Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München
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Ich war so froh über deinen guten Brief, der heute morgen ankam. Denk, ich hatte gerade heute nacht auch von einem Streit mit dir geträumt. Wir wollen das doch nicht einmal im Traum mehr tun, geschweige denn wachend. Das Leben ist viel zu kurz, und Streiten ist etwas viel zu Häßliches.
Ich sende dir hier wieder allerlei Briefdurchschläge, in denen du so
ziemlich Alles findest, was seither über mein hiesiges Leben zu berichten ist.
Gelt, einigen dieser Briefe merkt man es an, daß das gute Maschinlein jetzt ganz
nach den zweifelhaften Eingebungen meines Gemütes läuft, ohne daß auf Grund der
Warnungen oder Vorschläge |239 der lieben Lollo Einiges
anders zu laufen genötigt wäre! Das Gespräch mit dem Franzosen1 heute
war eines jener ausführlichen, aber sicher im Grunde unnützen Interviews, wie du
sie kennst. Er brachte alle blöden Einwürfe vor, die wir seit zehn Jahren gut
genug kennen. Ich habe sie ihm aber gutmütig der Reihe nach beantwortet, und er
schied dann scheinbar sehr zufrieden. Nun erwarte ich die Studenten.
Ich muß abbrechen. Die Knäblein kommen. Es sollte nur ein Gruß sein, und in den Beilagen hast du ja noch eine Menge Kundgebungen meines Inneren.
Grüße alle guten Menschen und denke liebreich an deinen liebreich an dich denkenden
Heute ging wieder ein Schock Korrekturen4 an dich ab. Hast du mit