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Barth an v.K. in Bonn
Meine Gedanken haben dich gestern den ganzen Tag den Rhein hinunter
begleitet.1 Nun bist du so weit weg, und ich sitze, rauche und klappere ganz allein hier im
Törli.
Ich verbrachte den Tag mit der Abfassung eines gemessenen Briefes an Brunner2, dann mit
Briefen an Lukas Christ3 und
Eduard4. Von Niesel ist eine in ihrer
Schulmeisterlichkeit etwas unerfreuliche Antwort eingetroffen, die die Sache
inhaltlich jedenfalls auch nicht weiter führt.5 Und dann kam die
Sendung von Bleibtreu mit
seiner Nachschrift der Urteilsverkündigung.
Du wirst sie ja durch ihn
selber kennen lernen und sehen, daß sie doch wirklich recht schlimm ist. Die
Frage, was die Leute mit dem «Freispruch»6 nun eigentlich meinten |477 und wollten, erhebt sich dringender als je. Der
juristische Grund dazu erscheint mir so weit hergeholt, daß ich fast nicht
annehmen kann, daß er wirklich ausschlaggebend7 gewesen sei. Und fast
alles Übrige ist ja negativ und in der Form noch unfreundlicher als das Kölner
Urteil.8 Aus Berlin kam auch gestern
und heute keine Antwort.9 Am Abend saßen wir plaudernd und
lesend drüben an der bekannten Stätte.
Heute ist etwas Übles geschehen: ich habe mir ein Loch in das gelbe Jeggjen gebrannt und da
ist keine Fräulein Seifert, die dazu Rat und Hilfe wüßte. Richard meint schnöde, das komme von der
Knechtschaft der Leidenschaft.
478 Was aber wird morgen geschehen? Morgen vormittag werden wir reiten! Liebe Lollo, ich rate dir doch
dringend, in Bonn noch einmal eine Reitstunde oder zwei zu nehmen, um dich
wieder in Form zu bringen, damit du nachher hier auch gleich mit Freuden mittun
kannst. Bitte tu mir’s zu Liebe, auch wenn’s dich im Augenblick nicht lockt.
Heute abend aber dürfen wir ins Kino und
uns einen französischen Film ansehen.
Als weiterer Sport wurde übrigens gestern abend das Schießen mit einem
Luftgewehr aufgenommen. Frieder (!) obsiegte, während ich immerhin gleich viel wie Rudi und
mehr als der Gardefüsilier Karwehl konnte.
Sag, du könntest mir doch das Buch über Mazarin10 hieher mitbringen. Ich lese eben den aus München
mitgebrachten Richelieu11 und würde diese Fortsetzung gerne zur Kenntnis nehmen.
Bitte bring mir auch das Kuvert mit den Vorträgen, Protokollen etc. für St.
Gallen12.
Wie mag es dort gehen? Du bist gewiß reichlich beschäftigt und in Anspruch
genommen, aber dennoch weder aggressiv noch ungeduldig, sondern voll jener Lindigkeit, die ich dir so
anschaulich und aufmunternd vorlebe.
Eben erwarte ich Eberhard13 aus Bubendorf zu einem Gespräch über Kohlbrügge und über
kavalleristische Möglichkeiten.
Sei mir gegrüßt und grüße auch Nelly, die Büblein, Hertha und alle guten Menschen. Einen vorläufigen
Bericht über deine Tätigkeit würde ich mit großem Beifall aufnehmen.