406
170
Barth an v.K. in Bonn
[Detmold, 29.11.1934]
(Donnerstag Vormittag)
Pummchen1 wird dir erzählt haben von unserer gemeinsamen (!)
Reise2
und von meiner Predigt gestern
abend3. Nachher hatte ich die |407 Sitzung mit den Ostfriesen und Bentheimern4 und
nachher eine Moderamenssitzung5, nach der ich erst um 1½ Uhr zu Bett kam. In diesem
Diakonissenmutterhaus, in dem auch die Tagung6 stattfindet, werde ich von freundlichen
Diakonissinnen mit einer Spezialaufmerksamkeit verpflegt, die ich7 sonst nur
von L. und etwa von Frau Karwehl8 erfahren habe. Geweckt
wurde ich heute in der Weise, daß |408 ein vierstimmiger
Jungfrauenchor vor meiner Türe einen schönen Lobgesang anstimmte. Und das
Frühstück durfte ich im Zimmer der Oberschwester einnehmen. Sie heißt Schwester
Martha9, und darum hängt an der Wand ein Spruch:
«Jesus hatte Martha lieb» [Joh. 11,5]. Du kannst dir vorstellen, daß ich bei dem
allem und auch beim Anblick dieses gegenüberliegenden Heims10 viel an dich
denken muß. – Die Tagung ist im Gang.11
Obendiek12 hält
eben seinen Vortrag und macht es gut. In Berlin geschehen wunderliche Dinge:
Hossenfelder ist
wieder eingesetzt als Oberkirchenrat.13 Das Kabinett Marahrens hat schon mehrere
zweideutige Schritte14 getan. Und die Regierung –
anerkennt keines von diesen beiden «Kirchenregimentern»15
Es grüßt dich und Alle
409[Am Rand der Abbildung:] Auf dem Balkon liegen
tagsüber die Säuglinge und schreien bald einzeln, bald im Chor, daß es eine
Freude ist.