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von Kirschbaum an B. in Bern
[München, 30.9.1934]
Sonntag abend (ι. βθ!)1
So froh war ich über deine Karte heute morgen. (Bayern hat jetzt auch
Sonntagspost!!) – Du mußt dich nicht plagen mit Schreiben. Ich kann mir denken,
daß es viel und daß es unruhig ist in Bern. Morgen der Vortrag. Ich
denke daran. – Wie gut, daß du die Tage mit Fränzeli hattest! Das ist sicher das Beste, was sich für sie
ereignen konnte. Was du über ihr Geschick mit M[ax] Z[ellweger] schreibst, kann ich natürlich
noch nicht ganz überblicken. Auf dem Bergli schien mir der Stand der Dinge problematisch, aber wenn sie
jetzt anders darüber denkt und du es bejahen kannst, dann wird es recht so sein,
und dann freue ich mich natürlich mit ihr über die einfache Lösung. –
Heute morgen hörte ich Sammetreuther. Seit dem vorigen Jahr – da hörten wir ihn am
Erntedankfest zusammen2 – hat er
viel gelernt. Es war eine tapfere, aufrechte Predigt. Theologisch wäre
freilich Manches zu bemerken, so vor allem schien mir fatal die immer noch
reichlich isolierte Betrachtung des 1. Artikels.3 Aber vielleicht lernen die älteren
Pfarrer das nicht mehr. Die Jungen merken, daß es noch um eine viel
grundsätzlichere Besinnung und Revision gehen muß. Ich sprach
mit Steck darüber. –
Am Nachmittag war ich mit Emmy
im Botanischen Garten, wo wir auch voriges Jahr waren: Du, Steck, Emmy und ich. – – Es war schön und friedlich,
und sie sprach mir – zum ersten Mal! – unter Tränen – von ihrer
Mutter und ihrer Jugend. –
383 Zu Hause geht es mangelhaft.
Meine Mutter ist
sehr nervös und gereizt, und ich fliehe oft. Heute abend langes
politisches Gespräch mit dem Bruder.
Erstaunlich, erstaunlich!! –
Hier schicke ich dir Traubs Brief4.* Er hat mich in seiner Offenheit von ihm
gefreut, in den einzelnen Mitteilungen bedrückt. Es wird dir auch so gehen. Aber
wir kennen es ja. – – – Es grüßt dich und sagt dir Gute Nacht! unter vielen
Gedanken und Wünschen
* Zeige ihn bitte nicht!!