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Barth an v.K. auf dem Bergli
Noch ist nicht viel zu erzählen, aber du sollst morgen doch nicht ohne einen
Gruß von mir sein. Es gab gestern auf dem Berner Bahnhof dann noch einmal ein
Sichverfehlen, aber schließlich kam alles zurecht, und das Gemeinschaftsleben
von Mutter und Sohn konnte wieder einmal beginnen mit seinen schönen und
auch mit seinen etwas schwierigeren Seiten. Wir haben, wie vorauszusehen war,
bis um Mit|284ternacht über Alles geredet. Auch sie hatte einen
etwas ruhigeren Brief von N., auf den hin sie nun natürlich
geneigt ist, zu weiterem Abwarten zu raten. Der Gedanke an die Scheidung erfüllt sie
mit allen möglichen großen und kleineren, inneren und äußeren Sorgen. Aber noch
läßt sich nicht sagen, wo unsere Gespräche schließlich hinführen werden. Genug,
daß sie sich vorläufig in einem im Ganzen guten und offenen Sinn führen
lassen.
Wir haben heute morgen eine schwache Predigt von Pfr. Bäschlin1 gehört, einem
Mann, mit dem ich noch studiert habe, der aber seither sehr verworren gelebt
haben muß als Pfarrer. Bewegend war mir eigentlich nur das Lokal, die Nydeggkirche, in der ich
einst die in ihrer Art gewaltigen Predigten von Aeschbacher2
gehört, in der ich konfirmiert3 und dann doch auch … getraut4 worden bin. Nachher waren wir an der Schwarztorstraße. Die
Kinder haben mich ganz besonders stürmisch begrüßt. Der kleine Thomas5 ist ein nettes Büblein, das
aber augenblicklich an einem Ausschlag leidet. Auf der Straße begrüßte
mich – – – Herr Lüthy6, und soeben
habe ich ein Telephongespräch mit Röthlisberger gehabt. Er geht nächsten
Mittwoch ins Examen, und weil dies hier eine öffentliche Angelegenheit ist,
werde ich nicht versäumen, mich dazu zu setzen, umso mehr, da auch von Tscharner geprüft werden wird. Ob ich den
Berner Kollegen bei diesem Anlaß ebenso willkommen sein werde, die Frage kann
ruhig auf sich beruhen. Ich bin nun eben da!!
Das Radio ist bereits eingebaut und läßt häufig seine Stimme ertönen, was
allerlei für sich hat als kl[eine] Unterbrechung von Gesprächen.
285Morgen bekomme ich also deine Briefe, hoffentlich mit eingehendem Kommentar von
dir.
Grüße alle Lieben dort. Das Osterprogramm wird nun in voller Abwickelung
begriffen sein, hoffentlich so, daß Rudi nicht schwermütig
darüber wird! Heute vor acht Tagen um diese Zeit sausten wir wohl durch das so
wohlriechende Genua.7
Ich h. d. unentwegt l.
Heute abend kommen Kari und Trudi zum Nachtessen.
Ob du wohl zum Kirchenbesuch kommst in diesen Tagen? Ich wollte so gerne mit
dir gehen können.