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Barth an v.K. in Bonn
Ich hatte gestern noch einen sehr guten Abend mit E[duard], an dem wir auch eingehend auf
unsere Sache zu reden kamen. Wie es scheint, hatte ihm Gerty ganz erschüttert von
ihrem Gespräch mit N.
erzählt – unter Tränen sogar. Ach wie ist doch Gerty so impressionabel:
ihrer selbst ganz sicher, aber in Bez[ug] auf andere Menschen merkwürdig dem
Augenblick hingegeben. Doch das ist nun wahrlich schon ein richtiges
Karussell-Gespräch, das ich schleunigst abbrechen will. Heute morgen bekam ich
von Heiner den
beiliegenden Brief1. Was soll man wieder dazu sagen? Ich werde heute
nachmittag hingehen. Es wird ja schon so sein, daß ich gestern einen Fehler
machte, als ich nicht mit N. dorthin gehen wollte. Der
Vorgang war mir eben so |265 gründlich zuwider. Aber ich
hätte mich überwinden sollen; vielleicht wäre dann wenigstens für den Augenblick
Ruhe. E. sprach gestern
nun auch zu mir sehr ernsthaft von der Möglichkeit einer Sch[eidung]. Nachher gingen meine
Gedanken dann zunächst wieder in andere Richtung; aber ich hatte die Sache am
Morgen Rudi gegenüber selber auch schon ausgesprochen. Die Eindrücke dieser
Tage waren zu mühsam. Mußte N. nun wirklich dazu
mit? Aber ich sehe schon ein, daß ich mich nicht beklagen sollte. Das ist nun
einmal mein Leben, wie ich es mir selber zubereitet habe.
Magst du das gelbe Couvert mit den Briefen unseres Urgroßvaters Burckhardt2
hervorsuchen und mitbringen, damit ich es meinem unruhigen Vetter Anstein3 wieder übergeben kann? Er hält sie gewiß
für kostbarer, als sie sind. Aber das muß man ihm nun eben lassen.
Dank für deinen l. Brief. Der gute Hölscher! Ich hatte eben ein Telephon mit meiner Mutter,
die mir dringend empfehlen wollte, aus der SPD4 auszutreten. Ist das nicht merkwürdig, wie
solche besorgte Mütter sich u. U. über alle Selbstverständlichkeiten auch der
Ehren|266haftigkeit einfach hinwegsetzen können, wenn
der Vorteil des lieben Kindes es zu gebieten scheint? Ich freue mich so, daß es
zwischen dir und den Buben so gut
geht. Grüße sie alle von mir!
Heute abend wird Hartenstein kommen. Morgen abend bin ich bei Karl Sartorius. Ich mag ganz gerne
diese und jene Menschen sehen. Aber heute nachmittag wird es wirklich mühsam
werden. In 8 Tagen …
Ich habe heute auch mit Ernst Staehelin, dem Schwager von Fritz Lieb, telephoniert und
ihm den nötigen Trost bezüglich der teuren Familie an der Buschstraße5 gespendet.
[Bleistiftnachtrag:] Gelt, du
verfällst nicht in Traurigkeit und Unruhe wegen der Vorgänge mit und um
N.
Eins ist ja ganz sicher.
[Auf der Rückseite Bleistiftnotiz
von Ch. von Kirschbaum für Gerty Pestalozzi:] Siehst du,
Gerty, in diesen paar Dokumenten hast du Alles. Und
vielleicht siehst du es jetzt nochmal ein bißchen anders –