Brief Nr. 123 · 14. April 1933

Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth in Bern

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Lieber Karl,

eine erste Nacht in der Birnbaumstube1 ist vorüber, nebenan zwei Wandervögel: Ruth und ihre Freundin! – - Heute früh ist R. mit zwei Kindern im Auto aufgebrochen und nun beginnen zwei stille Tage mit Gerty und den Kleinen. Ostersonntag abend 8 h etwa rufe ich dich an. Recht so? – Hier hast du also N.’s Brief. Es war sicher gut, daß |283 Dor[othee] St[oevesandt] bei ihr war.2 Das hat gewiß diese erste Stellungnahme ruhiger werden lassen. Nun wirst du eben mit viel Weisheit und Geduld und Entschlossenheit den Wagen weiterlenken müssen. Ich schreibe N. lieber nicht. – Daß sie lieber nach Bern als Zürich will3, finde ich darum schwer, weil sie dort viel einsamer ist und damit dieser Lebensversuch als solcher für sie schwerer. Aber das mußt du wohl mündlich mit ihr bere[de]n4.

Eduard lasse ich sehr danken für seinen guten Brief. Ich schreibe ihm in dieser Zeit (vielleicht auch erst von Bonn) ja sicher auch einmal. –5

­Lieber Karl, du fehlst hier sehr. – Aber es ist gut, daß du es dort ruhig haben darfst. –

Deine
L.

Sachfußnoten

1
Ein Raum im «Törli» mit Blick zu einem großen Birnbaum (s. oben S. 80, Anm. 12).↩
2
Am 11.4.1933, war Dorothee Stoevesandt (1886–1973), Frau von Dr. Karl Stoevesandt in Bremen, auf N. Barths Bitte hin für einen Tag nach Bonn gereist, um mit ihr die Situation in ihrer Ehe zu besprechen (s. Bw.Th. III, S. 396, Anm. 3 📖).↩
3
N. Barth hatte in ihrem Brief vom 10.4.1933 an E. Thurneysen ebenfalls geschrieben: «Welche Stadt? In meinem Tasten dachte ich mir Bern am denkbarsten» (Bw.Th. III, S. 383 📖).↩
4
Wort durch Lochung teilweise unleserlich.↩
5
Siehe den Brief von E. Thurneysen an von Kirschbaum vom 12.4.1933 und ihren Antwortbrief vom 17.4.1933 in Bw.Th. III, S. 385–388 und S. 389–393 📖.↩