10. März 1933

Das erste Gebot als theologisches Axiom

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DAS ERSTE GEBOT ALS THEOLOGISCHES AXIOM

1933

Der Text lag einem Vortrag zugrunde, den Barth am 10. März 1933 in Kopenhagen und am 12. März in Aarhus hielt.

1. Kopenhagen

Am 27. November 1932 lud stud. mag. Hans Skovgaard im Namen des Präsidiums des Kopenhagener Studentenvereins «Studenterkredsen» Barth zu einem Vortrag nach Kopenhagen ein. Zwar schlug der Verein Barth vor, in seinen Ausführungen «Die heutige Lage der evangelisch-lutherischen Kirche» zu behandeln, ließ ihm aber dennoch «in der Wahl des Themas vollkommen freie Hände».1 Frühere Versuche, Barth nach Dänemark einzuladen, waren mehrfach gescheitert, doch diesmal nahm er die Einladung an2 und wählte als Thema zunächst «Das erste Gebot als Frage an die evangelische Kirche»; hinsichtlich des Termins einigte man sich auf den 10. März 1933.3 Gegen die Idee des «Studenterkredsen», das dänische Radio um eine Übertragung des Vortrags zu bitten,4 gab Barth zu bedenken: «Was die Rundfunk-Transmission dieses Vortrags betrifft, so muss ich Sie darauf aufmerksam machen, dass ich noch nie vor dem Radio gesprochen habe und also keinerlei Garantie dafür übernehmen könnte, dass diese Sache nach Wunsch verläuft. Meine Aussprache und mein Akzent sind schon an sich vielleicht nicht ganz leicht verständlich und ich könnte mir wohl vorstellen, dass sich auch daraus Schwierigkeiten ergeben könnten.»5

Als bekannt wurde, dass Barth in Kopenhagen einen Vortrag halten würde, schlossen sich weitere Einladungen an. Den Wunsch des Pres|210byteriums der Deutsch-Reformierten Kirche in Kopenhagen und ihres Pfarrers, Wilhelm Baur, er möge während seines Aufenthaltes in der Kirche der Gemeinde predigen,6 konnte Barth aber nicht erfüllen: «Es geht ganz einfach aus Gründen der Zeit nicht: ich werde meinen Vortrag für Kopenhagen erst unmittelbar in den Tagen vorher vorbereiten können. Eine Predigt ist aber bei mir jedes Mal eine besonders viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmende Arbeit für sich, die ich in jenen Tagen sicher nicht auch noch unterbringen können werde.»7 Auch die von Propst Johannes Nordentoft, dem Vorsitzenden des Kopenhagener Pfarrerkonvents, an ihn herangetragenen Bitten, einen Vortrag vor dem Konvent zu halten und die Studenten und Professoren in Lund zu besuchen,8 beschied Barth abschlägig.9

Während seines Aufenthalts in Kopenhagen vom 9. bis 11. März10 gab Barth allerdings mehrere Interviews.11 Außerdem kam es durch Vermittlung von Hermann Diem zu einem Treffen mit den Herausgebern der Zeitschrift «Tidehverv».12 Diese hatten Diem eingeschaltet, |211 weil es drei Jahre vorher, zumindest aus ihrer Sicht, aufgrund eines Briefwechsels zwischen Barth und Kristoffer Olesen Larsen zu Missverständnissen gekommen war,13 die dazu geführt hatten, dass Barth eine schon damals geplante Reise nach Dänemark abgesagt hatte.14 Auch das nun zustande gekommene Treffen scheint Barth zu kritischen Bemerkungen über den Tidehverv-Kreis veranlasst zu haben.15

Den Vortrag, der auf großes Interesse stieß, hielt Barth unter seinem dann endgültigen Titel in «der mächtigen Halle des Grundtvigshauses» vor etwa 1200 Hörern: «Was irgendwie mit der Theologie sich abgibt und auch viele Neugierige, die etwas Neues, Sensationelles erwarteten, füllten den Raum bis auf den letzten Platz. Die gesamte theologische Fakultät war zugegen, ferner der Primas der dänischen Kirche, der Bischof von Seeland, Ostenfeld, ein Bischof von ­Norwegen, Berggrav, Dr. Kaper, Bürgermeister von Kopenhagen und |212 zugleich Verfasser eines vortrefflichen Katechismus, sowie die gesamte Klerisei der Hauptstadt, die abkommen konnte.»16

Das Echo auf den Vortrag und Barths Aufenthalt insgesamt war zwiespältig. Der Berichterstatter der RKZ schrieb: «Mir war’s, wir seien von einem sehr kundigen Bergführer auf einen unserer herrlichen Alpengipfel geführt worden. Steil und mühsam war der Aufstieg, oft an grausigen Abgründen vorbei. Aber droben atmete man reinste Himmelsluft.»17 Dagegen war die Berichterstattung im Blatt des Studentenvereins kritisch. Skovgaard etwa bedauerte, Barth dort «als einen ganz unschädlichen Grossvater geschildert zu sehen», und äußerte die Vermutung, dass der Interviewer Barth weder verstehen «konnte noch wollte»: «Man bekommt ja hier den Eindruck, das[s] Sie in schwerste Not geraten sind, als Ihnen dieser grosse Denker begegnet [ist].»18

2. Aarhus

Die von Johannes Asmund und Peter Gadeberg übermittelte Bitte der Studenterforening Aarhus vom 31. Dezember 1932 um einen Vortrag auch in Aarhus19 beantwortete Barth mit einer bedingten Zusage: «ich bin bereit in Aarhus zu sprechen, wenn es möglich ist, dass ich dabei meinen in Kopenhagen zu haltenden Vortrag wiederhole. Und wenn Ihnen als Datum der 11. oder 12. März passen sollte. Ich bin sehr in Anspruch genommen mit meiner Zeit und es wäre mir nicht möglich, für Aarhus einen anderen besonderen Vortrag vorzubereiten.»20 Anders als Asmund und Gadeberg erwartet und Barth auch schon mit|213geteilt hatten,21 entschied sich die Studenterforening nicht für den 11., sondern für den 12. März.22 Den 11. und 12. März verbrachte Barth daher, einer Einladung Asmunds und Gadebergs folgend,23 in Aarslev und Søby.24

Über die Wirkung des Vortrags schrieb Gadeberg später an Barth: «Ohne grosse Worte zu brauchen, kann ich sagen, das[s] der Vortrag sehr grosse Bedeutung gehabt hat hier in Dänemark.» Und: «Selbstverständlich habe ich einige getroffen, die nach dem Vortrage begeistert waren, aber nur wenig, oft gar nichts verstanden haben. Ein Grundtvigianer schreibt in seiner Zeitschrift von der Barthologi[e]! Es scheint ihm, das[s] Sie, Herr Professor, uns mehr eine Predigt als eine wissenschaftliche Untersuchung gegeben haben.»25

Barth selbst urteilte im Geleitwort zur dänischen Übersetzung, die 1934 gemeinsam mit einer Übersetzung von Theologische Existenz heute!26 erschien,27 dem Vortrag lasse sich entnehmen, «mit welchen Voraussetzungen» er in die «bis heute nicht abgeschlossene kirchliche Kampfzeit hineingegangen» sei. «Ich war, als das Unheil da war, gar nicht gefragt, was ich nun zu denken und zu sagen hatte, sondern ich hatte nur einige Konsequenzen und Anwendungen zu vollziehen.»28

214 Dass Barth im Wintersemester 1932/33 und im Sommersemester 1933 in Bonn seine erst 1947 veröffentlichten Vorlesungen über die Protestantische Theologie im 19. Jahrhundert hielt,29 wird im Vortrag anhand der zahlreichen Bezugnahmen auf seine Deutung der Theologiegeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts erkennbar. Mehrfach wird daher in den kommentierenden Fußnoten auf Prot.Theol. 📖 verwiesen.

Das Typoskript des Vortrags ist erhalten (KBA 10043) und umfasst 23 zweizeilig getippte Seiten mit handschriftlichen Ergänzungen – nachstehend durch ˹ ˺ kenntlich gemacht – und Korrekturen Barths. Am Ende des Textes notierte Barth handschriftlich: «Abgeschlossen 9. März 1933». Die Erstveröffentlichung erfolgte in ZZ 11 (1933), S. 297–314 📖. Erneut abgedruckt wurde der Vortrag in Th.Fr.u.A., S. 127–143. 📖 Die in den Text eingefügte Originalpaginierung ist die des Wiederabdrucks in Th.Fr.u.A. Nachstehend sind, anders als in Th.Fr.u.A., aus dem Erstdruck Leerzeilen übernommen, die Barth an drei Stellen einfügen ließ, um die Gliederung des Textes deutlicher darzustellen.

Das erste Gebot als theologisches Axiom

Vortrag, gehalten in Kopenhagen am 10. März
und in Aarhus am 12. März 1933

Man versteht unter einem Axiom einen Satz, der keines Beweises durch andere Satze fähig, der eines solchen Beweises aber auch nicht bedürftig ist, weil er sich selbst beweist30 – einen Satz, der vielmehr |215 umfassend und kräftig genug ist, die letzte entscheidende Voraussetzung zum Beweis aller anderen Sätze eines bestimmten wissenschaftlichen Bereiches zu bilden. Wenn es, wie der Titel meines Vortrages behauptet, auch ein theologisches Axiom gibt, so ist damit gesagt: auch die Theologie beruht hinsichtlich des Beweises ihrer Sätze auf einer letzten entscheidenden Voraussetzung, die als solche weder bewiesen werden kann noch bewiesen zu werden nötig hat, sondern die Alles zu ihrem Beweise Nötige selber sagt. Sie ist so genau angebbar wie das Axiom oder wie die Axiome irgendeiner anderen Wissenschaft. Die theologischen Sätze sind an ihr ebenso streng gemessen wie die Sätze jeder anderen Wissenschaft an ihren Axiomen: jeder theologische Satz steht unter der Frage, wie er sich zu dieser Voraussetzung aller theologischen Sätze verhält, das heißt, ob und wie er von ihr aus beweisbar, haltbar und also rechtmäßig ist.

Aber freilich: wer von einem theologischen Axiom redet und wer nun gar die bestimmte Angabe macht: das erste Gebot – das bekannte erste Gebot des Dekalogs – ist das theologische Axiom, dera muss sich |216 sofort darüber klar sein, dass er dem Begriff eine Füllung und einen Sinn gibt, den er so jedenfalls nur in der Theologie haben kann. Er wird im Geringsten nicht meinen dürfen, mit der Wahl dieses Begriffes eine gemeinsame Plattform, einen «Anknüpfungspunkt»31 zu einem Gespräch mit dem Logiker, dem Mathematiker, dem Physiker gefunden zu haben. Er wird sich nicht wundern dürfen, diese seine Wahl vom Logiker, vom Mathematiker, vom Physiker her als einen unleidlichen Missbrauch dieses Begriffes getadelt zu hören. Er wird ja schon, bevor dieser Einspruch erfolgt ist, wissen, dass die theologische Voraussetzung, dass das erste Gebot eine Instanz sui generis ist. Er wird ja den Begriff «Axiom» gewiss nicht darum zur Bezeichnung jenerb Instanz wählen, weil 128 er der Meinung wäre, dass diese Instanz unter diesen Begriff fiele, ˹nicht darum,˺ weil er diesem Begriff eine ihm von Haus aus eigene Ähnlichkeit mit jenerc Instanz, eine immanente Analogie zu ihr und also die Fähigkeit, diese Instanz zu begreifen, zuschreiben würde. Er wird ihn also nicht etwa um seiner Eignung willen wählen. Nicht durch den Begriff «Axiom», sondern ˹nur˺ an ihm, und zwar trotz ihm, ˹nur˺ durch einen Einbruch in seinen allgemeinen Gebrauch, ja durch eine Umkehrung dieses Gebrauchs, sagen wir also ruhig: ˹nur˺ durch einen Missbrauch dieses Begriffs kann versucht werden, die theologische Voraussetzung und ihre Bedeutung für die theologischen Sätze zu bezeichnen. Es verhält sich mit dem Begriff des Axioms wie mit allen Elementen der mensch|217lichen Sprache, einerlei, ob sie dem philosophischen oder einem andern Bereich angehören: er hat an sich keine Analogie zu dem, was er im theologischen Gebrauch bezeichnen soll. Nur darum kann es sich handeln, dass er sie, dass er eine «Analogie des Glaubens» (Röm. 12,6) in diesem Gebrauch vielleicht bekomme. Kraft dieser empfangenen, nicht kraft einer immanenten Analogie mag er dann in der Tat zum «Anknüpfungspunkt» eines Gesprächs über die theologische Voraussetzung dienen. Gerade wenn das erste Gebot wirklich die theologische Voraussetzung sein sollte, ist mit aller Bestimmtheit dies vorauszuschicken – vorauszunehmen als eine Folgerung, die sich notwendig aus dieser Gleichsetzungd selbst ergibt und an der wir uns den Sinn dieser Gleichsetzunge sofort ein erstes Mal anschaulich machen: Was hier «Axiom» bedeutet, ist, ohne Rücksicht auf den allgemeinen Sinn dieses Begriffes, von der ˹hier˺ damit bezeichneten Sache her zu bestimmen. Denn: «Du sollst keine andern Götter neben mir haben!» [Ex. 20,3] Die Theologie ist nicht in der Lage, den Eigen-Sinn der Sprache an irgendeinem Punkte endgültig zu respektieren. Sie kann sie als Herrin unmöglich gelten lassen. Wir sagen also «Axiom», weil die Sprache uns in diesem Begriff eine Gelegenheit bietet zu dem Versuch, zu sagen, was auch und gerade dieser Begriff an sich und in seinem allgemeinen Gebrauch nicht sagen könnte: was es auf sich hat um die schlechthin begründete und begründende theologische Voraussetzung. Und so steht es auch umgekehrt: Wer das, was da zu sagen versucht wird, wirklich hören sollte, der würde es nicht mittelsf dieses Begriffes in seinem allgemeinen Gebrauch hören, sondern durchg Missbrauch dieses Begriffes würde ihm eine Gelegenheit geboten sein, zu hören, was er mittelsh dieses Begriffes in seinem allgemeinen Gebrauch unmöglich hören könnte.

129 Wir sprechen zuerst von der besonderen Füllung, von dem besonderen Sinn, den der Begriff «Axiom» dann bekommt, wenn wir die theologische Voraussetzung damit bezeichnen.

218 1. Das erste Gebot «steht geschrieben» [vgl. Mt. 2,5; Lk. 10,26; Act. 1,20 u. ö.] im 20. Kapitel des Buches Exodus. Es ist dem theologischen Axiom wesentlich, dass es «geschrieben steht», das heißt, dass es Bestandteil der Urkunde ist, auf die bezogen die Kirche in der Welt als Kirche existiert. Die Kirche existiert, indem sie diese Urkunde als das alleinige Zeugnis von Gottes alleiniger Offenbarung liest und verkündigt und wieder liest, verkündigt und liest und wieder verkündigt. In dieser Lebensbewegung der Kirche existiert auch die Theologie. Darum kann ihre Voraussetzung nur sein, was «geschrieben steht»; darum können ihre Sätze grundsätzlich nur Auslegung sein. Wir schlagen, indem wir hier und heute gerade das erste Gebot namhaft machen, eine ganz bestimmte Stelle dieser Urkunde auf, weil wir in ihr das theologische Axiom besonders deutlich zu hören meinen. Wir könnten es gewiss auch an andern Stellen hören. Wir könnten auch das Wort Joh. 1,14: «Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit», wir könnten auch das Wort Matth. 11,28i: «Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!», wir könnten auch das Wort II. Kor. 5,19: «Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber» als das theologische Axiom angeben, weil alle diese Worte uns grundsätzlich nichts anderes zu hören geben als das erste Gebot und weil im ersten Gebot nichts anderes gesagt ist, als was alle jene Worte an ihrem Ort und in ihrer Weise auch sagen. Wenn wir Ohren hätten, zu hören [vgl. Mt. 11,15 u. ö.], würde uns gewiss jede Stelle jener Urkunde von der einen theologischen Voraussetzung reden. Aber die Beziehung, in der die Kirche existiert, ihre Beziehung zu jener Urkunde, wird doch wohl immer ihre Beziehung zu je einer ganz bestimmten Stelle in dieser Urkunde, zu einem bestimmten «­­Text» sein müssen, der jeweils heute und hier als pars pro toto zu ihr redet. Wir versuchen es heute und hier, gerade diese Stelle, gerade das erste Gebot als theologisches Axiom zu uns reden zu lassen. – Es dürfte nun deutlich sein, dass wir den allgemeinen Begriff des Axioms schon damit gesprengt haben, dass wir bei der Frage nach dem theologischen Axiom gerade von der Kirche aus fragen und darum so selbstverständlich gerade in jener Urkunde unsere Antwort finden. Den Axiomen im allgemeinen Sinn des Begriffes dürfte es |219 gerade nicht wesentlich sein, dass sie irgendwo und dass sie in einer bestimmten, den Charakter einer Autorität 130 besitzenden Urkunde «geschrieben stehn». Ihnen dürfte es vielmehr wesentlich sein, dass sie, gleichgültig, ob und wo sie auch geschrieben stehen mögen, jedenfalls auch direkt, unmittelbar, allgemein auffindbar und gerade ohne formale Autorität einleuchtend sind. Das erste Gebot, das theologische Axiom aber ˹ist nicht direkt, nicht unmittelbar, nicht allgemein auffindbar, es˺ «steht geschrieben», und nur so und darin ist es Axiom, dass es geschrieben steht: geschrieben für eine Kirche, für die es Autorität hat und die schlechterdings darin und nur darin existiert, dass sie dieses Geschriebene liest und verkündigt.

2. Das erste Gebot steht geschrieben als Bericht über ein zeitliches Ereignis, nämlich als eine Anrede einer Person an eine andere Person: «Und Gott redete alle diese Worte: Ich bin der Herr dein Gott! Du sollst keine andern Götter neben mir haben!» [Ex. 20,1.2a.3] In solcher Anrede: Ich – du! tritt Gott auf den Plan, wird das theologische Axiom aufgerichtet. Was immer wir über Gottes Ewigkeit zu wissen meinen – es wird uns, wenn wir hier verstehen wollen, nicht veranlassen dürfen, von dem Ereignischarakter dieses Axioms auch nur ein Jota [vgl. Mt. 5,18] abzustreichen. Nicht von einer zeitlosen Beziehung, sondern von einer in der Zeit sich abspielenden Geschichte zwischen Gott und Mensch ist hier die Rede. ˹Ein Denken sub specie aeterni32 hilft zwar hier gar nicht.˺ Dass das Wort Fleisch ward, dass Gott menschlich zum Menschen redet, in der Seinsweise des Menschen j-also und-j in der Zeit, das ist der Sinn schon des Buches Exodus. Nicht indem wir die zeitlose Wahrheit dieses zeitlichen Ereignisses zu erhaschen suchen, sondern indem wir diesem zeitlichen Ereignis als |220 Hörer des geschriebenen ersten Gebotes gleichzeitig33 werden, verstehen wir das theologische Axiom. Wer sich in seiner Zeit dieselbe zeitlich bestimmte Anrede Gottes gefallen lassen muss, die sich der Israelit am Sinai zu seiner Zeit wohl oder übel gefallen lassen musste, der und nur der versteht das theologische Axiom. Man versteht es auf keinen Fall als Zuschauer und Beurteiler dieses zeitlichen Ereignisses. – Vom Axiom im allgemeinen Sinn des Begriffes wäre offenbar zu sagen, dass seine Wahrheit und Geltung an eine solche Anrede, an ein solches Ich–du, an ein solches zeitliches Ereignis auf keinen Fall gebunden ist. Sie kann gar nicht durch eine Anrede von Person zu Person vermittelt werden, sondern sie wird entweder unmittelbar oder gar nicht erkannt. Sie leuchtet durch sich selbst ein, und sie leuchtet zeitlos ein, ganz unabhängig von dem Ereignis ihrer Erkenntnis. Das Ereignis, die Geschichte, kann hier nur «Vehikel» sein, wie das 18. Jahrhundert sagte.34 Überall, wo 131 angeblich letzte Wahrheit in dieser Weise ungebunden ist, abstrahierbar von den Personen und von der Zeit in sich selber ruhend, da haben wir es, auch wenn sie sich als religiöse, als christliche Wahrheit ausgibt, mit Axiomen im allgemeinen Sinne des Begriffes, nicht mit dem theologischen Axiom zu tun. Das theologische Axiom erkennt man daran, dass es nur in dem Augenblick35, dem zeitlichen Augenblick seiner Offenbarung von Per|221son zu Person ˹und also nur für ein durch diesen Augenblick bestimmtes und gebundenes Denken˺ Wirklichkeit und Geltung besitzt. Es ist die Ewigkeit des Wortes, das sich, wie geschrieben steht, in unser Fleisch und also in die Zeit verborgen hat und immer wieder verbirgt.

3. Wir können das erste Gebot, wenn wir es in dem biblischen Zusammenhang verstehen wollen, und wir können also das theologische Axiom wirklich nur als das, ˹als˺ was es sich gibt, nämlich als Gebot, verstehen. Es ist wesentlich nicht nur eine Mitteilung Gottes über sich selbst: etwa über seine Einzigkeit, etwa darüber, dass es neben ihm keine Götter gebe.k Es istl nicht bloß eine Offenbarung göttlicher Wahrheit. Sondern es ist wesentlich ein Befehl Gottes an den von ihm einzeln angeredeten Menschen ˹in Israel˺. Gott bezeichnetm sich nicht nur als der Herr, sondern er benimmtn sich als solcher, indem er fordert, gebietet, verbietet: «Du sollst keine andern Götter neben mir haben!» Man darf auch von diesem göttlichen Sichbenehmen, von diesem faktischen Herrsein Gottes keinen Augenblick abstrahieren. Das theologische Axiom ist wesentlich eine göttliche ­Stellungnahme. Damit ist o-nun aber auch die Erkenntnis des theologischen Axioms durch den Menschen wesentlich als eine bestimmte Stellungnahme qualifiziert-o. Hört er nicht, was ihm gesagt wird, dann wird das nicht nur heißen, dass er sich irrt, sondern dass er ungehorsam ist. Hört er, was ihm gesagt wird, so wird das nicht nur heißen, dass er richtig verstanden, sondern dass er gehorcht habe. Es wird |222 zuerst und entscheidend das heißen: Gehorsam oder Ungehorsam. Die ˹göttliche˺ Wahrheit, die ihm durch das Gebot freilich auch gesagt wird, kommt – wenn sie zu ihm kommt – zu ihm durch eine göttliche Entscheidung und so oder so in einer darauf antwortenden menschlichen Entscheidung. – Auch das ist eine dem allgemeinen Begriff des Axioms fremde Bestimmung. Ein Axiom im allgemeinen Sinne des Begriffes bedarf, um einleuchtend zu sein, p-keines göttlichen Befehls-p, und ebensowenig wird seine Erkenntnis oder Nichterkenntnis als Gehorsam oder Ungehorsam zu verstehen sein. Sondern es wartet irgendwo – in den Dingen selbst oder in der menschlichen Vernunft? wir müssen 132 die Frage den Philosophen überlassen – es wartet irgendwo ˹im Bereich des Menschen˺ darauf, vom Menschen entdeckt und gewürdigt zu werden. Je im Akt dieser grundsätzlich jedem Menschen als solchem möglichen Würdigung bekommt und hat es ˹für uns˺ Geltung, ist es ἀξίωμαq. Seine Geltung ist also zugleich ein Triumph menschlicher Freiheitr. Die Wahrheit des theologischen Axioms ˹aber˺ liegt im göttlichen Bereich und darum ist auch seine Geltung ein Triumph göttlicher Freiheit und eine Sache menschlichen Gehorsams oder Ungehorsamss. Indem ich die Geltung eines Axioms im allgemeinen Sinne des Begriffes erkenne und anerkenne, verwirkliche ich meine Menschenwürde. Ich selbst wage jetzt diese und diese letzte Voraussetzung, stoße da und da vor zu den Grenzen der Humanität36. Anerkenne ich die Geltung des theologischen Axioms, so anerkenne ich, nicht in Verwirklichung, sondern in einer mir widerfahrenden Einschränkung meiner Menschenwürde, dass ich selbst Gegenstand einer Voraussetzung bin. Dort bin ich Herr, hier habe ich einen Herrn. Wohl verstanden: Ich weiß ˹dann˺ nicht nur, dass es |223 einen Herrn gibt; ich kenne ihn ˹dann˺ nicht nur, sondern ich habe ihn. Ich habe ihn, indem er befiehlt und indem ich gehorche. Ja, ich habe ihn auch dann, wenn ich nicht gehorche. Ich habe ihn dann eben so, wie auch ein ungehorsamer Knecht seinen Herrn hat [vgl. Mt. 24,48–51 par.]. Wollten wir das theologische Axiom anders haben als so, anders denn als einen ergehenden Befehl, dem wir gehorsam oder ungehorsam sind, dann würden wir es nicht so haben, wie es geschrieben steht. Wir würden dann gewiss nicht das theologische Axiom, sondern irgendein anderes Axiom haben.

4. Es ist eine wesentliche Eigentümlichkeit des ersten Gebotes, dass der, der dieses Gebot gibt und der sich der Herr nennt, zu dem, dem er es gibt, in dem Verhältnis des Befreiers zum Befreiten, des Erretters zum Erretteten steht. «Ich bin der Herr dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, dem Diensthause, geführt habe.» [Ex. 20,2] Auch diese Vorgeschichte des Gebotes ist nicht etwa zufällig. Auch von ihr kann nicht etwa abstrahiert werden. Wer der Gott ist, der im ersten Gebot persönlich mit seinem Befehl auf den Plan tritt, das ergibt sich vielmehr entscheidend aus dieser Vorgeschichte seines Befehlens. Er ist der Erlöser Israels [vgl. Jes. 49,7] und so jedes einzelnen Israeliten. Er hat – int seiner Freiheit, aber ˹wir müssen˺ nun deutlich ˹sagen˺: in der Freiheit seiner Barmherzigkeit – Israel erwählt unter den Völkern [vgl. Dtn. 7,6; 10,15; 14,2]. Er hat einen Bund zwischen sich und ihm aufgerichtet [vgl. Gen. 17,7], und er hat diesen Bund seinerseits bereits gehalten und bewährt. Israel existiert kraft dieses von seinem Gott aufgerichteten und schon gehaltenen Bundes. 133 Der Gott des ersten Gebotes ist also der Gott des Menschen, den er in diesem Gebot anredet, weil und indem er der mächtige und gnädige Gott Israels ist. Er ist, wie Calvin sagt, der «Deus ecclesiae» (Instit. II 8,14 📖). Als solcher sagt er: Ich und du, als solcher nennt er sich den Herrn und verhält er sich als Herr. Er war schon auf dem Plan in seiner Wundertat an einem elenden, verlorenen Volk, an einem Volk, das es in keiner Weise verdient hatte, dieses Gottes Volk zu sein. Er hatte sich schon erwiesen, mit Luther zu reden, als «der ein ewiger Quellbrunn ist, der sich mit eitel Güte übergeußet und von dem alles, was gut ist und heißet, ausfleußt» (WA. 30 I, 136,137). Dann und darauf hin tritt er |224 mit seinem Gebot auf den Plan. Seine schon erwiesene Güte ist die Kraft des Gebotes. Sein Gesetz steht keinen Augenblick für sich und auf sich selbst. Es steht in und auf dem Evangelium von seiner geschehenen Hilfe im Tode, das als solches die Verheißung neuer Hilfe ist. «Ich bin der Herr, dein Gott». Dein Gott, das heißt der Gott, der als solcher schon an dir gehandelt hat, befiehlt: «Du sollst keine andern Götter neben mir haben!» «Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat» (Ps. 103,2). Um dieses Nichtvergessen handelt es sich beim Gehorsam, um dieses Vergessen beim Ungehorsam gegen dieses Gebot. Gehorsam ist Dankbarkeit, Ungehorsam ist Undankbarkeit. Das theologische Axiom lässt sich nicht lösen aus diesem soteriologischen oder, sagen wir gleich konkret: aus diesem christologischen Zusammenhang. Die Offenbarung u-geschieht in-u der Versöhnung, inv dem von Gott aufgerichteten und gehaltenen Bund zwischen ihm und den Menschen. Sie w-geschieht durch-w Sündenvergebung, Rechtfertigung und Heiligung. Auch als Offenbarung des Gesetzes! Jesus Christus ist der Sinn des Sinaigesetzes, sofern es Gottes Offenbarung ist. – Der allgemeine Begriff des Axioms versagt hier völlig. Was sollte die Geltung und Erkenntnis eines logischen undx mathematischen Axioms mit göttlicher Wahl, Bundesschließung, Gnade, Sündenvergebung zu tun haben? Es ist sicher nicht darum und darin Axiom, dass Jesus Christus gestorben und auferstanden ist. Ihm ist es vielmehr gerade wesentlich, keine solche Vorgeschichte zu haben. Sondern in der ihm immanenten Kraft und Bedeutung, von Haus ausy, z-unabhängig von-z Gottes Gnade oder Zorn und aa-ohne Beziehung zu-aa des Menschen Heil oder Unheil, hat es immer und überall Geltung, kann es in seiner |225 Geltung immer und überall erkannt werden. ˹Von gewissen, angeblich der sittlich-politischen Geschichte zu Grunde liegenden Axiomen ist offenbar Ähnliches zu sagen. Man nimmt sie in der heutigen Theologie mit 134 merkwürdigem Eifer als «Schöpfungsordnungen» in Anspruch.38˺ Das theologische Axiom aber gilt und wird erkannt im «regnum gratiae»39 und eben darum in der Kirche, wo die Botschaft von diesem Reich gehört, geglaubt und verkündigt wird. ˹Ein Axiom, das man abstrakt aus der Schöpfung meint ablesen zu können, ist, was es auch sein mag, sicher nicht das Gebot Gottes, nicht theologisches Axiom. Das theologische Axiom˺ istab das Wort, das Gott an die Sei|226nigen, an seine Erwählten und Berufenen richtet. «Subest locutioni relatio» (Calvin l. c.40).

Das erste Gebot lautet: «Du sollst keine andern Götter neben mir haben!» Was heißt das? Was heißt «andere Götter»? Ein Gott ist nach Luthersac, die Meinung des biblischen Textes sehr genau treffender Erklärung dasjenige, worauf ein Mensch sein Vertrauen setzt, dem er Glauben schenkt, von dem er erwartet, dass esad ihm gebe, was er liebt, und ihn bewahre vor dem, was er fürchtet.41 Ein Gott ist das, woran ein Mensch sein Herz hängt. Luther hat hinzugefügt, dass ebensowohl Geld und Gut, Kunst, Klugheit, Gewalt, Gunst, Freundschaft und Ehre wie die Abgötter des Heidentums und die Heiligen des Papsttums und nicht zuletzt des Menschen gute Werke, seine eigenen sittlichen Leistungen in diesem Sinne wirklich Götter sein könnten.42 Immer da, wo das Herz eines Menschen, also immer da, wo der Grund seiner letzten eigentlichen Zuversicht und Hoffnung, das «primum movens» seiner Lebensbewegung, aber auch das Fundament seiner Lebensruhe ist, immer da ist auch in aller Wirklichkeit sein Gott. Das Gebot sagt nämlich nicht, dass es keine andern Götter gebe neben dem, der da gebietet. Oder vielmehr: es sagt das nur – und das ist etwas anderes – indem es verbietet, andere Götter neben Gottae zu haben. Es legt nicht dazu die Hand auf den Israeliten, um ihn darüber aufzuklären, dass sein Gott der einzige Gott sei. Man darf die Einzigkeit eines höchsten Prinzips aller Dinge, auch wenn dieses höchste Prinzip mit dem Namen Gottes bezeichnet wird, jene Einzigkeit, über die der Mensch allenfalls aufgeklärt werden kann, mit der Einzigkeit Gottes, wie sie hier offenbart wird, nicht verwechseln. Gerade jenes Einzige, ob es nun das höchste Sein oder der absolute Geist oder auch Gott |227 genannt werde, über das der Mensch allenfalls aufgeklärt werden kann, dürfte vielmehr zu den andern Göttern gehören, af-die neben Gott zu haben durch das Gebot verboten sind-af. Das Gebot sagt von ag-diesen andern Göttern-ag gar nicht einfach, dass sie keine Wirklichkeit hätten. Es setzt bekanntlich vielmehr voraus, dass sie eine bestimmte Wirklichkeit hätten, so gewiss es voraussetzt, dass es Völker 135 gibt, die sie als Götter haben, die diesen Göttern ihr Herz schenken. Wo das geschieht, da sind eben Götter. Das Gebot legt aber die Hand auf den Israeliten, es isoliert ganz Israel als solches gegenüber diesen Völkern mit der Forderung, diese andern Götter trotz ihrer Existenz nicht etwa neben dem Gott Israels, dem «Deus ecclesiae», neben dem Ich, das den Israeliten als du anredet, neben dem Gott, der Israel aus Ägypten geführt, auch als Gott zu haben, also für Gott zu halten. Der Israelit soll sein Herz nicht zwischen seinem Gott und jenen Göttern teilen. «Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!» [Ex. 20,5a], wie es nachher heißt. Die Offenbarung der Einzigkeit Gottes im ersten Gebot ist kein Theorem, sondern ein Sicherheben eines Gottes, des «Deus ecclesiae» mitten heraus aus der zunächst als unbestreitbar wirklich anerkannten Vielheit der Götter, sein Griff nach bestimmten Menschen: Ich bin euer Gott, und weil ich es bin, kann und will nur ich allein es sein. In dieser herrischen, exklusiven Handlung an diesen Menschen, in diesem einzigartigen Gebaren existiert dieser Gott und offenbart er sich als der einzige Gott und alle andern Götter in ihrer ganzen vor seiner Offenbarung versinkenden Wirklichkeit als Nichtse [vgl. Ps. 96,5; 1.Chr. 16,2643]. Und darin, dass ihm, ihm ganz allein, Furcht, Liebe und Vertrauen entgegengebracht wird,44 darin und nur darin wird er als der einzige Gott und werden neben ihm alle andern Götter trotz und in ihrer Wirklichkeit als Nichtse erkannt von diesen Menschen.

Uns beschäftigt ein bestimmter kleiner Ausschnitt aus der Bedeutung diesesah Gebotes: seine Bedeutung für die Theologie. Theologie |228 ist der mit den Mitteln des menschlichen Denkens und der menschlichen Sprache unternommene Versuch einer wissenschaftlichen Klärung der Frage nach dem Grund und Gesetz der Kirche und ihrer Verkündigung. So steht sie von Haus aus im Bereich der Heiligen Schrift und damit des ersten Gebotes. Dort, wo in andern Wissenschaften die Axiome stehen, steht in der Theologie vor allem theologischen Denken und Reden, an seiner Quelle oder Wurzel, begründend und kritisch, aber wie wir sahen: ganz anders begründend und kritisch als alle andern Axiome, der Befehl: Du sollst keine andern Götter neben mir haben! Theologisch verantwortlich denke und rede ich dann, wenn ich mich bei dem, was ich als Theologe denke und rede, diesem Befehl gegenüber verantwortlich weiß und wenn ich diese meine Verantwortlichkeit kenne als Verantwortlichkeit gegenüber einer Instanz, von der es keinen Appell an eine andere höhere gibt, ai-weil sie-ai selbst die letzte und höchste, die schlechthin entscheidende Instanz ist. 136 «Du sollst keine andern Götter neben mir haben!» Nichts ist weniger selbstverständlich als dies, dass gerade die Theologie wirklich keine andern Götter ˹hat˺ neben dem «Deus ecclesiae»! ˹Es ist ja heute so wenig selbstverständlich wie am Sinai [vgl. Ex. 19,11.20] oder wie an dem Morgen, da Jesus Christus auferstand von den Toten [vgl. Mt. 28,1 parr.]: dass dieser Gott sich erhebt und sich hören lässt: «Ich bin der Herr dein Gott!» und die andern Götter zu Nichtsen macht und dass dieser Gott unser Herz so gefangen nimmt, dass wir gerade ihn fürchten, ihn lieben, ihm vertrauen müssen.˺ Auch und gerade die Theologie ist ˹immer wieder˺ gefragt: wo sie nun eigentlich ihr Herz, ihre Anliegen, ihr Interesse habe, und ob ihr Herz nicht etwa heimlich ein ˹zwischen diesem Gott und den andern Göttern˺ geteiltes Herz sein möchte. Sieaj ist zum Beispiel gefragt nach dem bei ihrer Arbeit vorausgesetzten Begriff vom höchsten Gut oder vom höchsten Wert. Sie ist gefragt nach der Quelle, aus der sie ihre Sätze ableitet. Sie ist gefragt nach dem Maßstab der Gewissheit, die sie ihren Sätzen beilegt. Sieak ist gefragt nach dem praktischen Motiv, nach der Absicht, in der sie gerade diese Sätze und diese |229 gerade so und so bildet. Sie ist gefragt, wo sie eigentlich herkommt und wo sie eigentlich hin will. Und auf allen Seiten werden andere Götter, andere Gründe und Gegenstände der Furcht, der Liebe und des Vertrauensal neben dem «Deus ecclesiae» auch und gerade für die Theologie sehr ernsthaft in Betracht kommen. Sollte die Theologie wirklich an dem einen dünnen Faden hängen, den wir vorhin beschrieben habenam: an dem geschriebenen Bericht von dem zeitlichen Ereignis eines Befehls des in Jesus Christus barmherzigen Gottes? Alle Theologie meint und behauptet natürlich «irgendwie» an Gott zu hängen. Aber wird dieseran und nur dieserao˹, der hier und so sich offenbarende Gott˺ der Gott sein, an dem sie hängt? Sollte sie wirklich hier und nur hier den höchsten Wert, die Erkenntnisquelle, das Gewissheitskriterium, ihr praktisches Motiv erkennen müssen? Man braucht die Frage bloß zu stellen, um zu verstehen, dass in der Theologie zu allen Zeiten geseufzt und geklagt worden ist über die schwer erträgliche Enge ihrer Situation, über die gefährliche Isolierung, in der sie sich befinde, über die Bedenklichkeit, taub bleiben zu sollen ap-gegenüber den-ap Stimmen des bewegten, schönen und tiefen Lebens˹, gegenüber der Fülle der andern, der allgemeinen Axiome˺ rings um sie her, die alle in ihrer Art zu rufen scheinen: «Introite nam et hic dii sunt!»45 Sollte Gott nicht größer und reicher sein als so? Sollte er durch Kirchenmauern, sollte er durch ein Buch, sollte er durch die Ereignisse der Jahre 1–30, sollte er 137 durch die Offenbarung und den Glauben des alten und des neuen Israel beschränkt sein? Arme Theologie, die einen so kleinen Gott hat! Arme Theologie, die so ˹einem˺ auf die Spitze gestellten Kegel gleichen muss! Wer kann uns hindern, so zu klagen und zu fragen? Wer kann uns hindern, hier nach Abhilfe zu suchen? Das Wort «Gott» ist geduldig wie alle Worte. Es |230 steht uns gewiss frei, bei diesem Worte ˹polytheistisch˺ an dies und das und vielleicht auch monotheistischaq an alles zu denken, was uns wahr, groß und verehrungswürdig erscheinen mag. Und es mag uns dann auchar freistehen, eine entsprechende Theologie zu treiben: je nach Bedürfnis und Neigung ausgerichtet nach diesem Wert und sich nährend aus jener Quelle, die Gewissheitsfrage so beantwortend und getrieben von jenen praktischen Absichten. Der freie Mensch kann alles. Das ist’s, was die neuere protestantische Theologie, die Theologie seit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert46 gut, nur zu gut begriffen hat. ˹Sie meinte besser als jede frühere Theologie zu wissen, dass es doch wirklich recht schwer sei, der Philosophie, der Geschichts- und Naturwissenschaft und so vielen anderen Errungenschaften der modernen Welt gegenüber mit Gott und seinem Wort in jenem engen exklusiven Sinne des Begriffes so ganz allein zu stehen. Und˺ sie meinte mehr als jede frühere Theologie rings um sie her Möglichkeiten und Notwendigkeiten, Wahrheiten und Wirklichkeiten, «Anliegen» und Bedürfnisse entdeckt zu haben, so beachtlich, so wichtig, so ernst, dass sie sich ihnen nicht entziehen, ˹dass sie ihnen ihr Herz schenken,˺ dass sie sie faktischas als zweite, dritte, vierte Offenbarung neben der ersten anerkennen zu müssen meinte. So sagte das 18. Jahrhundert: Offenbarung und Vernunft.47 So sagte Schleiermacher: Offenbarung und religiöses Bewusstsein.48 So sagten A. Ritschl und die |231 Seinen: Offenbarung und Kulturethosat.49 So sagten Troeltsch und die Seinen: Offenbarung und Religionsgeschichte.50 Und so sagt man heute von allen Seiten: Offenbarung und Schöpfung,51 Offenbarung und Uroffenbarung,52 Neues Testament und menschliche Existenz,53 |232 das Gebot und die Ordnungen.54 Die Freiheit zu solchen Entdeckungen und die Aufrichtigkeit, der Scharfsinn und die Frömmigkeit, in der sie gemacht wurden und noch werden, sind nicht zu bestreiten. Man kann sich auch nicht einfach mit dem ersten Gebot bewaffnen und feststellen, dass es in der neueren protestantischen Theologie übertreten worden sei und noch werde. ˹Richter kann und wird hinsichtlich des ersten wie hinsichtlich aller Gebote nur der Gesetzgeber selber sein. Er allein weiß, ob der Mensch ihm sein Herz und ob er ihm sein 138 ganzes oder ein geteiltes Herz zu schenken bereit ist.˺ Man kann nur fragen. Sich selbst und die au-ganze moderne-au Theologie ˹des «und»˺ fragen, ob av-gegen jene Freiheit, gegen jenes «und»-av angesichts der Verantwortlichkeit der Theologie voraw dem ersten Gebot nicht mindestens ein schweres Bedenken bestehen möchte. Ich sehe zum Stellen dieser Frage folgende konkrete Anlässe:

1. Wenn die Theologie, wissend um ihre Verantwortlichkeit, es für nötig hält, den Begriff der Offenbarung mittels des auf alle Fälle folgenschweren Wörtleins «und» zu einer andern aus irgendeinem Grund für wichtig gehaltenen Instanz in Beziehung zu setzen, dann wird sich diese Verantwortlichkeit dahin zeigen, dass sie in merklich erhöhtem Ernst und Interesse von der Offenbarung und nur beiläufig und um der Offenbarung willen von jener andern Instanz reden wird. In der merklich ungleichen Verteilung ihres Eifers und ihres Pathos wird sie zeigen, wo sie ihr Herz, wo sie ihren Gott hat: dass sie ihn da hat, wo er in seinem Gebot sich selber hingestellt hat. Es ist bei den Reformatoren, die bekanntlich der Natur, dem Naturrecht und der |233 natürlichen Religion nicht jede Anerkennung versagt haben, ganz klar, wo sie bei ihrer Frage nach dem Grund und Gesetz der Kirche ihr Herz und also ihren Gott haben.55 Es ist aber in der neueren protestantischen Theologie von Buddeus und Pfaff56 bis und mit Hirsch und Althaus, Gogarten und Brunner nicht klar, ob ihr Eifer und ihr Pathos nicht vielmehr jener andern Instanz gilt. Wo wird sie gesprächig, zornig und freudig, nachdrücklich und eindrücklich, diese Theologie? Wo schlägt sie ihre Entscheidungsschlachten? Wir hören sie immer da am lautesten˹, eindringlichsten˺ und feierlichsten reden, wo sie auf die mit dem Wörtlein «und» mit der Offenbarung in Beziehung gesetzten Dinge zu sprechen kommt. ˹Mit der Apologie einer bestimmten kleinbürgerlichen Moral fing es im 18. Jahrhundert an,57 mit der Apologie von Volkstum, Sitte und Staat scheint es heute endigen oder vielmehr noch nicht einmal endigen zu wollen.˺ Wäre es nicht umgekehrt am Platze, gerade da tonlos und beiläufig zu reden? Zum Zeichen, dass wirklich keine «andern Götter» auf dem Plane sind, dass das Herz ungeteilt bei dem einen Gott ist?

2. Wenn die Theologie es, wissend um ihre Verantwortlichkeit gegenüber dem ersten Gebot, in der Tat nicht unterlassen kann, indem |234 sie von der Offenbarung redet, auch vom Menschen, von Vernunft und Erfahrung, von Geschichte und geschöpflicher Existenz ˹und dann gewiss auch von Volkstum, Sitte und Staat˺ zu reden, dann wird sich diese Verantwort139lichkeit darin zeigen, dass sie jene andern Instanzen nach Maßgabe der Offenbarung und nicht etwa die Offenbarung nach Maßgabe jener andern Instanzen interpretieren wird. Sie wird nicht mit einem auf der Erde aufgestellten Scheinwerfer den Himmel abzuleuchten suchen, sondern sie wird versuchen, die Erde im Lichte des Himmels zu sehen und zu verstehen. Ich darf daran erinnern, wie wir esax vorhin versucht haben, denay Begriff des theologischen Axioms nicht etwa vom allgemeinen Begriff des Axioms, sondern eben vom göttlichen Gebot aus˹, in seiner uns schlechterdings vorgeschriebenen Struktur˺ zu bestimmen. Wieder kann man bei den Reformatoren seiner Sache dahin sicher sein, dass sie trotz ihrer gelegentlich und beiläufig betriebenen natürlichen Theologie «keine andern Götter haben», das heißt an keiner wichtigen Stelle die Offenbarung durch die Vernunft und durch die Natur oder durch die Geschichte richten lassen, sondern immer umgekehrt. Diese Sache ist es, deren man in der neueren protestantischen Theologie nicht ebenso sicher ist. Was helfen die stärksten und ehrlichsten Beteuerungen über die ausgezeichnete, ja einzigartige Bedeutung der ˹biblischen˺ Offenbarung, wenn az-diese Einzigartigkeit-az schon durch die angewandte Methode derba Interpretation dieserbb Offenbarung fraglich gemacht wird? Hat diese Theologie nicht von Anfang an aus dem Gebrauch der Vernunft zum Verständnis dieserbc Offenbarung eine Kontrolle dieserbd Offenbarung durch die Vernunft und schließlich aus der Vernunft den Rahmen, das Schema gemacht, nach Maßgabe dessen be-sie diese-be Offenbarung allein bf-als solche anerkennen sollte-bf? ˹War es bei |235 Kant nicht so, dass der Name Gottes gerade nur noch das und beileibe nicht mehr sagen durfte, als er auf Grund des Vorverständnissesbg: dass er auf alle Fälle eine Idee der praktischen Vernunft sein müsse, sagen konnte?58˺ War es bei Schleiermacher nicht so, dass er Christus schlechterdings von der selbständig entdeckten Instanz «Religion» aus meinte verstehen zu sollen?59 Sind es heute nicht ebenfalls diebh selbständig ˹im Voraus˺ festzustellenden ˹und zu bestimmenden˺ Instanzen Uroffenbarung, Schöpfungsordnung, menschliche Existenz, die im Ganzen und im Einzelnen das Konzept, den Grundriss, die Systematik für die theologische Lehre des 2. und 3. Artikels abgeben sollen? Welches Gesetz wird uns heute als der «Pädagoge auf Christus» [Gal. 3,24] empfohlen? Das Gesetz vom Sinai? Das Gesetz, das mit dem Evangelium von Hause aus eins ist? Das Gesetz, das zu Christus führt, weil auch es von Christus kommt? Oder ein anderes, vielleicht aus der Verfassung der griechischen Polis oder eines Negerstammes oder aus der 140 Ideologiebi des deutschen Mittelalters abgelesenes, vielleicht auch in freiem Raisonnement über das Dasein und die Bestimmung des Menschen gewonnenes Gesetz? Wird es noch das Evangelium sein, das nach ˹all˺ diesenbj willkürlichbk vorgenommenen Schulmeistereien endlich und zuletzt ˹auch˺ zu Worte kommt? Und |236 wenn das ˹trotz allerlei sehr glücklicher und sehr dankenswerter Inkonsequenzen weithin˺ mindestens problematisch ist, muss man dann nicht fragen, ob hier nicht doch so etwas wie «andere Götter» neben dem «Deus ecclesiae» zur Diskussion zugelassen worden sein sollten?

3. Wenn die Theologie, wissend um ihre Verantwortlichkeit gegenüber dem ersten Gebot, ˹die Offenbarung˺ in Beziehung sieht – und denkend und sprechend in Beziehung setzt (in Beziehung setzen muss!) – zu Vernunft, Existenz, Schöpfung oder wie die andere Instanz nun heißen mag, dann wird sich diese Verantwortlichkeit auf alle Fälle bl-darin zeigen-bl, dass es in dieser Beziehung, wie sie sie auch sehen und verstehen möge, unter allen Umständen keine Möglichkeit der Vermischung oder Vertauschung, keine Möglichkeit einer Identifizierung der beiden Begriffe geben wird. Calvin hätte noch zehnmal ausführlicher und nachdrücklicher vom «semen religionis» im Heiden usw. sprechen können, als er es Instit. I,1–560 tatsächlich getan hat, wir könnten uns bei ihm doch darauf verlassen, dass irgendeine Umkehrung zwischen diesem natürlichen «Unten» und dem «Oben» der Gnade, der Prädestination, ˹des Wortes Gottes und des Heiligen Geistes,˺ des Glaubens usw. bei ihm nicht vorkommen wird. Er hat eben an den Möglichkeiten und Wirklichkeiten, die er auch dem gefallenen Menschen nicht absprechen will, tatsächlich «keine andern Götter»; ˹sein Herz hängt nicht an ihnen; eine Apologie anderer Anliegen gegenüber dem der Kirche und darum eine andere Aufgabe der Theologie61 kommt bei ihm nicht in Betracht,˺ und darum bleiben ˹bei ihm˺ Rechtfertigung und Glaube an ihrem, die Gaben des natürlichen Menschen ebenso streng an ihrem Ort. Und ich brauche nicht zu sagen, dass Luther hier selbstverständlich ebenso reinlich ist. In der protestantischen Theologie von 1700 ab aber ist gerade hier alles ins Wanken und Schwanken gekommen. Endigte die Diskussion des 18. Jahrhunderts nicht damit, dass die Wegscheiderbm 62 und Genossen, den großen |237 Kant verstehend oder auch missverstehend, die Offenbarung fröhlich in der Vernunft aufgehen ließen, die Vernunft selber für die wahre Offenbarung erklärten? Ist die Offenbarung bei Schleiermacher mehr als eine Bestimmung des frommen Selbstbewusstseins, und ist sie bei den Theologen aus der Schule Hegels mehr als ein Teil der Selbstbewegung des ab141soluten Geistes?63 Verschwindet sie bei Ritschl nicht in der Kultur und bei Troeltsch und den Seinen in der allgemeinen Religions- und Geistesgeschichte, bei Holl und Hirsch im Gewissen64 und bei Bultmann bn-in einem bestimmt interpretierten-bn Dasein? Ich muss auch gegenüber Brunner und Gogarten fragen: Ist nun eigentlich «Gott» mehr als ein anderes Wort für den Nächsten? Das Gebot mehr als ein anderes Wort für die Ordnungen? Die Rechtfertigung mehr als ein anderes Wort für das Leben in diesen Ordnungen? ˹Und gegenüber Bultmann: Ob Theologie und Anthropologie nun wirklich auswechselbare Begriffe sein sollen?˺ Wo man in der Theologie mit dem ˹arbiträren˺ Begriff einer aus der Schöpfung zu vernehmenden˹, das heißt mittelsbo irgendeiner mehr oder weniger klugen Exegese unserer Existenz zu erkennenden˺ besonderen ersten |238 Offenbarung ernst gemacht hat, da hat das noch immer zur Folge gehabt, dass die Offenbarung, von der das erste Gebot redet, zu einem Parergon, zu einem bloßen Schatten wurde. ˹Ich weiß nicht, wie ich das, was in Gogartens Buch «Ich glaube an den dreieinigen Gott» aus dem 2. und 3. Artikel und in Brunners Ethik aus der Rechtfertigung wird,65 anders nennen soll.˺ Und es wäre doch wohl zu fragen, ob das möglich wäre, wenn man nicht in jener angeblichen Schöpfungsoffenbarung, mag man lange beteuern, dass man sie selbstverständlich als Offenbarung des einen einzigen Gottes verstehe, tatsächlich doch mächtige, herrschsüchtige, ihrerseits exklusive «andere Götter» auf den Plan gerufen und ihnen mindestens einen Teil seines «Herzens» geschenkt hätte. So ist’s nicht gemeint! hören wir von allen Seiten. In der Tat antworten wir, so kann es ja in der Theologie nicht gemeint sein. Aber warum redet man˹, warum schreibt man ganze gewichtige Bücher˺ immer wieder so, als ob es eben doch so gemeint sei?

Die vom ersten Gebot alsbp dem theologischen Axiom her nicht zu umgehende Frage an die neuere protestantische Theologie ist aber darum so unheimlich, bq-weil die-bq Entwicklung dieser Theologie, wenn die gestellte Frage nach den «andern Göttern» nicht bestimmt zu verneinen ist, bedeuten würde, dass diese Theologie ein freilich sehr viel schwächeres und ungeschützteres Gegenbild zu der Theologie geworden ist, von der sich die Reformatoren gerade unter Berufung auf das erste Gebot geschieden haben. Die Reformation wurde unvermeidlich, weil die Frage, ob nicht «andere Götter» im Leben und in der Lehre der katholischen Kirche mitherrschen und mit anerkannt sein möchten, dringlichbr und schwer wurde. Die katholische Kirche hat den «Deus ecclesiae» wahrlich nicht preisgegeben. 142 Sie weiß auch um Christus, auch um die Gnade, auch um den Glauben. Aber sie ist groß in der Kunst, ihr Herz zwischen Gott und den Göt|239tern zu teilen. Sie weiß neben Christus noch um eine heilsnotwendige zweite Instanz, sie weiß um ein jenem «Oben» in seinem Dasein und Sosein analoges, in seiner immanenten Struktur zu ihm hingeordnetes «Unten»: um den Menschen mit seiner Fähigkeit, auf Grund der Gnade mit der Gnade zur Ehre Gottes und zu seinem eigenen Heil zusammenzuwirken. Die Reformatoren sahen sich trotz der klugen und vorsichtigen Art, mit der hier neben der Offenbarung eine andere Instanz geltend gemacht wurde, durch das erste Gebot genötigt zu protestieren: Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’!66 Die Art, wie die neuere protestantische Theologie unter Anrufung des Namens Gottes andere Instanzen neben der Offenbarung geltend gemacht hat, zeichnet sich weder durch Klugheit noch durch Vorsicht aus. Sie bietet, verglichen mit ihrem augustinischen und thomistischen Gegenbild, handgreiflicheren Anlass zu der Frage, die damals sogar zur Kirchenspaltung geführt hat. Aber nicht das ist’s, was sie uns unheimlich macht, sondern die Frage, ob sie in der Lage ist, sich von dem augustinisch-thomistischen Gegenbild67 grundsätzlich zu unterscheiden, oder ob dieses ihr Gegenbild nicht etwa geradezu ihr Urbild sein, ob sie etwa nichts anderes als eine etwas dürftige Variante des katholischen Themas sein sollte. Ich sage nicht, dass dem so sei. Wer das sagen wollte, der müsste von der Frage zum Protest oder vom innerkirchlich-theologischen zum kirchentrennenden Protest übergehen. Die Frage freilichbs oder der innerkirchlich-theologische Protest muss – und muss heute in der völligen Verdunkelung der theologischen Lage, die uns gerade die letzten Jahre˹, hauptsächlich in Form der erschütternden Äußerungen von Bultmann, Brunner und Gogarten,˺ gebracht haben, nachdrücklicher als je angemeldet werden. Viele Straßen führen nach Rom zurück!

Aber das soll unser letztes Wort nicht sein. Der im Blick auf das erste Gebot als theologisches Axiom unvermeidliche Streit gegen die na|240türliche Theologie ist ein Streit um den rechten Gehorsam in der Theologie. Der rechte Gehorsam, das gute Werk in der Theologie muss in einem rechten theologischen Denken und Reden bestehen. Recht und gut ist es dann, wenn es dem ersten Gebot entspricht und nicht widerspricht. Auch die Theologie hat Anlass zu prüfen, «welches da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille» (Röm. 12,2). Bei solcher Prüfung kommen wir zu dem Ergebnis, dass die Theologie heute – wir müssen heute 143 nach 400 und besonders nach 200 Jahren68 besser wissen als die Reformatoren, was es damit auf sich hat – aller und jeder natürlichen Theologie den Abschied geben und es wagen sollte, in jener Enge, in jener Isolierung, allein an dem Gott zu hängen, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Warum? Weil ihr das und nur das geboten, weil alles Andere Willkür ist, die zu jenem Gott nicht hin, sondern von ihm weg führt. Das ist der einfache Sinn der These, die hier vertreten werden sollte. Aber auch die Theologie wird tatsächlich nie durch das gerechtfertigt sein, was sie als Leistung rechten Gehorsams, als Erfüllung des Gesetzes nach bestem Wissen und Gewissen ˹meint˺ denken und sagen zu sollen. Keine Theologie! Jede Theologie hat auch «andere Götter» und sicher immer da am meisten, wo man und wo sie selbst es am wenigsten merkt. Darum muss Rede und Gegenrede stattfinden, darum muss Streit sein in der Theologie, damit es nirgends zu einem Frieden komme mit den sicher überall mitherrschenden und mit anerkannten «andern Göttern». Auch die aufs Strengste auf das erste Gebot ausgerichtete Theologie wird allen Anlass haben, für einen vielleicht gerade vom ersten Gebot ˹her˺ gerade gegen sie zu erhebenden Widerspruch offen zu bleiben. Auch sie wird nie durch ihr Werk, sondern (wenn überhaupt) nur durch die Vergebung der Sünden gerechtfertigt sein. Und darum kann der Streit in der Theologie, auch der gute notwendige Streit, auch der schwere Streit gegen den Katholizismus, und auch der schwerere Streit gegen die natürliche Theologie im modernen Protestantismus doch nur mit vorletztem und ja nicht mit absolutem Ernst und Zorn geführt werden. Wir durchschauen ja keine Theologie so, dass wir bt-mit letzter Bestimmtheit-bt behaupten könnten: sie hat «an|241dere Götter» neben dem «Deus ecclesiae». Wir können uns nur gemeinsam an das erste Gebot erinnern. Wir können nur fragen, wir können nur protestieren, wenn uns die Klarheit des Verhältnisses der Theologie zum ersten Gebot wieder einmal gefährdet erscheint. Aber wenn wir alles gesagt haben, was notwendig gesagt werden muss, wird auch das «Band des Friedens» (Eph. 4,3) sichtbar werden müssen, das Wissen um die schlechthin überlegene Weisheit des Herrn der Kirche, die Verheißung: «Siehe, ich bin bei euch alle Tage!» [Mt. 28,20], die wir, wenn wir sie auf uns selbst beziehen, auf andere nicht weniger als auf uns selbst beziehen können. Nur in ˹gemeinsamer˺ Hoffnung kann der notwendige theologische Streit recht geführt werden. Das mag diesmal das Letzte sein, was wir uns gerade vom ersten Gebot her gesagt sein lassen müssen.bu

Textkritische Fußnoten

a
Tskr. und ZZ: «wer das sagt, der».↩
b
Tskr.: «dieser».↩
c
Tskr.: «dieser».↩
d
Im Tskr. korrigiert aus: «Gleichung».↩
e
Im Tskr. korrigiert aus: «Gleichung».↩
f
Tskr. und ZZ: «mittelst».↩
g
Im Tskr. korrigiert aus: «im».↩
h
Tskr. und ZZ: «mittelst».↩
i
Im Tskr. korrigiert aus «21,28»; ZZ: «21,28».↩
j-j
Tskr. und ZZ: «und also».↩
k
Im Tskr. folgte ursprünglich, dann gestrichen: «Und es ist auch nicht bloß eine Kundgebung seines Willens, dies und das zu tun.»↩
l
Im Tskr. folgte ursprünglich, dann gestrichen: «also überhaupt».↩
m
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
n
Im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
o-o
Im Tskr. eingefügt an Stelle von: «schon gesagt, dass auch auf Seiten des Menschen, der hier angeredet wird, nur ein entsprechendes Sichbenehmen, eine Stellungnahme, eine Handlungsweise als Antwort in Betracht kommt».↩
p-p
Im Tskr. korrigiert aus: «keiner göttlichen Entscheidung».↩
q
In Th.Fr.u.A. fälschlich «ἀξίομα»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit Tskr. und ZZ korrigiert.↩
r
Im Tskr. folgte ursprünglich, dann gestrichen: «..., so gewiss seine Wahrheit im menschlichen Bereich liegt».↩
s
Im Tskr. folgte ursprünglich, dann gestrichen: «..., und mit beiden bestätigt der Mensch, dass seine Wahrheit gerade nicht in seinem Bereich liegt».↩
t
Im Tskr. ursprünglich: «wiederum in» («wiederum» dort dann gestrichen).↩
u-u
Im Tskr. korrigiert aus: «steht in und auf».↩
v
Im Tskr. korrigiert aus: «auf».↩
w-w
Im Tskr. korrigiert aus: «steht auf».↩
x
Tskr.: «oder».↩
y
Im Tskr. folgt ursprünglich, dann gestrichen: «..., schöpfungsmäßig – wenn man sich wirklich getrauen will, es als Schöpfungswahrheit in Anspruch zu nehmen –».↩
z-z
Im Tskr. korrigiert aus: «ohne Rücksicht auf».↩
aa-aa
Im Tskr. korrigiert aus: «auf».↩
ab
Im Tskr. ursprünglich: «Es ist»; dort im Zusammenhang mit der vorangehenden Einfügung korrigiert.↩
ac
Hier und im Weiteren sind die Namen in Tskr. und ZZ nicht hervorgehoben↩
ad
Tskr., ZZ und Th.Fr.u.A.: «er»; von den Hrsg. korrigiert.↩
ae
Im Tskr. korrigiert aus: «ihm».↩
af-af
Im Tskr. korrigiert aus: «von denen im Gebot die Rede ist».↩
ag-ag
Im Tskr. korrigiert aus: «ihnen».↩
ah
Im Tskr. korrigiert aus: «des».↩
ai-ai
Im Tskr. korrigiert aus: «welche».↩
aj
Im Tskr. korrigiert aus: «Es».↩
ak
Im Tskr. korrigiert aus: «Es».↩
al
Im Tskr. folgt ursprünglich, dann gestrichen: «sichtbar».↩
am
Im Tskr. korrigiert aus: «hatten».↩
an
Im Tskr. korrigiert aus: «dies».↩
ao
Im Tskr. korrigiert aus: «dies».↩
ap-ap
Im Tskr. korrigiert aus: «über die».↩
aq
Im Tskr. korrigiert aus: «ein wenig».↩
ar
Im Tskr. korrigiert aus: «noch».↩
as
Im Tskr. korrigiert aus: «also neben der Offenbarung oder».↩
at
Im Tskr. korrigiert aus: «Gewissensethos».↩
au-au
Im Tskr. korrigiert aus: «Vertreter dieser».↩
av-av
Im Tskr. korrigiert aus: «hier».↩
aw
Im Tskr. korrigiert aus: «gegenüber».↩
ax
Im Tskr. korrigiert aus: «das».↩
ay
Im Tskr. korrigiert aus: «vom».↩
az-az
Im Tskr. korrigiert aus: «sie».↩
ba
Im Tskr. korrigiert aus: «ihrer».↩
bb
Im Tskr. korrigiert aus: «der».↩
bc
Im Tskr. korrigiert aus: «der».↩
bd
Im Tskr. korrigiert aus: «der».↩
be-be
Im Tskr. korrigiert aus: «es».↩
bf-bf
Im Tskr. korrigiert aus: «geben durfte».↩
bg
ZZ und Th.Fr.u.A.: «Verständnisses»; durch die Hrsg. gemäß dem Tskr. korrigiert.↩
bh
Im Tskr. folgt ursprünglich, dann gestrichen: «irgendwie».↩
bi
Im Tskr. korrigiert aus: «Geologie».↩
bj
Im Tskr. folgt ursprünglich, dann gestrichen: «doch etwas».↩
bk
Th.Fr.u.A.: «natürlich»; von den Hrsg. gemäß Tskr. und ZZ korrigiert.↩
bl-bl
Im Tskr. korrigiert aus: «dadurch heißen».↩
bm
In Tskr., ZZ und Th.Fr.u.A. nicht hervorgehoben; durch die Hrsg. in Angleichung an die sonstige Praxis im Text korrigiert.↩
bn-bn
Im Tskr. korrigiert aus: «welche».↩
bo
Tskr. und ZZ: «mittelst».↩
bp
Im Tskr. korrigiert aus: «aus».↩
bq-bq
Im Tskr. korrigiert aus: «welche».↩
br
Im Tskr. folgt ursprünglich, dann gestrichen: «..., unerträglich dringlich».↩
bs
Im Tskr. korrigiert aus: «aber».↩
bt-bt
Im Tskr. korrigiert aus: «positiv».↩
bu
In Tskr. – dort handschriftlich hinzugefügt – und ZZ folgt in einer Unterzeile: «Abgeschlossen 9. März 1933». Dass diese Datierung auch in der dänischen Übersetzung (Anm. 27) erscheine, war Barths ausdrücklicher Wunsch. Vgl. Brief Barths an Gadeberg vom 26.4.1934 (KBA 9234.129).↩

Sachfußnoten

1
Brief Skovgaards an Barth vom 27.11.1932 (KBA 9332.599).↩
2
Am 8.12.1932 schrieb Barth an seine Mutter (KBA 9232.338): «Für Anfang März habe ich einen Vortrag in Kopenhagen angenommen: ich wurde von dort schon so oft gefragt, dass ich einmal Ja sagen musste.» Zu den Gründen für das Scheitern einer früheren Einladung s. unten, Anm. 14.↩
3
Vgl. Brief Skovgaards an Barth vom 7.12.1932 (KBA 9332.622).↩
4
Vgl. a.a.O. und Brief Skovgaards an Barth vom 2.1.1933 (KBA 9333.10).↩
5
Brief Barths an Skovgaard vom 6.1.1933 (KBA 9233.8; Br. 1933, S. 28f. 📖).↩
6
Vgl. Brief Baurs an Barth vom 9.12.1932 (KBA 9332.629). Der aus der Schweiz stammende Wilhelm Baur (1862–1937) wurde 1887 Schulinspektor und Katechet der Deutsch-Reformierten Kirche in Kopenhagen und war 1928–1933 deren Pfarrer; vgl. H. Dusse / U. Dusse, Die Deutsch Reformierte Kirche zu Kopenhagen. Ein Gang durch ihre Geschichte, Kopenhagen 1977, S. 93. 📖↩
7
Brief Barths an Baur vom 6.1.1933 (KBA 9233.10; vgl. Br. 1933, S. 29 📖).↩
8
Vgl. Brief Nordentofts an Barth vom 13.1.1933 (KBA 9333.37). Johannes Nordentoft (1868–1948) war 1929–1937 Pfarrer und Propst an der Garnisons-Kirche in Kopenhagen.↩
9
Vgl. Brief an Nordentoft vom 17.1.1933 (KBA 9233.20; vgl. Br. 1933, S. 37 📖).↩
10
Vgl. W. Bauer [Baur], Karl Barth in Kopenhagen, in: RKZ 83 (1933), S. 155f., dort S. 155. 📖 Der Verfasser des Artikels dürfte der oben erwähnte Wilhelm Baur gewesen sein; die Angabe «W. Bauer» im Verfasserverzeichnis der RKZ wäre dann nicht korrekt.↩
11
Vgl. a.a.O., S. 156 📖; Brief Skovgaards an Barth vom 26.3.1933 (KBA 9333.164).↩
12
Vgl. Brief Diems an Barth vom 27.2.1933 (KBA 9333.104); Postkarte Barths an Diem vom 2.3.1933 (KBA 9233.61; Br. 1933, S. 78f. 📖); Brief K. Olesen Larsens an Barth vom 7.3.1933 (KBA 9333.122). – Baur charakterisierte in seinem Bericht (Anm. 10) den Kreis folgendermaßen: «Die ‹Barthianer› sind hier die jungen Stürmer und Dränger, die rücksichtslos die bestehende Kirche angreifen und durchaus respektlos mit den großen Geistern der Vorzeit und mit den tonangebenden Richtungen und Männern der Gegenwart ins Gericht gehen. In keinem der skandinavischen Länder hat Barth so viel Staub aufgewirbelt wie in Dänemark. […] In ihrer Zeitschrift ‹Tidevero› [sic!] (Zeitenwende) haben die Barthianer ihr Organ» (a.a.O., S. 155 📖). Diem schrieb in seinem Brief vom 27.2.1933 über den Kreis: «Was sie schreiben, ist im Allgemeinen sehr erfreulich, ganz auf die kirchliche Praxis eingestellt, dabei gar nicht ohne theologische Besinnung – etwas zuviel Bultmann – sehr scharf und eindeutig in der Kritik, aber dabei keineswegs ein blosses Schimpfen. […] Unter allen Umständen ist ihr Mut und ihre Tapferkeit anzuerkennen, mit der sie persönlich alles aufs Spiel setzen. ‹Barthianer› sind sie tatsächlich nicht […].»↩
13
Vgl. Brief Diems an Barth vom 27.2.1933 (Anm. 12).↩
14
Zu den Gründen für das Scheitern dieser früheren Einladung schrieb Barth an Hermann Diem: «Wenn ich mich recht erinnere, habe ich mich damals nur gegen den gewissen Fanatismus gewehrt, mit de[m] sie mich der offiziellen Pfarrerkonferenz entreißen und dafür auf irgend eine Insel schleppen wollten, worauf ich dann Alles miteinander absagte» (Postkarte vom 2.3.1933 [Anm. 12]).↩
15
Peter Gadeberg (1904–1975), von 1931–1937 Pfarrer in Aarslev und Hørning, jedenfalls versuchte, bei Barth Verständnis für den Tidehverv-Kreis zu wecken, indem er dessen Gemeinsamkeiten mit Barth hervorhob: «Das eigentliche ist dies, das[s] die Tidehvervs-Leute doch die sind, die an derselben Front wie Sie, Herr Professor, kämpfen. […] Ich glaube nicht, das[s] Sie Menschen finden, die besser für die Sache streiten, und auch nicht Menschen, die Barth besser verstanden haben, als diese, hier in Dänemark jedenfalls» (Brief Gadebergs an Barth vom 28.3.1933 [KBA 9333.168]).↩
16
Baur (Anm. 10), S. 156. 📖 Die Zahl der Hörer teilte Barth im Brief an Ch. von Kirschbaum vom 11.3.1933 (KBA 9272.105; Bw.K. I, S. 257 📖) mit und vermittelte zugleich einen Eindruck von den «solennsten Reden», die auf ihn gehalten wurden: «‹Er ist nicht nur ein gewandter Dialektiker, nicht nur ein Mann der Bibel, sondern auch der liebenswürdigste Mensch, den man sich denken kann›!!!»↩
17
Ebd.↩
18
Brief an Barth vom 26.3.1933 (Anm. 11).↩
19
Brief Asmunds und Gadebergs an Barth vom 31.12.1932 (KBA 9332.681). Vilhelm Johannes Asmund (1906–1988) war 1931–1940 Pfarrer in Søby, Skader und Halling, 1933-1937 zugleich Assistent an der Universität Aarhus.↩
20
Brief Barths an Asmund vom 6.1.1933 (KBA 9233.9; vgl. Br. 1933, S. 29 📖).↩
21
Vgl. Brief Asmunds und Gadebergs an Barth vom 12.1.1933 (KBA 9333.34). Dieser Brief dürfte der Anlass dafür gewesen sein, dass Barth in seiner Absage an Propst Nordentoft vom 17.1.1933 (Anm. 9) davon ausging, er werde bereits am 11. März in Aarhus reden.↩
22
Vgl. Brief des «Senioratets» der «Studenterforening» in Aarhus an Barth vom 20.1.1933 (KBA 9333.52).↩
23
Vgl. Brief Asmunds und Gadebergs vom 12.1.1933 (Anm. 21); Brief Barths an Gadeberg vom 17.1.1933 (KBA 9233.19; vgl. Br. 1933, S. 37 📖).↩
24
Vgl. die Dankschreiben Gadebergs vom 28.3.1933 (Anm. 15) und Asmunds vom 31.3.1933 (KBA 9333.180), die beide auch auf den Aufenthalt Barths in ihren Häusern Bezug nehmen.↩
25
Brief vom 28.3.1933 (Anm. 15).↩
26
Siehe unten, S. 271–363. [15]↩
27
K. Barth, Det først Bud som teologisk Aksiom, in: ders., Kirken i dag!, paa dansk ved P. Gadeberg, Kopenhagen 1934, S. 9–39. 📖↩
28
Zit. nach dem deutschen Typoskript des bisher nur im dänischen Original veröffentlichten Forord, in: a.a.O., S. [5–7], Zitat S. [6] 📖: «Man vil af Foredraget i hvert Fald kunne indse, under hvilke Forudsætninger jeg er gaaet ind i denne kirkelige Kamptid, som endnu i Dag ikke er afsluttet. […] Da Ulykken var der, var der for mig slet ikke Spørgsmaal om, hvad jeg nu skulde tænke og sige, men jeg havde kun at drage nogle Konsekvenser og Anvendelser.»↩
29
Vgl. Prot.Theol., S. V. 📖↩
30
Barths Definition nimmt eine in der Logik gebräuchliche Paraphrasierung des aristotelischen Verständnisses von Axiomen auf. Nach Heinrich Scholz sind Axiome «die ausgezeichneten Sätze, deren Wahrsein so evident ist, daß sie, wie man später und jedenfalls im Sinne des Aristoteles gesagt hat, eines Beweises weder fähig noch bedürftig sind» (H. Scholz, Abriß der Geschichte der Logik, Freiburg/Br. / München [1931] 19592, S. 2 📖; vgl. außerdem etwa K. W. Clauberg / W. Dubislav, Systematisches Wörterbuch der Philosophie, Leipzig 1923, S. 53f. 📖; Kirchner’s Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe, 6. Aufl., 3. Neubearb. von C. Michaëlis, Leipzig 1911, S. 120 📖). Der Kausalsatz «weil er sich selbst beweist» dürfte ein Zusatz Barths sein, denn er verwendet den Ausdruck ‹beweisen› in einem Sinn, der dem logischen Begriff des Beweises nicht entspricht (vgl. dazu z. B. H. Scholz, Wie ist evangelische Theologie als Wissenschaft möglich?, in: ZZ 9 [1931], S. 8–53, dort S. 24 📖; auch in: Theologie als Wissenschaft. Aufsätze und Thesen, hrsg. von G. Sauter [TB 43], München 1971, S. 221–264, dort S. 236 📖). In einem theologischen oder religionsphilosophischen Zusammenhang begegnet der Axiombegriff z. B. bei B. de Spinoza, Ethica Ordine Geometrico Demonstrata / Die Ethik, mit geometrischer Methode begründet, in: ders., Opera, lat. u. dt., hrsg. von K. Blumenstock, Bd. 2, Darmstadt 1978, S. 84–557, dort S. 88 📖, und G. E. Lessing, Axiomata, wenn es deren in dergleichen Dingen gibt. Wider den Herrn Pastor Goeze, in Hamburg, in: ders., Werke, hrsg. von H. G. Göpfert, Bd. 8, München 1979, S. 128–159 📖, sowie mehrfach bei Heinrich Scholz, z. B. in: H. Scholz, Religionsphilosophie, 2., neuverf. Ausgabe, Berlin 1922, S. 22f. 📖; ders., Wie ist evangelische Theologie als Wissenschaft möglich?, S. 24.28–30 (in der Ausgabe Sauter S. 236.239–242); ders., Leitsätze zur Beurteilung des Anselmischen Argumentes (wahrscheinlich 1930), in: K. Barth, Fides quaerens intellectum. Anselms Beweis der Existenz Gottes im Zusammenhang seines theologischen Programms (1931), hrsg. von E. Jüngel / I. U. Dalferth, Zürich 20023 (Gesamtausgabe, Abt. II), S. 179–183 📖. – Barth hatte den Begriff des Axioms auch schon 1924 in Menschenwort und Gotteswort in der christlichen Predigt (V.u.kl.A. 1922-1925, S. 426–457, dort S. 454) 📖 und 1927 in Christliche Dogmatik im Entwurf (vgl. Chr.Dogm., bes. S. 142.250.467 📖) aufgegriffen.↩
31
Vgl. zu dieser Anspielung auf Emil Brunner oben, S. 179, Anm. 57. – Inzwischen war Brunners dort genannter Aufsatz Die Frage nach dem «Anknüpfungspunkt» als Problem der Theologie 📖 erschienen und hatte Barth – zusammen mit anderen Texten Brunners – Anfang Januar 1933 zu einer grundsätzlichen Absage veranlasst: «Ich habe ja inzwischen auch deinen Aufsatz über den Anknüpfungspunkt und deinen Oxfordaufsatz im Kirchenblatt und […] den ersten Teil deiner Ethik 📖 gelesen. Du schreibst selber: Wir gehen in einer entgegengesetzten Richtung weiter. Mir drängt sich immer mehr die Überzeugung auf, dass es sich zwischen uns längst nicht nur um einen Gegensatz der Methode und Schreibweise, sondern um einen auf der ganzen Linie stattfindenden Gegensatz in der Sache handelt» (Brief an Brunner vom 10.1.1933 [KBA 9233.13; Bw.Brunner, S. 213f. 📖).↩
32
Diese Formel findet sich z. B. bei S. Kierkegaard, Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift zu den Philosophischen Brocken, Gesammelte Werke, 16. Abt., übers. von H. M. Junghans, Teil 1, Düsseldorf / Köln 1957, S. 73 📖; Teil 2, Düsseldorf / Köln 1958, S. 1. 📖 Sie ist eine leicht abgewandelte Fassung der bei Spinoza begegnenden Formulierung «sub specie aeternitatis» (Ethica 2,44, cor. 2; 5,22.29.36 = Opera 2 [Anm. 30], S. 234.534.538.544 📖). Auch diese Formulierung ist bei Barth zu belegen, vgl. z. B.: Der Christ in der Gesellschaft (1919), in: V.u.kl.A. 1914–1921, S. 546–598, dort S. 598 📖; Die Kirche und die Kultur (1926), in: V.u.kl.A. 1925–1930, S. 6–40, dort S. 29. 📖↩
33
Zu Barths Verwendung von «gleichzeitig» s. KD I/1, S. 152–156.162.168.215 📖, und vgl. S. Kierkegaard, Einübung im Christentum, Gesammelte Werke, 26. Abt., übers. von E. Hirsch, Düsseldorf / Köln 1951, S. 61–68. 📖↩
34
In Prot.Theol., S. 227.254 📖, erwähnt Barth die religionsphilosophische Verwendung des Begriffs «Vehikel» bei Lessing und Kant. Bei Lessing heißt es: «Die historischen Worte sind das Vehiculum des prophetischen Wortes» (Lessing, Axiomata [Anm. 30], S. 135 📖). Kant schreibt: «Die Schrift aber enthält noch mehr, als was an sich selbst zum ewigen Leben erforderlich ist, was nämlich zum Geschichtsglauben gehört und in Ansehung des Religionsglaubens als bloßes sinnliches Vehikel zwar […] zuträglich sein kann, aber nicht nothwendig dazu gehört» (I. Kant, Der Streit der Fakultäten in drei Abschnitten, Akademie-Ausgabe, Bd. 7, Berlin 1907, S. 1–116, Zitat S. 37,16–21 📖; s. auch a.a.O., S. 44,14, und vgl. oben, S. 33 Anm. 50).↩
35
In Römerbrief 2, bes. S. 151–156.663–671 📖, verwendete Barth den Begriff des «Augenblicks» mehrfach (vgl. dazu M. Beintker, Das Dialektische in der ‹dialektischen Theologie› Karl Barths [BEvTh 101], München 1987, S. 53–55 📖) in einem von Kierkegaard beeinflussten Sinn (vgl. E. Brinkschmidt, Sören Kierkegaard und Karl Barth, Neukirchen-Vluyn 1971, S. 81f.115–122 📖). Eine Differenz zur Verwendung dort deutet sich hier dadurch an, dass Barth im Weiteren von einem «zeitlichen Augenblick der Offenbarung» spricht, während er in Römerbrief 2 den Augenblick der Offenbarung als «ewigen Augenblick» (z. B. S. 535.664.667), als einen «‹Augenblick› zwischen den Zeiten, der selber kein Augenblick ist in der Zeit» (S. 663f.), bestimmte.↩
36
Vgl. oben, S. 170, Anm. 46.↩
37
M. Luther, Deutsch Catechismus. (Der Große Katechismus.) 1529, WA 30/I, 123–238, Zitat 136,1–3 📖 (von Barth in leicht modernisierter Form zitiert); BSLK, S. 565f. 📖↩
38
Vgl. – exemplarisch – P. Althaus, Staatsgedanke und Reich Gottes, in: ders., Staatsgedanke und Reich Gottes (Pädagogisches Magazin, Heft 913: Schriften zur politischen Bildung, IX/1), Langensalza 19314, S. 7–61, dort S. 20 📖; ders., Zum Problem des Krieges, in: a.a.O., S. 61–114, dort S. 73 📖; ders., Leitsätze zur Ethik, Erlangen 19282, S. 56 📖; E. Brunner, Der Rechtfertigungsglaube und das Problem der Ethik, in: ders., Gott und Mensch. Vier Untersuchungen über das personhafte Sein, Tübingen 1930, S. 24–46, dort S. 45 📖; ders., Das Gebot und die Ordnungen. Entwurf einer protestantisch-theologischen Ethik, Tübingen 1932, bes. S. 192–203 📖; Fr. Brunstäd, Die Idee der Religion. Prinzipien der Religionsphilosophie, Halle/S. 1922, S. 204 📖; Fr. Gogarten, Ich glaube an den dreieinigen Gott. Eine Untersuchung über Glauben und Geschichte, Jena 1926, S. 206–212 📖; ders., Die Schuld der Kirche gegen die Welt, Jena 1928, S. 10.35 📖; ders., Wider die Ächtung der Autorität, Jena 1930, S. 20 📖; ders., Politische Ethik, Jena 1932, S. 108–132 📖; O. Piper, Die Grundlagen der evangelischen Ethik, Bd. 1, Gütersloh 1928, S. 203.206.212 📖; H.-D. Wendland, Zur Grundlegung der christlichen Sozialethik, in: ZSTh 7 (1929/30), S. 22–56, dort S. 47 📖; G. Wünsch, Evangelische Wirtschaftsethik, Tübingen 1927, S. 317 📖. Einen Überblick bietet: K. E. Olimart, Der Begriff der Schöpfungsordnung in der evangelischen Theologie der Gegenwart, Diss. Münster 1933 📖. Zur damaligen Debatte um den Begriff der Ordnungen und speziell der Schöpfungsordnung auch innerhalb der dialektischen Theologie vgl. auch oben, S. 97f., Anm. 75.↩
39
Die lutherische Dogmatik kennt seit Johann Gerhard (vgl. H. Schmid, Die Dogmatik der evangelisch-lutherischen Kirche dargestellt und aus den Quellen belegt, neu hrsg. und durchgesehen von H. G. Pöhlmann, Gütersloh 198310, S. 242f. 📖) im Rahmen der Lehre vom königlichen Amt Christi die Unterscheidung zwischen dem «regnum potentiae» (oder «regnum naturae»), dem «regnum gratiae» und dem «regnum gloriae». Das «regnum gratiae» besteht in der Herrschaft Christi über die Kirche.↩
40
Inst. II,8,14 📖; Opera Selecta III, S. 355,19 📖: «Subest enim locutioni relatio […].»↩
41
Vgl. Luther, Der Große Katechismus (Anm. 37), S. 132f. 📖↩
42
Vgl. a.a.O., S. 133–135. 📖↩
43
Beide Stellen nach der Übersetzung der Zürcher Bibel.↩
44
Anspielung auf Luthers Erklärung des ersten Gebots im Kleinen Katechismus (vgl. BSLK, S. 507 📖).↩
45
«Tretet ein, denn auch hier sind Götter!» Ein bei Aristoteles, De partibus animalium, I 5, 645a 20f 📖, überlieferter Ausspruch Heraklits. Vgl. Büchmann, S. 311. 📖↩
46
Zur von Barth hier angesprochenen Wende zum Neuprotestantismus und seiner dezidierten Meinung dazu vgl. oben, S. 32, Anm. 49, und unten, S. 328.↩
47
Vgl. Barths Darstellung der protestantischen Theologie des 18. Jahrhunderts in Prot.Theol., S. 115–152, bes. S. 116.120–123.129f.132–137.140–143. 📖↩
48
Vgl. Fr. D. E. Schleiermacher, Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt. Zweite Auflage (1830/31), Teilbd. 1, Kritische Gesamtausgabe, Abt. 1, Bd. 13/1, hrsg. von R. Schäfer, Berlin 2003, S. 19–130 (§§ 3–15) 📖. Zum Offenbarungsverständnis Schleiermachers s. a.a.O., S. 89–93 (§ 10 Zusatz). Zu Barths Interpretation der Verhältnisbestimmung von Offenbarung und Bewusstsein bei Schleiermacher vgl. K. Barth, Die Theologie Schleiermachers. Vorlesung Göttingen Wintersemester 1923/24, hrsg. von D. Ritschl (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1978, S. 415–421 📖; Prot.Theol., S. 414–422 📖.↩
49
Zur Ethik der Kultur bei Albrecht Ritschl und von ihm beeinflussten Theologen vgl. A. Ritschl, Die christliche Lehre von der Rechtfertigung und Versöhnung, Bd. 3: Die positive Entwicklung der Lehre, Bonn 18954, S. 575–579 📖; M. Reischle, Leitsätze für eine akademische Vorlesung über die Christliche Sittenlehre, Halle/S. 1900, S. 55–79 📖; J. Gottschick, Ethik, Tübingen 1907, S. 161–195 📖; A. von Harnack, Protestantische Kultur (1912), in: Adolf von Harnack als Zeitgenosse. Reden und Schriften aus den Jahren des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, hrsg. und eingeleitet von K. Nowak, Teil 1: Der Theologe und Historiker, Berlin / New York 1996, S. 307–314 📖; W. Herrmann, Ethik, Tübingen 19135, S. 191–213 📖; Th. Haering, Das christliche Leben. Ethik, Calw / Stuttgart 19143, S. 368–371.402–407 📖; E. W. Mayer, Ethik. Christliche Sittenlehre, Gießen 1922, S. 179–185. 📖 – Zur damaligen Auseinandersetzung um das Verhältnis von Kultur und christlichem Glauben vgl. Fr. W. Graf / Kl. Tanner, Art. «Kultur II. Theologiegeschichtlich», in: TRE 20, S. 187–209, dort S. 194f.198–201. 📖↩
50
Vgl. E. Troeltsch, Die Absolutheit des Christentums und die Religionsgeschichte (1902/1912). Mit den Thesen von 1901 und den handschriftlichen Zusätzen, Kritische Gesamtausgabe, Bd. 5, hrsg. von Tr. Rendtorff, Berlin / New York 1998, dort S. 199–209. 📖↩
51
Nach E. Brunner, Die andere Aufgabe der Theologie, in: ZZ 7 (1929), S. 255–276 📖, verbleibt auch dem sündigen Menschen als «Schöpfungsgnade» (S. 264.273.267, Anm. 6) eine «Gottbezogenheit» (S. 267) und ein «Gottesbewußtsein» (S. 273). Und der «‹Anknüpfungspunkt› für Gott im Menschen» ist «nichts anderes als Gottes eigenes Schöpfungswerk» (S. 267). – Für Gogarten, Ich glaube an den dreieinigen Gott (Anm. 38), S. 49 📖, ist es «gerade die zeitliche, sichtbare Welt und ihr sichtbares, zeitliches So-sein, durch das Gott zu uns spricht. […] An diesem Sichtbaren, dessen Sichtbarkeit dadurch qualifiziert ist, daß es eines guten Tages nicht mehr sichtbar sein wird, […] Gottes unsichtbares Wesen […] ersehen, das heißt, an die Schöpfung glauben». Die «ganze Welt» ist «die Schöpfung Gottes […] und darum auch die Offenbarung seiner Herrlichkeit und Gewalt», aber diese Aussage «hat Sinn nur, wenn sie aus dem Glauben an diese besondere Offenbarung heraus erfolgt» (S. 99), deren Inhalt Jesus Christus ist. – Vgl. außerdem die oben, Anm. 38, sonst noch genannte Literatur.↩
52
Vgl. C. Stange, Der Begriff der Offenbarung, in: ZSTh 3 (1926), S. 353–377, dort S. 354f. 📖; ders., Dogmatik, Bd. 1: Einleitung in die Dogmatik, Göttingen 1927, S. 128.132–136 📖; Wünsch (Anm. 38), S. 134–136 📖; P. Althaus, Grundriß der Dogmatik, Teil 2, Erlangen 1932, S. 13–16. 📖↩
53
Anspielung auf Rudolf Bultmann: In KD I/1, S. 36 📖, verweist Barth diesbezüglich auf R. Bultmann, Der Begriff der Offenbarung im Neuen Testament (SGV 135), Tübingen 1929, bes. S. 5–13 📖 (= ders., Glaube und Verstehen. Gesammelte Aufsätze, Bd. 3, Tübingen 19934, S. 1–34, bes. S. 1–8 📖); ders., Die Geschichtlichkeit des Daseins und der Glaube. Antwort an Gerhardt Kuhlmann, in: ZThK. NF 11 (1930), S. 339–364. 📖↩
54
Vgl. den gleichnamigen Titel Brunners (Anm. 38).↩
55
Siehe unten, S. 236 – Die Einschätzung der natürlichen Theologie durch die Reformatoren spielte 1934 eine wesentliche Rolle in der scharfen öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Barth und Brunner. Vgl. E. Brunner, Natur und Gnade. Zum Gespräch mit Karl Barth, Tübingen (1934) 19352 📖; K. Barth, «Nein!» Antwort an Emil Brunner (TEH 14), München 1934. 📖↩
56
Johann Franz Buddeus (1667–1729), 1693 Professor der Moralphilosophie in Halle/S., 1705 Professor der Theologie in Jena; Christoph Matthäus Pfaff (1686–1760), 1717 Professor der Theologie in Tübingen, 1756 in Gießen. Vgl. Prot.Theol., S. 120–123. 📖↩
57
In Prot.Theol., S. 62–65 📖, führt Barth aus, wie die protestantische Theologie des 18. Jahrhunderts das Problem der Theologie humanisiert hat. Als eine Form der Humanisierung identifiziert er sodann die «Verbürgerlichung oder Moralisierung» (a.a.O., S. 71) des Problems der Theologie. Diese «besteht sachlich darin, daß man dieses Problem in dieser Zeit auf der ganzen Linie jedenfalls auch verstehen will als das Problem einer sichtbaren und greifbaren, d. h. erlebbaren, innerlich und äußerlich konkret und direkt feststellbaren, vom Menschen in bestimmten Gedanken, Handlungen und Handlungsweisen zu vollziehenden Lebensveränderung und Lebensgestaltung» (ebd.). «Christentum heißt moralisches, heißt bürgerliches Christentum, oder es ist kein Christentum» (a.a.O., S. 79).↩
58
Vgl. Prot.Theol., S. 246f.250f. 📖; I. Kant, Kritik der praktischen Vernunft, Akademie-Ausgabe, Bd. 5, Berlin 1913, S. 1–163, dort S. 124–132 📖; ders., Kritik der Urteilskraft, a.a.O., S. 165–485, dort S. 442–450.480–482 📖; ders., Streit der Fakultäten (Anm. 34), S. 36. 📖↩
59
Zu Schleiermachers Christologie vgl. Fr. D. E. Schleiermacher, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern [1799], Kritische Gesamtausgabe, Abt. I/2: Schriften aus der Berliner Zeit 1796–1799, hrsg. von G. Meckenstock, Berlin / New York 1984, S. 301–305 (Urtext) 📖; ders., Der christliche Glaube 1 (Anm. 48), S. 93–127 (§§ 11–14) 📖; ders., Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt. Zweite Auflage (1830/31), Teilbd. 2, Kritische Gesamtausgabe, Abt. 1, Bd. 13/2, hrsg. von R. Schäfer, Berlin 2003, S. 35–164 (§§ 91–105). 📖↩
60
Inst. I,3,1; 4,1; 5,1 📖; Opera Selecta III, S. 38,5f.40,31f.45,2. 📖↩
61
Anspielung auf den gleichnamigen Aufsatz Emil Brunners (Anm. 51).↩
62
Julius August Ludwig Wegscheider (1771–1849), 1806 Prof. der Theologie und Philosophie in Rinteln, seit 1810 in Halle/S. Vgl. Prot.Theol., S. 425–432. 📖↩
63
In Prot.Theol., S. 376 📖, kritisiert Barth an Hegel: «Die Selbstbewegung der Wahrheit müßte von der Selbstbewegung des Menschen abgehoben sein – hier [bei Hegel] wird sie so ausdrücklich und konsequent als möglich mit ihr in eins gesetzt – um als Selbstbewegung Gottes wirklich gelten zu können.» An die Theologie Ph. K. Marheinekes (1780–1846) richtet er a.a.O., S. 448, die Frage: «Ist Offenbarung nun nicht doch bloß ein Moment eines Prozesses geworden, jenseits dessen das höhere Moment einer Offenbartheit das Eigentliche ist, eines Prozesses, als dessen Subjekt der Mensch jeden Augenblick ebensowohl als Gott angesehen werden kann?» Vgl. auch a.a.O., S. 487.↩
64
Vgl. etwa K. Holl, Was verstand Luther unter Religion?, in: ders., Gesammelte Aufsätze zur Kirchengeschichte, Bd. 1: Luther, Tübingen 19232.3, S. 1–110, dort S. 35–107 📖; E. Hirsch, Deutschlands Schicksal. Staat, Volk und Menschheit im Lichte einer ethischen Geschichtsansicht, Göttingen 19222, S. 3.59–63.160 📖; ders., Jesus Christus der Herr. Theologische Vorlesungen, Göttingen 1926, S. 54–72.77.80.92 📖; ders., Der Sinn des Gebets. Fragen und Antworten, Göttingen 19282, S. 16.26f.30f. 📖↩
65
Vgl. Gogarten, Ich glaube an den dreieinigen Gott (Anm. 38), S. 85–212 📖; Brunner, Das Gebot und die Ordnungen (Anm. 38), S. 54–68 📖; ders., Der Rechtfertigungsglaube und das Problem der Ethik (Anm. 38). 📖↩
66
EG 179,1; RG 221,1. 🎵↩
67
Zu Barths Beurteilung der Gnadenlehre Augustins vgl. K. Barth, Der Heilige Geist und das christliche Leben (1929), in: V.u.kl.A. 1925–1930, S. 458–520, dort S. 462–464.477–482. 📖↩
68
Vgl. oben, Anm. 46.↩