in der Anwendung von Gleichnissen und Veranschaulichungen und überhaupt in der pädagogisch-psychologischen Anpassung gehen oder nicht gehen darf? Wie sollte gx-er ihm im Allgemeinen-gx sagen können, was er etwa wagen darf und vielleicht muss |203 an Bezugnahmen auf die natürlichegy, moralische und religiöse Existenz des Heiden, wie er ihn vorfindet? Siegfried Knak hat die Frage gestellt, ob der afrikanische Missionar recht getan habe, der seine Missionspredigt damit eröffnete, dass er seine Hörer auf die Geborgenheit ihrer Ziegen und Schafe unter der Hut des Hirten aufmerksam machte, um ihnen dann deutlich zu machen, dass auch der Mensch einen Hirten brauche.90 Ohne die näheren Umstände zu kennen, würde ich denken, dass dieser Missionar recht getan hat, weil es sich dabei offenbar eben um ein «Deutlichmachen», das heißt um einen Versuch der Sprache zu handeln scheint, der dem Gehalt von Ps. 23 oder Joh. 10 gerecht zu werden gewiss dienlich sein konnte. S. Knak hat dann aber weiter gefragt, ob wohl der China-Missionar Unrecht hatte, der am Fuße des «Marmornen Hügels» vor den Toren Pekings, wo der chinesische Kaiser als Himmelssohn und zugleich als Hohepriester der Menschheit «die schönste und edelste Naturverehrung zu leisten hatte, die uns bekannt ist», zu seinem Begleiter sprach: «Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heilig Land» [Ex. 3,5]?91 Wieder, ohne die näheren Umstände zu kennen, würde ich sagen, dass dieser Missionar wohl in der Tat Unrecht hatte, weil es schon mit sehrgz merkwürdigen Dingen zugehen mussteha, wenn eine so solenne Anerkennung eines asiatischen Numens (noch dazu ˹ausgerechnet˺ in Form des Zitates des Gottesausspruches aus Ex. 3) mit Missionspredigt irgendetwas zu tun haben sollte. ˹Ich könnte von mir aus eine dritte Frage als Beispiel anführen: Hat Ernst Johanssen recht, wenn er sich getraut, die Existenzbedingungen des ostafrikanischen Menschen: 124 die gliedhafte Verbundenheit, das Ichbewusstsein, die Leiblichkeit und schließlich auch seinen religiösen Glauben als «Mysterien» zu bezeichnen und, hb-wie anzunehmen ist, doch auch als Missionsprediger-hb als solchehc «in das Licht des |204 Evangeliums» zu rücken?92 Ich würde wiederumhd sagen: er hat nicht recht, weil da eine Sprachverwirrung und vielleicht doch auch eine Verirrunghe in der Richtung einer natürlichen Theologie vorzuliegen scheint, der gegenüber zum Beispiel die des Vatikanums hf-mit ihrer sehr viel vorsichtigeren Verwendung des Begriffs «Mysterium»-hf93 den Vorzug größerer Nüchternheit hg-haben dürfte-hg.˺ Aber wie könnten solche Urteile anders als sehr unmaßgeblich und unter Vorbehalt abgegeben werden? Streng theologisch antwortend könnte ich eigentlich nur die Fragen Knaks unterstrichen an ihn selbst bzw. an die Mission zurückgeben und sagen: das eben ist die Beziehung zwischen Theologie und Missionspredigt, dass auch und gerade der Missionsprediger möglichst ununterbrochenhh durch solche Fragen nach Recht oder Unrecht (N. B.: nach dem inneren, sachlichen Recht oder Unrecht) dessen, was er als Missionar vorzubringen wagt, bedrängt ist und sich ohne Rücksicht auf das, was dabei ˹praktisch˺ herauskommt, ehrlich von diesen Fragen bedrängen lässt. Die theologischen Fragen werden aber diejenigen Fragen sein, die sich aus dem Verhältnis ergeben zwischen dem, was der Missionar aus praktischen, pädagogisch-psychologischen, volks- und religionskundlichen Gründen hi-formell, das heißt-hi sprachlich wagen zu dürfen bzw. zu müssen |205 glaubt, und dem, was ihm durch die Heilige Schrift als Gehalt dessen, was er sprechen soll, je und je vorgehalten wird. Schon die klare Einsicht in das ˹grundsätzliche Über- und Unterordnungs˺verhältnis dieser beiden Instanzen: des Problems der Sprache hier und des biblischen Offenbarungszeugnisses dort, wird ihn ununterbrochen an die theologische Frage erinnern, und dass dieses Verhältnis besteht, das ist vielleicht das Beste, jedenfalls das Entscheidende, was ihm die Theologie zu sagen hat. Er wird dann, hj-wenn er sich das sagen lässt,-hj auf jener untergeordneten Ebene, in Bezug auf das Problem der Sprache alle nurhk mögliche Freiheit in Anspruch nehmen dürfen. Er wird aber wissen, dass es sich dabei um die Freiheit des Dienstes, seines Dienstes als Botschafter handelt, dessen Meister das Wort, und zwar das geschriebene Wort ist, nicht aber die Freiheit, dem Evangelium nach seinem ˹pädagogischen˺ Ermessen eine indische, chinesische oder afrikanische Gestalt zu geben,94 hl-das heißt, es in ein neues System zu bringen-hl. Er hat ja nicht die Freiheit eines Führers95 – dieser profane Begriff hat in 125 der Kirche Jesu Christi hm-draußen und in der Hei|206mat-hm schwerlich etwas zu suchen – sondern eben die Freiheit eines Dieners, und zwar nicht eines Dieners der Menschen, sondern eines Dieners des Wortes anhn die Menschen. Nicht auf eine besondere geschichtliche Gestalt des Evangeliums, weder auf eine europäische noch auf eine asiatische oder afrikanische, wird er sein Augenmerk richten, sondern auf die eine wesentliche und überlegene ˹Gestalt˺, deren Konkretion eben die Offenbarung ist, die ihm ho-wie dem Prediger in der Heimat-ho die Schrift und nur die Schrift bezeugt. Er wird «anknüpfen» – wie sollte er nicht anknüpfen? hp-alle Sprache-hp ist ein Anknüpfen! – an den ganzen, warum also nicht auch an den religiösen Lebensbestand seiner Hörer, aber er wird darum das christliche Bekenntnis hq-und die christliche Predigt-hq nicht durch die Lehre von einem «Anknüpfungspunkt», von einer natürlichen Offenbarung vor der Offenbarung bereichern.96 Denn er wird wissen, dass der wirkliche Anknüpfungspunkt nicht ˹im Bereich und˺ in der Macht der menschlichen Sprache liegt, dass wohl das Verhältnis von Mensch und Mensch und also hr-das Verhältnis-hr von Missionar und Heide ein kontinuierliches, das Verhältnis von Gott und Mensch aber, um das es in der Kirche und in der Mission geht, ein diskontinuierliches, dass die Gnade, hs-wo und wie immer die Sprache anknüpfen möge,-hs ein Wunder und kein Brückenschlag ht-und als Wunder und nicht als erhöhte Natur zu verkündigen-ht ist.97 Wie sollte er das nicht wissen? Und wenn er es weiß, wie sollte es ihn nicht als drängende Frage begleiten? Und wenn er weiß, um was es geht in der Mission, wie sollte er es sich dann leicht machen und dieser Bedrängnis hu-sich entziehen-hu wollen? |207 Irre ich mich, wenn ich den Eindruck äußere, hv-dass die,-hv die hier widersprechen und von der Theologie gerade an dieser Stelle mehr – vermeintlich mehr – nämlich eine ˹hilfreiche˺ Spekulation über die ursprüngliche Synthese zwischen Gott und Mensch erwarten sollten, hw-im Ganzen-hw mehr unter den Missionstheoretikern in der Heimat als auf den Missionsfeldern selber zu suchen sein dürften?

Ich bin am Ende. Es darf nochmals betonthx werden, dass gerade alleshy zuletzt Gesagte nur als Beispiel und Andeutung gemeint sein konnte. Das Schwergewicht dessen, was hz-hier beigetragen werden sollte-hz, lag am Anfang und in der Mitte desia Vortrags. Ich darf bitten, alles Gesagte von dort aus zu verstehen.

Und nun hat jemand von «Lähmung des Missionswillens» durch die Theologie, speziell durch eine bestimmte Theologie der Gegenwart, ge126redet.98 Ich würde mich nicht wundern, wenn man finden sollte, dass dieser Vorwurf durch diesenib Vortrag bestätigt sei. Ich nehme den Vorwurf auf und erinnere daran, dass wir alle aus der Bibel von einem Mann wissen, der gelähmt werden und sich Lähmung gefallen lassen musste, um als Gelähmter obzusiegenic und id-den Namen Israel zu bekommen-id [vgl. Gen. 32,23–33]. Die Theologie ist nicht der Engel Jahves. Es könnte aber sein, dass ihre Funktion in der Kirche und so auch der Mission gegenüber in der Linie dessen ie-liegen muss-ie, |208 was jener Engel an Jakob tat. Und ˹wenn dem so wäre,˺ dann dürfte sich ˹auch˺ die Mission über diesen ihren Partner gewiss nicht nur beklagen.

Textkritische Fußnoten

a
Mskr.: «man uns, also der».↩
b-b
Mskr.: «das geschieht».↩
c-c
Fehlt im Mskr.↩
d-d
Mskr.: «gleichviel wie das immer organisatorisch zum Ausdruck komme».↩
e
Mskr.: «Modifikation».↩
f
Mskr.: «Modifikation».↩
g-g
Fehlt im Mskr.↩
h
Fehlt im Mskr.↩
i
Mskr.: «Modifikation».↩
j-j
Im Mskr. korrigiert aus: «mit».↩
k-k
Im Mskr. korrigiert aus: «ihn».↩
l
Mskr.: «diesem dreifachen».↩
m
Mskr.: «lebenden».↩
n-n
Mskr.: «Kirche:».↩
o-o
Mskr.: «sie».↩
p
Mskr.: «Taufe bedürftig».↩
q-q
Fehlt im Mskr.↩
r-r
Mskr.: «hier». Die Hervorhebung des «in» in ZZ, die in Th.Fr.u.A. fehlt, wurde durch die Hrsg. eingefügt.↩
s-s
Mskr.: «des Menschen Hörigkeit».↩
u
ZZ: «Sinn».↩
t-t
Mskr.: «als Bekenntnis zur Gottheit Christi».↩
v
Mskr.: «Modifikation».↩
w
Mskr.: «eigentlichen».↩
x-x
Fehlt im Mskr.↩
y
Mskr.: «In beiden Fällen».↩
z-z
Fehlt im Mskr.↩
aa
Mskr.: «Ketzerei».↩
ab-ab
Fehlt im Mskr.↩
ac-ac
Fehlt im Mskr.↩
ad-ad
Mskr.: «von Sündern».↩
ae
Mskr.: «ihm sich».↩
af
Fehlt im Mskr.↩
ag-ag
Fehlt im Mskr.↩
ah-ah
Mskr.: «dieses Dienstes, den Versuch, bei diesem Dienst in der Analogie des Glaubens zu bleiben und nach der immer wieder verlorenen immer aufs Neue zu fragen».↩
ai-ai
Mskr.: «kann und darf».↩
aj-aj
Mskr.: «keinen».↩
ak-ak
Fehlt im Mskr., wo stattdessen ein durch Durchstreichen unleserlicher Satzanfang steht.↩
al
Mskr.: «vielleicht».↩
am
Fehlt im Mskr.↩
an-an
Mskr.: «Werk des Glaubens kenntlich wird».↩
ao-ao
Mskr.: «gibt und zu geben vermag».↩
ap-ap
Fehlt im Mskr.↩
aq
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ar
Mskr.: «eine Kirche».↩
as
Mskr.: «Abgrunde».↩
at-at
Mskr.: «so, dass sie sich selbst halten könnten».↩
au
Im Mskr. hervorgehoben.↩
av
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
aw-aw
Fehlt im Mskr.↩
ax-ax
Fehlt im Mskr.↩
ay-ay
Mskr.: «Innerhalb».↩
az
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
ba-ba
Fehlt im Mskr.; dort auch keine Einklammerung.↩
bb-bb
Fehlt im Mskr.↩
bc
In der Mskr.-Einfügung sind «Eilen» und «Warten» vertauscht.↩
bd
Mskr.: «Superioritätsansprüche».↩
be-be
Mskr.: «weder durch Rosse noch durch Reisige, weder durch missionarische noch durch theologische».↩
bf
Mskr.: «allmächtige barmherzige».↩
bg
Im Mskr. folgt: «– es ist hier wohl von beiden Seiten schon gefehlt worden –».↩
bh
Mskr.: «Durchbruchschancen».↩
bi
Fehlt im Mskr.↩
bj
Fehlt im Mskr.↩
bk
Fehlt im Mskr.↩
bl
Mskr.: «Ketzerei».↩
bm-bm
Im Mskr. eingeklammert.↩
bn
Mskr.: «auf».↩
bo
Mskr.: «Superioritätsansprüchen».↩
bp-bp
Fehlt im Mskr.↩
bq-bq
Fehlt im Mskr.↩
br-br
Fehlt im Mskr.↩
bs-bs
Fehlt im Mskr.↩
bt
Im Mskr. folgt, nachträglich eingefügt: «an die Heidenchristen».↩
bu-bu
Mskr.: «erstaunliche Art dessen, was die Kirche hier wagt».↩
bv
Fehlt im Mskr.↩
bw
Mskr.: «verletzen».↩
bx-bx
Mskr.: «im».↩
by
Mskr.: «selbst».↩
bz
Mskr.: «ehrlicher».↩
ca-ca
Fehlt im Mskr.↩
cb-cb
Fehlt im Mskr.↩
cc-cc
Fehlt im Mskr.↩
cd-cd
Fehlt im Mskr.↩
ce
Im Mskr. nicht eingeklammert.↩
cf
Fehlt im Mskr.↩
cg
Fehlt im Mskr.↩
ch-ch
Fehlt im Mskr.↩
ci
Mskr.: «ihrer».↩
cj
Nummerierung im Mskr. nachträglich in den Fließtext eingefügt, vermutlich im Zusammenhang mit Anm. cs.↩
ck
Mskr.: «schenke».↩
cl-cl
Mskr.: «hervorbringe».↩
cm
Fehlt im Mskr.↩
cn
Mskr.: «‹Anknüpfungspunkt›».↩
co-co
Fehlt im Mskr.↩
cp
Mskr.: «Und wenn».↩
cq-cq
Fehlt im Mskr.↩
cr
Fehlt im Mskr.↩
cs
Der ganze nachfolgende Absatz ist im Mskr. nachträglich – auf einer eingeklebten Seite – in den Text eingefügt worden.↩
ct
Mskr.: «gesetzten».↩
cu
Fehlt im Mskr.↩
cv-cv
Fehlt im Mskr.↩
cw-cw
Fehlt im Mskr.↩
cx-cx
Fehlt im Mskr.↩
cy
Mskr.: «getrieben».↩
cz
Fehlt im Mskr.↩
da
Fehlt im Mskr.↩
db
Fehlt im Mskr.↩
dc
Mskr.: «finden».↩
dd
Mskr.: «dem».↩
de-de
Mskr.: «Sie».↩
df
Fehlt im Mskr.↩
dg
Mskr.: «dem».↩
dh
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
di
Fehlt im Mskr.↩
dj
Mskr.: «sie».↩
dk
Mskr.: «effektive».↩
dl-dl
Mskr.: «effektiven».↩
dm
Fehlt im Mskr., in dem der ursprünglich formulierte Satzanfang durch Durchstreichen unleserlich wurde.↩
dn
Fehlt im Mskr.↩
do
Fehlt im Mskr.↩
dp-dp
Fehlt im Mskr.↩
dq
Im Mskr. folgt: «vergleichsweise und andeutungsweise».↩
dr-dr
Fehlt im Mskr.↩
ds-ds
Fehlt im Mskr.↩
dt-dt
Mskr.: «eine selbstverständliche».↩
du
Fehlt im Mskr.↩
dv
Fehlt im Mskr.↩
dw-dw
Mskr.: «in seiner und nicht in unserer Macht steht».↩
dx
Mskr.: «eifrigsten».↩
dy-dy
Fehlt im Mskr.↩
dz
Fehlt im Mskr.↩
ea
Mskr.: «Überlegungen».↩
eb
Fehlt im Mskr.↩
ec
Fehlt im Mskr.↩
ed
Fehlt im Mskr.↩
ee
Mskr.: «heute wieder».↩
ef
Fehlt im Mskr.↩
eg
Fehlt im Mskr.↩
eh-eh
Fehlt im Mskr.↩
ei
Mskr.: «eben».↩
ej
Mskr.: «diesen».↩
ek
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
el-el
Mskr.: «der».↩
em
Im Mskr. hervorgehoben.↩
en
Im Mskr. hervorgehoben.↩
eo
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ep
Im Mskr. hervorgehoben.↩
eq-eq
Fehlt im Mskr.↩
er-er
Mskr.: «unsere Missionsgeschichten (von der feineren und von der gröberen Art!)».↩
es-es
Fehlt im Mskr.↩
et
Mskr.: «Ist es ihr klar, dass».↩
eu-eu
Fehlt im Mskr.↩
ev
Mskr.: «wollen sollten».↩
ew-ew
Mskr.: «nämlich».↩
ex-ex
Mskr.: «in Form».↩
ey
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
ez
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
fa
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
fb
Mskr.: «Menschen».↩
fc
Mskr.: «getrieben».↩
fd
Mskr.: «die».↩
fe-fe
Mskr.: «wenn sie bei ihrer».↩
ff
Fehlt im Mskr.↩
fg
Mskr.: «unwiederholbaren».↩
fh
Mskr.: «gesammelt, wieder gesammelt».↩
fi-fi
Fehlt im Mskr.↩
fj
Mskr.: «Aufnahme».↩
fk-fk
Mskr.: «einkehrt in die».↩
fl-fl
Mskr.: «zurück – und eben damit vorwärts ˹und mit diesem doppelten Rufe zur Gotteskindschaft aufzurufen˺».↩
fm
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
fn
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
fo-fo
Mskr.: «mit ganzem Pathos».↩
fp
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
fq
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
fr-fr
Fehlt im Mskr.↩
fs
Fehlt im Mskr.↩
ft
Fehlt im Mskr.↩
fu-fu
Fehlt im Mskr.↩
fv-fv
Mskr.: «göttlichen Botschaft».↩
fw-fw
Mskr.: «Es».↩
fx
Mskr.: «gerade und vielleicht doch».↩
fy-fy
Fehlt im Mskr.↩
fz-fz
Fehlt im Mskr.↩
ga
Fehlt im Mskr.↩
gb-gb
Im Anschluss an ZZ durch die Hrsg. eingefügt.↩
gc-gc
Fehlt im Mskr.↩
gd-gd
Fehlt im Mskr.↩
ge-ge
Mskr.: «˹lutherisch-calvinistischen˺ Konfessionen der Reformationszeit».↩
gf-gf
Fehlt im Mskr.↩
gg
Mskr.: «uns in der Regel».↩
gh-gh
Fehlt im Mskr.↩
gi
Fehlt im Mskr.↩
gj
Im Mskr. folgt: «und ihre Erreichung für möglich hält».↩
gk-gk
Mskr.: «aufbietet».↩
gl-gl
Mskr.: «Führung und Einsicht».↩
gm-gm
Mskr.: «Wie dem auch sei: im Gegensatz zu der anglo-amerikanischen scheint heute die durch den Namen von Gutmann gekennzeichnete Lehre gute Aussicht zu haben,».↩
gn
Fehlt im Mskr.↩
go-go
Fehlt im Mskr.↩
gp
Mskr.: «es».↩
gq-gq
Im Mskr. hervorgehoben.↩
gr
Mskr.: «Parole».↩
gs
Mskr.: «betörenden Gesang».↩
gt
Mskr.: «er».↩
gu
Fehlt im Mskr.↩
gv-gv
Mskr.: «von der ahnungslosen europäischen Theologie vorgesagt werden».↩
gw-gw
Mskr.: «jedem Urteil von hier aus».↩
gx-gx
Mskr.: «ihm ein Anderer».↩
gy
Fehlt im Mskr.↩
gz
Mskr.: «recht».↩
ha
Mskr.: «müsste».↩
hb-hb
Fehlt im Mskr.↩
hc
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
hd
Fehlt im Mskr.↩
he
Th.Fr.u.A.: «Verwirrung»; von den Hrsg. nach Mskr. und ZZ korrigiert.↩
hf-hf
Fehlt im Mskr.↩
hg-hg
Mskr.: «hat».↩
hh
Im Mskr. und in beiden Abdrucken folgt: «sich»; durch die Hrsg. korrigiert.↩
hi-hi
Fehlt im Mskr.↩
hj-hj
Fehlt im Mskr.↩
hk
Fehlt im Mskr.↩
hl-hl
Fehlt im Mskr.↩
hm-hm
Fehlt im Mskr.↩
hn
Die in Th.Fr.u.A. fehlende Kursivierung wurde durch die Hrsg. im Anschluss an Mskr. und ZZ eingefügt.↩
ho-ho
Fehlt im Mskr.↩
hp-hp
Mskr.: «alles Reden».↩
hq-hq
Fehlt im Mskr.↩
hr-hr
Mskr.: «auch».↩
hs-hs
Fehlt im Mskr.↩
ht-ht
Fehlt im Mskr.↩
hu-hu
Mskr.: «nicht standhalten».↩
hv-hv
Fehlt im Mskr.↩
hw-hw
Fehlt im Mskr.↩
hx
Im Mskr. korrigiert aus: «erinnert werden».↩
hy
Im Mskr. korrigiert aus: «das».↩
hz-hz
Im Mskr. korrigiert aus: «ich beitragen wollte».↩
ia
Im Mskr. korrigiert aus: «meines».↩
ib
Im Mskr. korrigiert aus: «meinen».↩
ic
In ZZ und Th.Fr.u.A.: «obzuliegen»; Mskr.: «zu siegen»; durch die Hrsg. korrigiert.↩
id-id
Mskr.: «Israel zu heissen».↩
ie-ie
Im Mskr. korrigiert aus: «liegt».↩

Sachfußnoten

1
Julius Richter (1862–1940), evangelischer Missionswissenschaftler, seit 1920 Professor für Religionsgeschichte und Missionswissenschaft in Berlin, 1930 emeritiert.↩
2
Brief Barths an Richter vom 1.7.1931 (KBA 9231.188).↩
3
Brief Richters an Barth vom 3.12.1931 (KBA 9331.629).↩
4
Siegfried Knak (1875–1955), Schüler Martin Kählers und Gustav Warnecks in Halle, 1921–1949 Direktor der Berliner Missionsgesellschaft, einer der führenden Vertreter der deutschen Missionstheologie.↩
5
Brief vom 3.12.1931 (Anm. 3).↩
6
Brief Barths an Richter vom 9.12.1931 (KBA 9231.393).↩
7
Brief Richters an Barth vom 12.12.1931 (KBA 9331.661). Diese Einladung wurde von Richter am 5.3.1932 wiederholt (KBA 9332.124), nachdem sich Barth offensichtlich nicht dazu geäußert hatte. Barth sagte dann postwendend zu (Brief an Richter vom 6.3.1932 [KBA 9232.101]).↩
8
Brief an Barth vom 5.4.1932 (KBA 9332.171). Dibelius schrieb – Bezug nehmend auf die Ereignisse im Umfeld von Barths Vortrag Die Not der evangelischen Kirche 📖 (s. oben, S. 64–122) – unter anderem: «Es ist sehr gegen meinen Willen dazu gekommen, dass ich heute in unserer Kirche, namentlich bei der theologischen Jugend, sozusagen als Ihr kirchenregimentlicher Gegenspieler gelte. Mein Vortrag vom vorigen Jahr hat, entgegen der ursprünglichen Absicht, erst im letzten Augenblick den Charakter einer ‹Antwort› angenommen.»↩
9
Vgl. Brief Barths an Dibelius vom 7.4.1932 (KBA 9232.122).↩
10
Brief vom 22.12.1931 (KBA 9231.406). Helmut Gollwitzer war nach drei Studiensemestern in Bonn zum Wintersemester 1931/32 wieder nach Erlangen gewechselt, um sich dort auf sein Examen vorzubereiten.↩
11
Brief vom 24.3.1932 (KBA 9232.112; Bw.Th. III, S. 217 📖).↩
12
Brief Barths an Thurneysen vom 9.4.1932 (KBA 9232.127; Bw.Th. III, S. 224f. 📖). Gemeint sind die Wahlen, bei denen Paul von Hindenburg im zweiten Wahlgang mit 53% der abgegebenen Stimmen gegen Hitler (36,8%) und Thälmann (10,2%) erneut zum Reichspräsidenten gewählt wurde; vgl. zu den Umständen und Konsequenzen dieser Wahl H. Schulze, Weimar. Deutschland 1917–1933, Taschenbuchausgabe [München] 1998, S. 365–368. 📖 Barth war – ohne seine Schweizer Staatsangehörigkeit zu verlieren – im Zusammenhang mit seiner Berufung auf die ordentliche Professur in Münster deutscher Staatsbürger geworden (vgl. Bw.Th. III, S. 225, Anm. 3).↩
13
Vgl. Brief Richters an Barth vom 7.4.1932 (KBA 9332.174). Laut Barth waren beim Gespräch dann drei Generalsuperintendenten anwesend (vgl. Brief an seine Mutter vom 15.4.1932 [KBA 9232.129]); die zu dieser Zeit amtierenden, in Berlin ansässigen Generalsuperintendenten waren Emil Karow (Berlin-Stadt), Otto Dibelius (Kurmark) und Ernst Vits (Neumark u. Niederlausitz).↩
14
Dietrich Bonhoeffer war als junger Berliner Privatdozent Zeuge der Begegnung. Er beschrieb sie so: «Es war ein schönes Bild – Fakultät und Generalsuperintendenten waren am Vortag bei Richter eingeladen – als Barth wie ein Angeklagter auf einem kleinen Stühlchen sitzend gegenüber den großen Kirchenmännern Rede stehen sollte, und als dann auf die Bitte, man möchte doch mit den Fragen einsetzen, nichts erfolgte als ein langes peinliches Schweigen, weil keiner sich gern zuerst blamieren wollte, und dann als das Schweigen ominös zu werden begann, Herr Knaak [sic] mit der Frage begann, worin nach Barths Ansicht der Unterschied zwischen schweizerischem und preußischem Nationalgefühl bestünde. Damit war das Niveau der Fragen endgültig festgelegt. Es waren qualvolle Stunden, aus denen Barth einigermaßen erschüttert, die hiesigen Kirchenmänner aber sehr befriedigt darüber, was für ein reizender Mensch doch Barth sei, nach Hause gingen» (Brief an E. Sutz vom 17.5.1932, in: D. Bonhoeffer, Ökumene, Universität, Pfarramt 1931-1932, hrsg. von E. Amelung / Chr. Strohm [DBW 11], Gütersloh 1994, S. 87–91, Zitat S. 88 📖). Barth selbst empfand es so: «In dem großen Tee, den Prof. Richter zu meinen Ehren veranstaltete […], wurde ich zwar freundlich behandelt, aber auch merkwürdig examiniert» (Brief an seine Mutter vom 15.4.1932 [Anm. 13]).↩
15
Gerhard Jacobi (1891–1971), seit 1930 Pfarrer an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.↩
16
Hermann Sasse (1895–1976), damals Pfarrer in Berlin, war gerade Herausgeber des Kirchlichen Jahrbuchs geworden.↩
17
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort! Evangelische Andachten für jeden Tag, hrsg. von G. Jacobi, Berlin 1932 📖; s. Predigten 1921–1935, S. 598f. 📖↩
18
Siehe oben, S. 65.↩
19
Brief Barths an seine Mutter vom 15.4.1932 (Anm. 13).↩
20
Ebd.↩
21
Vgl. Die deutsche evangelische Heidenmission. Jahrbuch 1933 der vereinigten deutschen Missionskonferenzen, Hamburg 1933, S. 99. 📖↩
22
Brief Barths an seine Mutter vom 15.4.1932 (Anm. 13).↩
23
Brief Knaks an Barth vom 12.4.1932 (KBA 9332.183).↩
24
Brief Barths an Knak vom 15.4.1932 (KBA 9232.131).↩
25
Brief Barths an Knak vom 13.5.1932 (KBA 9232.160).↩
26
Brief Knaks an Barth vom 12.4.1932 (KBA 9332.183).↩
27
Vgl. S. Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode unter der Fragestellung der dialektischen Theologie, in: Botschafter an Christi Statt. Von Wesen und Werk deutscher Missionsarbeit [Festschrift für Julius Richter], hrsg. von M. Schlunk, Gütersloh 1932, S. 58–80. 📖 – Barth nahm in seinem Vortrag auf diesen Aufsatz fortlaufend Bezug. Siehe auch H. Balz, Berliner Missionstheologie und Karl Barth. Aneignung und Widerspruch, in: 450 Jahre Evangelische Theologie in Berlin, hrsg. von G. Besier / Chr. Gestrich, Göttingen 1989, S. 418–437, bes. S. 421–426. 📖↩
28
Knaks Buch Zwischen Nil und Tafelbai sei «in der Tat gehaltvoll», schrieb Barth am 24. März 1932 an Thurneysen (Anm. 11; Bw.Th. III, S. 216 📖) über: S. Knak, Zwischen Nil und Tafelbai. Eine Studie über Evangelium, Volkstum und Zivilisation, am Beispiel der Missionsprobleme unter den Bantu, Berlin 1931. 📖↩
29
S. Knak, Die Mission und die Theologie in der Gegenwart, in: ZZ 10 (1932), S. 331–335 📖. Dieser Aufsatz stellt allerdings eindeutig eine kritische Replik dar und lässt von dem Inhalt des für die Missionskonferenz ursprünglich vorgesehenen Beitrags wenig erkennen.↩
30
Brief Richters an Barth vom 12.4.1932 (KBA 9332.180).↩
31
Richter schrieb, dass in Deutschland sowohl von der dialektischen Theologie als auch vom aufkommenden Nationalsozialismus (!) «starke Missionshemmungen» ausgingen. Er meinte aber auch: «Wenn es einer der stärksten Appelle der Barthschen Theologie ist, daß die Gottesbotschaft des Evangeliums vorbehaltlos und kraftvoll gepredigt werden müsse, so kann das eine rückhaltlose Bejahung der Missionsaufgabe sein, die dem Missionseifer Antrieb und verpflichtende Kraft geben sollte» (J. Richter, Allgemeine Evangelische Missionsgeschichte, Bd. V, Heft 2: Die evangelische Mission in Fern- und Südost-Asien, Australien, Amerika, Gütersloh 1932, S. 461 📖).↩
32
Karl Steck (1873–1952), Missionsinspektor in Neuendettelsau, Vater des Barth-Schülers Karl Gerhard Steck.↩
33
Brief Stecks an Barth vom 19.7.1932 (KBA 9332.381).↩
34
Hinrich Johannsen (1872–1950), damals Superintendent in Essen und Vorsitzender der Rheinischen Missionskonferenz, war von 1928–1941 auch Vorsitzender des Gesamtverbandes der deutschen Missionskonferenzen.↩
35
Brief Johannsens an Barth vom 14.4.1932 (KBA 9332.188).↩
36
Vgl. Brief Barths an Johannsen vom 25.4.1932 (KBA 9232.141).↩
37
Johannes Witte (1877–1945), seit 1930 Nachfolger Julius Richters auf dem Berliner Lehrstuhl für Religionsgeschichte und Missionswissenschaft. Sein Thema lautete: «Warum ist Christus im Gegensatz zu allen Weltreligionen der Retter der Welt?» (vgl. Die deutsche evangelische Heidenmission [Anm. 21], S. 99 📖).↩
38
Johannes Warneck (1867–1944), 1892–1905 Missionar in Sumatra, 1932–1937 Direktor der Rheinischen Missionsgesellschaft.↩
39
Brief vom 17.5.1932 (KBA 9332.278).↩
40
Brief an Knak vom 13.5.1932 (Anm. 25).↩
41
Brief vom 9.4.1932 (Anm. 12; Bw.Th. III, S. 226 📖).↩
42
Brief vom 15.4.1932 (Anm. 24).↩
43
Siehe oben, S. 159.↩
44
Vgl. M. Schlunk, Art. «Missionsgesellschaften: I. Deutsche Evangelische», in: RGG2 IV, Sp. 55f., Zitat Sp. 55 📖: «[…] von England übernahm Deutschland die Form freier Gesellschaften und Vereine für die Durchführung der Heidenmission. Dadurch wurde der Kirche gegenüber Freiheit, Freiwilligkeit und Selbständigkeit gewahrt, aber auch eine im Anfang durch das Unverständnis der kirchlichen Kreise begünstigte kirchenferne, kirchenfremde Haltung möglich, die erst im Laufe des 19. Jahrhunderts überwunden ist.»↩
45
Vgl. zu dieser an Kierkegaard anknüpfenden Funktionsbeschreibung der Theologie V.u.kl.A. 1922–1925, S. 68f. 📖↩
46
Vgl. den Buchtitel: P. Natorp, Religion innerhalb der Grenzen der ­Humanität. Ein Kapitel zur Grundlegung der Sozialpädagogik, Freiburg/Br. / Leipzig 1894 📖.↩
47
Siehe unten, S. 190–194.↩
48
Vgl. J. Richter, Art. «Mission: II A. Evangelische Mission», in: RGG2 IV, Sp. 41–47, Zitat Sp. 43 📖 (in Barths Exemplar unterstrichen): «Mit der Ausbreitung der Mission laufen heute überall parallel die Expansion der Weltherrschaft der weißen Rasse, teils in der Form der kolonialen Unterwerfung, teils in der wirtschaftlichen Ausbeutung, und die Verbreitung der abendländischen Kultur.» Vgl. auch S. Knak, Die Weltmission, in: C. Schweitzer (Hrsg.), Das religiöse Deutschland der Gegenwart, Bd. 2: Der christliche Kreis, Berlin 1929, S. 370–385, Zitat S. 373 📖: «Die Entdeckungen des 18. Jahrhunderts ließen vor den Augen der englischen Christen das Bild einer britischen Weltmacht erstehen, deren religiöses Recht darauf beruhte, daß sie die unterworfenen Völker zugleich mit dem Evangelium bekannt machte. Die koloniale Aera in Deutschland führte auch hier zu ähnlichen Stimmungen und Gedankengängen.»↩
49
Mit diesen Gegenüberstellungen greift Barth Positionen auf, die er im «Nachwort» zu Die Not der evangelischen Kirche bei Otto Dibelius verortet und scharf kritisiert hatte. Vgl. oben, S. 115f.↩
50
Vgl. Heidelberger Katechismus, Frage 5 📖.↩
51
In Richter, Art. «Mission» (Anm. 48), Sp. 43f. 📖, findet sich unter 3. ein Überblick zur «Missionsmethode» (mit Unterstreichungen von Barths Hand). Vgl. auch den Titel: Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode 📖 (Anm. 27), auf den Barth im Weiteren häufiger Bezug nimmt.↩
52
Vgl. den Titel der 1929 zu Ehren von Julius Richter erschienenen Festschrift (Anm. 27).↩
53
Vgl. Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode (Anm. 27), S. 66 📖, wo von der «Lähmung des Missionswillens» bei den Anhängern der dialektischen Theologie gesprochen wird (vgl. auch a.a.O., S. 63 [s. folgende Anm.]).↩
54
Vgl. a.a.O., S. 63 📖: «Und doch darf man wohl bezweifeln, daß diese Theologie heute der Kirche die Missionstat schenken würde, wenn die Mission nicht schon da wäre und man zu ihr nicht als zu einer vorhandenen Tatsache irgendwie Stellung nehmen müßte. Die Erfahrung, daß so viele Jünger der dialektischen Theologie der Mission mit gelähmtem Willen gegenüberstehen, gibt zu denken. […] Woran mag es liegen, daß dieser Theologie offensichtlich die bewegende Kraft zur Missionstat fehlt?»↩
55
Anspielung auf E. Troeltsch, Die Absolutheit des Christentums und die Religionsgeschichte (1902/1912). Mit den Thesen von 1901 und den handschriftlichen Zusätzen, Kritische Gesamtausgabe, Bd. 5, hrsg. von Tr. Rendtorff, Berlin / New York 1998, dort S. 199–209. 📖 Vgl. auch J. von Walter, Die Absolutheit des Christentums und die Mission, Leipzig 1906. 📖↩
56
Anspielung auf die Titel der Hauptwerke von Fr. H. R. von Frank: System der christlichen Wahrheit, Erlangen 1878/80 📖; System der christlichen Sittlichkeit, Erlangen 1884/87 📖.↩
57
Vgl. sinngemäß Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode (Anm. 27), S. 67–70, bes. S. 69 📖: «Soll die Botschaft verstanden werden, so muß sie den Menschen in seiner Wirklichkeit aufsuchen und finden. Sie darf deshalb nicht nur in die fremde Sprache übersetzt werden […], sondern sie muß den Menschen in seiner bestimmten konkreten Lage suchen und finden. Sie muß dem Afrikaner gegenüber anders klingen als dem Inder und dem Chinesen gegenüber.» Der als Zitat gekennzeichnete Begriff «Anknüpfungspunkt» jedoch verweist und spielt an auf Emil Brunner: Zwar erschien E. Brunner, Die Frage nach dem «Anknüpfungspunkt» als Problem der Theologie, in: ZZ 10 (1932), S. 505–532 📖, erst nach diesem Vortrag. Aber schon in Die andere Aufgabe der Theologie, in: ZZ 7 (1929), S. 255–276 📖, sprach Brunner von der menschlichen «Frage nach Gott» als dem «Anknüpfungspunkt der göttlichen Botschaft im Menschen» (S. 262; vgl. a.a.O., S. 267, Anm. 6), und in den folgenden Jahren blieb dieses Thema ein andauernder Grund für Auseinandersetzungen (vgl. Bw.Brunner, S. 179 📖; Bw.Th. III, S. 243 📖).↩
58
Vermutlich eine Anspielung auf W. Herrmann, Die Gewißheit des Glaubens und die Freiheit der Theologie, Freiburg i. Br. 1887. 📖 Vgl. aber z. B. auch: K. Heim, Glaubensgewißheit. Eine Untersuchung über die Lebensfrage der Religion, Leipzig 1916. 📖↩
59
Vgl. etwa Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode (Anm. 27), S. 58 📖: «An unmittelbaren Äußerungen von seiten der Hauptvertreter der dialektischen Theologie ist freilich noch nicht viel bekannt geworden. Ausführlich und grundsätzlich hat sie zur Mission, besonders zur gegenwärtigen Missionstätigkeit, noch nicht Stellung genommen. Darin kommt eine Schranke dieser Theologie zur Erscheinung.» Vgl. auch a.a.O., S. 63 (s. oben, Anm. 54).↩
60
Vgl. a.a.O., S. 76f. 📖: «In der Überzeugung, daß das Missionsgebot der gegenwärtigen Christenheit in besonders starkem Maße gilt, werden wir durch die Grundgedanken der dialektischen Theologie in so hohem Maße bestärkt, daß es jedem Vertreter und Jünger dieser Theologie unmöglich sein müßte, für die Missionstat nicht in Theorie und Praxis mit aller Kraft einzutreten. […], so muß die dialektische Theologie in Mission einmünden».↩
61
Vgl. a.a.O., S. 80 📖: «Jede Kirche hat in dem Zustand ihrer Mission einen besonders klaren Spiegel ihres eigenen Zustandes vor sich. Wenn dieser Eindruck [...] zutreffend ist – [...] – so können wir nur urteilen, daß unsere Kirche und mit ihr ihre Mission eine Lebensbewegung wie diejenige der dialektischen Theologie sehr nötig braucht und für ihr Vorhandensein Gott nur von Herzen dankbar sein kann.»↩
62
Vgl. schon den Titel von Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode 📖 (Anm. 27), in dem er betonte, dass die dialektische Theologie der Mission «einen guten Dienst tun» könne, wenn sie diese «zur Besinnung über das Missionsmotiv und die Missionsmethode» veranlasse (a.a.O., S. 60). Vgl. auch Richter, Art. «Mission» (Anm. 48), Sp. 42f.: Abschnitt 2: «Missionsmotiv». 📖↩
63
Diese Auffassung wurde auch von Knak, a.a.O., S. 71f. 📖, abgewiesen: «Wir Christen – das Missionssubjekt; Heiden, Juden und Mohammedaner – das Objekt! Wir – die religiös Besitzenden, die wir von unserem Reichtum an die Bettler in der Welt abgeben. [...] Angesichts solcher Rede ist es richtig und nötig, daß die Christlichkeit unseres Christentums so unerbittlich unter Kritik gestellt wird, wie es von seiten der neuen [= der dialektischen] Theologie geschieht.» – Die Formulierung «glücklich Besitzende» spielt an auf den römischen Rechtsgrundsatz («beati possidentis»), nach dem Besitz als solcher rechtlich geschützt ist. Eine ähnliche Formulierung – dort in der Gegenüberstellung zum «elenden Armen» – findet sich schon bei Euripides in einem Fragment aus der «Danaë» (Ausgabe A. Nauck, Leipzig 1912, Frg. 328,8 d) 📖.↩
64
Den im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einsetzenden Wandel in ­Richtung einer frühen ‹Globalisierung›, durch den die «Mission […] aus der Verborgenheit kleiner Ereignisse in den Winkeln der Welt an das Tageslicht des Weltgeschehens gezogen» wurde, beschreibt u. a. Knak, Weltmission (Anm. 48), S. 370–372, Zitat S. 371. 📖↩
65
Vgl. etwa Richter, Art. «Mission» (Anm. 48), Sp. 42 📖: «Die christliche Kirche ist sich von Anfang an bewußt gewesen, daß die Bekehrung der nichtchristlichen Welt auf einem direkten Auftrag ihres Herrn beruhe […]. Damit war zugleich gegeben, daß sich diese Christenheit bewußt war, daß der Weg zu Gott durch den Glauben an Jesus als den von Gott gesandten Heilsmittler geht. Dies Heil, und zwar als das allein den Menschen gegebene, der Welt zu künden, hält sie für ihre Pflicht […].»↩
66
«Missio» (πέμψις) bzw. «mittere» (πέμπειν, ἀποστέλλειν) sind die Termini technici für die Sendung des Sohnes und des Geistes durch den Vater (vgl. etwa Ps. 104,30; Joh. 14,26; 15,26; Gal. 4,4 – s. auch KD I/1, S. 495f.504 📖); vgl. K. H. Rengstorf, Art. «αποστέλλω (πέμπω)», in: ThWNT I, S. 397–405, bes. S. 402–405 📖. Erst im 16. Jahrhundert hat sich der Begriff «Mission» für das kirchliche Handeln zur Bekehrung von Ungetauften zum christlichen Glauben eingebürgert.↩
67
Vgl. G. Warneck, Art. «Mission unter den Heiden, protestantische», in: RE3 13, S. 125–171, Zitat S. 134 📖: «Der Pietismus […] ist der Vater der Heidenmission […]. Es hafteten ihm freilich Schwächen an […]; aber trotz dieser Einseitigkeiten war er eine belebende Macht und obgleich als Konventikelchristentum verspottet, ging von ihm die gegenwärtige Weltmission aus» (im Exemplar Barths teils unterstrichen). – Zur ausschlaggebenden Rolle des Jesuitenordens bei der frühen katholischen Mission zunächst in Indien und Südostasien, dann aber auch in Süd-, Zentral- und Nordamerika vgl. K. Müller, Kirchengeschichte, Bd. 2/2 (Grundriss der Theologischen Wissenschaften, IV/2/2), Tübingen 19232, S. 532–542 📖; in W. Koehler, Art. «Jesuitenorden», in: RGG2 III, Sp. 104–109 📖, ist der Hinweis, der «Geburtstag des Jesuitenordens» sei des Ignatius von Loyola Weihe «zur Muhammedanermission» gewesen (Sp. 104), in Barths Exemplar unterstrichen.↩
68
Vgl. P. Schütz, Zwischen Nil und Kaukasus. Ein Reisebericht zur religionspolitischen Lage im Orient, München 1930. 📖 Schütz kritisierte den «Missionsuniversalismus» als eine «typisch neuzeitliche Idee» (a.a.O., S. 59) der im Säkularismus gefangenen westlichen Kirche, die zur Mission anderer unbrauchbar geworden sei: «Wir kehren vor den Türen der Heiden. Vor Unflat aber finden die eigenen Kinder nicht mehr die Tür der Kirche daheim. – Intra muros! Die Entscheidung fällt drinnen, nicht draußen. – Nicht Expansion. Sondern Einkehr. Insichgehen. Ansichhalten. ‹Durch Stillesein werdet ihr stark sein!›» (a.a.O., S. 195f.). Die Kritik von Schütz an der Mission beherrschte damals die Diskussion, und er wurde allgemein als ein Anhänger der dialektischen Theologie betrachtet (vgl. dazu A. Keller, Der Weg der dialektischen Theologie durch die kirchliche Welt. Eine kleine Kirchenkunde der Gegenwart, München 1931, S. 154–160 📖; Balz [Anm. 27], S. 421f. 📖). Paul Schütz (1891–1985), damals Privatdozent für Praktische Theologie in Gießen, war freilich kein Schüler Barths (vgl. Brief Barths an J. Richter vom 9.12.1931 [Anm. 6]), und sein Buch wurde von Barth als «Blender von Schütz» beurteilt (Brief an Thurneysen vom 24.3.1932 [Anm. 11; Bw.Th. III, S. 216 📖]).↩
69
Gemeint ist die Aufsehen erregende kritische Festrede von Johann Tobias Beck (1804–1878) auf dem Basler Missionsfest 1838 (J. T. Beck, Das ächte Heilsgeschäft, in: ders., Christliche Reden, 2. Sammlung, Stuttgart 1867, S. 86–99 📖); vgl. B. Riggenbach, Johann Tobias Beck. Ein Schriftgelehrter zum Himmelreich gelehrt, Basel 1888, S. 238ff. 📖; Prot.Theol., S. 562f. 📖↩
70
Siehe Anm. 68. Vgl. auch P. Schütz, Die kritische Bedeutung der Eschatologie für die moderne Missionsidee bei Johann Tobias Beck, in: ZSTh 9 (1932), S. 3–24. 📖↩
71
Vgl. etwa Chr. Keyßer, Anutu im Papualande, Nürnberg o. J. [1925] 📖; ders., Bai, der Zauberer, Neuendettelsau 19262 📖; ders., Ajo! Ein Missionsbuch für die deutsche Jugend, Nürnberg 1926 📖; ders., Eine Papuagemeinde, Kassel 1929. 📖 – Christian Keyßer (1877–1961), 1899–1920 Missionar in Neuguinea, 1922–1939 Missionsinspektor und Lehrer am Missionsseminar Neuendettelsau, war einer der einflussreichsten und meistgelesenen Missionsschriftsteller seiner Zeit. Die beiden zuletzt genannten Titel befanden sich auch im Besitz Barths.↩
72
Vgl. J. P. Lange, Angewandte Dogmatik oder Polemik und Irenik, Heidelberg 1852, S. 49 📖: «In der christlichen Kirche endlich aber entwickeln sich die zwei welthistorischen Grundformen des Propagandismus: die absolutistische, getragen von dem Orden der Jesuiten; die radikale, getragen von Verbindungen, die in ihrer Entwicklung bis zu sozialistischen und communistischen Formen fortgeschritten sind. In der Mitte zwischen beiden […] steht die reine evangelische Mission». – M. Kähler, Die Mission – ist sie ein unentbehrlicher Zug am Christentum? [1908], in: ders., Schriften zu Christologie und Mission, hrsg. von H. Frohnes (TB 42), München 1971, S. 105–255 📖, fährt nach der Herleitung des Namens «Mission» für die entsprechenden evangelischen Bemühungen (vgl. S. 111f.) fort (S. 113f.): «Die Römischen aber betreiben propagandam fidem. Das klingt ja wohl reformatorischer als die Formel der Protestanten? Keinesfalls biblischer; denn die Apostel treiben nicht die Predigt des Glaubens, sondern die des Evangeliums. Und diese auffallende Unterscheidung ist von Bedeutung. Die absichtsvolle Ausbreitung des Christentums von seiten der Römischen hat das mit der absichtslosen Ausbreitung gemein, daß man eben nur sein eigenes Kirchentum weiterträgt […]. Indes, der Grundstellung nach hat die evangelische Mission sich unter das Wort des Paulus gestellt. Sie will nicht unsere Kirchen ausbreiten, sondern das biblische Evangelium.»↩
73
Vgl. etwa Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode (Anm. 27), S. 66 📖: «Die Auseinandersetzungen zwischen den kontinentalen Missionen einerseits, den angelsächsischen andererseits, […] waren von dem Suchen nach einem kritischen Maßstab für die Unterscheidung gesunder und dekadenter Mission beherrscht und sind es noch. Dabei hat sich immer mehr als eine gesunde und fruchtbare Formel M. Kählers 📖 Unterscheidung von Mission und Propaganda bewährt.»↩
74
Hier und im Folgenden greift Barth auf S. Kierkegaards Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Mitteilung zurück (vgl. dazu Römerbrief 2, S. 138f. 📖; V.u.kl.A. 1922–1925, S. 137f.167 📖).↩
75
Bruno Gutmann (1876–1966), sächsischer Pfarrer und Missionar, war 1902–1920 und 1925–1938 im Dienst der Leipziger Mission in Ostafrika. Charakteristisch im Blick auf Barths Einschätzung der Missionstheologie Gutmanns dürften vor allem die folgenden Werke gewesen sein: B. Gutmann, Das Dschaggaland und seine Christen, Leipzig 1925 📖; ders., Gemeindeaufbau aus dem Evangelium. Grundsätzliches für Mission und Heimatkirche, Leipzig 1925 📖; ders., Das Recht der Dschagga, München 1925 📖; ders., Freies Menschentum aus ewigen Bindungen, Kassel 1928 📖. – Die lutherische Prägung hat Gutmann immer wieder stark hervorgehoben (vgl. etwa ders., Gemeindeaufbau, S. 16ff.58ff.90f.114ff.146f.173ff.). Im Blick auf sein Missionskonzept, das sich den natürlichen Bindungen des Menschen an Familie, Sippe und Volk verpflichtet sah, urteilte Gutmann: «Die lutherische Kirche […] ist ja die einzige, die die schöpfungsmäßige Gliederung der Menschheit als einen Selbstwert anerkennt und den Dienst darin als gottgegebenen Beruf» (a.a.O., S. 203).↩
76
Vgl. B. Gutmann, Gemeindeaufbau (Anm. 75), S. 176–193 📖 (Kapitel VIII: «Aufbau aus den urtümlichen Bindungen – die Grundforderung einer Christengemeinde auch an ihr Volk»).↩
77
Vgl. etwa [N. L. von Zinzendorf,] Pennsylvanische Nachrichten von dem Reiche Christi (1742), in: ders., Hauptschriften, hrsg. von E. Beyreuther / G. Meyer, Bd. 2: Reden in und von Amerika, Hildesheim 1963, Zitat S. 52 📖: «Daher alle weise und erfahrene Knechte GOttes sich schuldig erachteten aufs Gantze zu sehen, und […] alle diejenigen allenthalben zu unterstützen, die des HErrn Werck in ihrem Maaß offenbahrlich mit Seegen trieben: Diese Unterstützung aber und Beyhülfe einer Verfassung gegen der andern, Seelen für das Lamm zu werben, müsse einer dem andern nicht als sein Meister sondern als sein Diener leisten.»↩
78
Verbreitete Redensart: Wer Wasser ins Meer (in dieser Form schon bei Ovid sprichwörtlich gebraucht: aquas in mare fundere), in den Rhein oder einen anderen Fluss trägt, tut etwas ganz und gar Sinnloses (vgl. Röhrich V, S. 1697 📖).↩
79
Siehe zur Jerusalemer Missionskonferenz von 1928, ihrer Botschaft und dem dortigen anglo-amerikanischen Einfluss oben, S. 148, Anm. 25, und S. 151f. – In der Kritik an dieser Konferenz traf sich Barth mit Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode (Anm. 27), S. 67 📖: «Wie zur Zeit der Jerusalemkonferenz, so werden wir immer neu gegen alle Versuche Protest einlegen, durch ein Addieren der ‹religiösen Werte› anderer Religionen mit denjenigen der christlichen auf dem Missionsfelde neues religiöses Leben zu schaffen.»↩
80
Das Organisieren als künstliches Ordnen konnte etwa von Siegfried Knak als Kontrast zur inneren, «organischen» Ordnung des lebenden Organismus charakterisiert werden (vgl. Knak, Zwischen Nil und Tafelbai [Anm. 28], S. 147f. 📖). – «Organismus» und «organisch» sind Leitbegriffe der Gutmannschen Konzeption, die den Menschen «in volksorganischer Gemeinschaft» (Gutmann, Gemeindeaufbau [Anm. 75], S. 146; vgl. a.a.O., passim 📖) zu erfassen sucht.↩
81
Vgl. dazu die Würdigung bei Knak, Zwischen Nil und Tafelbai (Anm. 28), S. 143–174 📖: «D. Bruno Gutmanns Kämpfe, Ziele und Wege».↩
82
Buchtitel Gutmanns 📖; s. oben, Anm. 75.↩
83
Vor allem im Luthertum verbreitete Charakterisierung des Rechtfertigungsartikels, um dessen besondere Bedeutung (vgl. WA 39/I, 205,20–22 📖; 40/III, 352,3 📖; BSLK, S. 415,21f. 📖) zu unterstreichen. Die Formulierung erschien «in dieser Form wohl zuerst […] bei Franz Turretini», der sie 1682 bereits – irrtümlich – Luther zuschrieb (Th. Mahlmann, Art. «Articuluc stantis et [vel] cadentis ecclesiae», in: RGG4 I, Sp. 799f., Zitat Sp. 799 📖).↩
84
Siehe oben, S. 148, Anm. 25.↩
85
Vgl. zur Geschichte dieses für die katholische Anthropologie und Gnadenlehre konstitutiven Prinzips: J. B. Beumer S. J., Gratia supponit naturam. Zur Geschichte eines theologischen Prinzips, in: Gr. 20 (1939), S. 381–406.535–552 📖; E. Przywara S. J., Der Grundsatz «Gratia non destruit, sed supponit et perficit naturam». Eine ideengeschichtliche Interpretation, in: Schol. 17 (1942), S. 178–186. 📖 Vgl. auch V.u.kl.A. 1925–1930, S. 22, Anm. 56. 📖 – In Barths Exemplar von Gutmann, Freies Menschentum 📖 (Anm. 75), finden sich zwei angekreuzte Stellen, die die von Barth benannte Parallele stützen: Gott hat «das ewige Reich der Gotteskindschaft […] in die organischen Bindungen» des Menschenschicksals «hineingegründet», «hat sein Reich verkündigen lassen als ein Reich des Vaters und des Sohnes und hat diesen seinen eingeborenen Sohn auf Erden kämpfen lassen für die Gottesordnung, d. h. aber für die, allen künstlichen, von Menschen geschaffenen Zusammenhängen übergeordnet bleibende Verpflichtung gegen die uns gliedlich Verbundenen» (a.a.O., S. 7f.). Und, wenig später: «Nun aber ist es Gott, der die Freiheit schafft und auch uns zur Freiheit beruft, zuerst in den organischen natürlichen Zusammenhängen und ihrer Selbstmächtigkeit und zuhöchst in Jesus Christus, als dem Vergliederer aller Gottesordnung zur ewigen Gestalt der Gotteskindschaft» (a.a.O., S. 10 [in Barths Exemplar z. T. unterstrichen]). Für Gutmann war das Programm: An anderer Stelle wollte er zeigen, «daß die urtümlichen Bindungen zwischen den Menschen die von Gott vorerschaffenen Zellkörper für den Aufbau des Leibes Christi sind» (Gutmann, Gemeindeaufbau [Anm. 75], S. 15 📖): «Beides – Kirche und urtümliche Bindungen – sind göttliche Schöpfungen und aufeinander unmittelbar bezogen und stellen in solcher Bezogenheit aufeinander die Fülle der Einwohnung Gottes in der Menschenwelt dar» (ebd.).↩
86
Vgl. oben, Anm. 71.↩
87
Gemeint sind die Völker in ihren naturhaften Verwurzelungen, die von der Mission respektiert und genutzt werden: «Mission bedeutet draußen und drinnen, am eignen Volk und unter den Heiden, den Kampf ums freie Erdreich, um den ungeschädigten Volksboden» (Gutmann, Gemeindeaufbau [Anm. 75], S. 89 📖); zur Abgrenzung Gutmanns vom pietistischen Ansatz vgl. auch Knak, Zwischen Nil und Tafelbai (Anm. 28), S. 158f. 📖↩
88
Die Absage an die entwurzelnde Überformung der außereuropäischen Völker durch die westeuropäische Zivilisation gehört zu den herausragenden Kennzeichen der Missionsauffassung Gutmanns: Afrikaner, Chinesen und Inder «gehen unter dem Einflusse der europäisch-amerikanischen Zivilisation ihrer völligen Zersetzung entgegen, und der gesamten Völkerwelt droht der Tod in der unausbleiblichen Selbstzerfleischung entarteter Massen» (Gutmann, Gemeindeaufbau [Anm. 75], S. 61 📖). «Diener des Evangeliums» hätten sich daher zu wenden «gegen das Fürchterlichste auf Erden: gegen die Zerstörerin der ewigen Bindungen und Vortäuscherin von Leben im Zerstückten: gegen die Zivilisation» (ders., Freies Menschentum [Anm. 75], S. 106; vgl. auch S. 65ff.82ff. 📖).↩
89
Vgl. Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode (Anm. 27), S. 68–70 📖, wo Knak von der Missionspredigt und ihren Schwierigkeiten spricht, «über die uns die dialektische Theologie bisher noch Klarheit schuldig geblieben ist» (S. 68).↩
90
Vgl. a.a.O., S. 68. 📖↩
91
A.a.O., S. 69f. 📖↩
92
Barth bezieht sich auf: E. Johanssen, Geistesleben afrikanischer Völker im Lichte des Evangeliums, München 1931 📖, und paraphrasiert die Überschriften der einzelnen Teile: I. «Das Mysterium gliedhafter Verbundenheit» (S. 17), II. «Das Mysterium des Ichbewußtseins» (S. 127), III. «Das Mysterium der Leiblichkeit des Menschen» (S. 185), IV. «Das Mysterium des Glaubens» (S. 219). Vgl. auch ders., Mysterien eines Bantu-Volkes. Der Mandwa-Kult der Nyaruanda - verglichen mit dem antiken Mithras-Kult, Leipzig 1925. 📖↩
93
Vgl. die Dogmatische Konstitution «Dei Filius» über den katholischen Glauben vom 24.4.1870 (I. Vatikanisches Konzil), in: DH 3000–3045, bes. Cap. 2.: De revelatione (DH 3004–3007) und Cap. 4.: De fide et ratione (DH 3015–3020) 📖.↩
94
Barth bezieht sich auf Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode (Anm. 27), S. 69 📖 (vgl. oben, Anm. 57).↩
95
Knak hatte gefragt, ob es Verrat an der Botschaft oder weise Pädagogik sei, wenn der Missionar seine Hörer einen ihren Verstehensbedingungen gemäßen Weg zum Evangelium führt, und dann die der Mission gestellte Frage aufgenommen: «Hat der Missionar überhaupt Pädagog zu sein und andere zu ‹führen›?» (a.a.O., S. 68 📖) Dazu bemerkte er: «Ich gestehe, daß ich mit Hartensteins Formel, der Missionar habe nie und nimmer ‹Führer› zu Gott zu sein, wenig anfangen kann. Ist die Mutter, wenn sie ihrem Kinde von Gott und Jesus erzählt, Führerin zu Gott oder nicht? Hier wie in vielen anderen Fällen scheinen mir die scharf zugespitzten Formeln der dialektischen Theologie, an dem wirklichen Leben gemessen, nicht viel mehr Wert als ein Streit um Worte zu haben» (ebd.). Knak bezieht sich auf K. Hartenstein, Was hat die Theologie Karl Barths der Mission zu sagen?, München 1928, S. 23 📖: «Denn nichts anderes ist in unsere Hand gelegt als hinzuweisen auf den Sohn. Die Ausrichtung der Missionsarbeit hat demütig zu geschehen. Wir vermögen nicht hinzuführen; das tut der Geist allein. Wir dürfen ihnen nicht unsere Art aufzwingen, unser Christentum, unsern ‹Glauben›.»↩
96
Vgl. oben, Anm. 57.↩
97
Vgl. oben, S. 200f.↩
98
Knak, Missionsmotiv und Missionsmethode (Anm. 27), S. 66 📖, vgl. S. 63 (die Zitate finden sich oben, Anm. 53.54). Als einen der «Wortführer» der «Jünger» der dialektischen Theologie bezeichnete Knak, a.a.O., S. 63.78.80, irrtümlich Paul Schütz (s. dazu oben, Anm. 68).↩