Brief Nr. 210 · 30. Juni 1935

Charlotte von Kirschbaum an Karl Barth auf dem Bergli

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L. K.

Eben frug mich das Nönnlein: Was lesen Sie denn da Schönes? Ich lachte nur. Es hieß: Es ist gut.1

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Bei Mondeschein im Paradeis
Fand Jehovah im Schlafe tief
Adam versunken, legte leis
Zur Seit’ ein Evchen, das auch entschlief.
Da lagen nun, in Erdeschranken,
Gottes zwei lieblichste Gedanken. –
Gut!!! rief er sich zum Meisterlohn;
Er ging sogar nicht gern davon.
       
Kein Wunder, daß es uns berückt,
Wenn Auge frisch in Auge blickt,
Als hätten wir’s so weit gebracht,
Bei dem zu sein, der uns gedacht.
Und ruft er uns, wohlan, es sei,
Nur, das beding ich, alle zwei.
Dich halten dieser Arme Schranken,
Liebster von allen Gottes-Gedanken.
       

­Lieber Karl, du hast heute zu Hause angerufen. Schreib mir doch einmal: Krankenhaus, Bd. Honnef a. Rh., Z. 12.

Das Loch im Kopf ist groß (4 cm im Quadrat) und tut weh. Aber das Loch im Herzen noch mehr. –

Der Chirurg meinte heute, ich müßte zehn Tage hier im Krankenhaus bleiben. Das hoffe ich nicht. Warten wir ab. Ich habe es gut hier.

Grüße Alle. Wie war es mit Emil?

Hast du auch ein bißchen Sehnsucht??

D.
L.

Sachfußnoten

1
J. W. von Goethe, «Es ist gut», in: West-östlicher Divan, Buch der Parabeln 📖.↩