Brief Nr. 159 · 2. Oktober 1934

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München

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159

L.L.!

Gelt, nun ist es aber allerhöchste Zeit geworden, daß ich dir einen Brief schreibe! Wenn dich das allzu lange Schweigen traurig gemacht hat, so bedenke nur, daß ich in den letzten Tagen jede freie Stunde an den Grupper gewendet habe und wenden mußte, damit dieses Werk endlich fertig werde, was nun bis auf das Vorwort auch glücklich und vollständig geschehen ist. Und bedenke, daß ich wie du im Hause meiner Mutter bin und Ansprüchen zu genügen habe, die denen der deinigen wenn nicht an Quantität, so doch an Intensität sicher nicht unähnlich sind. Bedenke schließlich das Gewicht des familiären Ereignisses, das sich hier vollzogen hat und meine Teilnahme verlangte!

Davon muß ich dir wohl zuerst erzählen. Also Fränzeli hat sich vorgestern verlobt1. «Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt!», sagte |384 sie, als sie hier vor dem Haus zu ihm ins Auto stieg und mit ihm davon fuhr. Vorangegangen waren in der Woche zuvor mehrere lange Tag- und Nachtgespräche zwischen ihr und mir, in denen ich mir Alles noch einmal angehört und auch Alles, was mir an Überlegungen zu Gebote stand, zur Sprache gebracht habe. Die Sache war so gelaufen, daß sich ihr die Dinge nach ihrer Rückkehr vom Bergli insofern unter einem neuen Aspekt gezeigt hatten, als auf einmal dieses Max gutes Herz, wie sie sagte, unzweideutig zu ihrem Herzen zu sprechen begann, im Unterschied zu der größeren Interessantheit der bekannten anderen männlichen Gestalten innerhalb ihres Horizontfeldes, aber auch im Vorzug ihr gegenüber. Dagegen war und ist nun wohl – nachdem ich sie nochmals und nochmals zu ernstlicher Prüfung eingeladen – nicht viel einzuwenden. Am Sonntag nachmittag zum Schwarzen Kaffee kam er denn solenn angefahren, um auch meinem Auge noch vorgestellt zu werden. Und nun muß ich sagen, daß ich einen guten, erfreulichen Eindruck gewonnen habe. Er erinnert im Rohformat etwas an Herrn Landgrebe: ein schlankaufgeschossener Mensch mit dem scharfgeschnittenen Gesicht älterer Familien, Hakennase, Brille, sehr bescheidenen, äußerst höflichen, aufgeschlossenen und wenn nicht hochintelligenten, so doch munteren und beweglichen Wesens. Was man nur so nennen kann: zutrauenerweckend hinsichtlich Stetigkeit und Zuverlässigkeit wahrscheinlich in allen möglichen Dimensionen. Ich brachte ihn zunächst hinsichtlich der Dinge seines Fachs zum Reden: Organisation des internationalen Handelsverkehrs in Chemikalien, speziell Farben, ist seine Spezialität und Leitung eines entsprechenden Kartellbureaus seine Funktion. Na ja, das ließ ich mir also etwas beschreiben und hatte schon den Eindruck, daß er etwas davon versteht. Nachher kam man dann auf Eduard zu reden, den er hoch verehrt, dann auf noch Anderes, endlich und zuletzt, als er mich einen Augenblick allein hatte, erklärte er mir rührend unbeholfen, es sei ihm «sehr wertvoll» gewesen, meine Tochter kennenzulernen und ob ich etwas gegen den weiteren Bestand dieser «Freundschaft» einzuwenden habe? Nein, sagte ich, aber er solle ihr auf alle Fälle Zeit lassen, denn nach meinen Lebenserfahrungen – ich kam mir ungemein alt und reif vor, wie ich das sagte – dürfe man sich nur heiraten, wenn man sich in ganz entscheidender Weise lieb habe. Nun ja, unterdessen hatte wohl mein Fränzeli seinen letzten Entschluß schon dahin gefaßt, |385 daß dies der Fall sei und daß man ihm nicht weiter Zeit zu lassen brauche. Es kam zu jener Abfahrt, und am nächsten Morgen hatte ich schon das Telephon, daß es nun so weit sei. Die nächste Folge ist nun die, daß ich morgen nach Basel fahre, um gefaßten Herzens so etwas wie ein feierliches Mittagessen oder Nachtessen bei Frau Zellweger2 und einen entsprechenden Anlaß bei Thurneysens mitzumachen. Das muß nun eben hoffentlich ohne allzu beschwerliche Übergriffe auf Grund des Landesgebrauchs abrollen. Alles in Allem bin ich der Überzeugung, daß es für Fränzeli – und darauf kommt es ja jetzt allein an – ziemlich genau das Richtige ist und daß es keinen Sinn gehabt hätte, weitere Hemmungen einzuschalten. Ich will dir dann später berichten, in welchem Grade mir die dabei im Hintergrunde stehende Baslerei bedrohlich erscheint. Es wird auf alle Fälle das Vernünftigste sein, ihr zum vornherein mit Freiheit und Humor entgegenzutreten. Sie werden es ja schon auch im schlimmsten Fall erleben, daß «dä lieb Bappe»3 sich nicht so ohne Weiteres einordnen läßt. Vorläufig werde ich, umgeben von einer großen Respektswolke, dort meinen Einzug halten.

Am Donnerstag fahre ich dann noch für ein paar Stunden nach Madiswil, um nach – wie es scheint – vier Jahren4 die dortige Familie wieder einmal zu begrüßen und auch um von Markus und Stöffeli Abschied5 zu nehmen, die sich z. Z. dort befinden.

Von den Ereignissen der vorigen Woche ist noch Folgendes zu berichten: Ich habe nun auch den von Fränzeli so hoch verehrten Serkin nicht nur spielen gehört ­- Beethovens Appassionata in einer schon atemberaubenden Weise, aber auch Bach und Mozart -, sondern auch persönlich kennen gelernt. Er ist ein ganz junger, sehr schlichter Mensch, offenbar komm[unistisch] gerichtet!!, der mich irgendwie als eine Säule der deutschen Freiheit zu betrachten und zu schätzen scheint. Würde dir wahrscheinlich sehr einleuchten! An einem ande|386ren Abend hörte ich dann bei Lindts auch Fränzeli vorspielen und konnte ihre Art jedenfalls billigen. Wieder an einem anderen Abend hörte ich mit Fränzeli – ich war ihr eben in diesen Tagen sehr zugewandt – das Buschquartett6. Noch an einem anderen Abend war ich bei Lindts mit Gilg, Oettli, Schädelin samt ihren Frauen zusammen und mußte viel erzählen. Und gestern Montag endlich habe ich am Vormittag und Nachmittag bei der bernischen «Arbeitsgemeinschaft»7 mitgetan, am Vormittag als Hörer und Hauptdiskussionsredner bei einem Vortrag von Prof. Hoffmann8, der in rührender Weise das «Humanitätsideal» in empfehlende Erinnerung bringen wollte, am Nachmittag selber vortragend9, wonach ich mich umgekehrt mit Hoffmann und neben einigen Anderen besonders mit dem alten religiös-sozialen Vorkämpfer von Greyerz10 auseinanderzusetzen hatte. Die Studenten hätten nachher gesagt, ich sei «in Hochform» gewesen, berichtete Markus, der auch dabei war. Was will man mehr?|

Im Übrigen habe ich dem Direktor des Freien Gymnasiums11 einen Besuch gemacht und konnte vernehmen, daß man mit Stöffeli sehr zufrieden und daß er definitiv in die Sekunda aufgenommen sei. Fer|387ner war ich bei Dr. Bäschlins12 zum Mittagessen, gute, ruhige Leute, die eben im Begriff waren, mit Freunden im Auto nach Rom zu reisen, und gerne meine Berichte und Ratschläge entgegennahmen. Dies dürfte wohl in der Hauptsache Alles sein. Es genügt wohl, wie ich befürchte, dir den Eindruck zu erwecken, daß ich allzusehr in dem dir so wenig sympathischen Leben unserer Talschaft und Familie auf- und untergegangen sei. Ich kann dir aber nur sagen, daß ich durch dies alles hindurchwandle, wie man eben als Erdenpilger durch die verschiedensten Gegenden kommt und doch nirgends zu Hause ist. Es hat keinen Sinn, sich über die Fragwürdigkeiten dieses und jenes Ortes jeweilen noch im Besonderen aufzuregen. Am Samstag werde ich dann noch im selben Sinn die bewußte Klassenzusammenkunft mitmachen und nachsehen, was aus den alten Genossen geworden ist. Du kannst dir denken, daß ich meine Zeit gut zusammenhalten mußte, um inmitten von alledem auch noch die Sache mit Grupper13 gut und ordentlich zu machen. Aber ich glaube, daß sie jetzt im Blei14 ist. Das Vorwort wird mit einem bekannten Wort von dir anfangen15, das allen unseren Freunden an dieser Stelle Freude bereiten wird.

Aus Bonn kam ein Brief von Nelly, der zu zeigen scheint, daß auch dort Alles soweit in Ordnung geht. Nur daß Matthis offenbar in der Schule zunächst wieder bummelt und daß Goeters gekommen sei mit dem Rat, ich solle noch so lange als möglich in der Schweiz bleiben. Den zu befolgen habe ich nun aber nicht im Sinn. Es ist gar nicht abzusehen, warum ich nun nicht am nächsten Montag zunächst nach München zu meiner lb. L. und dann mit ihr an meinen Ort zurückkehren sollte. Es fällt uns hier auf, daß seit etwa drei oder vier Tagen alle Zeitungsnachrichten über die deutsche Kirchenfrage ausbleiben. Bedeutet das wohl, daß es dort in besonderer Weise Katzen zu hageln begonnen hat16? In diesem Fall müßte ich natürlich erst recht endlich wieder dabei sein.

388 Denk, von Grupper kam gestern ein ziemlich kläglicher Brief17. Er hat offenbar gehört, daß ich am Laden der Kanonen sei, und schreibt nun, aus einer Kollegnachschrift sehe er, daß ich ihn mißverstanden habe, und ich solle nach Olten18 kommen, um seine Erklärungen19 entgegenzunehmen. Dies habe ich nun aber abgelehnt.20 «Natur u. Gnade» liege auf dem Tisch des Hauses und müsse zunächst tel quel beantwortet werden. Überhaupt sei ich im Augenblick als Familienvater beschäftigt und unabkömmlich.

Du hast noch gar nichts davon gehört, wie gut es mir in Florenz gefallen hat. Es war schon ein großes Loch, daß wir damals die Uffizien nicht sehen konnten.21 Ich habe sie jetzt mit größter Erbauung nachgeholt und lege dir hier bei, was mir am besten gefallen hat. Besonders Botticelli hat wohl durchgehend Lollo gemeint. Die mediceische Venus lege ich zum Vergleich mit der cyrenäischen bei. Sie ist viel weniger gut als jene, aber doch auch beachtlich und jedenfalls besser als die von Milo in Paris. Unser Gruppenbild22 von jenem letzten italienischen Nachmittag habe ich im Gedanken an dich ein zweites Mal machen lassen. Leider ist der kühne Turm der Signoria nicht mit auf den Hintergrund gekommen. Diese Reise war wirklich eine gute Sache, von der noch viel zu erzählen sein wird. Ich fühlte mich nachher ordentlich aufgebügelt. Ist der Engel auf der Madonna von Lippi23 nicht ein rechter Lausbub?

Aber nun habe ich seitenlang von mir und von hier erzählt. Denke ja nicht, daß ich bei dem allem die drohende deutsche Wolkenwand auch nur einen Augenblick vergessen habe und noch viel weniger |389 mein Figürlein, das sich teils als Eva, teils als Maria24, aber immer leuchtend davon abhebt und das endlich wiederzusehen ich mich doch so freue. Ich bin zu allem bereit, wozu man mich in München haben will. Ach du, wenn du mich doch «irgendwie» so empfangen könntest, wie etwa in Lichtenfels25 oder in Augsburg26 in längst vergangenen Jahren. Aber ich werde auch so kommen wie ein vom Bogen abgeschossener Pfeil, wenn nur erst hier Alles hinter mir liegt. Und dann wird das so inhaltsreiche, wenn auch etwas gefährliche Leben in Deutschland wieder beginnen, dem wir gemeinsam in aller Ruhe entgegengehen wollen. Es wird schon Form annehmen in irgend einer Möglichkeit.

Deine beiden Briefe haben mich erreicht und waren mir sehr lieb. Wenn du mir auf das Ende der Woche noch einmal ausführlich schreiben könntest, auch um mich aus eigener Sicht auf Alles vorzubereiten, so wäre das sehr schön. Aber du mußt dich auf keinen Fall plagen. Laß nichts zu nahe an dich herankommen. Du wirst deine Nervenvorräte noch brauchen können diesen Winter. Nun, wenn wir erst wieder beieinander sind, wird fürs Erste Alles gut sein. Ich schreibe dir dann noch den Zug, mit dem ich in München eintreffe. Willst du es übernehmen, mich bei Lempps anzukündigen und ihm zugleich zu sagen, daß ich mit seinen Vorschlägen für den Inseratenteil, die er mir dieser Tage machte27, völlig einverstanden sei, nicht dagegen mit der Streichung, die er einem meiner Vorworte angedeihen lassen wollte28.

Und nun grüße alle guten Menschen – ob ich deiner Mutter diesmal nicht ungefragt doch einen Besuch mache? ich wäre eigentlich in der Stimmung dazu!! – und laß vor Allem, vor Allem, vor Allem dich selbst in der umfassendsten und intensivsten Weise gegrüßt sein!

Dein
K.

390 Wer wird in ein paar Minuten bei uns zum Mittagessen eintreffen? Dein alter Freund und Seelsorger Kroeker29, der hier eine «Licht im Osten»-Konferenz hatte und diese Einladung unvermeidlich zu machen wußte. Ich weiß wirklich nicht recht, was ich mit ihm anfangen soll.

Sachfußnoten

1
Am 30.9.1934 mit Max Zellweger . ↩
2
Elisabeth Zellweger-Preiswerk (1867–1949), Mutter von Max Zellweger-Barth.↩
3
= der liebe Papa.↩
4
Siehe oben S. 172.↩
5
Anlaß zu diesem Abschied war das von Markus Barth bereits in Bern aufgenommene Theologiestudium und der Wechsel von Christoph Barth auf das «Freie Gymnasium» in Bern.↩
6
Adolf Busch (1891–1952), Violinist, 1918-1926 Professor in Berlin, 1926-1939 in Basel, 1939 Emigration in die USA. Busch gründete das nach ihm benannte Quartett 1919. Sein Schwiegersohn R. Serkin war sein Partner am Klavier.↩
7
 Siehe zur «Theologischen Arbeitsgemeinschaft des Kantons Bern» oben S. 355, Anm. 9.↩
8
 Heinrich Hoffmann (1874–1951), 1912-1944 Professor für Kirchengeschichte in Bern. Sein Vortrag hatte das Thema: «Humanitätsidee und Christentum» (s. dazu die Mitteilung in: ThBl, Jg. 13 [1934], Sp. 360 📖).↩
9
 Siehe oben S. 381, Anm. 4.↩
10
Karl von Greyerz (1870–1949), 1894-1902 Pfarrer in Bürglen bei Biel (Kt. Bern), 1902-1912 in Winterthur (Kt. Zürich), 1912-1918 in Kandergrund, 1918-1935 in der Johannesgemeinde in Bern (Kt. Bern); 1925 wurde unter seiner Initiative die «Soziale Studienkommission» gegründet, um «unsere Kirchen im Geist des Evangeliums zur gründlichen Erkenntnis der sozialen Zustände anzuleiten» und «zu praktischer Stellungnahme zu veranlassen»; Tätigkeit in der «Schweizerischen Vereinigung antimilitaristischer Pfarrer», ab 1937/38 Leiter des «Kirchlichen Friedensbundes der Schweiz» (KFB) (vgl. das Handbuch der reformierten Schweiz, hrsg. vom Schweizerischen Protestantischen Volksbund, Zürich 1962, S. 423.454 📖).↩
11
Dr. Friedrich Schweingruber (1894–1974), Direktor des Freien Gymnasiums von 1928 bis 1961. Vgl. oben S. 126, Anm. 6.↩
12
Bei Dr. Conrad Bäschlin (1878–1951), Bruder von Hans Bäschlin, von 1907-1928 Lehrer an der Neuen Mädchenschule in Bern, 1928-1948 deren Direktor, wohnte Christoph Barth während seiner Berner Schulzeit.↩
13
Die Anfang Oktober 1934 erschienene Schrift von K. Barth, Nein! Antwort an Emil Brunner (ThExh 14), München 1934. 📖 Vgl. oben S. 365, Anm. 1.↩
14
= im Lot, d. h. in Ordnung.↩
15
Siehe K. Barth, Nein!, a.a.O., S. 4 📖: «Ich bin von Natur ein sanftes Wesen und allen unnötigen Streitigkeiten gänzlich abgeneigt.»↩
16
= ein schweres Unwetter begonnen hat.↩
17
Der Brief ist abgedruckt in: Bw.Br., S. 252-256 📖.↩
18
E. Brunner schlug in Wirklichkeit als Treffpunkt Aarau vor und bot zugleich an, für alle Reisekosten aufzukommen (Bw.Br., S. 254 📖).↩
19
Vgl. die nach dem Erscheinen der Streitschrift Barths in der «zweiten, stark erweiterten Auflage» von Brunner hinzugefügten «Erläuterungen»: Natur und Gnade. Zum Gespräch mit Karl Barth, Tübingen 19352, S. 45-60 📖 . ↩
20
Brief vom 1.10.1934 (Bw.Br., S. 256-261 📖).↩
21
Während der Italienreise 1929 (s. oben S. 104, Anm. 1) reichte es auf der Heimreise nur zu einem kurzen Aufenthalt in Florenz am 23.6.1929.↩
22
Abbildung 49 bei Busch, S. 252 📖, s. oben S. 376, Anm. 2.↩
23
Fra Filippo Lippi (um 1406-1469), «Madonna mit Kind und zwei Engeln» (Florenz, Uffizien).↩
24
Siehe oben S. 215 und S. 220.↩
25
Siehe oben S. 244f., Anm. 25.↩
26
Am 9. und 10.3. des Jahres 1929 waren Barth und von Kirschbaum zusammen in Augsburg. Vgl. dazu oben S. 82.↩
27
A. Lempp hatte am 27.9.1934 Barth um dessen Einverständnis gebeten (KBA 9334.919).↩
28
Den Streichungsvorschlag hatte Lempp anscheinend der Sendung der Korrekturabzüge beigefügt, die nicht erhalten sind.↩
29
Jakob Kroeker (1872–1948), mennonitischer Prediger, seit 1910 wohnhaft in Wernigerode/Harz; zahlreiche Reisen nach Rußland bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges. Während des 1. Weltkrieges Vertiefung in Studien zum Alten Testament und der hebräischen Sprache. 1918-1920 hielt Kroeker in Kriegsgefangenenlagern Bibelkurse für russische Soldaten. Diese Erfahrung veranlaßte ihn, 1920 den Missionsbund «Licht dem Osten» (später «Licht im Osten») zu gründen. Ab 1921 fanden in Nöschenrode jährliche Glaubens- und Missionskonferenzen statt. 1931/1932 reiste Kroeker durch Palästina. Barth erzählte dem Studenten Fr. Gehring, seinem Hausgenossen im Wintersemester 1946/47, daß von Kirschbaum in jungen Jahren bei Kroeker eine alttestamentliche Bibelarbeit gehört und danach gemeinsam mit ihm auf Knien gebetet habe. Kroeker oder ein anderer Pfarrer habe sie dann gefragt, ob sie mit ihm nach Jerusalem gehen wolle. Im Sommer 1927 hatte von Kirschbaum gemeinsam mit der Familie Barth die Ferien in Nöschenrode verbracht und Kroeker dort mit Barth besucht (vgl. Bw.Th. II, S. 515f. 📖).↩