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von Kirschbaum an B. in
Basel
[Bad] Honnef, 12.7.1935 [II]
Nun kommt die letzte Karte, und am Sonntag nachmittag kommt «sie» dann selbst,
und sie freut sich sehr auf dich. – Gelt, du bist jetzt in einer kleinen Engelschule? Ja, ja!! – Ich
hingegen bin ganz fröhlich und voll jenes «inneren Seelenfriedens», den du mir sonst so vorbildlich
vorlebst!! – Ach, lieber, lieber Karl. In acht Tagen
wissen wir schon fast nicht mehr, daß wir solange getrennt waren. – Die
Strapazen gestern habe ich gut überwunden. Hier wurde ich gleich aufgefangen von
den liebevollen Händen von Schwester Helene mit einem Kaffee und – einem
Fichtennadelbad!! – Dann am späten Abend ging’s noch zur Ärztin. Wir trennten uns mit einer plötzlichen ganz intimen Regung ihrerseits
und der Bitte, ihr einmal zu schreiben. Sie riet mir sehr übrigens, mich doch
noch an die Ortskrankenkasse
Bonn zu wenden, ich hätte durchaus Ansprüche. Ich lasse, wenn ich das Geld
bekomme, es via Traub an Lempp
gehen. Hinsichtlich des Geldes, das ich dir für die Couch noch
schulde, spreche ich dann mündlich mit dir. Ich muß davon hier etwas dem
Studenten Heitmann1 geben, der einfach nicht weiß, wovon leben, wenn Wolfs jetzt auch
fortgehen. Aber sage davon zu N. nichts. Wir einigen uns darin
gewiß. – Das Andere geht auch zu Lempp. – Und 500 Mark bringe ich also mit. – Morgen, den letzten
Abend, bin ich noch mit Fr. Schlomka
bei Wolfs.
Nachmittags kommen Schulzes,
Landgrebes
und Bleibtreu zu
einem Abschied zu Fr. Schlomka, den ich auf deren Chaiselongue absolvieren darf. Dann ist auch
das Letzte hier vorüber. – Hast du «Augsburg»2
gelesen? Ich unter Zornausbrüchen!! Alle sind auf den Leim
gegangen. Auch H. Asmussen!!
559Es grüßt dich
«Wir»3 machen eine Predigt für
Sonntag: «Ihr seid das Salz der Erde… ihr seid das Licht
der Welt…» [Mt. 5,13f.]