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von Kirschbaum an B. auf dem Bergli
Gestern war ich in Gedanken fast ununterbrochen daran, dir zu schreiben. Dein
Telefon1 kam mitten in einem Schwarzen Kaffee mit
H. W. Landgrebe.
Ja, nun ist es also
so. Die
Notiz in der Kölner2 wirst |482 du noch in Bubendorf bekommen haben.
Sachlich ist es nun eigentlich doch Alles deutlich geworden,
was wir deutlich haben wollten3, und wie die Kirche und wie vor allem die
Theologieprofessoren nun weiter Versteck spielen wollen4, ist mir unklar.
Für dich bin ich eindeutig froh; froh, daß du heraus darfst aus dem
Kessel, und froh, daß du nun flott an die notwendige Arbeit kannst. Das
Naheliegendste ist nun die Wohnungssuche. Hast du Marguerite wohl bereits um
eine Vorsuche gebeten? Nelly wird zusehends nervöser, und es wird wohl das Beste sein, sie
reist in den nächsten Tagen |483 hinunter und sucht selbst.
Du kannst ja dann beim letzten Wort dabei sein und
dich vorher ein wenig absentieren und schonen. Wenn du dann nur deutlich machst,
welche Wünsche wir hinsichtlich dieser Wohnung haben. – Es geht hier bis jetzt ruhig
und gut, und ich bin innerlich eigentlich zu stark beansprucht mit dem Fortgang,
als daß ich in den äußeren Dingen nun nicht fast erleichtert Nelly ihren Lauf
lasse. Hier will ich dann schon auf dem Posten sein, auch hinsichtlich des
Packens und vor Allem hinsichtlich der Einleitung der ganzen Sache bei den
Behörden etc. Ob ich den Tanz bis zuletzt mitmache und nicht, wenn
Nelly von
Basel zurück ist, wieder zu dir aufs Bergli eile, lasse ich mir allerdings
offen. Denn das Letzte machen ja im Grunde dann doch die braven
Packer, und es
ist dann vielleicht besser, man schont sich gegenseitig!!
Heute morgen hörte ich eine gute
Predigt von Traub. Mit den
Studenten sprach ich
auch, und vielleicht fahre ich doch noch zu Hesse nach Elberfeld. Sein Sohn5 riet mir zu.
Dank für deinen Brief und die Reiterkarte. Welch schöne Aussicht, mit dir durch
den Wald zu reiten!
Ich bin nicht traurig, Karl, oder doch ein bißchen traurig, aber nicht
ungetröstet. Behüt dich Gott. Ich habe dich sehr lieb. Verzeih, wenn ich
flüchtig schreibe, gleich kommen Frau Wolf6 und Frau Schlomka.
Grüße Alle.
Matthis jubelt! Und Joggeli ist
mein Trost, nein, ein Trost!