Brief Nr. 157 · 29. September 1934

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München

381

157

L. L.!

Bitte laß dir vorläufig an dieser Karte genügen. Obwohl meine Freude über deine zwei Briefe groß war und obwohl viel zu erzählen wäre. Aber ich bin in vollem Schuß und Zug am Anti-«Grupper» – er bekommt (in Rom entdeckt!) den Titel: Nein! Antwort an Emil Brunner von K. 📖1 – und bin dazwischen soviel unterbrochen, daß ich unmöglich dazu komme, mich in jener Ruhe ans Maschinlein zu setzen, wie es meine Absicht wäre, um ausführlich an m. L. zu schreiben. Ich habe hier besonders mit Fränzeli eine gute Zeit. Es ist anzunehmen, daß sich ihr Geschick hinsichtlich M[ax] Z[ellweger]2 nun doch bald erfüllen wird. Die Sache hat bei ihr eine innerliche Wendung genommen. Morgen erscheint er hier. Wir hatten lange Gespräche über Alles, und ich erfuhr, daß ich ihr «der liebste Mensch auf der Welt» sei, was ich ihr dann doch im Hinblick auf den anrollenden M. Z. sanft verweisen mußte. Heute nachmittag werde ich auch den verehrten Serkin3 spielen hören und persönlich kennen lernen. Am Abend ist die übliche Zusammenkunft mit Schädelin etc. und am Montag also mein Vortrag4. Grüße alle guten Menschen und schreibe du mir das mehr, was ich dir heute weniger schreibe.

«In Treue fest»5

Dein
K.

Sachfußnoten

1
Siehe oben S. 362, Anm. 3. ↩
2
Max Zellweger, mit dem sich Franziska Barth am 30.9.1934 verlobte.↩
3
Rudolf Serkin (1903–1991), Konzertpianist, 1933 aus Deutschland vertrieben, emigrierte zunächst in die Schweiz, 1939 in die USA, wo er ab 1968 Direktor am Curtis Institute of Music in Philadelphia war. Barths Tochter Franziska erhielt von ihm acht Stunden Unterricht (vgl. Bw.Th. III, S. 658 📖).↩
4
Wiederholter Vortrag am 1.10.1934 bei der bernischen «Arbeitsgemeinschaft»: K. Barth, Der Dienst am Wort Gottes (ThExh 13), München 1934 📖. Vgl. unten S. 386.↩
5
Siehe oben S. 364, Anm. 7. ↩