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von Kirschbaum an B. in
Grindelwald
Nur schnell die Nachricht, daß ich heute nacht um ½12 h wieder hier eingetroffen
bin, empfangen von Wölflein (seit zwei Tagen glücklicher Vater eines
Sohnes!), Träublein und erst noch Schulze
z. W.1! |439 Wir saßen noch bis zur letzten Bahn, und ich erzählte
von Oe[ynhausen], und sie erzählten von dem inzwischen eingetroffenem
bösen Dokument2,
das ja in deinen Händen ist. - Fi[edler] in Oe[ynhausen] sprach mit mir
darüber. Er kommt morgen abend hierher und spricht mit Bl[eibtreu].- Leider kollidiert
das mit Elberfeld, F.
hätte mich gern dabei gehabt. Aber ich gehe nun doch nach E., treffe G[erty] und Ruedi morgen nachmittag in
Köln. Sie bringen dir deine Post von hier mit, wohl auch einen Brief von Horst3, der dich
unbedingt hier haben möchte, was ich strikte untersage!! – Nelly und Joggeli sind
heute mittag nach Kohlfurterbrücke gefahren für einige Tage.4
Matthis und ich hausen allein. Ich will versuchen, heute abend dir
noch einen etwas ausführl[icheren] Brief über die Situation in Oe[ynhausen] zu
schreiben, die mich doch noch unentwegt beschäftigt. – Wie geht es
dir? Die Post bringt nichts Erhebliches. Schlinks Manuskript5 habe
ich direkt an Kaiser
gesandt. Die Druckbogen von Heft 19
📖
bekommst du via Eduard. – Die Schweizer Studenten
traf ich heute in der Stadt (Rensch6, |440
Guidon7, Wiess8). «Oh, wenn er nur nach Basel käme», sagten sie
mit derselben Inbrunst, wie die Deutschen: «Oh, wenn er nur in Barmen bliebe!» – Es ist rührend. Ich glaube nicht mehr an d[as]
Hierbleiben. In dieser Hinsicht war Oe[ynhausen] sehr lehrreich,
nicht als Resignation, aber als Eröffnung neuer Perspektiven.
Davon mehr im Brief. Der theologische Kampf ist sicher in ein zweites und viel
grundsätzlicheres Stadium getreten, in dem die lokale Nähe fast
belanglos wird. Wenigstens scheint es mir so.
Es grüßt dich