Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Zürich
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Ich habe dich schmählich im Stich gelassen über den Sonntag und kann eigentlich
nicht einmal einen anderen vernünftigen Grund dafür angeben als den, daß ich,
wenn ich hier auf meinem Stühlchen saß, dauernd, von einer gewissen Angst
verfolgt, an meinen Missions|219sachen war. Es ist mir alles so neu
und unübersichtlich, und noch sehe ich gar nicht, was ich dazu nun in einem
feierlichen Vortrag1 zu sagen haben
soll. Gelt, es wird mir im Lauf dieser Woche «irgendwie» einfallen! Aber mehr
als einen Anfang werde ich dir nächsten Montag sicher nicht mitbringen und muß
mich dann unter deiner Aufsicht und Mitwirkung noch tüchtig daran halten, bevor
wir ans Tippen kommen und reisen können. Ich wollte, ich hätte richtige, das
heißt zu nichts verpflichtende Ferien (und dazu irgendwo einsam mit dir)! Aber damit ist es
jedenfalls diesmal nichts.
Von
Wie bin ich froh, von dir so zufriedene Briefe zu haben. Lieberes könnte ich
wirklich nicht hören als das, daß du etwas zum Atemholen kommst und aufblühen
darfst. Möchte das in der nun noch bevorstehenden zweiten Woche so weitergehen
und dann durch mein Auftreten auf jenem Schauplatz nicht gestört werden! Ich
freue mich ja so zu dir, darf es aber vor meiner in dieser Hinsicht
eifersüchtigen
Mir geht es ordentlich. Nur augenblicklich ist mir etwas übel, weil ich in
Gedanken zuviel zu Nacht gegessen habe (Schinken, Butter, Tee und Osterfladen,
den ich sehr liebe und so nur hier bekomme!). Gestern abend war ich bei
Das Übelsein dauert an. Ich will den Brief abschließen und zum Einwurf bringen und dann zu Bett gehen. Weißt du, was ich im Bett jeweilen lese? Die Forsyte-Saga8! Das ist doch eine sehr eindrückliche Sache.
221 Sei nicht traurig, daß ich dir so wenig schreibe. Ich weiß nicht, Schreiben ist irgendwie überholt zwischen uns, nicht? Aber viel Anderes ist nicht überholt und in Bez[ug] auf die 6,5,4,3,2,1 Jahre habe ich es wirklich auch so wie du. Du Gute, Liebe!